1989 – Hacker und Viren-Programmierer Dark Avenger

Zeitweise weltbekannter anonymer Hacker aus Sofia, Bulgarien, der in den späten 1980er-Jahren als Teil der Pravetz Generation (jener Alterskohorte, die mit den bulgarischen Pravetz-Computern aufgewachsen ist) in Erscheinung tritt und bis 1993 unter diesem Namen Computerviren aussendet. Der erste dieser auf maximale Weiterinfizierung angelegten – und damit den panoramatischen Impuls pandemischen ‚Viralgehens‘ in die Datasphäre pflanzenden – Viren findet ab 1989 globale Verbreitung, beschädigt zahlreiche Computersysteme und macht den Dark Avenger weltweit berüchtigt, während dieser umgekehrt Aspekte seines limitierten Lebensvollzugs (etwa „Zopy (sic) me – I want to travel“ als Hinweis auf die im Ostblock beschränkte Reisefreiheit) in seine Schadsoftware einarbeitet. Mit dem von ihm entwickelten „Mutation Engine“ können Viren zudem so programmiert werden, dass sie sich selbstständig fortentwickeln und immer neue Erscheinungsformen annehmen. – Hannah Bartölke

Literatur / Quellen:

  • Solomon, Alan: PC Viruses: Detection, Analysis and Cure, London: Springer 1991, S. 100–102

Weblinks:

🖙 Deutschlandfunk Podcast über die Suche nach der Identität des Dark Avengers 
🖙 Artikel – How Eastern Europe’s villains changed sides in the malware war – and made you protect your PC

Schlagwörter: (Aus-)Faltung, begrenzte Allheit, faktual, Konzept/Idee, Laufpräsentation, Medialpanoramatik, Medientechnik, offen, Organisation, Rahmenexpansion, schematisch, symbolisch, Technik, Text, textuell, Utopie/Dystopie

1989 – World Wide Web

Der konkrete Anlass für die Entwicklung des World Wide Web ist ein praktisches und zunächst unscheinbares Problem: Am Forschungszentrum CERN in der Schweiz, einer internationalen Einrichtung für physikalische Grundlagenforschung, arbeiten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus aller Welt zusammen, haben jedoch Schwierigkeiten, Informationen und Dokumente effektiv zu teilen, da unterschiedliche Computersysteme und Datenformate genutzt werden. Aus diesem alltäglichen Problem entsteht die Idee eines universellen Informationssystems, das den einfachen Zugriff und Austausch von Wissen über Netzwerkgrenzen hinweg ermöglicht.

Die technischen und konzeptionellen Grundlagen für diese Idee reichen jedoch weit zurück. Bereits seit den 1960er-Jahren entsteht mit dem ARPANET ein Vorläufer des Internets, ein vom US-Verteidigungsministerium gefördertes Netzwerk, das zunächst der sicheren Kommunikation zwischen Forschungseinrichtungen dient. In den folgenden Jahrzehnten entstehen darauf aufbauend verschiedene Netzwerkdienste sowie Ideen zur Verknüpfung von Informationen (Hypertext-Konzepte), die später in das World Wide Web einfließen.

Vor diesem Hintergrund formuliert der britische Physiker und Informatiker Tim Berners-Lee 1989 am CERN seinen ersten Vorschlag („Information Management: A Proposal“), in dem er ein System aus Hypertext-Dokumenten beschreibt. In den darauffolgenden Jahren entwickelt er die zentralen Technologien des WWW: die Auszeichnungssprache HTML (Hypertext Markup Language), das Übertragungsprotokoll HTTP sowie den ersten Webbrowser und Webserver. 1991 wird das World Wide Web erstmals öffentlich zugänglich gemacht. Einen entscheidenden Schritt für seine weltweite Verbreitung stellt die Entscheidung des CERN dar, das System 1993 lizenzfrei zur Verfügung zu stellen. Mit der raschen Verbreitung grafischer Webbrowser ab Mitte der 1990er-Jahre (wie etwa Mosaic oder später Netscape Navigator) wird das World Wide Web schließlich auch für eine breite Öffentlichkeit zugänglich und entwickelt sich in kurzer Zeit zu einem zentralen Medium der globalen Informationsgesellschaft.

