
China hat gerade einen Rekord verkündet: Dort wurde die höchste Brücke der Welt gebaut und nun für den Verkehr geöffnet. Fast 570 Meter hoch spannt sie sich über das Beipanjiang-Tal, eine etwa einen Kilometer breite Schlucht, die zwei benachbarte Provinzen trennt. Die Schrägseilbrücke, deren Baukosten rund 130 Millionen Euro betragen, ist eine stählerne Fachwerkkonstruktion und Teil einer Autobahn. Künftig müssen die Autofahrer dort nicht mehr fünf Stunden lang durch die Berge kurven, um in die andere Provinz zu gelangen. Durch die 1341 Meter lange Brücke verkürzt sich die Fahrtzeit auf weniger als eine Stunde. Das Bauwerk scheint in einer atemberaubenden Höhe über der Schlucht zu schweben. Selbst wenn über dem Tal dichter Nebel liegt, haben Autofahrer dennoch Chancen auf Sonnenschein und einen schwindelerregenden Rundumblick. – Jakob Wallis
2016 – Raoul Schrott, Erste Erde
850-seitiger Versuch, das Weltganze in historischer und thematischer Vollbreite poetisch zu erfassen. In Überbietung von Lukrez und Schedel annonciert der Klappentext: „Vom Urknall über die Entstehung des Planeten bis hin zu uns unternimmt [das Werk] den großen Versuch, unsere wissenschaftlichen Erkenntnisse literarisch umzusetzen und sie an einzelnen Lebensgeschichten anschaulich zu machen. In wechselnden poetischen Formen ergibt sich ein breites erzählerisches Panorama.“ – Johannes Ullmaier
Literatur / Quellen:
- Schrott, Raoul: Erste Erde. Epos, München: Hanser 2016
Weblinks:
2015 – Katharina Gaenssler, Bauhaus Staircase / Werkkatalog TXT IMG

Fotoinstallation im New Yorker Museum of Modern Art, von der Künstlerin selbst beschrieben als „Abwicklung verschiedener Perspektiven aus dem Treppenhaus am Bauhaus Dessau (Walter Gropius, 1925 bis 1926), des Gemäldes Bauhaustreppe/Bauhaus Stairway (1932) von Oskar Schlemmer und dessen Kopie Bauhaus Stairway (1988) von Roy Lichtenstein. Die Montage wird – ortspezifisch konzipiert – mit der architektonischen Situation am MoMA selbst verschränkt: Die Installation befindet sich im sogenannten Bauhaus Staircase, in dem 1939 von Philip L. Goodwin und Edward Durell Stone im Sinne des ‚International Style‘ entworfenen Gebäude des Museums.“ Das zugehörige Buchobjekt versammelt in Form eines auf zehn Meter ausfaltbaren Leporellos sämtliche der für die Installation erstellten 10.177 Fotografien. – Im selben Jahr erscheint das Buchkompendium TXT IMG, welches Gaensslers bisheriges Gesamtwerk auf 407.954 miniaturisierten Fotoabbildungen präsentiert. – Johannes Ullmaier | Nina Cullmann
Literatur / Quellen:
- Gaenssler, Katharina: Staircase, Buchobjekt 2015
- Gaenssler, Katharina: TXT IMG, Leipzig: Spector Books 2015
Weblinks:
🖙 Website Ganessler 1511 (MOMA) W
🖙 Moma Website Bauhaus Staircase
2015 – Susanne Rebscher & Annabelle von Sperber, Das große Wimmelbuch der Kunst

In diesem Wimmelbuch durchquert der Betrachter sämtliche prägende Kunstepochen von der Steinzeit bis zur heutigen Zeit. Auf den großformatigen Doppelseiten werden zahlreiche bekannte Künstler:innen sowie Kunstwerke abgebildet, die es zu entdecken und zu identifizieren gilt. Viele der Szenerien sind im Stil der entsprechenden Kunstbewegungen gehalten und geben einen Überblick über Techniken, Motive und Präsentationsformen der Kunst. Neben dieser Zugleichspräsentation des weiten Feldes der Kunst lädt das Wimmelbuch aber auch zu einer eingehenden Detailbetrachtung ein: In jeder Epoche verstecken sich mitten im Geschehen zwei kleine Äffchen, zu deren Suche das Buch die Leser ganz zu Anfang auffordert. Im Januar 2025 erscheint eine Neuausgabe des Buches. – Lena Reuther
Literatur / Quellen:
- Rebscher, Susanne/von Sperber, Annabelle: Das große Wimmelbuch der Kunst, München u.a.: Prestel 2025.
