ca. 1980 – Michel De Certeau, Blick vom World Trade Center

In seiner Kunst des Handelns beschreibt De Certeau den vom World Trade Center aus über New York City schweifenden Blick als Lektüreprozess: „Der Betrachter kann hier in einem Universum lesen, das höchste Lust hervorruft“, nämlich die, „diesen maßlosesten aller menschlichen Texte zu ‚überschauen‘, zu überragen und in Gänze aufzufassen.“ Dabei nehme der Betrachter eine quasi-göttliche, Ikarus-gleiche Position ein, wie sie die Malerei vorweggenommen habe: „Der Wille, die Stadt zu sehen, ist den Möglichkeiten seiner Erfüllung vorausgeeilt. Die Malerei des Mittelalters und der Renaissance zeigte die Stadt aus der Perspektive eines Auges, das es damals noch gar nicht gab. Die Maler erfanden gleichzeitig das Überfliegen der Stadt und den Panoramablick, der dadurch möglich wurde. Bereits diese Fiktion verwandelte den mittelalterlichen Betrachter in ein himmlisches Auge. Sie schuf Götter.“ (De Certeau, Kunst des Handelns, S. 179–182). – Bernd Klöckener

Literatur / Quellen:

  • De Certeau, Michel: Kunst des Handelns, Berlin: Merve 1988
  • Reiffers, Moritz: Das Ganze im Blick, Bielefeld: transcript 2013, S. 9–12
Schlagwörter: Allwahrnehmung, Ästhetik, Bauwerk, Didaktik, Draufblick, Ekphrasis, faktual, Fernblick, Gesamtprojektion, Inhaltspanoramatik, Medialpanoramatik, Mythos/Religion, Panorama-Diskurs, Realpanoramatik, symbolisch, Text, textuell, unbegrenzte Allheit, Utopie/Dystopie, visuell, Wissenschaft, Zugleichspräsentation

1980 – Fred Frith, The Entire Works of Henry Cow

Auf dem LP-Sampler Miniatures (A Sequence Of Fifty-One Tiny Masterpieces Edited By Morgan-Fisher), dessen Konzept darin besteht, allen Beteiligten je eine Minute Raum zu geben, ballt Fred Frith (unmittelbar nachdem David Beford Wagner’s Ring in One Minute abgehandelt hat) per collagierender Überschichtung sämtliche Stücke seiner langjährigen, doch zuvor aufgelösten Band Henry Cow auf engstem Raum zusammen. In den Liner Notes erläutert Kompilator Morgan-Fischer: „This is probably the densest piece on this LP. It contains a portion of every single track by Fred’s old band Henry Cow, assembled according to a strict mathematical system. Listen carefully, you can hear Dagmar Krause, Lindsay Cooper, Chris Cutler, Tim Hodginson, Geoff Leigh, Johnn Greaves, Anthony Moore, and Peter Blegvad.“ Einzelnes herauszuhören ist jedoch schwierig, weil in Friths Mikro-Pansonorama zwar ‚alles da‘, doch zwischen Maximalverdichtung und (Selbst-)Vernichtung so gut wie nichts mehr zu erkennen ist. – Johannes Ullmaier

Weblinks:

🖙 Miniatures auf Discogs

Schlagwörter: Ästhetik, auditiv, Denkmal, faktual, fiktional, Gesamtarchiv, Gesamtkompendium, Gesamtprojektion, Hörwerk, Laufpräsentation, Medialpanoramatik, Mikropanoramatik, mimetisch, schematisch, Text, Unterhaltung, Wimmelbild, Zeitensynopse, Zugleichspräsentation