Das World Wide Web ist heute ein interaktives, frei zugängliches und kostenloses Informationssystem, das einen internationalen Austausch in der Kommunikation und von Dokumenten ermöglicht. Es wird häufig mit dem Internet gleichgesetzt, was jedoch fehlerhaft ist, da es nur einen von dessen Diensten bildet, zu denen unter anderem E-Mail, Dateitransfer oder Chat-Anwendungen zählen. Nach seiner raschen Einführung spannt sich das WWW über den gesamten Globus, wenn auch in sehr unterschiedlichen Dichten. Die einzelnen Sites sind durch Hyperlinks verknüpft und werden über Netzwerkprotokolle (HTTP oder HTTPS) übertragen. Webseiten enthalten Texte und werden zusätzlich häufig durch Bilder illustriert sowie mit Videos und Musikstücken ergänzt.

Mediengeschichtlich kann das WWW als das panoramatische Medium par excellence begriffen werden: Durch die Verknüpfung unzähliger Dokumente entsteht der Eindruck eines potenziell vollständigen Überblicks über Wissen und Welt. Zugleich ist dieser digitale Kosmos nicht grenzenlos, sondern strukturell begrenzt: Zugangsmöglichkeiten, technische Infrastruktur sowie algorithmische Auswahlprozesse bestimmen, welche Inhalte sichtbar sind. Dadurch entsteht kein vollständiges Gesamtbild, sondern ein gefilterter und perspektivisch geprägter Ausschnitt der Welt.

Ohne das World Wide Web gäbe es das Internet in seiner heutigen Form als global genutztes Massenmedium nicht. Es hat zu einem revolutionären Wandel in nahezu allen Lebensbereichen geführt. Die Art und Weise, wie, womit und wie intensiv kommuniziert wird, verändert sich drastisch. Es beeinflusst nicht nur das menschliche Kommunikationsverhalten, sondern auch die Mediennutzung stark und führt dazu, dass sich Geschäftsmodelle verändern oder neu entstehen. In seiner kulturellen Bedeutung wird das Internet früh mit der Erfindung des Postwesens (E-Mail) und des Buchdrucks verglichen und als bedeutender Fortschritt in der Geschichte der Menschheit betrachtet. Denn fast schlagartig dringen mit seiner Einführung große Mengen an Informationen, Nachrichten, Sprachen und Codes über ihre vormals regionalen Sphären hinaus – zugleich aber auch Manipulation und Sabotage, Lügen, Hass und Unsinn. Binnen Sekunden erreicht nun sowohl Konstruktives als auch Zersetzendes „die ganze Welt“. – Aileen Derstroff (2026)

Literatur / Quellen:

  • Berners-Lee, Tim / Mark Fischetti: Der Web-Report. Der Schöpfer des World Wide Webs über das grenzenlose Potential des Internets. München: Econ 1999
  • Berners-Lee, Tim: This Is for Everyone. London: Macmillan 2025.

Weblinks:

🖙 Wikipedia

Schlagwörter: Animation, audiovisuell, auditiv, begrenzte Allheit, Bild, bildvisuell, Diagramm, Didaktik, faktual, fiktional, Film, Foto, Gesamtdiagramm, Idealpanoramatik, Karte, Konzept/Idee, Laufpräsentation, Medialpanoramatik, Medieninstallation, Medientechnik, mimetisch, offen, Organisation, schematisch, Speicher, symbolisch, Tabelle, Technik, Text, textuell, Unterhaltung, Utopie/Dystopie, Wissenschaft, Zugleichspräsentation, Zugriffspräsentation

1988 – Fredric Jameson, Cognitive Mapping (Geistige Kartierung)

Das Cognitive Mapping ist ein zentrales Konzept des Marxisten Jameson, entwickelt aus einem Werk des Stadtplaners Kevin A. Lynch, Image of the City (1960). Bei Jameson bedeutet Cognitive Mapping den Versuch eines jeden Handelnden, sich einen Überblick über seine Lage zu verschaffen. Das Konzept steht daher in enger Verbindung mit dem „Totalisieren“ bei Jean-Paul Sartre und mit der „Intention auf Totalität“ bei Georg Lukács. – Stefan Ripplinger

Literatur / Quellen:

  • Lynch, Kevin A.: Das Bild der Stadt, Berlin: Ullstein 1965
  • Jameson, Fredric: „Cognitive Mapping“. In: Marxism and the Interpretation of Culture, hg. von Cary Nelson und Lawrence Grossberg, Houndsmills, London: Macmillan 1988, S. 347–360
Schlagwörter: begrenzte Allheit, Didaktik, faktual, Gesamtdiagramm, Gesamtprojektion, Idealpanoramatik, Konzept/Idee, offen, Organisation, schematisch, symbolisch, Technik, Text, textuell, Wissenschaft, Zugriffspräsentation

