2024 – Brücke der nationalen Einheit (Ungarn)


Die Brücke der nationalen Einheit (auch: Brücke des nationalen Zusammenhalts, ungarisch: Nemzeti összetartozás hídja) ist eine Fußgängerbrücke in Sátoraljaújhely im Nordosten Ungarns. Sie ist mit einer Spannweite von 723 Metern die längste Fußgänger-Hängebrücke der Welt. Das Bauwerk ist Teil des Zemplén-Abenteuerparks und verbindet die Berge Szárhegy und Várhegy im Tokajer Gebirge. Aus einer Höhe von 80 Metern bietet die Brücke imposante Ausblicke auf die umliegenden Wälder, das Zemplén-Gebirge sowie bis zur slowakischen Grenze. Wer über die Hängebrücke spaziert, muss schwindelfrei sein, denn in der Mitte befindet sich ein acht Meter langer Glassteg. Dieser bietet den Besuchern einen allseitigen Ausblick und besonderen Nervenkitzel. – Jakob Wallis

Weblinks:

🖙 Reisereporter
🖙 Wikipedia

Schlagwörter: Ästhetik, Bauwerk, begrenzte Allheit, Denkmal, Draufblick, faktual, Fernblick, geordnet, haptisch, Laufpräsentation, Organisation, Panoramaflug, Realpanoramatik, Technik, visuell

2021 – Bauprojekt THE LINE (Saudi-Arabien)

THE LINE ist ein vom saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman angekündigtes Bauprojekt im Nordwesten Saudi-Arabiens und Teil der Entwicklungsregion NEOM. Der Name lässt sich zum einen aus dem altgriechischen Wort NEO, das für neu steht, und zum anderen aus dem Buchstaben M herleiten. Das M ist hierbei eine Abkürzung für MSTACBEL, was den Initialen der wichtigsten Projektsektoren Medien, Sport, Technologie, Advanced Manufacturing (Fortgeschrittene Industrie), Kultur, Biotechnologie, Energie und Livability (Lebensqualität) entspricht. Des Weiteren ist das M der erste Buchstabe des arabischen Wortes für Zukunft (mustaqbal) sowie des Namens der Königlichen Hoheit Prinz Mohammed bin Salman.

Ursprünglich ist eine 170 km lange, 500 m hohe und 200 m breite Stadt geplant, die von zwei durchgehenden und parallel verlaufenden Glasfassaden begrenzt wird. „Versprochen wird, mit innovativen Technologien eine nachhaltige Transformation des Landes in Gang zu bringen und die eigenen Fähigkeiten unter Beweis zu stellen, durch die Realisierung futuristischer wie utopisch anmutender Vorhaben als globaler Innovator voranzuschreiten“ (Mauer / Sommerlad, Panorama der Zukunft, S. 521). Architektonisch ist das Bauprojekt nach innen gerichtet: Statt auf die real umgebende Wüstenlandschaft soll der Blick der Bewohner auf die die künstliche Welt zwischen den hohen Fassade gelenkt werden.

Die Stadt soll zu 100% mit erneuerbaren Energien betrieben werden, geringe CO2- Emissionen aufweisen und Autos sowie Straßen überflüssig machen. Ermöglichen soll das ein Hochgeschwindigkeitszug, der die gesamte Länge der Stadt in 20 Minuten durchmisst. Die Vision steht jedoch alsbald in der Kritik: „Ein wichtiger Aspekt der menschlichen Agentur dieser Behauptung, der relevant ist, aber nicht erwähnt wird, ist, wie indigene Völker vertrieben wurden, damit Platz für NEOM-Projekte geschaffen werden konnte.“ (Lazos, Analyzing the Environmental and Social Factors). Außerdem liegen Berichte über schlechte Arbeitsbedingungen vor. Auch das Nachhaltigkeitsversprechen wird aufgrund des hohen Ressourcenverbrauchs bezweifelt. Am 1. November 2025 werden die Arbeiten an der futuristischen Wüstenstadt aufgrund zu hoher Kosten gestoppt. Die Zukunft von THE LINE ist ungewiss. – Mina Schneider / Ilja Papenheim (2026)

Literatur / Quellen:

  • Mauer, Roman / Elisabeth Sommerlad: „Panorama der Zukunft. Filmkartographischer Blick auf Städte im Science-Fiction-Film und im Golf-Futurismus“. In: Roman Mauer, Johannes Ullmaier, Clara Wörsdörfer (Hg.). Alles im Blick. Perspektiven einer intermedialen Panoramatik. Wiesbaden: Spinger VS 2025, S. 491‐535.
  • Musset, Alain. „Neom and the line (Saudi-Arabia): Futuristic Utopia or Urban nightmare?“ In: L’Information géographique 1 (2023), S. 139‐161.
  • Liermann, Sandra. „Baustopp bei ‚The Line‘ – das Ende der großen Vision?“ In: Frankfurter Allgemeine Zeitung , 1. November 2025
  • Lazos, Nidia: Analyzing the Environmental and Social Factors of the Saudi Arabian Project „The Line“. KU Libraries, Kansas 2022.