ca. 1980 – David Hockney, Joiners


In den 1980er Jahren erschafft der britische Maler und Fotograf David Hockney seine aus mehreren Bildern zusammengefügten Fotocollagen, die er Joiners nennt. Dafür benutzt er die nebeneinander liegenden Polaroid-Snaps und später auch 35-mm-Filmabzüge. Solche Collagen, die aus von verschiedenen Perspektiven aufgenommene Fotos eines Gegenstandes zusammengefügt sind und darin strukturelle Prallelen zum analytischen Kubismus in der Malerei zeigen, firmieren als fotografische Technik allgemein unter der Bezeichnung Panografie. Hockneys Motive sind häufig Landschaften, Räume oder auch Porträts. Mit seinen Joiners erforscht Hockney, wie das Sehen und das Wahrnehmen funktionieren. Außerdem möchte er einen anderen Zugang zur Perspektive und Komposition in der Fotografie finden. So hinterfragt etwa seine im Februar 1983 geschaffene Collage Walking In The Zen Garden At The Ryoanji Temple die westliche Sicht auf die fotografische Kunst. Das Bild entsteht aus mehreren einander überlappenden Fotos des japanischen Steingartens, die aus verschiedenen Blickwinkeln aufgenommen wurden. Diese Technik, die er später weiterentwickelt, bricht die gewöhnliche Weise, ein Kunstwerk zu betrachten, und zieht den Rezipienten in das Bild hinein. Hockney selbst sagt dazu: „It was an attack on perspective it was all about the spectator’s being in the picture, not outside it an attack on the window idea, that Renaissance notion of the painting’s being as if slotted into a wall, which I’d always felt implied the wall and hence separation from the world.“ – Alina Keim / Sofya Sinelnikova

Weblinks:

🖙 The David Hockney Foundation
🖙 David Hockney, Wikipedia Englisch

Schlagwörter: Ästhetik, Bild, bildvisuell, Foto, Gesamtprojektion, Immersion, Konzept/Idee, Medialpanoramatik, mimetisch, Panoramabild, schematisch, Zugleichspräsentation

1977 – Cosmic Zoom in Powers of 10

Der naturwissenschaftsdidaktische Kurzfilm Powers of 10 (USA 1977, R: C. Eames/R. Eames) bewegt sich in einem Zoom bis zu den Enden des Makro- und des Mikrokosmos. Die Kamera blickt von oben auf eine Picknickszene und entfernt sich auf vertikaler Achse in die Höhe. Eine Erzählstimme erklärt, dass das Herauszoomen in Zehnerpotenzen erfolgt (10 m, 100 m, 1000 m, schließlich zehn hoch 24 m). Die aufeinanderfolgenden Bilder führen von den Straßen Chicagos über den Kontinent, die Erde, das Sonnensystem und die Milchstraße bis in die dunkle, leere Weite des Universums. An diesem Wendepunkt angelangt, zoomt der Film rasch zurück an den Ausgangspunkt und beginnt dann in die Haut des Mannes einzutauchen, der auf der Picknickdecke schläft: durch das Gewebe und die Zellen bis zur subatomaren Ebene, wo die virtuelle Kamera die Zoomrichtung erneut ändert und zur Ausgangsszene zurückführt. Da sich der kontinuierliche Zoom über verschiedene ineinanderlaufende Bilder bewegt, ist die dargestellte Welt virtuell und kein realer Raum. So stellt der Film durch sein spielerisches und didaktisches Verfahren für das menschliche Auge unsichtbare Orte dar und ermöglicht eine sukzessiv verlaufende, panoramatische Wahrnehmung der Proportionen des Universums. – Johannes Noss

Literatur / Quellen:

  • Tollmann, Vera: Sicht von oben. „Powers of Ten“ und Bildpolitiken der Vertikalität, Leipzig: Spector Books 2023, S. 59–70

Weblinks:

🖙 YouTube

Schlagwörter: Allwahrnehmung, Animation, Ästhetik, bildvisuell, Didaktik, faktual, Fernblick, Film, geordnet, Gesamtkompendium, Gesamtprojektion, Laufpräsentation, Medialpanoramatik, mimetisch, Rahmenexpansion, Realpanoramatik, schematisch, Unterhaltung, Wissenschaft

1977 – Theory of Everything

In einem Vorlesungsskript des Physikers Harald Fritzsch, der zu dieser Zeit am CERN wirkt, findet sich die erste bekannte Erwähnung des auf eine physikalische Gesamtbeschreibung der Welt zielenden, wenngleich nicht auf eine einzelne ‚Weltformel‘ beschränkten Terminus. Anfangs oft skeptisch-ironisch, später aber immer ernsthafter gebraucht, etabliert sich die all-um- und -begreifende Wortchiffre in der Folge für die ausstehende Symbiose der bislang unvermittelten physikalischen Grundlagentheorien. Seit John Eills’ Verwendung in einem Nature-Artikel 1986 scheint sie sich indes zunehmend auf die Vereinigung von starker und schwacher Wechselwirkung zu verengen und den zuvor dafür gebräuchlichen Ausdruck „Grand Unified Theory“ im populären Gebrauch zu verdrängen. Unter panoramatik-begrifflichem Aspekt ist daran vor allem die fließende kognitive Skalierbarkeit der Wendung auf in der Sache äußerst verschiedene Phänomene, Konzepte und Größendimensionen signifikant. – Johannes Ullmaier

