1982 – Richard Paul Lohse, Farbkomplementäre Reihen

Das 284 × 1846 cm große, aus 2 × 13 horizontal übereinander angeordneten, monochromen Elementen bestehende Wandbild (Acryl gespritzt auf Aluminium, montiert auf Beton; Lesesaal des Staatsarchivs des Kantons Zürich) weist, wie Bruno Weber konstatiert hat, insofern eine panoramatische Struktur auf, als es eine Rundsicht veranschaulicht, „welche grundsätzlich keinen Anfang und kein Ende hat“, und zwar in Form einer „horizontal gerichtete[n] Bewegung, die zu ihrem Ausgangspunkt zurückfindet. Das Panorama formuliert, so verstanden, das Paradox eines geschlossenen, aber unendlich erweiterbaren Weltbilds.“ (Weber, „Formen und Funktion älterer Panoramen“, S. 257). – Bernd Klöckener

Literatur / Quellen:

  • Weber, Bruno: „Formen und Funktion älterer Panoramen. Eine Übersicht“. In: Zeitschrift für Schweizerische Archäologie und Kunstgeschichte 42 (1985), H. 4, S. 257–268

Weblinks:

🖙 Abbildung

Schlagwörter: Ästhetik, Bild, bildvisuell, Diagramm, Didaktik, Gemälde, geordnet, Gesamtdiagramm, Gesamtprojektion, geschlossen, Medialpanoramatik, Panoramabild, schematisch, Zugleichspräsentation

ca. 1980 – David Hockney, Joiners


In den 1980er Jahren erschafft der britische Maler und Fotograf David Hockney seine aus mehreren Bildern zusammengefügten Fotocollagen, die er Joiners nennt. Dafür benutzt er die nebeneinander liegenden Polaroid-Snaps und später auch 35-mm-Filmabzüge. Solche Collagen, die aus von verschiedenen Perspektiven aufgenommene Fotos eines Gegenstandes zusammengefügt sind und darin strukturelle Prallelen zum analytischen Kubismus in der Malerei zeigen, firmieren als fotografische Technik allgemein unter der Bezeichnung Panografie. Hockneys Motive sind häufig Landschaften, Räume oder auch Porträts. Mit seinen Joiners erforscht Hockney, wie das Sehen und das Wahrnehmen funktionieren. Außerdem möchte er einen anderen Zugang zur Perspektive und Komposition in der Fotografie finden. So hinterfragt etwa seine im Februar 1983 geschaffene Collage Walking In The Zen Garden At The Ryoanji Temple die westliche Sicht auf die fotografische Kunst. Das Bild entsteht aus mehreren einander überlappenden Fotos des japanischen Steingartens, die aus verschiedenen Blickwinkeln aufgenommen wurden. Diese Technik, die er später weiterentwickelt, bricht die gewöhnliche Weise, ein Kunstwerk zu betrachten, und zieht den Rezipienten in das Bild hinein. Hockney selbst sagt dazu: „It was an attack on perspective it was all about the spectator’s being in the picture, not outside it an attack on the window idea, that Renaissance notion of the painting’s being as if slotted into a wall, which I’d always felt implied the wall and hence separation from the world.“ – Alina Keim / Sofya Sinelnikova

Weblinks:

🖙 The David Hockney Foundation
🖙 David Hockney, Wikipedia Englisch

Schlagwörter: Ästhetik, Bild, bildvisuell, Foto, Gesamtprojektion, Immersion, Konzept/Idee, Medialpanoramatik, mimetisch, Panoramabild, schematisch, Zugleichspräsentation

1977 – Magnetresonanztomografie


Magnetfeldbasiertes Bildgebungsverfahren zur Transparentmachung und Erfassung innerkörperlicher Strukturen, das im Unterschied zur Röntgentomografie keine Strahlenbelastung impliziert. Theoretische Grundlegung 1971 durch Paul C. Lauterbur. Die erste MRT-Aufnahme eines menschlichen Körpers gelingt 1977 dem Schotten Raymond Damadian. – Lea-Sophie Dettmann | Johannes Ullmaier