1987 – Kindergedenkstätte in Yad Vashem

In der von Moshe Safdie entworfenen Kindergedenkstätte in Yad Vashem liegt ein begehbarer, komplett verspiegelter Hauptraum, in dem fünf Kerzen vielfach reflektiert werden und so die mindestens 1,5 Mio. jüngsten Opfer der Shoah symbolisieren. Alle bekannten Namen der ermordeten Kinder werden dort von einem Endlostonband vorgetragen. (Ebenfalls in Yad Vashem befindet sich das sogenannte Partisanen-Panorama, das jedoch keine prägnant panoramatische Struktur aufweist). – Rebecca Rasp

Literatur / Quellen:

  • Gutterman, Bella/Shalev, Avner: Zeugnisse des Holocaust, Göttingen: Wallstein 2006, S. 312

Weblinks:

🖙 Wikipedia
🖙 Außenansicht

Schlagwörter: Ästhetik, auditiv, Bauwerk, begrenzte Allheit, Bild, bildvisuell, Denkmal, Diagramm, Didaktik, faktual, geordnet, Gesamtarchiv, Gesamtdiagramm, Gesamtkompendium, Gesamtprojektion, geschlossen, Halbkugel, Hörwerk, Idealpanoramatik, Laufpräsentation, Medialpanoramatik, Medieninstallation, offen, Rundbau, schematisch, Skulptur, Speicher, symbolisch, visuell, Zeitensynopse, Zugleichspräsentation

1986 – David Hockney, Fotocollage The Grand Canyon Looking North II

Im September 1982 besucht der Maler David Hockney das Naturdenkmal des Grand Canyon. Von der dortigen Aussichtsplattform aus nimmt er den Blick nach Norden auf, indem er mit einer Pentax 100 unzählige einzelne Fotografien anfertigt. Hierfür dreht er sich mit der Kamera langsam, um die Aussicht im panoramatischen Format einzufangen. Das Ergebnis ist allerdings keine nahtlose Panoramalandschaftsfotografie, wie sie später mit jedem Smartphone anzufertigen ist. Vielmehr entwickelt Hockney die einzelnen Fotografien (nur Querformate), wählt aus und setzt diese 1986 als rasterförmige Collage zu einem ca. 110 × 322 cm großen Bild zusammen. Dieses zeigt also einerseits den großartigen Ausblick in überbreitem Format, deutlich aber auch den jeweils einzelnen (Kamera-)Blick mit je eigener Zeitlichkeit (an den Lichtverhältnissen erkennbar). Hockneys Fotocollage thematisiert einen Allerfassungsanspruch, der mit der Verwendung des vermeintlich hierfür besonders geeigneten Mediums der ‚objektiven‘ Fotografie unterstrichen wird. Durch deren unkonventionellen Gebrauch wird allerdings die Begrenztheit (oder Kontingenz) jeder medialen Allerfassung und Gesamtrepräsentation zugleich aufgelöst und ausgestellt. Das Werk gehört zur Gruppe der sogenannten ‚joiner‘. Zu Beginn der 1980er experimentiert Hockney mit dem Zusammenfügen mehrerer Fotografien zu einem Bild, wodurch er ein Bild aus verschiedenen Blickeinstellungen komponieren kann, welches den Wahrnehmungs- und Erfahrungsprozess des Gegenstands in der Zeit nachvollziehbar bleiben lässt. Zu Beginn nutzt er hierfür auch die Polaroid-Technik. Teilweise haben diese ‚joiner‘ gebogene Formate oder fransen an den Rändern aus; sie suggerieren somit, dass das mit dem Auge erforschte Motiv hier genau die Ausdehnung erhält, die es braucht, um ‚richtig‘ im Sinne von ‚authentisch‘ oder ‚überzeugend‘ zu sein. – Clara Wörsdörfer

Literatur / Quellen:

  • Hockney, David: Photographe, Paris: Centre Georges Pompidou 1982

Weblinks:

🖙 Schlagwörter: 360°, Ästhetik, begrenzte Allheit, Bild, bildvisuell, Denkmal, Draufblick, faktual, Fernblick, Foto, geordnet, Gesamtdiagramm, Gesamtprojektion, Großtableau, Medialpanoramatik, mimetisch, Naturpanorama, offen, Panoramabild, Rahmenexpansion, schematisch, Überbreite, visuell, Zugleichspräsentation