Literatur / Quellen:

  • Ellis, John: „The Superstring: Theory of Everything, or of Nothing?“. In: Nature 323 (1986), H. 6089, S. 595–598

Weblinks:

🖙 Wikipedia
🖙 Skript von Harald Fritzsch

Schlagwörter: faktual, Gesamtdiagramm, Gesamtkompendium, Gesamtprojektion, Idealpanoramatik, Konzept/Idee, schematisch, symbolisch, Text, textuell, unbegrenzte Allheit, Wissenschaft

1976 – Saul Steinberg, View of the World from 9th Avenue

Karikaturistische Parodie auf egozentrische Erdansichten: In der US- bzw. New-York-situierten Metropolen-Perspektive auf ‚die ganze Welt‘ erscheinen die 9th und 10th Avenue sehr groß, dahinter aber alles immer grotesker verkleinert und verkürzt, vergleichsweise ‚winzig‘ u. a. „China“, „Japan“ oder „Russia“. – Johannes Ullmaier

Weblinks:

🖙 Abbildung

Schlagwörter: Ästhetik, Bild, bildvisuell, Didaktik, faktual, Fernblick, fiktional, Gesamtprojektion, Konzept/Idee, Medialpanoramatik, Mikropanoramatik, mimetisch, Panorama-Diskurs, Panoramabild, schematisch, symbolisch, Text, textuell, Unterhaltung, Zeichnung, Zentralblickpunkt, Zugleichspräsentation

1976 – Peter Handke, Notizbücher / Das Gewicht der Welt

Dass Autoren Einfälle, Beobachtungen und Formulierungen in mitgeführten Kladden festhalten, um sie in ihre Werke einzuarbeiten, ist nicht ungewöhnlich. Auch Peter Handke tut das früh. Um Mitte der 1970er-Jahre intensiviert und autonomisiert sich dieses Aufschreiben bei ihm jedoch zu einem tagtäglichen Mitschreiben der eigenen Welterfahrungsspur, was sich als perzeptive Einstellung fortan verstetigt und im einzelnen Notat verdichtet. Ab März 1976 begreift er diesen Schreibpfad selbst als genuines und zentrales Werk, „mein persönliches Epos“ (Handke, Das Gewicht der Welt, S. NB12, 44). Bis 2025 füllt es weit über zweihundert umfängliche Notizbücher. Im Juni 2024 werden die ersten 21 davon, die den Zeitraum von März 1976 bis November 1979 umfassen, als Online-Edition veröffentlicht. Im Weiteren sollen zunächst die folgenden 26 (1979–1986) der 75 bis zum Juli 1990 entstandenen Bucheinheiten jeweils sowohl in ihrer handschriftlichen Originalgestalt als auch transkribiert und kommentiert zugänglich werden, letztlich aber alle dieser (bis heute fortgeführten) Aufzeichnungen. Aus der Chronik der laufenden Berührung von umgebender und innerer Wirklichkeit, von Augen, Kopf und Körper, Hand, Stift, Blatt und Buch erwächst eine dichte „Reportage“ von Bewusstseins-Ereignissen aller Art (Handke, Das Gewicht der Welt, S. 6), in deren – am Anfang so privater wie am Ende weltweit öffentlicher – Form der Literaturnobelpreisträger von 2019 Das Gewicht der Welt erfährt. Unter letzterem Titel und dem Untertitel Ein Journal (November 1975 – März 1977) erscheint 1977 bereits ein erstes Buch, das diese Schreibpraxis publik macht und den Übergang vom Werknotizkompendium zum Weltregistraturmedium markiert. Neben autonomen Notaten und Alltagsprotokollen, etwa von einem Aufenthalt im Krankenhaus, enthält es zugleich Arbeitsjournal-Vermerke für die 1976 erschienene und im Jahr darauf verfilmte Erzählung Die linkshändige Frau. Spätere Journal-Buchpublikationen wie Die Geschichte des Bleistifts (1982), Phantasien der Wiederholung (1983), Am Felsfenster morgens (1998), Gestern unterwegs (2005), Ein Jahr aus der Nacht gesprochen (2010) und Vor der Baumschattenwand nachts (2016) gehören dem Notizsektor von vornherein zu und bilden in der Werkausgabe von 2018 folgerichtig eine eigene Sektion, der auch die anschließend noch erschienenen Innere Dialoge an den Rändern. 2016–2021 (Handke, Innere Dialoge) zuzuzählen wären. Zwar enthalten auch diese gedruckten Notizensammlungen weiterhin Werknotizen, allerdings nun eingebettet in den großen Strom. Dass sie weder in Material noch Form mit den zugrundeliegenden Notizbüchern identisch sind, zeigt sich eindrücklich im Abgleich mit der Printpublikation eines der Originalhefte (Handke, Die Zeit und die Räume) parallel zu deren Online-Präsentation. – Katharina Pektor / Johannes Ullmaier