Weblinks:

🖙 Siemens-Homepage zur Entwicklungsgeschichte
🖙 Wikipedia

Schlagwörter: Bild, bildvisuell, Blicktransparenz, Diagramm, faktual, geordnet, Medialpanoramatik, Medientechnik, mimetisch, schematisch, Technik, Überwachung, Wissenschaft, Zeitensynopse, Zugleichspräsentation

1976 – Saul Steinberg, View of the World from 9th Avenue

Karikaturistische Parodie auf egozentrische Erdansichten: In der US- bzw. New-York-situierten Metropolen-Perspektive auf ‚die ganze Welt‘ erscheinen die 9th und 10th Avenue sehr groß, dahinter aber alles immer grotesker verkleinert und verkürzt, vergleichsweise ‚winzig‘ u. a. „China“, „Japan“ oder „Russia“. – Johannes Ullmaier

Weblinks:

🖙 Abbildung

Schlagwörter: Ästhetik, Bild, bildvisuell, Didaktik, faktual, Fernblick, fiktional, Gesamtprojektion, Konzept/Idee, Medialpanoramatik, Mikropanoramatik, mimetisch, Panorama-Diskurs, Panoramabild, schematisch, symbolisch, Text, textuell, Unterhaltung, Zeichnung, Zentralblickpunkt, Zugleichspräsentation

1975 – Dieter Roth, Zeitschrift für Alles / Review for Everything / Tímarit fyrir Allt

Programmatisch heisst es in der ersten Nummer: „Review For Everything accepts and publishes everything that is submitted. Up to 4 pages from each contributor.“ Ohne Ansehen von Inhalt, Form, Sprache, Qualität oder Prominenz publiziert Dieter Roths Printorgan ab 1975 über zehn prallvolle Ausgaben hinweg (so gut wie) alles, was dort eingesandt wird – und liegt damit gemessen am Schnitt dessen, was zeitgleich oder später insgesamt an Zeitschriften erscheint, auf der Qualitätsskala weit oben. Nachdem die Nummer 10 (1987) schon zwei Teilbände braucht, wird selbst Roth – als wohl größter Copia-Künstler der Moderne – der Fülle nicht mehr Herr und muss die Zeitschrift einstellen. – Johannes Ullmaier

Literatur / Quellen:

  • Roth, Dieter (Hg.): Zeitschrift für Alles / Review for Everything / Tímarit fyrir Allt, Basel/Stuttgart: Dieter Roth Verlag/Edition Hansjörg Meyer 1975
Schlagwörter: Ästhetik, Bild, bildvisuell, Denkmal, faktual, fiktional, Gesamtarchiv, Gesamtkompendium, Konzept/Idee, Laufpräsentation, Medialpanoramatik, mimetisch, offen, panoramatische Diskursform, Rahmenexpansion, schematisch, Skulptur, Speicher, symbolisch, Text, textuell, Überbreite, unbegrenzte Allheit, Unterhaltung, Wimmelbild, Zugleichspräsentation

1972–1989 – Werner Tübke, Bauernkriegspanorama

Die Entstehung des Panoramabildes geht auf den 1972 von der SED-Sekretärin Edith Brandt formulierten Plan zurück, zum 450. Jahrestag des deutschen Bauernkriegs am Schlachtberg in Bad Frankenhausen (Thüringen) ein Panorama nach sowjetischem Vorbild, konkret: des Borodino-Panoramas, einzurichten. Dieses soll unter dem Titel Frühbürgerliche Revolution in Deutschland an das für die DDR-Ideologie wichtige Ereignis erinnern. Der Künstler Werner Tübke wird beauftragt und kann sich einige Freiheiten in der künstlerischen Gestaltung nehmen. Das riesige Rundgemälde im eigens hierfür errichteten Rundbau wird schließlich am 14. September 1989 eröffnet. Tübke weicht vom Panorama des 19. Jahrhunderts sowie vom sowjetischen Vorbild ab: Es gibt weder eine erhöhte Besucherplattform noch ein Faux Terrain, zudem wird kein spezifischer Moment der historischen Schlacht im Rundum- und Überblick gegeben. Stattdessen ist die wimmelbildartige, rund 3000 Figuren fassende Komposition mit mehreren Zonen an frühneuzeitliche Bildstrukturen angelehnt. Parallel- und Zentralperspektive werden kombiniert. So entsteht das Bild eines konfliktreichen Epochenumbruchs, welches mit seiner zyklischen Struktur zugleich die Idee einer Fortschrittsgeschichte infrage stellt. – Clara Wörsdörfer