Weblinks:

🖙 YouTube-Video zum Projekt
🖙 NEOM-Webseite

Schlagwörter: Ästhetik, Bauwerk, begrenzte Allheit, bildvisuell, Denkmal, faktual, geordnet, geschlossen, haptisch, Immersion, Inhaltspanoramatik, Konzept/Idee, Organisation, Realpanoramatik, Technik, Überbreite, Überwachung, Unterhaltung, Utopie/Dystopie, visuell

2021 – 360°-Panorama-Foto des Marskraters Jezero

Am 21. Februar nimmt die Kamera Mastcam-Z des Mars-Rovers Perseverance auf Sol 3 (dem dritten Marstag seiner Mission) ein 360-Grad-Panorama des Jezero-Kraters auf. Aus 142 Einzelbildern, die auf der Erde zusammengesetzt werden, entsteht so erstmals ein nahtloser Rundumblick reiner Marslandschaft, der auch den Kraterrand von Jezero zeigt.

Die zentrale Bedeutung liegt in der immersiven Vermittlung einer fremden Umgebung: Durch die vollständige räumliche Erfassung lässt sich die Marsgegend rund um das Landungsgebiet in ihrer geologischen Struktur und Topografie ganzheitlich überblicken. Das Panorama ist hochauflösend, zeigt Details von Felsen in der Nähe des Rovers ebenso wie entfernte Strukturen am Kraterrand und erlaubt so weitreichende geologische Interpretationen. Allerdings gibt es nicht die volle Sichtrealität wider: Durch das Zusammensetzen der Bilder („Stitching“) können Verzerrungen entstehen. Zudem bleibt die Perspektive auf den Mast des Rovers fixiert.

Der panoramatische Aspekt besteht darin, dass diese Ansicht nicht nur ästhetisch faszinieren kann, sondern gezielt für wissenschaftliche Zwecke aufgenommen wurde: Geologen untersuchen Schichtungen, Gesteinsformationen und die Morphologie des Kraterrands. Der Mars-Rover wird auch dazu genutzt, um zeitliche Veränderungen im Gesteinsaufbau, in der Atmosphäre und durch den jahreszeitlichen Wandel auf dem Roten Planeten zu messen. Es ist die erste Mission, bei der ein Himmelskörper geologisch zeitlich (auf seine sog. „deep time“ hin; ➚  James Hutton, Ausweitung des Erdzeithorizonts) untersucht wird. Zwar gibt es Vorläufer, frühere Panoramen von Rovern wie Curiosity, doch das Jezero-Panorama ist besonders, weil es am künftigen Probenentnahmepunkt der Perseverance-Mission entstanden ist. So vermittelt es eine ‚Panoramatik des Fremden‘: Es öffnet den Blick auf eine ferne, ehemals wasserreiche Marslandschaft und verbindet zuvor unerreichte visuelle Ganzheit mit wissenschaftlicher Erkenntnis. – Nico Weingardt (2026)

Literatur / Quellen:

Weblinks:

🖙 NASA – Mastcam-Z Pressebericht
🖙 Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt

Schlagwörter: 360°, Ästhetik, begrenzte Allheit, Bild, bildvisuell, Didaktik, faktual, Foto, geordnet, Gesamtprojektion, geschlossen, Medialpanoramatik, mimetisch, Panoramabild, Rundband, Technik, Wissenschaft, Zeitensynopse, Zentralblickpunkt, Zugleichspräsentation

2021 – Rébecca Dautremer, Eine winzig kleine Sekunde

Großformatiges Buch, das die ‚Geschichte einer einzigen Sekunde‘ erzählen möchte. Anhand von 100 Figuren, die sich über ein mehr als 2 m breites Ausklapp-Tableau verteilen und deren je aktuelle Lage im Beibuch jeweils in einem kurzen Abschnitt beschrieben wird, entfaltet sich das Panorama einer augenblicklichen Geschehnislage. – Johannes Ullmaier

Literatur / Quellen:

  • Dautremer, Rébecca: Eine winzig kleine Sekunde, Berlin: Insel 2022
Schlagwörter: (Aus-)Faltung, Ästhetik, begrenzte Allheit, Bild, bildvisuell, Buch, Draufblick, Ekphrasis, fiktional, Gemälde, geordnet, Gesamtprojektion, Großtableau, Laufpräsentation, Leporello, Medialpanoramatik, Mikropanoramatik, mimetisch, Panorama-Beschreibung, Panorama-Diskurs, Panoramabild, panoramatische Erzählung, Rahmenexpansion, schematisch, Text, textuell, Überbreite, Universalchronik, Unterhaltung, Wimmelbild, Zeitensynopse, Zugleichspräsentation

2021 – Der neue Kosmos Welt-Almanach & Atlas

Ein Verlag, dessen Name wohl nicht zuletzt auf Alexander von Humboldts buch-panoramatisches opus magnum (1845–1862) anspielt, unternimmt im Jahr 2020 etwas Erstaunliches: Er setzt, nach nur kurzer Unterbrechung, den mit seiner 60. Ausgabe (für 2019) eingestellten Fischer Weltalmanach fort, eine alljährlich im Frühherbst erscheinende, stets auf das folgende Jahr vordatierte Chronik mit Zahlen, Daten, Fakten (so der Untertitel bei Fischer) bzw. Daten, Fakten, Karten (so der Untertitel bei Kosmos). Übernommen wird, neben Teilen des Mitarbeiterstabs, mit wenigen Änderungen auch der Aufbau, konkret: die Ordnung nach Staaten im Hauptteil, aber flankiert von vielen weiteren Rubriken und leitmotivisch durchzogen von Schwerpunktthemen für einzelne Ausgaben (etwa „Flucht & Migration“ in der für 2025). Konstant bleibt auch der Umfang von jeweils ‚nur‘ gut 700 zweispaltigen Seiten – und somit im Verhältnis zu den verfügbaren, schwerlich abzählbaren Daten eine winzige Auswahl. Erstaunlich ist an dieser Unternehmung ihre bloße Existenz: Hatte Fischer die Reihe offensichtlich eingestellt, weil sie im Zeitalter der universellen digitalen Verfügbarkeit aller Zahlen, Daten, Fakten und Karten obsolet geworden schien, insistiert nun doch noch das Bedürfnis danach, das Ganze der Welt in jeweils einem Buch zur Zusammenschau zu bringen – fast wie dereinst bei Hartmann Schedel (1493), nur eben jedes Jahr von Neuem. – Robert Stockhammer

Literatur / Quellen:

  • Erdliteratur. Zur kritischen Beobachtung von Weltkonstruktionen, Göttingen / Konstanz: Wallstein / UVK 2023, S. 139–155
  • Der neue Kosmos Welt-Almanach & Atlas 2025, Stuttgart: Kosmos 2024
  • Der Fischer Weltalmanach. Zahlen – Daten – Fakten. 1959–2018. Ausgaben für die Jahre 1960–2019 [ab der Ausgabe für 2012 als:] Der neue Fischer Weltalmanach), Frankfurt am Main: Fischer Taschenbuch

Weblinks:

🖙 Verlagshomepage

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2020 – The Uncensored Library – Virtuelle Bibliothek gegen Zensur

The Uncensored Library ist ein Projekt der Gruppe Reporter ohne Grenzen. Ziel ist es, journalistische Artikel mittels einer virtuellen Bibliothek auch in Staaten, in denen die Pressefreiheit durch staatliche Zensur stark eingeschränkt ist, zur allgemeinen Verfügung zu stellen. Betroffene Ländern sind bspw. Russland, Saudi-Arabien oder Brasilien. Die Veröffentlichung des Projekts erfolgt am 12. März 2020 auf einem öffentlichen Server in dem Open-World-Game Minecraft.

Der Server kann von jeder Person jederzeit online gefunden und heruntergeladen werden, da das Spiel – anders als nationale und regionale Nachrichtenportale oder Social-Media-Plattformen – selten der staatlichen Zensur unterliegt. In der stetig erweiterten und aktualisierten Bibliothek können sich die Spieler und Spielerinnen frei bewegen und die zensierten Texte in Minecraft-Büchern lesen.

Das Projekt dient dem panomaratischen Ideal der öffentlichen Berichterstattung, demgemäß die Wahrheit allerorts und allgemein verfügbar sein soll. Sein Hashtag in Sozialen Medien lautet folgerichtig #TruthFindsAWay. – Lena-Maria Weiß

Weblinks:

🖙 Website – Reporter ohne Grenzen
🖙 Minecraft-Website

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2020 – Virtual-Travelling-Website Drive and Listen