Literatur / Quellen:

  • Handke, Peter: Das Gewicht der Welt. Ein Journal (November 1975 – März 1977), Salzburg: Residenz 1977
  • Handke, Peter: Journale. 3 Bde., Berlin: Suhrkamp 2018
  • Handke, Peter: Innere Dialoge an den Rändern. 2016–2021, Salzburg/Wien: Jung und Jung 2022
  • Handke, Peter: Die Zeit und die Räume. Notizbuch 24. April – 26. August 1978, Berlin: Suhrkamp 2022
  • Pektor, Katharina: „Leuchtende Fragmente. Über Peter Handkes Notizbücher und Journale“. In: „Das Wort sei gewagt“. Ein Symposium zum Werk von Peter Handke, hg. von Attila Bombitz und Katharina Pektor, Wien: Praesens 2019, S. 253–287

Weblinks:

🖙 Homepage Notizbuch-Edition
🖙 Homepage zu Peter Handke

Schlagwörter: Ästhetik, Buch, Ekphrasis, faktual, fiktional, geordnet, Gesamtarchiv, Gesamtdiagramm, Gesamtkompendium, Gesamtprojektion, Laufpräsentation, Medialpanoramatik, Medientechnik, Mikropanoramatik, mimetisch, offen, panoramatische Diskursform, Speicher, symbolisch, Text, textuell, Universalchronik, Zeitensynopse, Zugleichspräsentation

1975 – Michel Foucault, Surveiller et punir

In seinem Werk Surveiller et punir. Naissance de la prison (dt. Überwachen und Strafen. Die Geburt des Gefängnisses) beschäftigt sich Michel Foucault mit der Historie von europäischen Strafanstalten und stellt dabei die Frage nach den Machtmodellen und -techniken in den Mittelpunkt, die sich durch die neue bürgerliche Gesellschaft etablierten. Diese untersucht er mit Blick auf die Hypothese eines Bruchs von einer Souveränitäts- hin zu einer Disziplinargesellschaft, den er für das 18. Jahrhundert diagnostiziert und vor allem durch die Automatisierung, Entindividualisierung und die Unabhängigkeit von den jeweils Machtausübenden gekennzeichnet sieht, ferner durch eine Anordnung der Körper im Raum, welche die Individuen transparent mache. Indem sie ständiger Sichtbarkeit unterlägen, internalisierten sie das Machtverhältnis derart, dass es zum Prinzip der eigenen Unterwerfung werde. Dies geschehe vor allem im Rahmen disziplinierender Institutionen (Familie, Schule, Gefängnis, Fabrik etc.), die das sie durchlaufende Individuum normalisierten. Phänotypisch ausgeprägt sieht Foucault diese neue Gesellschaftsformation in Benthams Panopticon-Konzept, dessen „Panoptismus“ er ein eigenes Kapitel widmet. Zentral sei dabei die Uneinsehbarkeit der Macht bei gleichzeitiger permanenter Sichtbarkeit der Individuen: „Das Panopticon ist eine Maschine zur Scheidung des Paares Sehen/Gesehenwerden: im Außenring wird man vollständig gesehen, ohne jemals zu sehen; im Zentralturm sieht man alles, ohne je gesehen zu werden.“ (Foucault, Überwachen und Strafen, S. 259). – Nina Cullmann

Literatur / Quellen:

  • Foucault, Michel: Überwachen und Strafen. Die Geburt des Gefängnisses [1975], Frankfurt am Main: Suhrkamp 2012, S. 251–292

Weblinks:

🖙 Deutschlandfunk Kultur 

Schlagwörter: 360°, Allwahrnehmung, Bauwerk, Blicktransparenz, Buch, Didaktik, faktual, Gesamtprojektion, geschlossen, Idealpanoramatik, Inhaltspanoramatik, Konzept/Idee, Organisation, Panorama-Diskurs, Realpanoramatik, Rundband, Rundbau, Text, textuell, Überwachung, Utopie/Dystopie, Wissenschaft, Zentralblickpunkt, Zugleichspräsentation

