1787 – Robert Barker, Panoramapatent

Am 19. Juni meldet der irische Maler Robert Barker (1739–1806) in Edinburgh das Patent für eine technische Erfindung an, die „an entire view of any country or situation, as it appears to an observer turning quite round“ bieten soll. Als Bezeichnung wählt er in der Patentschrift „la nature à coup d’oeil“ (frz. für „die Natur auf einen Blick“). Die Bezeichnung ‚Panorama‘ wird erst ein paar Jahre danach gebräuchlich, allgemein wie auch bei Barker selbst. – Johannes Ullmaier

Literatur / Quellen:

Schlagwörter: 360°, Ästhetik, Bauwerk, begrenzte Allheit, Bild, bildvisuell, Didaktik, faktual, Fernblick, Gemälde, Gemälderundbau, Gesamtprojektion, geschlossen, Konzept/Idee, Medialpanoramatik, Medientechnik, mimetisch, Mythos/Religion, Panorama-Beschreibung, Panorama-Diskurs, Panoramabild, Rahmenexpansion, Rundband, Rundbau, Technik, Text, Überbreite, Unterhaltung, Zentralblickpunkt, Zugleichspräsentation

1785 – Friedrich Wilhelm Herschel, Über den Bau des Himmels

Nach seiner Ausbildung zum Musiker und einer kurzen Zeit als Militärmusiker übersiedelt der in Hannover geborene Friedrich Herschel (1738–1822) im Jahr 1757 nach England und wird unter wesentlicher Mithilfe seiner bald nachgekommenen Schwester Caroline (1750–1848) zu einem der wirkreichsten All-Panoramatiker der Astronomiegeschichte. In Bath als Organist und Orchesterleiter tätig, beginnt er in den 1770er-Jahren, inspiriert von der privaten Lektüre musiktheoretischer und astronomischer Schriften, sein im Wesentlichen autodidaktisch vorangetriebenes Projekt einer möglichst vollständigen Erfassung und Erklärung aller sichtbaren Himmelserscheinungen. Zu diesen Zweck fertigt er, vor allem nach seiner endgültigen Niederlassung in Slough im Jahr 1785, selbst immer größere Spiegelteleskope an. Unter seinen zahlreichen bahnbrechenden Entdeckungen – etwa des Planeten Uranus oder der Situierung unseres Sonnensystems innerhalb der Milchstraße (vgl. Herschel, Über den Bau des Himmels, S. 94) – ragt in panoramatischer Hinsicht die genauere Erfassung und differenzierte Neudeutung jener Himmelskonstellationen hervor, die dem freien Auge als Nebel erscheinen. Gerade hier liefern seine Veröffentlichungen, deren Bedeutung in Fachkreisen bald erkannt wird, quintessentielle Verschriftlichungen einiger der ungeheuersten Erfahrungen realfundierter panoramatischer Blickvertiefung und -erweiterung, die Menschen je gemacht haben. Besonders eindrücklich etwa in seiner Schrift Über den Bau des Himmels (Herschel, Über den Bau des Himmels, S. 71–108), wo es in zeitgenössischer Übersetzung heißt: „Das Gesicht unseres Beobachters wird so begrenzt seyn, als befasse diese einzelne Sammlung von Sternen, wovon er selbst nicht den tausendsten Theil gewahr wird, alles was der gesammte Himmel in sich hat. Verstatten wir ihm nun den Gebrauch eines gemeinen Fernrohrs, so fängt er an zu muthmaßen, daß die ganze Milchweiße des hellen Streifs, der die hohle Kugel umringt, wohl von Sternen herrühren möge. Er bemerkt einige Sternhaufen in mancherley Gegenden des Himmels, und findet, daß es auch dort eine Art von Nebelflecken giebt; sein Blick ist jedoch noch nicht so erweitert, um das Ende der Schichte abzusehen, in welcher er eine solche Stellung hat, daß es ihm vorkommt, als gehörten diese Zonen zu demjenigen System, welches, wie ihm deucht, alle und jede himmlische Gegenstände in sich faßt. Nun verstärkt er seine Sehkraft, und indem er sich einer genauen Beobachtung befleißiget, findet er, daß die Milchstraße in der That nichts anders, als eine Sammlung von sehr kleinen Sternen sey. Er wird gewahr, daß jene Gegenstände, welche Nebelflecke hießen, augenscheinlich nichts anders als Sternhaufen sind. Er sieht ihre Anzahl immer mehr und mehr anwachsen, und wenn er einen Nebelfleck in Sterne auflöset; so entdeckt er zehn neue, die er nicht auflösen kann.“ (77–78) – Johannes Ullmaier