1985 – Katalog-Anthologie Alles und noch viel mehr

Tausendseitige Ausstellungs- und (Kunst-)Epochendokumentation mit sehr weitgespanntem Spektrum, das von „Bild + Text“ über „Song/Audio“ oder „Szene/Drama“ bis zu „Zeichen“ oder „Philosophie“ reicht. Alle Sektionen sind einem Buchstaben des Alphabets zugeordnet, wenngleich außer bei „V“ für „Video“ keine Übereinstimmung mit den Rubrikennamen herrscht. Auch läuft das Alphabet nicht wie gewohnt von A bis Z durchs Buch, sondern – quasi als Rundkette – von X bis Z und dann von A bis W. In der Präambel reflektiert der Herausgeber die Dialektik allumgreifender Bestrebungen: „Der Sinn von ALLES UND NOCH VIEL MEHR liegt darin, einmal das kreative Potential vereint zu zeigen […]. Es scheint mehr zu sein, als es tatsächlich ist, und ist plötzlich tatsächlich mehr. […] Bei ALLES UND NOCH VIEL MEHR handelt es sich um das VIEL MEHR, ein überschwängliches, systemsprengendes, luxuriöses Moment, wie in der anderen Richtung um das ETWAS, das WENIG oder gar das NICHTS, welches die zwanghaften Grenzen des ALLES überschreitet. Denn ALLES ist der Totalitarismus der Macht, der die zentralistische Lenkung perfektioniert und Einverleibungen durch klare Grenzziehung markiert. ALLES ist der Wahn der absoluten Kontrolle, des Gleichschritts und der Nivellierung des Heterogenen […], der Anspruch des reinen Wissens, das […] weder eine sinnvolle Selbstbeschreibung kennt noch den Flug der Gedanken, welche das VIEL MEHR charakterisieren.“ (Lischka (Hg.), Alles und noch viel mehr, S. 7). – Johannes Ullmaier

Literatur / Quellen:

  • Lischka, Gerhard Johann (Hg.): Alles und noch viel mehr. Das poetische ABC, Bern: Bentelli 1985

Weblinks:

🖙 G J Lischka ZKM

Schlagwörter: Animation, Ästhetik, begrenzte Allheit, Bild, bildvisuell, Buch, Denkmal, Event/Performance, Film, Foto, Gemälde, geordnet, Gesamtarchiv, Gesamtdiagramm, Gesamtkompendium, geschlossen, Laufpräsentation, Medialpanoramatik, Medieninstallation, mimetisch, offen, panoramatische Diskursform, Rahmenexpansion, Relief, schematisch, Schraubenband, Skulptur, Speicher, symbolisch, Text, textuell, Unterhaltung, Wimmelbild, Zeichnung, Zugriffspräsentation

1984 – Niklas Luhmann, Soziale Systeme

Nachdem Hegel noch die Eule der Minerva ausgeschickt hatte, um das Wissen des Wissens einzufangen, vertraut die Postmoderne nicht mehr auf animalischen Beistand. Der Anspruch, eine Theorie bzw. eine Supertheorie der Gesellschaft zu entwerfen, erfordert, glaubt man ihrem Autor Niklas Luhmann, eine „ungewöhnliche […] Abstraktionslage“ und folglich eine Flughöhe, die Eulen einfach nicht erreichen: „Der Flug muß über den Wolken stattfinden, und es ist mit einer ziemlich geschlossenen Wolkendecke zu rechnen. Man muß sich auf die eigenen Instrumente verlassen. Gelegentlich sind Durchblicke nach unten möglich – ein Blick auf Gelände mit Wegen, Siedlungen, Flüssen oder Küstenstreifen, die an Vertrautes erinnern; oder auch ein größeres Stück Landschaft mit den erloschenen Vulkanen des Marxismus. Aber niemand sollte der Illusion zum Opfer fallen, daß diese wenigen Anhaltspunkte genügen, um den Flug zu steuern.“ (Luhmann 1987, S. 12 f.). – Christopher Busch

Literatur / Quellen:

  • Luhmann, Niklas: Soziale Systeme. Grundriß einer allgemeinen Theorie [1984], Frankfurt am Main: Suhrkamp 1987

Weblinks:

🖙 Wikipedia Systemtheorie

Schlagwörter: begrenzte Allheit, Buch, Didaktik, Draufblick, faktual, geordnet, Gesamtdiagramm, Gesamtprojektion, Idealpanoramatik, Inhaltspanoramatik, Konzept/Idee, Laufpräsentation, offen, Organisation, Panoramaflug, symbolisch, Text, textuell, unbegrenzte Allheit, Wissenschaft, Zentralblickpunkt, Zugleichspräsentation, Zugriffspräsentation

