1768–1771 – Encyclopædia Britannica


Über Jahrhunderte hinweg maßgebliche englischsprachige Enzyklopädie; erste Auflage in drei Bänden hg. von William Smellie von 1768–1771. Bis 2004 wächst sie auf 75.000 Artikel in 32 Bänden an, erliegt als Print-Tradition aber 2012 der kostenlosen Online-Konkurrenz durch die Wikipedia. – Johannes Ullmaier

Weblinks:

🖙 Wikipedia

Schlagwörter: Bild, bildvisuell, Buch, Diagramm, Didaktik, Enzyklopädie, faktual, geordnet, Gesamtkompendium, Karte, Medialpanoramatik, mimetisch, Organisation, schematisch, Speicher, symbolisch, Tabelle, Technik, Text, textuell, unbegrenzte Allheit, Unterhaltung, Wissenschaft, Zugriffspräsentation

1756 – Giuseppe Vasi, Panoramatische Ansicht der Stadt Rom vom Gianicolo aus


Der Radierer Vasi bietet Touristen in Rom eine majestätische Ansicht der Stadt mitsamt Legende an, die aus zwölf großen Blättern zusammengesetzt ist. Sie zeigt in horizontaler Erstreckung detailliert Gebäude und Straßenzüge, wobei der Aufnahmewinkel schon ungefähr einen Halbkreis beschreibt. Den unteren Abschluss der Ansicht bildet eine fingierte Balustrade mit dem Vers des Dichters Martial „HINC SEPTEM DOMINOS VIDERE MONTES/ET TOTAM LICET AESTIMARE ROMAM“, zu Deutsch: „von hier aus erblickt man die sieben herrschaftlichen Hügel und kann den Anblick von ganz Rom genießen“. Das Werk verbindet die Tradition des Stadtplans in der Vogelschau mit der Panorama-Vedute. Von der Produktion von Veduten lässt sich eine Verbindung bis zu den großen Panoramarundbildern des 19. Jahrhunderts ziehen, die häufig ebenfalls den Rundblick über eine Stadt von einem erhöhten Standpunkt aus simulieren. – Clara Wörsdörfer

Literatur / Quellen:

  • Bätschmann, Oskar: Entfernung der Natur. Landschaftsmalerei 1750–1920, Köln: DuMont 1989, S. 87 f.
  • Weblinks:

    🖙 Vasi, Ansicht der Stadt Rom

Schlagwörter: (Aus-)Faltung, Ästhetik, Bild, bildvisuell, Denkmal, Didaktik, Draufblick, faktual, Fernblick, Gesamtprojektion, Großtableau, Karte, Medialpanoramatik, mimetisch, Panoramabild, Text, textuell, Überbreite, Unterhaltung, Wissenschaft, Zentralblickpunkt, Zugleichspräsentation

1753 – Giovanni Battista Tiepolo, Deckenfresko im Treppenhaus der Würzburger Residenz

Im Treppenhaus der Würzburger Residenz findet sich das wohl größte zusammenhängende Deckenfresko der Welt. Innerhalb des 19 × 32 m großen Rahmens erstreckt sich die durch die Wölbung vergrößerte Fläche auf rund 677 qm. Giovanni Battista Tiepolo (1696-1770), einer der bedeutendsten Freskenmaler seiner Zeit, schuf es zwischen 1752 und 1753 auf der Innenseite des Gewölbes, das Hofarchitekt Balthasar Neumann (1687-1753) errichtete.

Im Zentrum des Freskos steht der antike Götterhimmel. Die aufgehende Sonne wird durch den Lichtgott Apoll verkörpert. Die Welt ist als Allegorie der vier damals bekannten Kontinente – Amerika, Asien, Afrika und Europa – dargestellt, jeweils in Gestalt einer weiblichen Figur. Den Höhepunkt der Komposition bildet die Allegorie Europas, über der in einem schwebenden Medaillon der Auftraggeber, Fürstbischof Carl Philipp von Greiffenclau (1690-1754), als Förderer der Künste erscheint. Tiepolo integrierte zudem weitere Porträts der Beteiligten: sich selbst und seinen ältesten Sohn, Balthasar Neumann, den Stuckateur Antonio Giuseppe Bossi sowie den Wiener Maler Franz Ignaz Roth.