Literatur / Quellen:

  • Tübke, Werner: „Zur Arbeit am Panoramabild in Bad Frankenhausen (DDR)“. In: Zeitschrift für Schweizerische Archäologie und Kunstgeschichte 42 (1985), H. 4, S. 303–306
  • Tübke, Werner: Reformation – Revolution. Panorama Frankenhausen. Monumentalbild von Werner Tübke, Dresden: Verlag der Kunst 1988
  • Tübke, Werner: Bauernkrieg und Weltgericht. Das Frankenhausener Monumentalbild einer Wendezeit, Leipzig: E.A. Seeman 1995
  • Gillen, Eckhart: „‚One can and should present an artistic vision… of the end of the world‘: Werner Tübke’s Apokalpytic Panorama in Bad Frankenhausen and the End of the German Democratic Republic“. In: Getty Research Journal 3 (2011), S. 96–116.

Weblinks:

🖙 Virtueller Rundgang Panorama Bad Frankenhausen

Schlagwörter: 360°, Ästhetik, Bauwerk, Bild, bildvisuell, Denkmal, Didaktik, faktual, fiktional, Gemälde, Gemälderundbau, Gesamtarchiv, Gesamtkompendium, Gesamtprojektion, geschlossen, Medialpanoramatik, mimetisch, Mythos/Religion, Panorama-Diskurs, Rundband, Rundbau, schematisch, symbolisch, Unterhaltung, Utopie/Dystopie, Wimmelbild, Zeitensynopse, Zentralblickpunkt, Zugleichspräsentation

1972 – Erdfoto Blue Marble


Vom Astronauten Harrison Smith aus der Apollo 17 am 7. Dezember 1972 aus dem All aufgenommenes Foto der Erde (offizielle Bezeichnung AS17-148-22727). Nicht das erste, aber das wirkungsreichste Realbild der gesamten Erde, ikonisch für deren Einheit, Schönheit, aber auch Fragilität; von der NASA später unter gleichem Namen zu größeren Serien ergänzt. – Luca Angelo Bindi | Johannes Ullmaier

Literatur / Quellen:

Schlagwörter: Ästhetik, Bild, bildvisuell, Denkmal, Didaktik, Draufblick, faktual, Fernblick, Foto, Medialpanoramatik, mimetisch, Naturpanorama, Panoramaflug, Realpanoramatik, Technik, visuell, Wissenschaft, Zugleichspräsentation

1971 – Computertomografie


Nach Tierversuchen entsteht 1971 die erste CT-Aufnahme eines Menschen. Ab 1972 auf dem Markt, verbreitet sich das Bildgebungsverfahren zur Transparentmachung und Erfassung innerkörperlicher Strukturen, das im Unterschied zur Röntgentomografie keine störenden Überlagerungen zeigt, rasch vor allem in der medizinischen Diagnostik, aber auch in der Materialwissenschaft. – Johannes Ullmaier

Weblinks:

🖙 Wikipedia

Schlagwörter: Bild, bildvisuell, Blicktransparenz, Diagramm, faktual, geordnet, Medialpanoramatik, Medientechnik, mimetisch, schematisch, Technik, Überwachung, Wissenschaft, Zeitensynopse, Zugleichspräsentation

1969 – Rudolf Hausner, Gemälde Laokoon in der Umlaufbahn

Ein „All Seeing Eye“ im Himmel über dem Horizont, darin Laokoon, der als „störender Mahner“ gegen Weltraumeroberungsutopien „im Weltraum entsorgt“ worden sei (Berger/Beinert/Wetzel/Kehl, Bilder des Himmels, S. 111). – Johannes Ullmaier