1983 – Stanisław Lem, One Human Minute

Dt. Eine Minute der Menschheit. Panoramatische Erzählung über den gesamtmenschheitlichen Weltzustand im Zeitrahmen einer einzigen Minute; gattungsinnovativ gerahmt und komprimiert als Rezension eines weitaus umfangreicheren fiktiven Buchs, das diesen Zustand zum Thema haben soll. – Johannes Ullmaier

Literatur / Quellen:

  • Lem, Stanislaw: Eine Minute der Menschheit, Frankfurt am Main: Suhrkamp 1983

Weblinks:

🖙 WIkipedia

Schlagwörter: Allwahrnehmung, Ästhetik, begrenzte Allheit, Buch, Didaktik, fiktional, Gesamtdiagramm, Gesamtprojektion, Idealpanoramatik, Laufpräsentation, Medialpanoramatik, offen, panoramatische Erzählung, symbolisch, Text, textuell, unbegrenzte Allheit, Universalchronik, Unterhaltung, Utopie/Dystopie

1982 – Videospielreihe, Microsoft Flighstimulator

Die Videospielreihe Microsoft Flightsimulator verspricht seit 1982, via Flugsimulation über den eigenen Heimcomputer möglichst realistisch an jeden Ort der Welt gelangen zu können. Die erste Version konnte lediglich acht Fluginstrumente und eine 2D Ebene darstellen. Demgegenüber benutzt der nunmehr zwölfte Ableger der Videospielreihe, der Microsoft Flight Simulator 2024, fortgeschrittene Methoden, um die gesamte Erde darzustellen. Zum einen setzt er per Algorithmus vorgefertigte Häuser, Straßen oder Bäume an jene Stellen in der digitalen Welt, wo sie auf der Onlinekarte von Bing zu finden sind. Zum anderen benutzt er bei größeren Städten Photogrammetrie (eine Technik, bei der durch die Analyse und Vermessung von Fotografien virtuelle 3D-Gebäude erstellt werden). Die höchste Stufe der Detailtreue lässt sich im Simulator jedoch dann finden, wenn Flughäfen oder Sehenswürdigkeiten per Hand (also nicht über einen Algorithmus) von einem Entwicklerteam digital nachgebaut wurden. Das Hauptentwicklerteam Asobo stattet den Simulator zusätzlich kontinuierlich mit „World Updates“ aus. Insgesamt beträgt die Größe dieser digitalen Welt über zwei Millionen Gigabyte. Um diese Datenmenge für einen Heimcomputer nutzbar zu machen, lädt der PC immer nur die Landschaften von einem Server herunter, die gerade in Reichweite des virtuellen Flugzeugs sind. Je nach Region schwankt der Detaillierungsgrad, sodass eine Person aus Wien sein/ihr Haus genau erkennen kann, wohingegen eine Person aus Damphu (Dorf im Buthan) im Flugsimulator nur auf ein generisches Haus trifft. Wer eine eigene Haustür hat, kann aber trotzdem davor landen, egal auf welchem Punkt der Erde – man muss nur das passende Luftfahrzeug wählen. – Till Bertram

Weblinks:

🖙 Offizielle Website

Schlagwörter: Animation, audiovisuell, begrenzte Allheit, bildvisuell, Diagramm, Didaktik, Draufblick, faktual, Fernblick, fiktional, Film, Foto, Gesamtarchiv, Gesamtdiagramm, Gesamtprojektion, haptisch, Immersion, Karte, Laufpräsentation, Medialpanoramatik, Medientechnik, mimetisch, Naturpanorama, offen, Organisation, Panoramaflug, schematisch, Speicher, Technik, Unterhaltung, Weltkarte, Zugleichspräsentation

1981 – Cyclomedia

Cyclomedia ist ein niederländisches Unternehmen im Bereich geografischer Informationssysteme, das sich auf die systematische Erfassung realer Umgebungen mithilfe hochauflösender 360-Grad-Panoramabilder, sogenannte Cycloramas, spezialisiert.