Literatur / Quellen:

  • Herschel, Friedrich W.: Über den Bau des Himmels. Abhandlungen über die Struktur des Universums und die Entwicklung der Himmelskörper 1784–1814, Thun/Frankfurt a. Main: Verlag Harri Deutsch 2001
Schlagwörter: (Aus-)Faltung, Ästhetik, Bauwerk, begrenzte Allheit, Bild, bildvisuell, Diagramm, Draufblick, Ekphrasis, Enzyklopädie, faktual, Fernblick, Gesamtarchiv, Gesamtdiagramm, Gesamtkompendium, Gesamtprojektion, Großtableau, Idealpanoramatik, Karte, Konzept/Idee, Medialpanoramatik, Medientechnik, mimetisch, Naturpanorama, Panoramabild, Rahmenexpansion, Rundbau, schematisch, Speicher, symbolisch, Tabelle, Technik, Text, textuell, visuell, Weltkarte, Wimmelbild, Wissenschaft, Zeichnung, Zugleichspräsentation, Zugriffspräsentation

1783 – Montgolfière


Nach jahrtausendelang erfolglosen und im vorausgeträumten Ikarus-Mythos ambivalent verhandelten Versuchen gelingen in Frankreich mit den in rascher Folge glückenden Ballonaufstiegen die ersten, wenngleich noch relativ statischen und unkontrollierten Menschenflüge. Doch schon in der Vertikalbewegung aufwärts sehen Hominiden hier zum ersten Mal größere Teile der Erdoberfläche ohne festen Untergrund von oben. Einige Wegmarken: am 4. Juni erster Luftballfreiballon (Rauchballon) der Gebrüder Montgolfière; Flug in ca. 2000 m Höhe über ca. 2 km, 12 m Ballondurchmesser; am 27. August erster Gasballon von Jacques Alexandre César Charles, besetzt mit Hammel, Hahn und Ente; am 19. Oktober: erster bemannter gefesselter Aufstieg; am 21. November starten im Garten des Schlosses La Muette bei Paris Jean-François Pilâtre de Rozier und der Gardeoffizier François d’Arlandes zur ersten freien Ballonfahrt der Menschheitsgeschichte; erster Menschenflug im Gasballon am 1. Dezember durch Jacques Charles und Marie-Noël Robert. In der Folge erste Schilderungen realer menschlicher Flugperspektiv- und Panoramablick-Erfahrungen, bald auch ein neuer literarischer Motivzweig. – Johannes Ullmaier

Literatur / Quellen:

  • Riha, Karl (Hg.): Reisen im Luftmeer. Ein Lesebuch zur Geschichte der Ballonfahrt, München/Wien: Hanser 1983, S. 349–352
  • Weblinks:

    🖙 Wikipedia

Schlagwörter: 360°, Ästhetik, audiovisuell, begrenzte Allheit, Draufblick, Event/Performance, faktual, Fernblick, Naturpanorama, Panoramaflug, Realpanoramatik, Technik, Unterhaltung, Zugleichspräsentation

1768–1771 – Encyclopædia Britannica


Über Jahrhunderte hinweg maßgebliche englischsprachige Enzyklopädie; erste Auflage in drei Bänden hg. von William Smellie von 1768–1771. Bis 2004 wächst sie auf 75.000 Artikel in 32 Bänden an, erliegt als Print-Tradition aber 2012 der kostenlosen Online-Konkurrenz durch die Wikipedia. – Johannes Ullmaier

Weblinks:

🖙 Wikipedia

Schlagwörter: begrenzte Allheit, Bild, bildvisuell, Buch, Diagramm, Didaktik, Enzyklopädie, faktual, geordnet, Gesamtkompendium, Karte, Medialpanoramatik, mimetisch, Organisation, schematisch, Speicher, symbolisch, Tabelle, Technik, Text, textuell, unbegrenzte Allheit, Unterhaltung, Wissenschaft, Zugriffspräsentation