1974 – Heinz Emigholz, Arrowplane

Der Film „stellt die Multiplikation eines Kameraschwenks mit sich selbst dar, angewandt auf drei Landschaften – Wiesenhügel, Stadt und Strand. Die Kamera ist während der Aufnahmen fest an einem Ort montiert. Der Schwenkwinkel beträgt in allen drei Teilen 180 Grad. Auf jedem dritten Grad liegt ein Einstellungspunkt für die Kamera. Fotografiert wurde nur von diesen, auf dem Stativ vorgegebenen Einstellungspunkten aus. Es wurden nur einfach belichtete Einzelbilder aufgenommen.“ Schon die aus Tausenden Einzelbildern zusammengesetzten Filme Schenec-Tady I– III (1972–1974), dem „Great Birnam Wood“ (Macbeth) gewidmet, wenden ein strikt panoramatisches Verfahren an, wobei der Filmemacher allerdings eher an (simultaner) Zeit- als an Raumrepräsentation interessiert ist. Auch Tide (1974) erfasst zur Darstellung von Ebbe und Flut einen „horizontalen Schwenkbereich von 180 Grad“. Er zeigt „eine Simulation zweier symmetrisch entgegengesetzter Schwenkbewegungen, die sich gleichzeitig im Nullpunkt treffen“. – Stefan Ripplinger

Literatur / Quellen:

  • Franke, Anselm (Hg.): Counter Gravity. Die Filme von Heinz Emigholz, Köln: König 2022, S. 14–29
Schlagwörter: Ästhetik, audiovisuell, bildvisuell, faktual, Film, geordnet, Gesamtprojektion, geschlossen, Halbrundband, Laufpräsentation, Medialpanoramatik, mimetisch, Naturpanorama, schematisch, Zentralblickpunkt

1974 – Quadrophonie, The Cosmic Jokers

Psychedelic-LP und zugleich (Quadro-)Seriendebüt einer Krautrock-All-Starband. Hier stellvertretend für das – in diesem Fall auch programmatisch als kosmische All-Entgrenzung gespiegelte – Streben nach Klangpanorama-(Wiedergabe-)Erweiterung über das seit Ende der 1960er-Jahre durchgesetzte Stereo-Format hinaus. Anknüpfend an jahrzehntelange Vorerkundungen in der Studiotechnik, in der Neuen Musik, bei Tonband-Veröffentlichungen sowie – auf das Vinylmedium bezogen – in der seit 1971 lancierten Quadrophonic-Serie der Plattenfirma CBS, propagiert der deutsche Underground-Pop-Impresario Rolf-Ulrich Kaiser die Quadrophonie als utopisch aufgeladenen Zukunftsstandard – bis dahin, dass er seinen Labelstar Klaus Schulze dazu drängt, sich in „Klaus Quadro Schulze“ umzubenennen, was dieser allerdings verweigert. Auch insgesamt erweist sich die – im Vinylmedium ohnehin nur in einer Pseudoform (SQ Quadro) realisierbare – Idee, per Mehrkanalaufzeichnung und -wiedergabe, d. h. durch Verteilung von vier Lautsprechern im Raum links und rechts jeweils vorn und hinten, eine allumfassende raum-akustische Repräsentation und damit ein vertieftes Immersionserlebnis zu gewährleisten, als impraktikabel. Denn obwohl Alben wie Pink Floyds – studiotechnisch für die Quadro-Wiedergabe produzierter – Langzeit-Bestseller The Dark Side of the Moon von 1973 prominent dazu einladen, setzen sich die dafür notwendigen Abspielgeräte aus Raum- und Kostengründen nicht breit durch. Nachfolgetechniken wie Dolby-Surround und 5.1. haben mehr Erfolg, vor allem als Teil gehobener Heimkino-Settings. – Johannes Ullmaier

Weblinks:

🖙 Discogs Cosmic Jokers
🖙 Wikipedia

Schlagwörter: 360°, Ästhetik, auditiv, Gesamtprojektion, geschlossen, Hörwerk, Immersion, Laufpräsentation, Medialpanoramatik, Medientechnik, mimetisch, offen, Rahmenexpansion, Technik, Unterhaltung, Zentralblickpunkt, Zugleichspräsentation