1878 – Eadweard Muybridge, 360° San Francisco

Von dem Aussichtspunkt auf einem Dach aus fertigt Muybridge dreizehn fotografische Aufnahmen des Blicks auf San Francisco an. Hierfür dreht er sich mit seiner Kamera im Uhrzeigersinn und macht nach und nach, über einen Zeitraum von rund fünf Stunden die Aufnahmen. Die dreizehn Bilder fügt er dann zu einer Panoramaansicht mit den Maßen 53,3 × 520,1 cm zusammen. Insbesondere aufgrund der sich verändernden Lichtverhältnisse und Montagearbeiten zeigt dieses fotografische Panorama seine Entstehung über einen längeren Zeitraum selbst an. Die zusammengefügten Albumindrucke wurden, als eine Art Rundblickserie, flachliegend präsentiert. – Clara Wörsdörfer

Literatur / Quellen:

  • Vielkind, Andrew: „Ernie Gehr’s Side/Walke/Shuttle. Panorama of an Invisible City“. In: On the viewing platform. The panorama between canvas and screen, hg. von Katie Trumpener und Tim Barringer, New Haven/London: Yale University Press 2020, S. 244–259, S. 246 f.

Weblinks:

🖙 New York Historical Society
🖙 Muybridge, Panorama San Francisco, Collection of the Society of California Pioneers

Schlagwörter: (Aus-)Faltung, 360°, Ästhetik, begrenzte Allheit, Bild, bildvisuell, Denkmal, Didaktik, faktual, Fernblick, Foto, Gesamtprojektion, geschlossen, Großtableau, Medialpanoramatik, Medieninstallation, mimetisch, Panoramabild, Rahmenexpansion, Technik, Überbreite, Unterhaltung, Wissenschaft, Zeitensynopse, Zugleichspräsentation

1873 – Jules Verne Reise um die Erde in 80 Tagen


Realgeschichtlicher Bezugspunkt für Vernes Erfolgsroman ist die Reise des Amerikaners George Francis Train, der 1870 in 80 Tagen die Erde umrundete. Der fiktive Romanheld, der Brite Phileas Fogg, der nicht gern verreist, wettet 1872 in seinem Herrenclub 20.000 Pfund darauf, dass es ihm gelingt, in 80 Tagen einmal um die Erde zu gelangen. Mit seinem Diener Passepartout reist er mithilfe moderner Transportmittel wie Dampfschiff und Eisenbahn, aber auch per Elefant oder zu Fuß. Dabei erlebt er unablässig Abenteuer und Attraktionen, die sich in ihrer rasanten Abfolge wie der Pionierlauf zu einer panorama-touristischen Sightseeing-Weltreise ausnehmen und Affinitäten zu zeitgleichen Moving-Panorama-Shows aufweisen. Spannungsmoment ist der ständige Wettkampf gegen die Zeit und mannigfache Hindernisse. Nach knapp über 80 Tagen erlebter Fahrtdauer erreicht Fogg wieder seinen Londoner Herrenclub – im Glauben, die Wette verloren zu haben. Als Folge der Erdumrundung gen Osten und der daraus resultierenden Zeitverschiebung hat Fogg aber einen Kalendertag und somit auch die Wette gewonnen. – Naemi Dittes | Johannes Ullmaier

Literatur / Quellen:

  • Verne, Jules: Reise um die Erde in achtzig Tagen [1873], Zürich: Diogenes 1973

Weblinks:

🖙 Wikipedia

Schlagwörter: Ästhetik, begrenzte Allheit, Buch, Didaktik, fiktional, Gesamtprojektion, geschlossen, Kugel, Laufpräsentation, Medialpanoramatik, mimetisch, Moving Panorama, Organisation, panoramatische Erzählung, Rundband, symbolisch, Technik, Text, textuell, Unterhaltung

1863 – Karl Julius Ploetz, Datenkompendium zur Weltgeschichte

Unter dem Titel Auszug der alten, mittleren und neueren Geschichte als Leitfaden und zu Repetitionen vespricht der Vorläufer der heute als Der Große Ploetz bekannten, 2008 in 35. Auflage erschienenen „Daten-Enzyklopädie der Weltgeschichte“ eine „objektive Zusammenstellung“ der wichtigsten, historischen Ereignisse, chronologisch geordnet und „in übersichtlicher Gruppierung“. – Bernd Klöckener

Literatur / Quellen:

  • Ploetz, Carl: Auszug der alten, mittleren und neueren Geschichte als Leitfaden und zu Repetitionen, Berlin: F. A. Herbig 1863

Weblinks:

🖙 Wikipedia

Schlagwörter: begrenzte Allheit, Bild, bildvisuell, Buch, Denkmal, Diagramm, Didaktik, faktual, geordnet, Gesamtkompendium, Karte, Laufpräsentation, Medialpanoramatik, Organisation, schematisch, Speicher, symbolisch, Tabelle, Technik, Text, textuell, Universalchronik, Wissenschaft, Zugriffspräsentation

1851 – Wyld’s Great Globe


Mehrstöckig von innen begehbarer Globus von fast 19 m Durchmesser, auf dessen Innenwand die Erdoberfläche zu besichtigen ist. Sein Erfinder und Betreiber, der englische Kartograf James Wyld, lässt dieses Kugelpanorama bzw. Georama am Londoner Leicester Square errichten, nachdem es sich für den Crystal Palace, in dem es ursprünglich im Rahmen der ersten Weltausstellung hätte stehen sollen, als zu voluminös erwiesen hat. Anfangs ein großer Publikumserfolg, wird der Globus 1862 infolge abebbenden Interesses geschlossen. – Johannes Ullmaier

Literatur / Quellen:

  • Oettermann, Stephan: Das Panorama. Die Geschichte eines Massenmediums, Frankfurt am Main: Syndikat 1980, S. 72 f.

Weblinks:

🖙 Wikipedia
🖙 Wikpedia Georama

Schlagwörter: 360°, Ästhetik, Bauwerk, begrenzte Allheit, Bild, bildvisuell, Denkmal, Diagramm, Didaktik, Event/Performance, faktual, Gesamtprojektion, geschlossen, Globus, Karte, Kugel, Laufpräsentation, Medialpanoramatik, Medieninstallation, mimetisch, Rundbau, schematisch, Skulptur, Technik, Text, Unterhaltung, Weltkarte, Zentralblickpunkt, Zugleichspräsentation

1851 – Great Exhibition Erste Weltausstellung


Im Londoner Hyde Park findet vom 1. Mai bis 15. Oktober die erste von seither über dreißig Weltausstellungen statt, hier noch in einem einzigen monumentalen Ausstellungsgebäude, dem eigens dafür errichteten, in seiner gläsernen Anlage selbst panoramatischen Crystal Palace; ab der vierten (1867) dann verteilt auf einzelne Länderpavillons. Die erste Weltausstellung ist, wie alle frühen, vor allem eine technisch-industrielle Leistungsschau, auf der sich verschiedene Erdregionen, anfangs unter starker Dominanz der westlichen Kolonialmächte, ihre Errungenschaften vorführen. Später kommen immer mehr thematische und kulturverbindende Aspekte mit hinzu, seit der Milleniumswende zunehmend auch außerwestliche Perspektiven. In allen Phasen bleibt das Format jedoch das erdzivilisations-panoramatische Event par excellence, was sich auch in einer Fülle markanter panoramatischer Einzelpräsentationen (vom Eiffelturm bis zu Stockhausens Kugelauditorium) widerspiegelt. – Johannes Ullmaier

Literatur / Quellen:

  • Antonelli, Paola/Kultermann, Udo/Van Dyk, Stephen: Weltausstellungen 1933–2005. Architektur Design Graphik [2007], München: DVA 2008
  • Garn, Andrew: Weltausstellungen 1933–2005: Architektur Design Graphik, München: DVA 2008

Weblinks:

🖙 Wikipedia

Schlagwörter: Ästhetik, auditiv, Bauwerk, begrenzte Allheit, Bild, bildvisuell, Denkmal, Didaktik, Event/Performance, faktual, fiktional, Gesamtkompendium, Gesamtprojektion, haptisch, Konzept/Idee, Laufpräsentation, Medialpanoramatik, Medieninstallation, mimetisch, offen, Organisation, panoramatische Diskursform, schematisch, Skulptur, symbolisch, Technik, Text, textuell, Unterhaltung, Utopie/Dystopie, visuell, Zugleichspräsentation

1848 – George Cooke-Lambert, Panorama der Taunus-, Main-Neckar und Badischen Eisenbahn

Kombination aus panoramatisch gestalteter Landkarte, Reiseführer und Kursbuch. Der dreisprachige (dt., engl., frz.) Erläuterungstext bietet eine vollständige Liste der an diesen Bahnlinien gelegenen Orte (mit Gasthöfen und Sehenswürdigkeiten) sowie die Tarife für sämtliche Verbindungen. Frühes Beispiel für das seither in wechselnden Medien stabile Genre des touristischen Reiseüberblicks. – Bernd Klöckener

Weblinks:

🖙 Digitalisat

Schlagwörter: begrenzte Allheit, Bild, bildvisuell, Buch, Diagramm, Didaktik, faktual, geordnet, Gesamtkompendium, Gesamtprojektion, Karte, Medialpanoramatik, Organisation, schematisch, Speicher, symbolisch, Tabelle, Technik, Text, textuell, Überwachung, Unterhaltung, Zeitensynopse, Zugleichspräsentation, Zugriffspräsentation

