1993 – Ausstellung Sehsucht – Das Panorama als Massenunterhaltung des 19. Jahrhunderts

In der Kunst- und Ausstellungshalle der BRD in Bonn findet die bislang profundeste und reichhaltigste Einzelschau zur Geschichte und technischen Faktur panoramatischer Medien vom späten 18. bis zum frühen 20. Jahrhundert statt. Der dazu erschienene Katalog ist bis heute das materialreichste Einzelkompendium zum Thema. – Johannes Ullmaier

Literatur / Quellen:

  • Plessen, Marie-Louise von/Giersch, Ulrich (Hgg.): Sehsucht. Das Panorama als Massenunterhaltung des 19. Jahrhunderts, Frankfurt am Main: Stroemfeld / Roter Stern 1993
Schlagwörter: 360°, Ästhetik, Bauwerk, Bild, bildvisuell, Buch, Denkmal, Diagramm, Didaktik, Event/Performance, faktual, Gemälderundbau, Gesamtkompendium, Immersion, Laufpräsentation, Medialpanoramatik, mimetisch, Moving Panorama, offen, Organisation, Panorama-Beschreibung, Panorama-Diskurs, Panoramabild, panoramatische Diskursform, Rundbau, schematisch, Speicher, symbolisch, Technik, Text, textuell, Unterhaltung, Wissenschaft, Zeitensynopse, Zugleichspräsentation, Zugriffspräsentation

1993 – Randy Rogel, Yakko’s World im Cartoon Animaniacs

Das Lied Yakko’s World  ist ein Versuch, alle Länder der Welt aufzuzählen. Die Cartoon-Figur Yakko, der Rob Paulsen im Englischen die Stimme leiht, singt in unter zwei Minuten vier Strophen, deren Text beinahe ausschließlich aus Ländernamen besteht. Die restlichen Worte dienen primär der Einhaltung des Rhythmus, liefern jedoch stellenweise sogar kurze Informationsschnipsel zu den genannten Ländern mit – so beispielsweise der Vers „And Germany, now in one piece“, der auf die zum Veröffentlichungszeitpunkt erst kürzlich erfolgte deutsche Wiedervereinigung verweist. Das Lied stellt die Namen größtenteils nach Kontinenten geordnet vor und wird im Cartoon von Yakko anhand einer Weltkarte veranschaulicht. Problematisch ist die kaum vermeidliche Verjährung dieser medialen All-Erfassung: Alte Staaten lösen sich auf, neue entstehen. So verliert der Liedext im Laufe der Zeit (so wie zuvor schon Tom Lehrers Periodentafel-Komplett-Aufzählung The Elements) seinen panoramatischen Komplettheitsanspruch. Um dem entgegenzuwirken, wird der Text Jahre nach seinem Erscheinen von Rogel überarbeitet und eine weitere Strophe hinzugefügt. Das grundsätzliche Problem ist damit nicht beseitigt, aber aufgeschoben. Um sie weiter aktuell zu halten, muss Yakko seine Welt konstant beobachten. – Annika Bäurer

Weblinks:

🖙 Warnerbros Fandom Wiki
🖙 Looneytunes Wiki

Schlagwörter: Animation, audiovisuell, auditiv, bildvisuell, Didaktik, Draufblick, Ekphrasis, faktual, Fernblick, fiktional, Gesamtprojektion, geschlossen, Idealpanoramatik, Inhaltspanoramatik, Laufpräsentation, Medialpanoramatik, Panorama-Beschreibung, Realpanoramatik, schematisch, Speicher, symbolisch, Text, textuell, Unterhaltung, visuell, Weltkarte

1992 – Žižkov Fernsehturm in Prag


Stellvertretend für viele, teils ikonische Fernsehtürme, die Rundfunk- mit Panorama-Funktionen verbinden. Der 216 m hohe Prager Turm bietet auf verschiedenen Ebenen gleich mehrere 360°-Aussichtsgelegenheiten: ein Restaurant und eine Aussichtsplattform. – Johannes Ullmaier

Literatur / Quellen:

  • Borges, Sofia (Hg.): The Tale of Tomorrow. Utopian Architecture in the Modernist Realm, Berlin: Die Gestalten 2016, S. 298 f.