1751–1780 – Diderot, Encyclopédie


Im Jahr 1751 erscheint der erste Band der Encyclopédie ou Dictionnaire raisonné des sciences, des arts et des métiers. Denis Diderot und Jean Baptiste le Rond d’Alembert verfassen ihre französischsprachige Enzyklopädie gemeinsam mit 142 Enzyklopädisten aus Kunst, Philosophie und Handwerk. Diderots Ziel ist es, „die auf der Erdoberfläche verstreuten Kenntnisse zu sammeln, um sie den nach uns kommenden Menschen zu überliefern, damit die Arbeit der vergangenen Jahrhunderte nicht nutzlos für die kommenden Jahrhunderte gewesen sei“ (Diderot/d’Alembert, Encyclopédie, S. V, 635). Im Gegensatz zu früheren Enzyklopädien fasst Diderot nicht nur Gelehrtenwissen, sondern auch Alltags- und Praxiswissen zusammen und setzt mit allein elf Tafelbänden auf ausgiebige bildliche Veranschaulichung. 1780 erscheint der letzte, 35. Band. – Sarah Karsten | Johannes Ullmaier

Literatur / Quellen:

  • Diderot, Denis/d’Alembert, Jean le Rond: Encyclopédie ou Dictionnaire raisonné des sciences, des arts et des métiers, Berlin: Fines Mundi 2022

Weblinks:

🖙 Wikipedia
🖙 ZEIT-Artikel

Schlagwörter: begrenzte Allheit, Bild, bildvisuell, Buch, Diagramm, Didaktik, Enzyklopädie, faktual, geordnet, Gesamtkompendium, Karte, Medialpanoramatik, mimetisch, Organisation, schematisch, Speicher, symbolisch, Tabelle, Technik, Text, textuell, unbegrenzte Allheit, Unterhaltung, Wissenschaft, Zugriffspräsentation

1731–1754 – Johann Heinrich Zedler, Grosses vollständiges Universal-Lexicon Aller Wissenschafften und Künste


Mit 64 Bänden (plus 4 Supplementbänden), ca. 284.000 Artikeln und 276.000 Verweisen auf ca. 63.000 zweispaltigen Folioseiten verfolgt das wohl am größten angelegte enzyklopädische Projekt des 18. Jahrhunderts – vor Diderot – den Anspruch, das gesamte verfügbare Wissen alphabetisch aufzureihen und zu versammeln. – Bernd Klöckener

Literatur / Quellen:

  • Schneider, Ulrich Johannes: „Die Konstruktion des allgemeinen Wissens in Zedlers ‚Universal-Lexicon‘“. In: Wissenssicherung, Wissensordnung und Wissensverarbeitung. Das europäische Modell der Enzyklopädien, hg. von Theo Stammen und Wolfgang E. J. Weber, Berlin: Akademie Verlag 2004, S. 81–101

Weblinks:

🖙 Digitalisat
🖙 Wikipedia

Schlagwörter: begrenzte Allheit, Bild, bildvisuell, Buch, Diagramm, Didaktik, Enzyklopädie, faktual, geordnet, Gesamtkompendium, Karte, Medialpanoramatik, mimetisch, Organisation, schematisch, Speicher, symbolisch, Tabelle, Technik, Text, textuell, unbegrenzte Allheit, Unterhaltung, Wissenschaft, Zugriffspräsentation

1704 – Michael Bernhard Valentini, Museum Museorum oder Schau-Bühne Aller Materialien und Specereyen


Das von 1704 bis 1714 in drei Bänden erschienene Museum Museorum (lat. Museum der Museen) des Experimentalphysikers, Naturforschers und Kuriositätensammlers Michael Bernhard Valentini steht als „Schau-Bühne aller Materialen und Specereyen“ in der Tradition der Wunderkammern und Kunstkabinette der Spätrenaissance, verfolgt dabei aber einen zukunftsweisenden wissenschaftlichen Anspruch. Die reichhaltige Sammlung versteht sich als Kompendium verschiedener Naturphänomene und beschränkt sich nicht auf den europäischen Kontinent, sondern präsentiert ausgiebig Trouvaillen von Valentinis zahlreichen außereuropäischen Forschungsreisen. Der erste Band beschäftigt sich mit Gesteinen, Kräutern, Metallen, Mineralien, Pflanzen und Tieren, ferner mit relevanten Maschinen und Instrumenten, zum Beispiel meteorologischen Messstationen. Im zweiten Band beschreibt der Autor die Geschichte und Ausstattung von vergangenen und gegenwärtigen Wunderkammern und Kuriositätenkabinetten, wohingegen er im dritten botanische ‚Kuriositäten‘ aus Ost- und Westindien vorstellt. In seiner Abundanz der Phänomene und Illustrationen präsentiert sich das Werk als eine Art ‚Museumsbuch für Alles aus aller Welt‘. – Nina Cullmann