Tiepolo verzichtet bewusst auf eine Aufteilung in einzelne Szenen und entscheidet sich stattdessen für eine durchgehende Darstellung, die sich über das ganze Gewölbe erstreckt. Hierin zeigt sich ein in doppelter Hinsicht panoramatischer Gestaltungswille: Ikonographisch umfasst das Fresko die gesamte bekannte Welt; formal dehnt es sich lückenlos über die Gewölbefläche aus. Der Aufstieg entlang des Treppenhauses ist dabei als inszenierte Bewegungserfahrung angelegt: Zuerst erscheint das Bild von Amerika, dann folgen Afrika und Asien; erst nach einer 180-Grad-Wendung öffnet sich der Blick auf Europa. Zudem weist das Fresko keinen einzelnen zentralperspektivischen Fluchtpunkt auf, sondern befindet sich in einem Schwebezustand zwischen dem aufsteigenden Medaillon Greiffenclaus und der Abbildung des sich absenkenden Apoll. Die Stuckplastiken von Antonio Giuseppe Bossi fungieren dabei als „Scharniere“ zwischen Malerei und Architektur; sie ragen vom umlaufenden Sims in den Raum und lösen die Grenze zwischen Bild und Bauwerk auf.

Beim Bombenangriff auf Würzburg gegen Ende des Zweiten Weltkriegs wurden große Teile der Residenz zerstört. Das Deckenfresko blieb zwar erhalten, war jedoch der Witterung ausgesetzt und akut gefährdet. Durch den Einsatz des US-Offiziers und Kunstliebhabers John Davis Skilton wurde es mit provisorischen Holzdächern geschützt. Von 2003 bis 2006 wurde es aufwendig restauriert und ist seitdem wieder in seiner originalen Farbigkeit erlebbar. – Celestine Böer (2026)

Literatur / Quellen:

Weblinks:

🖙 Würzburger Residenz – Wikipedia
🖙 Deckenfresko im Treppenhaus – Wikipedia

Schlagwörter: Ästhetik, begrenzte Allheit, Bild, bildvisuell, Denkmal, Didaktik, Draufblick, faktual, fiktional, Gemälde, Gesamtprojektion, geschlossen, Großtableau, Medialpanoramatik, mimetisch, Mythos/Religion, Panoramabild, Skulptur, symbolisch, textuell, visuell, Zugleichspräsentation

1751–1780 – Diderot, Encyclopédie


Im Jahr 1751 erscheint der erste Band der Encyclopédie ou Dictionnaire raisonné des sciences, des arts et des métiers. Denis Diderot und Jean Baptiste le Rond d’Alembert verfassen ihre französischsprachige Enzyklopädie gemeinsam mit 142 Enzyklopädisten aus Kunst, Philosophie und Handwerk. Diderots Ziel ist es, „die auf der Erdoberfläche verstreuten Kenntnisse zu sammeln, um sie den nach uns kommenden Menschen zu überliefern, damit die Arbeit der vergangenen Jahrhunderte nicht nutzlos für die kommenden Jahrhunderte gewesen sei“ (Diderot/d’Alembert, Encyclopédie, S. V, 635). Im Gegensatz zu früheren Enzyklopädien fasst Diderot nicht nur Gelehrtenwissen, sondern auch Alltags- und Praxiswissen zusammen und setzt mit allein elf Tafelbänden auf ausgiebige bildliche Veranschaulichung. 1780 erscheint der letzte, 35. Band. – Sarah Karsten | Johannes Ullmaier

Literatur / Quellen:

  • Diderot, Denis/d’Alembert, Jean le Rond: Encyclopédie ou Dictionnaire raisonné des sciences, des arts et des métiers, Berlin: Fines Mundi 2022

Weblinks:

🖙 Wikipedia
🖙 ZEIT-Artikel

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1731–1754 – Johann Heinrich Zedler, Grosses vollständiges Universal-Lexicon Aller Wissenschafften und Künste


Mit 64 Bänden (plus 4 Supplementbänden), ca. 284.000 Artikeln und 276.000 Verweisen auf ca. 63.000 zweispaltigen Folioseiten verfolgt das wohl am größten angelegte enzyklopädische Projekt des 18. Jahrhunderts – vor Diderot – den Anspruch, das gesamte verfügbare Wissen alphabetisch aufzureihen und zu versammeln. – Bernd Klöckener

Literatur / Quellen:

  • Schneider, Ulrich Johannes: „Die Konstruktion des allgemeinen Wissens in Zedlers ‚Universal-Lexicon‘“. In: Wissenssicherung, Wissensordnung und Wissensverarbeitung. Das europäische Modell der Enzyklopädien, hg. von Theo Stammen und Wolfgang E. J. Weber, Berlin: Akademie Verlag 2004, S. 81–101

Weblinks:

🖙 Digitalisat
🖙 Wikipedia

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1704 – Michael Bernhard Valentini, Museum Museorum oder Schau-Bühne Aller Materialien und Specereyen


Das von 1704 bis 1714 in drei Bänden erschienene Museum Museorum (lat. Museum der Museen) des Experimentalphysikers, Naturforschers und Kuriositätensammlers Michael Bernhard Valentini steht als „Schau-Bühne aller Materialen und Specereyen“ in der Tradition der Wunderkammern und Kunstkabinette der Spätrenaissance, verfolgt dabei aber einen zukunftsweisenden wissenschaftlichen Anspruch. Die reichhaltige Sammlung versteht sich als Kompendium verschiedener Naturphänomene und beschränkt sich nicht auf den europäischen Kontinent, sondern präsentiert ausgiebig Trouvaillen von Valentinis zahlreichen außereuropäischen Forschungsreisen. Der erste Band beschäftigt sich mit Gesteinen, Kräutern, Metallen, Mineralien, Pflanzen und Tieren, ferner mit relevanten Maschinen und Instrumenten, zum Beispiel meteorologischen Messstationen. Im zweiten Band beschreibt der Autor die Geschichte und Ausstattung von vergangenen und gegenwärtigen Wunderkammern und Kuriositätenkabinetten, wohingegen er im dritten botanische ‚Kuriositäten‘ aus Ost- und Westindien vorstellt. In seiner Abundanz der Phänomene und Illustrationen präsentiert sich das Werk als eine Art ‚Museumsbuch für Alles aus aller Welt‘. – Nina Cullmann

Literatur / Quellen:

  • Valentini, Michael Bernhard: Museum Museorum, Oder Vollständige Schau-Bühne Aller Materialien und Specereye, 3 Bde., Frankfurt am Main: Johann David Zunne 1704

Weblinks:

🖙 Einführung
🖙 Digtitalisierte Version des Museum Museorum

Schlagwörter: Ästhetik, Bild, bildvisuell, Buch, Denkmal, Didaktik, Enzyklopädie, faktual, geordnet, Gesamtarchiv, Gesamtkompendium, Karte, Medialpanoramatik, mimetisch, offen, Organisation, panoramatische Diskursform, schematisch, Speicher, Technik, Text, textuell, Unterhaltung, Zeichnung, Zugriffspräsentation

1694 – Andrea Pozzo, Apotheose des hl. Ignatius

Exemplarisches barock- und halbkuppel-illusionistisches Deckengemälde mit Aufblick in die himmlische Unendlichkeit. Darüber hinaus wird der globale Missionsanspruch der Jesuiten in alle vier Himmelsrichtungen markiert. – Johannes Ullmaier

Literatur / Quellen:

  • Berger, Klaus/Beinert, Wolfgang/Wetzel, Christoph u. a.: Bilder des Himmels. Die Geschichte des Jenseits von der Bibel bis zur Gegenwart, Freiburg i. B.: Herder 2006, S. 104
Schlagwörter: 360°, Ästhetik, Bauwerk, Bild, bildvisuell, Denkmal, Didaktik, Fernblick, fiktional, Gemälde, Gesamtprojektion, Großtableau, Halbkugel, Medialpanoramatik, Medientechnik, mimetisch, Mythos/Religion, Panoramabild, schematisch, symbolisch, Überbreite, Unterhaltung, Zentralblickpunkt, Zugleichspräsentation