Weblinks:

🖙 Wikipedia

Schlagwörter: 360°, Bauwerk, Denkmal, Draufblick, faktual, Fernblick, Medialpanoramatik, Organisation, Realpanoramatik, Rundbau, Technik, Unterhaltung, visuell, Zentralblickpunkt, Zugleichspräsentation

1990 – Voyager-1-Foto der Erde: Pale Blue Dot (Carl Sagan)

Am 14. Februar 1990 macht die 1977 gestartete Weltraumsonde Voyager 1 auf Drängen des Astronomen Carl Sagan eine letzte Drehung zurück zur Erde. Aus einer Entfernung von mehr als 6 Milliarden Kilometern entsteht das bis heute aus der weitesten Entfernung aufgenommene Foto unseres Planeten. Darauf ist die Erde als winziger, blassblauer Lichtpunkt zu erkennen, beinahe verloren in den weiten Staubbahnen des Sonnenlichts.

Das Bild inspiriert Sagan später zu dem Buch Pale Blue Dot: A Vision of the Human Future in Space (1994). Darin reflektiert er über die Zerbrechlichkeit und Einzigartigkeit unserer Welt. Berühmt wurde seine Interpretation des Fotos: “We succeeded in taking that picture [from deep space], and, if you look at it, you see a dot. That’s here. That’s home. That’s us. On it, everyone you ever heard of, every human being who ever lived, lived out their lives.“ (Sagan, Pale Blue Dot, S. 6)

Pale Blue Dot ist eines der ikonischen Bild der Astronomie und der panoramatischen Verdichtung kosmischer Weite und irdischer Moralität: Der kaum wahrnehmbare Fleck macht augenfällig, wie klein die Erde im kosmischen Maßstab ist und wie groß die Verantwortung, die wir für diesen blassen blauen Punkt tragen. – Antonia Schindler (2026)

Literatur / Quellen:

  • Sagan, Carl / Ann Druyan: Pale blue dot: A vision of the human future in space. New York: Ballantine books 2011.

Weblinks:

🖙 NASA

Schlagwörter: Ästhetik, begrenzte Allheit, Bild, bildvisuell, Denkmal, Didaktik, Draufblick, faktual, Fernblick, Foto, Medialpanoramatik, Mikropanoramatik, mimetisch, Rahmenexpansion, Zugleichspräsentation

1990–2003 – DNA- Gesamterfassung, Human Genome Project


Das Human Genome Project (HGP) stellt ein innerhalb der Genetik bahnbrechendes Forschungsprojekt dar, welches das Ziel der erstmaligen vollständigen Sequenzierung der Basen des menschlichen Genoms verfolgt. Es verbindet biologische Forschung mit den rasanten informationstechnischen Fortschritten der Zeit, indem schier unvorstellbare Datenmengen digital und global verarbeitet, analysiert und vernetzt werden. Finanziert durch die National Institutes of Health der Vereinigten Staaten und in internationaler Kooperation mit Forschungsinstituten in Japan, Großbritannien, Frankreich, Deutschland und China wird im Jahr 2003 ein Arbeitsentwurf veröffentlicht, der 92 % der Abfolge der ca. drei Milliarden Basenpaare auf den Chromosomen der menschlichen DNA enthält. Die verbleibenden Lücken sind auf die zu diesem Zeitpunkt noch beschränkten technischen Möglichkeiten zurückzuführen. Erst durch Anschlussprojekte, welche im März 2022 durchgeführt werden, erzielt man schließlich eine komplette Sequenzierung der genetischen Struktur. Durch die Errungenschaften des Projekts bricht eine neue Ära der biologischen Forschung an: „the shelf life of the scientific tool produced by the HGP is, effectively, forever.“ (Collins et al., „The Human Genome Project“, S. 286). „[I]t is simply inconceivable today that we would not have the genome at our fingertips.“ (Gibbs, „The Human Genome Project“, S. 575). – Bianka Niebling

Literatur / Quellen:

  • Collins, Francis S.: „The Human Genome Project: Lessons from Large-Scale Biology“. In: Science 300 (2003), S. 286–290
  • Gibbs, R.A.: „The Human Genome Project changed everything“. In: Nature Reviews Genetics 21 (2020), S. 575–576

Weblinks:

🖙 Human Genome Project, US Department of Energy
🖙 National Human Genome Research Institute