Während der Corona-Pandemie ins Leben gerufene Website des in München studierenden türkischen Studenten Erkam Seker. Sie entsteht aus der Idee, Menschen während der Einschränkungen auf virtuellem Wege dennoch Reisen in andere Städte zu ermöglichen. Mithilfe einer digitalen Kamerafahrt erhält man die Möglichkeit, die emulierte Umgebung aus mehreren Perspektiven zu betrachten und dort zeitgleich real regionales Radio zu hören. Dabei kann man zwischen verschiedenen Fortbewegungsmitteln wie etwa Auto, Fahrrad oder Zug wählen und mittels Drohnenfahrten auch einen panoramatischen Ausblick über das jeweilige Stadtbild erhalten. – Cora Zobel / Lena Reuther

Weblinks:

🖙 Website Drive&Listen

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2018 – Galand/Jaquot, Die Welt in der Wunderkammer

Nach Jahrhunderten (ab dem 16) geordnetes und mit je einem Ausklapp-Großtableau aufwartendes Buchkompendium zur Geschichte des panoramatischen Wunderkammer-Sammel- und Präsentationsbegehrens. – Johannes Ullmaier

Literatur / Quellen:

  • Galand, Alexandre/Jaquot, Delphine: Die Welt in der Wunderkammer, Hildesheim: Gerstenberg 2020
Schlagwörter: (Aus-)Faltung, Ästhetik, begrenzte Allheit, Bild, bildvisuell, Buch, Didaktik, faktual, fiktional, geordnet, Gesamtarchiv, Gesamtkompendium, Laufpräsentation, Leporello, Medialpanoramatik, mimetisch, offen, Organisation, Panoramabild, schematisch, Speicher, Technik, Text, textuell, Unterhaltung, Zeichnung, Zugleichspräsentation

2018 – Sam Smith, Das große Panoramabuch: Unser Sonnensystem


Das großformatige Leporello stellt das Planetensystem in einer fortlaufenden Bildstrecke dar. Durch kindgerechte Illustrationen entsteht der Eindruck eines vollständigen Blicks auf den kosmischen Raum unserer Galaxie. Die lineare Ordnung und räumliche Kontinuität ermöglichen eine übersichtliche Orientierung. Zwar wird die Totalität nur teilweise erreicht, da sich reale Abstände, Größenverhältnisse und Bewegungen nicht maßstabsgetreu abbilden lassen, doch die Verbindung von physischem Panorama und vereinfachter Wissensdarstellung macht ein für Kinder wie Erwachsene unfassbar komplexes System spielerisch zugänglich. Der panoramatische Kern liegt im kontinuierlichen Bildraum, der die Planeten vergleichbar macht. Vorläufer finden sich in historischen astronomischen Tafeln, Himmelsatlanten und Planetarien. Moderne Übersichtsgrafiken und digitale Darstellungen des Weltalls knüpfen daran an. Als didaktisches Propädeutikum leistet die (Kinder-)Buchform dazu nach wie vor einen hilfreichen Beitrag. – Lilli Weisenburger (2026)

Literatur / Quellen:

  • Smith, Sam: Das große Panoramabuch: Unser Sonnensystem, London: Useborn 2018.
Schlagwörter: (Aus-)Faltung, Ästhetik, begrenzte Allheit, Bild, bildvisuell, Buch, Didaktik, Draufblick, faktual, Fernblick, geordnet, Gesamtprojektion, geschlossen, Großtableau, Leporello, Medialpanoramatik, mimetisch, Panoramabild, Rahmenexpansion, schematisch, Text, textuell, Unterhaltung, Zeichnung, Zugleichspräsentation

2017 – Kinderbuchreihe Scanorama

Die Kindersachbücher von Anna Claybourne widmen sich spektakulären Themen aus der Fauna wie Gefährliche Tiere, Sensationelle Tierrekorde oder Dinosaurier. Die Seiten sind durch Schieber aus Papier und Folie ergänzt. Diese Streifen lassen sich auf der Seite hin- und herschieben, wodurch das Innere der Tiere an diesen Stellen sichtbar, also ein Röntgenblick simuliert wird. Die partielle Durchschau kann verstören, wirkt aber zugleich bezähmend. Wie einst das Kaiserpanorama sucht und bannt das Scanorama seine Sensationen. – Lea-Sophie Dettmann | Johannes Ullmaier

Literatur / Quellen:

  • Claybourne, Anna: Scanorama: Gefährliche Tiere, Frankfurt am Main: Fischer Meyers Kinderbuch 2017
Schlagwörter: Animation, Ästhetik, begrenzte Allheit, Bild, bildvisuell, Blicktransparenz, Buch, Didaktik, Draufblick, faktual, geordnet, Gesamtprojektion, geschlossen, Laufpräsentation, Medialpanoramatik, Medientechnik, mimetisch, Relief, schematisch, Technik, Text, textuell, Unterhaltung, Zeichnung, Zugleichspräsentation, Zugriffspräsentation