1846 – John Banvard, Moving Mississippi-Panorama Three-Mile Painting

Prototypisch für die genuin us-amerikanische Panorama-Entwicklung vereinigt John Banvard’s Mammoth Panorama of the Mississippi River Bewegung, Landschaft, Show, Rekordgröße, Self-Made-Erfolg und Vergänglichkeit. Auch wenn sein auf Basis jahrelanger eigener Recherchen vor Ort erstelltes Riesengemälde des (real 3778 km langen) Mississippi-Ufers nicht die mythisch kolportierten „drei Meilen“ (ca. 4,8 km) Leinwandbreite respektive Vorführlänge erreicht, bringt ihm das publikumswirksam moderierte und nach der Bostoner 1846er-Premiere vielerorts wiederholte Abrollen seiner de facto immerhin 369 m breiten bzw. langen und ca. 3,6 m hohen Panoramaleinwand großen Ruhm und Reichtum, bevor Streitigkeiten mit der Konkurrenz losbrechen. Dass Banvards Leinwand – nie dupliziert und durch den Transport (auch nach Europa) zunehmend vernutzt – für alle Zeit verloren scheint, macht sie vollends zum Mythos. – Johannes Ullmaier

Literatur / Quellen:

  • Huhtamo, Erkki: Illusions in Motion. Media Archaeology of the Moving Panorama and Related Spectacles, Cambridge, MA: MIT Press 2013, S. 176–179, 186–191

Weblinks:

🖙 Wikipedia
🖙 Kurzdarstellung

Schlagwörter: (Aus-)Faltung, Ästhetik, auditiv, begrenzte Allheit, Bild, bildvisuell, Didaktik, Event/Performance, faktual, fiktional, Gemälde, geordnet, Gesamtprojektion, Großtableau, Immersion, Laufpräsentation, Medialpanoramatik, Medieninstallation, mimetisch, Moving Panorama, Naturpanorama, Panoramabild, Technik, Überbreite, Universalchronik, Unterhaltung

1845–1848 – Heinrich Berghaus, Physikalischer Atlas


Die Erfolgsgeschichte der sogenannten ‚thematischen‘ Kartographie setzt, von einigen Vorläufern abgesehen, um 1800 ein. Zwar sind genau genommen alle Karten ‚thematisch‘, spätestens wenn sie neben topographischen Merkmalen etwa Staatsgrenzen verzeichnen – doch ist der Ausdruck halbwegs funktional, um das Verfahren zu bezeichnen, das im Alternativtitel des ersten thematischen Atlas, desjenigen von Heinrich Berghaus, prägnant umschrieben wird: Sammlung von Karten, auf denen die hauptsächlichsten Erscheinungen der anorganischen und organischen Natur nach ihrer geographischen Verbreitung und Vertheilung bildlich dargestellt sind. Das Supermedium Atlas, mit seiner Verschaltung der Totalitätsformen Karte und Buch (1570), kann damit nicht mehr ‚nur‘ das Ganze in eine Zusammenschau bringen, sondern auch alles, was dort an verschiedenen Stellen unterschiedlich ist: etwa Tiere, Pflanzen oder Bekleidungsweisen menschlicher Erdbewohner. Heute kommt ja kaum ein Wikipedia-Artikel ohne eine Karte dieses Typs aus, auf der beispielsweise die Geschichte der Durchsetzung des metrischen Systems mit unterschiedlich kolorierten Ländern veranschaulicht wird. Berghaus’ Atlas ist, wie es im Untertitel einer späteren Ausgabe (von 1851) heißt, „unter der fördernden Anregung Alexander’s von Humboldt“ entstanden und sollte ursprünglich zusammen mit dessen Kosmos (1845–1862) erscheinen – ein Vorhaben, das dann bei dessen Neuausgabe (Humboldt, Kosmos) realisiert wurde, der ein Reprint von Berghaus’ Atlas beigegeben ist. – Robert Stockhammer

Literatur / Quellen:

  • Humboldt, Alexander von: Kosmos. Entwurf einer physischen Weltbeschreibung [1845–1862], Frankfurt am Main: Eichborn 2004

Weblinks:

🖙 Digitalisat

Schlagwörter: Ästhetik, begrenzte Allheit, Bild, bildvisuell, Buch, Didaktik, Draufblick, faktual, Gesamtkompendium, Gesamtprojektion, Karte, Medialpanoramatik, Organisation, schematisch, symbolisch, Technik, Text, textuell, Weltatlas, Weltkarte, Wissenschaft, Zeichnung, Zugleichspräsentation, Zugriffspräsentation