Literatur / Quellen:

  • Valentini, Michael Bernhard: Museum Museorum, Oder Vollständige Schau-Bühne Aller Materialien und Specereye, 3 Bde., Frankfurt am Main: Johann David Zunne 1704

Weblinks:

🖙 Einführung
🖙 Digtitalisierte Version des Museum Museorum

Schlagwörter: Ästhetik, begrenzte Allheit, Bild, bildvisuell, Buch, Denkmal, Didaktik, Enzyklopädie, faktual, geordnet, Gesamtarchiv, Gesamtkompendium, Karte, Medialpanoramatik, mimetisch, offen, Organisation, panoramatische Diskursform, schematisch, Speicher, Technik, Text, textuell, Unterhaltung, Zeichnung, Zugriffspräsentation

1682 – Schloss Versailles


Die Umkehrung des auf den absolutistischen Herrscher konzentrierten Baus ist das Grande Perspective genannte Panorama der Gärten, so wie sich aus aller Zentralperspektive ex negativo eine Gesamtschau und aus aller Isolierung eines Subjekts dialektisch eine Gesellschaft (ein Staat) ergibt. Dieses Denken spiegelt auch der ursprüngliche Plan der Baumeister Ludwigs XIV., die umgebenden Straßen wie Strahlen einer Sonne (des Sonnenkönigs) breit ausfächern zu lassen. Die Gleichung „L’État c’est moi“ könnte übersetzt werden in: Punkt ist Panorama. 1819 schuf der Maler John Vanderlyn in New York das erste große Panorama von Versailles. Um es zu erstellen, setzte er eine Camera obscura ein. – Stefan Ripplinger

Literatur / Quellen:

  • Lablaude, Pierre-André: Die Gärten von Versailles, Worms: Wernersche Verlagsgesellschaft 1995
  • De Givry, Jacques/Périllon, Yves: „Versailles, la Grande Perspective“. In: Versalia. Revue de la Société des Amis de Versailles 11 (2008), S. 99–112, S. 102
  • West, Peter (Hg.): Panoramas, 1787–1900: Texts and Contexts, Abingdon, London: Routledge 2016, S. 1–14
Schlagwörter: Ästhetik, Bauwerk, begrenzte Allheit, bildvisuell, Denkmal, Draufblick, faktual, Fernblick, geschlossen, Großtableau, Medialpanoramatik, Naturpanorama, Organisation, Realpanoramatik, Skulptur, Technik, Überwachung, Unterhaltung, visuell, Zentralblickpunkt, Zugleichspräsentation

1679 – Athanasius Kircher, Turris Babel


In drei Büchern konzipiertes Werk des jesuitischen Gelehrten Athanasius Kircher. Ursprünglich im Jahre 1679 in Amsterdam mit mannigfaltigen Illustrationen publiziert und dem Kaiser des Heiligen Römischen Reiches Leopold I. gewidmet, liefert es in den ersten zwei Büchern naturwissenschaftlich-mathematische Erklärungsansätze zur hypothetischen Fragestellung, ob mit den vorhandenen Ressourcen, sowohl hinsichtlich der Arbeitskräfte sowie des Rohstoffvorkommens, die Erbauung des Turmes möglich gewesen wäre, wohingegen das dritte eine kulturwissenschaftlich-linguistische Analyse der sogenannten Sprachverwirrung in Folge des Turmeinsturzes enthält. Während Kircher im ersten Buch mithilfe einer simplifizierenden Rechnung die für die Erbauung potenziell zur Verfügung stehende Population der Nachkommen von Noah nach der Sintflut bis zu dessen Urgroßenkel Nimrod berechnet und dabei auf eine Bevölkerungsanzahl von 24.380.000.000 kommt, bildet die im zweiten Buch durchexerzierte Kalkulation einen phantastischen Höhepunkt panoramatischer Spekulation: Demnach sei das zur Zeit der Erbauung benötigte Rohstoffvorkommen auf der Erde gar nicht vorhanden gewesen, und selbst wenn, so hätte der Turm mit seinem Gewicht den gesamten Erdkreis in seiner geozentrischen Position aus dem Gleichgewicht und somit das Weltgefüge zum Kollaps gebracht. Damit untermauert Kircher quasi mathematisch die Darstellung in der Genesis. Signifikanter als dieser kanonkonforme Befund erscheint indes der groteske szientistische Aufwand, mit dem die Vergeblichkeit des panoramatischen Turmbau-Begehrens – wenige Jahre vor Newtons Philosophiæ Naturalis Principia Mathematica (1687) – offenbar bereits erwiesen werden muss, anstatt gemäß dem biblischen Bericht einfach geglaubt zu werden. – Gabryel Greco