Schlagwörter: Diagramm, faktual, geordnet, Gesamtarchiv, Gesamtdiagramm, Gesamtkompendium, geschlossen, Idealpanoramatik, Laufpräsentation, Medialpanoramatik, Realpanoramatik, schematisch, Speicher, symbolisch, textuell, Wissenschaft

1990 – Hubble-Weltraumteleskop


Am 24. April 1990 transportiert ein Space Shuttle das 13,2 m lange und 11,1 t schwere Teleskop mit einem Durchmesser von 4,3 m in eine Umlaufbahn in 611 km Erddistanz. Da Großteleskope auf der Erde wegen der Erdatmosphäre in ihrer Bildqualität eingeschränkt sind und die Erdatmosphäre nur im optischen Bereich, in einigen schmalen Infrarotfenstern sowie in großen Teilen des Radiobereichs durchlässig ist, konkretisierte sich in der Astrophysik nach 1945 der Wunsch, Teleskope auch im Weltraum zu positionieren. Wurden die ersten, vor allem durch die Orbiting Astronomical Observatories der NASA seit den 1960er-Jahren entwickelten Satelliten- und Weltraumteleskope vorwiegend dazu eingesetzt, Objekte in Wellenbereichen zu beobachten, die nicht von der Erdoberfläche zugänglich sind, sollte das nach Edwin P. Hubble benannte Weltraumteleskop – ebenso wie sein Nachfolger, das James-Webb-Weltraumteleskop, ein gemeinsames Projekt der NASA, ESA und CSA – auch im optischen Bereich Bilder liefern. Die ersten Bilder des mit einem Spiegel von 2,4 m Durchmesser ausgestatteten Teleskops sind zunächst unscharf, weswegen über zweieinhalb Jahre hinweg ein System zur Korrektion des Spiegels entwickelt und schließlich eingebaut wird. Das Projekt Hubble Deep Field ermöglicht mittels extrem lang belichteter Aufnahmen einer Himmelsgegend die Beobachtung weit entfernter Galaxien. Seit Mitte der 1990er-Jahre bestimmen die Hubble-Aufnahmen, in zahlreichen Büchern, Filmen und TV-Dokumentationen popularisiert, für fast drei Jahrzehnte den Bildstandard der weitesten menschlichen Blicke ins All. – Kaim Bozkurt

Schlagwörter: Ästhetik, bildvisuell, Didaktik, faktual, Fernblick, Foto, Gesamtprojektion, Karte, Medialpanoramatik, Medientechnik, mimetisch, Naturpanorama, Organisation, Panoramaflug, Rahmenexpansion, Realpanoramatik, schematisch, Technik, Unterhaltung, visuell, Wissenschaft, Zeitensynopse, Zugleichspräsentation, Zugriffspräsentation

1989 – Hacker und Viren-Programmierer Dark Avenger

Zeitweise weltbekannter anonymer Hacker aus Sofia, Bulgarien, der in den späten 1980er-Jahren als Teil der Pravetz Generation (jener Alterskohorte, die mit den bulgarischen Pravetz-Computern aufgewachsen ist) in Erscheinung tritt und bis 1993 unter diesem Namen Computerviren aussendet. Der erste dieser auf maximale Weiterinfizierung angelegten – und damit den panoramatischen Impuls pandemischen ‚Viralgehens‘ in die Datasphäre pflanzenden – Viren findet ab 1989 globale Verbreitung, beschädigt zahlreiche Computersysteme und macht den Dark Avenger weltweit berüchtigt, während dieser umgekehrt Aspekte seines limitierten Lebensvollzugs (etwa „Zopy (sic) me – I want to travel“ als Hinweis auf die im Ostblock beschränkte Reisefreiheit) in seine Schadsoftware einarbeitet. Mit dem von ihm entwickelten „Mutation Engine“ können Viren zudem so programmiert werden, dass sie sich selbstständig fortentwickeln und immer neue Erscheinungsformen annehmen. – Hannah Bartölke

Literatur / Quellen:

  • Solomon, Alan: PC Viruses: Detection, Analysis and Cure, London: Springer 1991, S. 100–102

Weblinks:

🖙 Deutschlandfunk Podcast über die Suche nach der Identität des Dark Avengers 
🖙 Artikel – How Eastern Europe’s villains changed sides in the malware war – and made you protect your PC