Weblinks:
2013–2014 – Ernst Kausen, Sprachfamilien der Welt
Zweibändiges Gesamtkompendium der menschlichen Sprachen weltweit, das auf rund 2400 Seiten eine vollständige Dokumentation und Klassifikation der – in vielen Fällen akut gefährdeten – sprachlichen Vielfalt anstrebt, wobei das Werk auch ausgestorbene Sprachen miteinbezieht. Kausens Darstellung zielt darauf ab, den morphologischen Variantenreichtum und die genetischen Beziehungen zwischen den Sprachen herauszustellen. Die Bände sind erdgeografisch angelegt und entsprechend nach den Kontinenten gegliedert, denen die Sprachen ursprünglich entstammen (Teil 1: Europa und Asien, Teil 2: Afrika – Indopazifik – Australien – Amerika), was bei interkontinental ausstrahlenden Sprachen wie dem Englischen, Arabischen, Spanischen oder Latein epochenhistorische Interferenzen mit sich bringt. – Hannah Bartölke | Johannes Ullmaier
Literatur / Quellen:
- Kausen, Ernst: Die Sprachfamilien der Welt. Bd. 1. Europa und Asien, Hamburg: Buske 2013
- Kausen, Ernst: Die Sprachfamilien der Welt. Bd. 2. Afrika, Indopazifik, Australien und Amerika, Hamburg: Buske 2015
Weblinks:
🖙 Website von Ernst Kausen – Klassifikation aller Sprachen der Welt
🖙 Allgemeiner Wikipedia-Artikel zu den Sprachfamilien der Welt
2012 – Digitales Familiennamenwörterbuch Deutschlands (DFD)
Das Forschungsprojekt Digitales Familiennamenwörterbuch Deutschlands (DFD) hat es sich zur Aufgabe gemacht, den Bestand der Familiennamen im Deutschland zu erfassen und zu erforschen. Die Ergebnisse werden in einem digitalen Wörterbuch öffentlich zugänglich gemacht, wo sie alphabetisch geordnet vorzufinden sind. Über die Projektlaufzeit bis voraussichtlich 2035 wird das Wörterbuch durch das Forschungsteam stetig erweitert.
Die einzelnen Artikel verzeichnen die auf Grundlage der genutzten Datenbestände ermittelte Häufigkeit eines Familiennamens, dessen deutschlandweiten Rang, das Sprachvorkommen, die Etymologie bzw. (mögliche) Herkunft sowie die geographische Verbreitung, die mithilfe von Karten angezeigt wird. Ebenfalls erfasst werden die Varianten eines Namens (z.B. Schmitt bzw. Schmidt, Schmitz, Schmid oder Smit). Auch weiterführende Literaturhinweise sind vermerkt.
Abgesehen von seiner enzyklopädischen, dezidiert auf eine möglichst restlose Registratur und Präsentation des betreffenden Korpus zielenden Anlage zeigt das Projekt insofern panoramagische Züge, als es sowohl räumlich wie auch zeitlich maximale Konturierung anstrebt: räumlich durch die kartographische Darstellung der Namenshäufigkeiten sowie – über den deutschen Sprachraum hinausgreifend – durch Hinweise auf mögliche Varianten in benachbarten Landessprachen, etwa dem Niederländischen; zeitlich durch das Augenmerk auf die Geschichte und Herkunft der Namen. Mithilfe moderner Datenerhebung und -präsentation erarbeitet die Namensforschung so ein vormals nie ähnlich umfassend und dynamisch denkbares Gesamtkompendium und Gesamtarchiv eines Sprachfelds, das buchstäblich alle einschließt.