Literatur / Quellen:

  • Kircher, Athanasius: Turris Babel Sive Archontologia [1679], Saarbrücken: Fines Mundi 2022

Weblinks:

🖙 Wikipedia
🖙 Westfalen Museum digital

Schlagwörter: Bauwerk, begrenzte Allheit, Bild, bildvisuell, Buch, Denkmal, Didaktik, fiktional, Idealpanoramatik, Inhaltspanoramatik, Konzept/Idee, Laufpräsentation, Medialpanoramatik, Mythos/Religion, Organisation, Rundbau, symbolisch, Technik, Text, textuell, Unterhaltung, Zugleichspräsentation

1668 – John Wilkins, An Essay Towards a Real Character And a Philosophical Language


Eigentlich will John Wilkins, erster Sekretär der nachmals berühmten Royal Society of London for Improving Natural Knowledge, ‚nur‘ eine Universalsprache entwerfen – und zwar keine aposteriorische, auf bestehenden Sprachen aufbauende (wie etwa sehr viel später das Esperanto), sondern eine apriorische, am Reißbrett konstruierte. Allerdings erfordert der Anspruch, dass die Ordnung dieser Sprache derjenigen der Sachen eins zu eins entsprechen solle, ‚zunächst einmal‘ die Mühe, sämtliche Sachen zu ordnen, einschließlich der nicht-dinglichen und der nicht-existierenden. Folgerichtig ist das Herzstück von Wilkins’ über 600 Folioseiten füllendem Essay eine riesige ausfaltbare Tabelle, also das syn-optische – um nicht zu sagen: panoramatische – Medium par excellence, das Michel Foucault nicht umsonst als Leitmedium der ‚Episteme der Repräsentation‘ ausgemacht hat (wobei unverständlich ist, warum er Wilkins in Les mots et les choses nur einmal kurz erwähnt, obwohl das Buch mit Borges’ Aufsatz über dessen Essay (1942) einsetzt; vgl. Foucault, Les mots et les choses, S. 7 und sonst nur 104, Anm. 1). Auf einen Blick auszumachen ist auf dieser Tabelle beispielsweise, warum der Adler Zeba heißen muss: Z für seine Zugehörigkeit zu den Tieren, e für das dritte von vier Genera innerhalb der Tiere (die Vögel im Unterschied zu blutleeren Tieren, den Fischen und den ‚Beasts‘), b für seine Zugehörigkeit zur ersten Differenz unter den Vögeln (den fleischfressenden), a, weil er in dieser Klasse die erste species bildet. Und wenn es kein Adler, sondern ein Geier wäre, der als die wilde Variante zum Adler gilt, hieße er, um diesen Unterschied zu markieren, Zebas. Weil aber noch die Arbitrarität dieser lateinischen (bzw. in einem Exemplar griechischen) Buchstaben zu überwinden ist, ergänzt Wilkins seine Universalsprache um eine Universalschrift, eben die Real Characters, mit denen alles, was es gibt (oder nicht gibt), auf ein ihm angeblich genau entsprechendes Set von Strichen und Häkchen gebracht wird. – Robert Stockhammer

Literatur / Quellen:

  • Foucault, Michel: Les mots et les choses: Une archéologie des sciences humaines, Paris: Gallimard 1966
  • Wilkins, John: An Essay Towards a Real Character and a Philosophical Language [1668], Reprint, Menston: Scolar 1968
Schlagwörter: begrenzte Allheit, Buch, Diagramm, Didaktik, Enzyklopädie, faktual, geordnet, Gesamtdiagramm, geschlossen, Idealpanoramatik, Konzept/Idee, Medialpanoramatik, Medientechnik, Organisation, schematisch, symbolisch, Technik, Text, textuell, unbegrenzte Allheit, Wissenschaft, Zugriffspräsentation