Literatur / Quellen:

  • Berger, Klaus/Beinert, Wolfgang/Wetzel, Christoph u. a.: Bilder des Himmels. Die Geschichte des Jenseits von der Bibel bis zur Gegenwart, Freiburg i. B.: Herder 2006

Weblinks:

🖙 Abb. Druckgrafik

Schlagwörter: Allwahrnehmung, Ästhetik, Bild, bildvisuell, Didaktik, Draufblick, Fernblick, fiktional, Gemälde, Idealpanoramatik, Medialpanoramatik, mimetisch, Mythos/Religion, Panoramaflug, symbolisch, Überwachung, Zugleichspräsentation

1968 – Ali Mitgutsch, Rundherum in meiner Stadt


Pionierwerk des aus München stammenden Kinderbuchautors, das als erstes Wimmelbuch im deutschsprachigen Raum gilt. 1969 erhält Mitgutsch für Rundherum in meiner Stadt den Deutschen Jugendbuchpreis. In seinen Wimmelbüchern werden häufig Themenkomplexe wie Dorf, Stadt, Land, Wasser und Arbeitswelt abgebildet, wodurch sie starke Alltagsnähe aufweisen. Oft betonen schon die Buchtitel den Suchbildcharakter, indem sie zum Mitmachen auffordern, wie etwa: Komm mit ans Wasser (1971). Zudem zeichnen Mitgutschs Bilderbücher sich durch ihre kleinteiligen Sachbeschreibungen aus. Indem sie den Blick auf Funktionszusammenhänge lenken, fördern sie die Beobachtungsgabe der jungen Leser (vgl. Kaminski, Bilderwelt, S. 320). Aus pädagogischer Sicht ermöglichen Mitgutschs Inszenierungen vielfältiger Alltagsszenen den Betrachtenden, Neues über ihre Umwelt zu lernen, wobei sie durch den Blick auf das Geschehen aus der Vogelperspektive zugleich immer den Überblick über die zahlreichen Details im Bild behalten. Durch die Tatsache, dass alle Figuren – egal, ob sie sich im Vordergrund oder im Hintergrund befinden – gleich groß sind, stellt der Autor und Zeichner bewusst ihre Funktion als Teil des Ganzen und damit strukturell auch ihre Ebenbürtigkeit heraus. Auf diese Weise erhält der Betrachter einen maximalen Freiraum beim Anschauen des Wimmelbuchs: Jeder kann selbst entscheiden, in welcher Reihenfolge das Bild erschlossen wird und welche Szenen eingehender betrachtet werden (vgl. Nefzer, Fantasie und Sprache, S. 25). – Lena Reuther

Literatur / Quellen:

  • Kaminski, Winfred: „Die Bilderwelt der Kinder“. In: Geschichte der deutschen Kinder- und Jugendliteratur, hg. von Reiner Wild, Stuttgart: Metzler 1990, S. 317–323.
  • Mitgutsch, Ali: Rundherum in meiner Stadt. Mein Wimmelbuch, , 39. Aufl., Ravensburg: Ravensburger Buchverlag 1992.
  • Mitgutsch, Ali: Komm mit ans Wasser. Mein Wimmelbuch, , 40. Aufl., Ravensburg: Ravensburger Buchverlag 1992.
  • Nefzer, Ina: „Ich schaffe Bilder, die sich selbst erzählen. Mit Ali Mitgutschs Wimmelbüchern Fantasie und Sprache fördern“. In: Kindergarten heute 40 (2010), H. 8, S. 24–27.

Weblinks:

🖙 Ali Mitgutsch

Schlagwörter: Ästhetik, Bild, bildvisuell, Buch, Didaktik, Draufblick, Fernblick, fiktional, Gesamtprojektion, Großtableau, Medialpanoramatik, mimetisch, Panoramabild, schematisch, Überbreite, Unterhaltung, Wimmelbild, Zeichnung, Zugleichspräsentation, Zugriffspräsentation