Das Projekt ist eine Kooperation der Mainzer Akademie der Wissenschaften und Literatur, der Technischen Universität Darmstadt sowie der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. – Lena-Maria Weiß
Weblinks:
2012 – Ulrich Holbein, 20 Milliarden Jahre in zwei, drei Viertelstündchen
Launige Kompakt-Gesamtschau der Geschichte des Universums als episch überquellende Enumeratio vom Urknall bis zur Gegenwart; wie das 2002 vorausgegangene Zwischen Urknall und Herzberg: Ich als Hippie in Zeit und Raum Keim bzw. Auszug eines (bislang unveröffentlichten) großepischen Gesamtwelt-Schreibprojekts. – Johannes Ullmaier
Literatur / Quellen:
- Holbein, Ulrich: Zwischen Urknall und Herzberg: Ich als Hippie in Zeit und Raum, Solothurn: Nachtschatten Verlag 2002
- Holbein, Ulrich: 20 Milliarden Jahre in zwei, drei Viertelstündchen, Hamburg: Literatur Quickie 2012
2012 – Florian Illies, 1913: Der Sommer des Jahrhunderts
Bestseller zum Auftakt einer seither nicht nur, aber vor allem im deutschsprachigen Raum und in Printform blühenden (Proto-)Gattung zwischen populärem historischem Sachbuch und Doku-Fiktion, die sich einzelne Jahre der Realgeschichte zum Thema nimmt und so gegenüber historiografischen Diachronie-Standards generisch eine Tendenz ins Querschnitthafte und Zeitgeschichts-Panoramatische aufweist. Illies’ Doku-Fiktions-Roman führt anhand (heute) prominenter Personen in monatlicher Folge quasi-chronikal durchs Jahr und bleibt dabei nah am aktuellen Roman- und Serien-Erzählstandard einer gemäßigten Mehrsträngigkeit mit panoramatischem Einschlag. Über partiell miteinander verwobene Einzelschicksale, inszenierte Koinzidenzen und eingestreute Denkwürdigkeiten soll sich kumulativ die ‚Stimmung des Vorkriegsjahres‘ vermitteln. Folgerichtig verkündet der Klappentext gleich zu Beginn: „Florian Illies entfaltet virtuos ein historisches Panorama. 1913“. Einige der folgenden ‚Jahresbücher‘ (etwa Herbert Kapfer, 1919. Fiktion von 2019, Philipp Sarasin, 1977. Eine kurze Geschichte der Gegenwart von 2021 oder das 2024 mit dem Leipziger Sachbuch-Preis prämierte ca. 1972. Gewalt – Umwelt – Identität – Methode von Tom Holert) entfalten die panoramatischen Potenziale dispositorisch und narrativ in andere Richtungen. – Johannes Ullmaier
Literatur / Quellen:
- Illies, Florian: 1913. Der Sommer des Jahrhunderts, Frankfurt am Main: Fischer 2012
Weblinks:
2011 – Yadegar Asisi, Panorama Pergamon

2011 erstmals im Rahmen einer Sonderausstellung der Staatlichen Museen zu Berlin präsentiertes Panorama von Yadegar Asisi, das seit 2018 in überarbeiteter Form in einem eigenen Ausstellungsgebäude gegenüber der Museumsinsel wieder zu sehen ist. Das monumentale Rundbild zeigt den Blick auf die Stadt Pergamon während der römischen Epoche unter Kaiser Hadrian um 129 n. Chr. Monumentale Gebäude, darunter ein Theater und der Pergamonaltar, fügen sich in eine hügelige Landschaft ein, am Horizont ist das Mittelmeer zu erahnen. Das Bild zeigt eine Vielzahl von Figuren in unterschiedlichen Szenen und vermittelt den Eindruck eines pulsierenden städtischen Lebens. Anders als im 19. Jahrhundert betritt man die Rotunde ebenerdig, auch gibt es zunächst keinen Graben zwischen Betrachter:innen und Bild. In der Mitte des Raums befindet sich jedoch – wieder traditionsgemäß – ein Besucherturm, den man erklimmt und der von mehreren Ebenen unterschiedliche Perspektiven auf das Bild bietet. Eine Licht- und Soundinstallation simuliert in rund fünfzehn Minuten den Verlauf eines Tages. Asisis Panoramabild greift auf archäologische und bauhistorische Forschungen zurück. Der Künstler erstellt seit 2003 große Panoramen mit verschiedenen Motiven, darunter Landschaften und historische Ansichten, und knüpft damit an die Tradition des 19. Jahrhunderts an. Er sucht hierfür zunächst den Ort auf, fertigt eine Vielzahl von Zeichnungen sowie Fotografien an und legt den Betrachterstandort fest. Die Szenen werden mit lebenden Modellen in Kostüm im Studio fotografiert. Im Anschluss setzt Asisi das Bild am Computer zusammen, welches schließlich auf Stoffbahnen gedruckt und im Rundbau aufgespannt wird. – Clara Wörsdörfer
Literatur / Quellen:
- Scholl, Andreas/Schwarzmeier, Agnes: Pergamon. Meisterwerke der Antike und 360° Panorama von Yadegar Asisi, Ausst.-Kat. Berlin, Staatliche Museen, Antikensammlung, Petersberg: Michael Imhof 2018
Weblinks:
🖙 Informationen zum Panorama auf der Webseite des Künstlers
🖙 Museums-Website
2011 – Ólafur Elíasson, Your Rainbow Panorama

Auf einem Dach des Kunstmuseums ARoS im dänischen Aarhus installierter, begehbarer Rundring von 150 m Umfang mit panoramatischen Aussichts-Glaswänden, die so getönt sind, dass sie sich zu einem ‚Regenbogen-Farbkreis‘ schließen. – Lea Müller | Johannes Ullmaier