Die Grundlage dieser Bildproduktion ist ein mobiles Kamerasystem, das auf Fahrzeugen montiert wird und sich entlang von Straßen bewegt. Während der Fahrt werden in regelmäßigen Abständen überlappende Rundumaufnahmen erzeugt, die eine lückenlose Erfassung des Straßenraums ermöglichen. Die einzelnen Panoramen werden anschließend in einer Datenbank gespeichert und miteinander verknüpft, sodass ein zusammenhängender, digital navigierbarer Raum entsteht. Gleichzeitig ist die Bildqualität so hoch und die geometrische Verortung so präzise, dass innerhalb der Aufnahmen Messungen vorgenommen und dreidimensionale Modelle erzeugt werden können.

Die Entwicklung dieser Technologie lässt sich bis in die 1980er-Jahre zurückverfolgen. Erste Forschungsarbeiten zur Panoramafotografie entstehen an der Technischen Universität Delft, wo der Prototyp eines entsprechenden Kamerasystems entwickelt wird. Im Folgenden wird die Technik weiter ausgebaut und in den 1990er-Jahren in kommerzielle Anwendungen überführt. Ein frühes Beispiel für ihre praktische Nutzung ist die vollständige fotografische Erfassung der Stadt Rotterdam Mitte der 1990er-Jahre. Seitdem werden die Systeme kontinuierlich weiterentwickelt, insbesondere im Hinblick auf digitale Bildverarbeitung, automatisierte Auswertung und die Integration zusätzlicher Kameratechnologien.

Ziel von Cyclomedia ist es, die physische Welt in detaillierte, verlässliche Datensätze zu überführen, die als Grundlage für Analyse, Planung und Entscheidungsprozesse dienen können. Die erfassten Bildräume werden deshalb nicht primär für eine allgemeine Öffentlichkeit bereitgestellt (wie später ➚ Google Earth und ➚ Google Street View), sondern vor allem von Institutionen, Verwaltungen oder Unternehmen genutzt. Die Panoramaaufnahmen dienen damit nicht nur der Darstellung, sondern vor allem der operativen Nutzung von Raum.

Die Nutzung dieser Daten ist eng an spezifische Anwendungsbereiche gebunden. Insbesondere öffentliche Verwaltungen greifen auf die Bilddaten zurück, um Infrastrukturen zu planen, zu überwachen und zu verwalten, etwa im Bereich von Straßen, Verkehrsführung oder städtischer Entwicklung. Darüber hinaus werden die Panoramen für die Kontrolle und Aktualisierung von Kartenmaterial eingesetzt sowie zur Erstellung dreidimensionaler Stadtmodelle und virtueller Umgebungen. Durch die hohe Genauigkeit der Aufnahmen sind auch photogrammetrische Messungen möglich, wodurch sich Objekte im Raum exakt verorten lassen.

Ein weiterer Anwendungsbereich liegt in der automatisierten Auswertung der Bilddaten, etwa bei der Erkennung von Verkehrszeichen oder anderen Infrastrukturelementen. Signifikant ist dieses Verfahren insofern, als es große und komplexe räumliche Zusammenhänge effizient erfassbar und vergleichbar macht.

Der panoramatische Charakter des Systems ergibt sich aus der Verbindung von Rundumsicht und serieller Organisation. Jeder einzelne Aufnahmeort bietet eine vollständige 360-Grad-Perspektive, während die Vielzahl der miteinander verknüpften Aufnahmen einen kontinuierlichen, durchquerbaren Raum erzeugt. Auf diese Weise entsteht der Eindruck eines umfassenden Überblicks, der nicht an ein einzelnes Bild gebunden ist, sondern sich aus der Gesamtheit der Daten ergibt.

Zugleich beruht dieser Überblick auf einer technisch erzeugten und strukturierten Form von Sichtbarkeit. Der erfasste Raum erscheint vollständig, ist jedoch auf diejenigen Bereiche beschränkt, die tatsächlich aufgenommen wurden. Auch die zeitliche Dimension spielt eine Rolle, da die Aufnahmen nur einen bestimmten Zustand der Wirklichkeit festhalten. Das so entstehende Panorama ist daher kein neutrales Abbild, sondern ein spezifisch produzierter Ausschnitt, der durch technische Verfahren und institutionelle Anforderungen geprägt ist. – Aileen Derstroff (2026)

Weblinks:

🖙 Cyclomedia Webseite
🖙 Wikipedia

Schlagwörter: 360°, begrenzte Allheit, Bild, bildvisuell, Diagramm, faktual, Foto, geordnet, Gesamtdiagramm, Gesamtprojektion, Karte, Laufpräsentation, Medialpanoramatik, Medientechnik, mimetisch, offen, Organisation, Rahmenexpansion, Realpanoramatik, Technik, Überwachung, Zugleichspräsentation, Zugriffspräsentation