1840–1842 – Les Français peints par eux-mêmes


Umfassend angelegtes Kompendium sogenannter ‚Typen‘ der französischen (bzw. Pariser) Gesellschaft. Die einzelnen Teile wurden zuvor in Form kleiner Hefte an Abonnenten verkauft. Für das Sammelwerk habe man, so schreibt der Herausgeber, „alle Klassen der Gesellschaft“ erkundet und sondiert. Die Typen werden jeweils mit einer kleinen grafischen Illustration, einer möglichst sprechenden Bezeichnung und einem kleinen charakterisierenden Text präsentiert. Das Werk zählt zu der umfangreichen Produktion sogenannter druckgrafischer und literarischer „Physiologien“ des 19. Jahrhunderts. – Clara Wörsdörfer

Literatur / Quellen:

  • Men, Ségolène le/Abélès, Luce/Preiss-Basset, Nathalie: Les Français peints par eux-mêmes. Panorama social du XIXe siècle, Ausst.-Kat. Paris, Musée d’Orsay, Paris: Musée d’Orsay 1993
Schlagwörter: begrenzte Allheit, Bild, bildvisuell, Buch, Didaktik, Enzyklopädie, faktual, Gesamtkompendium, Laufpräsentation, Medialpanoramatik, offen, Organisation, schematisch, symbolisch, Technik, Text, textuell, Zeichnung, Zugriffspräsentation

1840 – Adalbert Stifter, Der Condor

1840 als literarisches Debüt des Autors veröffentlicht, schildert Stifters Erzählung die zerbrochene Jugendliebe des Malers Gustav und der emanzipationswilligen Cornelia. Im Zentrum des an Jean Pauls Ballon-Motivik anknüpfenden Werks steht der Konflikt um Cornelias entgegen Gustavs Warnung unternommene Ballonfahrt über die Alpen. Allerdings erweist sich die Höhenerfahrung für Cornelia als überfordernd: „Erschrocken wandte die Jungfrau ihr Auge zurück, als hätte sie ein Ungeheuer erblickt – aber auch um das Schiff herum wallten weithin weiße, dünne, sich dehnende und regende Leichentücher – von der Erde gesehen – Silberschäfchen des Himmels. – Zu diesem Himmel floh nun ihr Blick – aber siehe, er war gar nicht mehr da: das ganze Himmelsgewölbe, die schöne blaue Glocke unserer Erde, war ein ganz schwarzer Abgrund geworden, ohne Maß und Grenze in die Tiefe gehend.“ (Riha (Hg.) Reisen im Luftmeer, S. 69). Als Cornelia schließlich in Ohnmacht fällt, muss die kostspielige Fahrt abgebrochen werden: „‚Wir müssen niedergehen; die Lady ist sehr unwohl.‘ Der alte Mann stand auf von den Instrumenten und sah hin, es war ein Blick voll strahlenden Zornes, und ein tief entrüstetes Antlitz. Mit überraschend starker Stimme rief er aus: ‚Ich habe es dir gesagt, Richard, das Weib erträgt den Himmel nicht –.‘“ (Riha (Hg.) Reisen im Luftmeer, S. 170). Der in Stifters fiktiver Handlungskonstellation nahegelegte weibliche Mangel an celestischer Panorama-Akkommodationsfähigkeit (vgl. etwa auch Riha (Hg.) Reisen im Luftmeer, S. 116), der in der Realgeschichte der Ballonfahrt nicht signifikant zu belegen ist (eher im Gegenteil, vgl. Riha (Hg.) Reisen im Luftmeer, zum Beispiel, S. 125), ebenso wenig wie umgekehrt etwa eine pauschale weibliche Sensibilität für die abgründige Erhabenheit kosmischer Seheindrücke, gibt Anlass zur Diskussion historischer Gender-Stereotype, wie sie analog auch im Diskurs um angebliche Überforderungssymptome von Frauen und Kindern beim Panorama-Besuch auftreten. – Naemi Dittes | Johannes Ullmaier

Literatur / Quellen:

  • Stifter, Adalbert: Studien 1. Sämtliche Werke, Bd. I, Prag: Calve 1904
  • Riha, Karl (Hg.): Reisen im Luftmeer. Ein Lesebuch zur Geschichte der Ballonfahrt, München/Wien: Hanser 1983, S. 161–170

Weblinks:

🖙 Wikipedia
🖙 Springer Link

Schlagwörter: Ästhetik, begrenzte Allheit, Buch, Didaktik, Draufblick, Fernblick, fiktional, Laufpräsentation, Medialpanoramatik, Naturpanorama, Panoramaflug, panoramatische Erzählung, symbolisch, Technik, Text, textuell, Unterhaltung, visuell