1664 – Gottorfer Globus


Etwa um 1650 beschließt der Herzog von Schleswig-Holstein-Gottorf, Friedrich III. (1597-1659), ein besonderes Schauhaus in seinem Schlossgarten bauen zu lassen. Darin soll ein begehbarer Globus mit einem Durchmesser von 3,11 m präsentiert werden, der außen wie üblich die Erdoberfläche, im Inneren aber zusätzlich den Sternenhimmel darstellt. Die damals in kleinerem Format schon bekannte, doch meist auf den Kugeloberflächen von zwei separaten Globen präsentierte Kombination von Erd- und Himmelsglobus wird so zu einem einzigen Objekt vereint. Allerdings wird dieses erst 1664 fertig, fünf Jahre nach dem Tod des Auftraggebers. Dank einer ausgeklügelten Mechanik lässt sich die Kugel von außen durch eine Handkurbel drehen, so dass man – im Inneren des Globus‘ sitzend – den Sternenhimmel um sich kreisen sieht. Damit nimmt der Gottorfer Globus die Form der späteren Georamen und die Beweglichkeit der späteren Dioramen vorweg, während sein Inneres die Vorform eines Planetariums bildet. Das Originalmodell wird 1717 an Zar Peter den Großen verschenkt und befindet sich heute in der Sankt Petersburger Ermitage. Im Gottorfer Schloss ist seit 2005 ein originalgetreuer Nachbau zu bewundern. – Maximilian Bärtl (2026)

Literatur / Quellen:

  • Lühning, Felix: „Der Gottdorfer Globus und das Globushaus im ‚Newen Werck‘“. In: Katalogband IV der Sonderausstellung „Gottorf im Glanz des Barock“. Schleswig 1997.

Weblinks:

🖙 Virtueller Rundgang
🖙 Website des Landesmuseums SH

Schlagwörter: 360°, Animation, Ästhetik, Bauwerk, begrenzte Allheit, Bild, bildvisuell, Denkmal, Didaktik, Draufblick, Event/Performance, faktual, Fernblick, fiktional, Gemälde, Gesamtprojektion, geschlossen, Globus, Immersion, Kugel, Medialpanoramatik, Medieninstallation, mimetisch, Mythos/Religion, Rundbau, schematisch, symbolisch, Technik, Text, textuell, Unterhaltung, Wissenschaft, Zentralblickpunkt

1609 – Galileo Galilei, erstes Teleskop für astronomische Nutzung


Galileo Galilei entwickelt aus dem im Vorjahr erfundenen „niederländischen Fernrohr“ Hans Lipperheys ein Sichtgerät, das Himmelskörper in 14-facher Vergrößerung zu sehen erlaubt. Dieses erste Teleskop besteht aus einem Holzrohr, das außen mit Papier verkleidet ist, einer Zerstreuungslinse und einem Objektiv, welches im Durchmesser 5,1 cm und an der dicksten Stelle 2,1 cm misst. Galileis Weiterentwicklung ist ein Markstein in der Geschichte des panoramatischen Bestrebens, immer genauer und weiter in die Welt und insbesondere ins Weltall auszuschauen, die über viele Zwischenschritte bis zum James-Webb-Weltraumteleskop führt. – Caroline Klein | Johannes Ullmaier

Literatur / Quellen:

  • Reeves, Eileen Adair: Galileos glassworks: the telescope and the mirror, Cambridge MA: Harvard University Press 2008

Weblinks:

🖙 Galilei-oder holländisches Fernrohr

Schlagwörter: bildvisuell, Denkmal, Didaktik, faktual, Fernblick, Medialpanoramatik, Medientechnik, mimetisch, Naturpanorama, Organisation, Realpanoramatik, Technik, Überwachung, Wissenschaft, Zugleichspräsentation

1608 – Erfindung des Fernglases

Am 2. Oktober 1608 präsentiert der deutsch-niederländische Brillenmacher Hans Lipperhey (1570–1619) dem Rat von Zeeland seine Erfindung des Fernglases. Darin ist eine Sammellinse in einer Röhre aus Holz, Pappe oder Leder in einer bestimmten Entfernung von einer Zerstreuungslinse befestigt. Da Galileo Galilei das Prinzip wenig später adaptiert und zum ersten Teleskop weiterentwickelt, wird das Konzept oft auch als Galilei-Fernrohr bezeichnet. Der Rat von Zeeland beauftragt Lipperhey mit der kommerziellen Fertigung, woraufhin sein Fernglas ab 1609 unter dem Namen „Teleskope“ zuerst in Paris und noch im selben Jahr auch in Deutschland und Italien verkauft wird. Lipperhey beantragt für seine Erfindung ein Patent, doch da auch Jacob Metius und Zacharias Janssen Anspruch darauf erheben, wird es dem Erfinder verwehrt. – Caroline Klein

Literatur / Quellen:

  • Riekher, Rolf: Fernrohre und ihre Meister, Berlin: Verlag Technik 1957

Weblinks:

🖙 Die Geschichte des Teleskops 

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