Schlagwörter: (Aus-)Faltung, faktual, Konzept/Idee, Laufpräsentation, Medialpanoramatik, Medientechnik, offen, Organisation, Rahmenexpansion, schematisch, symbolisch, Technik, Text, textuell, Utopie/Dystopie

1988–1992 – Kindlers Neues Literatur Lexikon

Kindlers Neues Literaturlexikon (KNLL) ist eine Werkenzyklopädie der Literatur aller Länder, Genres und Epochen, die den im ➚ Kindlers Literatur Lexikon etablierten panoramatischen Anspruch einer Gesamtrepräsentation der Literaturgeschichte fortführt und methodisch sowie strukturell weiterentwickelt. In der unter Walter Jens neu konzipierten zweiten Version, die von 1988 bis 1992 erscheint, sind die Werke nicht länger einzeln alphabetisch aufgeführt. Stattdessen sind sie ihren jeweiligen Verfasserinnen bzw. Verfassern (in sich alphabetisch) gruppenweise zugeordnet, so dass die globale Alphabetanordnung nun nicht mehr durch die oft kaum bekannten originalsprachlichen Titel, sondern – intuitiver – durch die Namen der Autorinnen und Autoren bestimmt ist. Zudem wird der gegenüber der ersten Version des KLL signifikant erweiterte und aktualisierte Bestand an Einzeleinträgen durch umfangreiche Begleitessays kultur-, literatur- und ideengeschichtlich kontextualisiert und systematisiert. Das KNLL umfasst in toto 20 Bände, in denen 19.304 Werke von 9.072 Autorinnen und Autoren in 171 Sprachen behandelt werden.

Die Einträge zu den einzelnen Werken enthalten jeweils Inhaltsangaben und Hinweise zur Entstehungsgeschichte, bauen aber die Referate zu zentralen Interpretationsansätzen sowie die Einordnung des Textes in größere literaturhistorische Zusammenhänge tendenziell stark aus. Insgesamt verschiebt sich der Akzent so von der primär dokumentierenden Bestandsaufnahme des ersten KLL hin zu einer stärker analytischen und interpretativen Erschließung literarischer Texte. – Nico Keller (2026)

Literatur / Quellen:

  • Jens, Walter (Hg.): Kindlers neues Literatur Lexikon. 20 Bde. München: Kindler 1988-1992.

Weblinks:

🖙 Wikipedia

Schlagwörter: Ästhetik, begrenzte Allheit, Buch, Didaktik, Enzyklopädie, faktual, fiktional, geordnet, Gesamtdiagramm, Gesamtkompendium, geschlossen, Medialpanoramatik, schematisch, symbolisch, Text, textuell, Wissenschaft, Zugriffspräsentation

1988 – Stephen Hawking, A Brief History of Time

Um Allgemeinverständlichkeit bemühter kosmologischer Bestseller, der verspricht, die Geschichte des Universums seit dem Urknall zu erhellen. Katalysator für die auf dem Buchmarkt seither prosperierende Mode relativ kurzer Überschau- und Zusammenfassungsdarstellungen mit universums-, universal- und global-historiografischem Anspruch. – Johannes Ullmaier

Literatur / Quellen:

  • Hawking, Stephen: Die illustrierte kurze Geschichte der Zeit [1988], Reinbek: Rowohlt 2004

Weblinks:

🖙 Wikipedia

Schlagwörter: Buch, Didaktik, faktual, Gesamtdiagramm, Gesamtprojektion, Idealpanoramatik, Konzept/Idee, Laufpräsentation, Medialpanoramatik, symbolisch, Text, textuell, unbegrenzte Allheit, Universalchronik, Unterhaltung, Wissenschaft, Zeitensynopse

1987 – Die tödliche Doris, Die Gesamtheit allen Lebens und alles Darüberhinausgehende

1984 begonnenes Minifilm-Projekt, das die titelgebende All-Präsentations-Ankündigung ironisch-melancholisch unterläuft; zugleich Titel eines im selben Jahr erschienenen Künstlerbuches, das die Filmbilder als Gemäldeserie darbietet. – Johannes Ullmaier

Weblinks:

🖙 Beschreibung auf Wolfgang Müllers Website

Schlagwörter: Ästhetik, bildvisuell, Buch, Idealpanoramatik, Inhaltspanoramatik, Konzept/Idee, Laufpräsentation, Medialpanoramatik, Mikropanoramatik, Text, unbegrenzte Allheit, Unterhaltung