1599 – The Globe Theatre

Das Globe Theatre wird 1599 durch die Schauspielgruppe The Lord Chamberlain’s Men, deren bekanntestes Mitglied schon damals William Shakespeare ist, in Southwark, London errichtet. 1613 wird es durch ein Feuer zerstört und ein Jahr später wieder neu aufgebaut und eröffnet, bevor es 1642 erneut schließen muss und 1644 abgerissen wird. Die Grundmauern werden 1989 bei Ausgrabungen gefunden, eine umfassende archäologische Rekonstruktion ist allerdings nicht möglich. Bezüglich der genauen Dimension und des Aussehens des Theaters sind daher leider nur Schätzungen möglich.

Zur Zeit seiner Benutzung hat das Gebäude ein offenes Dach und besteht aus einem (fast) runden Raum, in dem das Publikum, um die Performance zu verfolgen, entweder um die erhöhte Bühne herum gelagerte Stehplätze oder aber Sitze auf den Galerien einnehmen kann, die sich auf drei Stockwerke verteilen. Die höchsten Sitze sind die teuersten. Sie bieten den größten Überblick, sind aber vom Geschehen am weitesten entfernt. Insgesamt soll die dargebotene Kunst möglichst vielen zugänglich sein, also ein Publikum aus allen gesellschaftlichen Stellungen und Schichten im Theaterrund vereinen. Dass das Gebäude mitten im Vergnügungsviertel steht, spricht dafür, dass es dabei nicht primär um Bildung geht, sondern um Unterhaltung.

Durch die zentrale Lage der Bühne ist eine absolute perspektivische Illusion extrem erschwert, ja eigentlich unmöglich, schon weil das Publikum auf der je anderen Seite immer sichtbar bleibt. Dafür steht das Schauspiel – besonders durch die erhöhte Lage der Bühne – ganz im Zentrum des Geschehens und bildet den Mittelpunkt des Raumes. Das beeinflusst auch die Konzeption der Stücke: So werden etwa vermehrt Kampfszenen eingebaut, um die Aufmerksamkeit auf die Schauspieler zu ziehen. Die Darsteller müssen den gesamten Raum bespielen und sämtliche Zuschauerperspektiven berücksichtigen, um alles für alle sehenswert zu machen. Zudem kann sich das Publikum vor allem um die Bühne relativ frei bewegen. Diese Beachtung der verschiedenen Blickweisen und Perspektiven auf einen zentralen Punkt macht den panomaratischen Charakter des Globe Theatres und des dahinterstehenden Theaterideals aus. – Lena-Maria Weiß

Weblinks:

🖙 Webseite Britannica
🖙 Youtube Video – BBC

Schlagwörter: 360°, Ästhetik, audiovisuell, Bauwerk, Denkmal, Didaktik, Event/Performance, fiktional, Gesamtprojektion, geschlossen, haptisch, Immersion, Konzept/Idee, Laufpräsentation, Medialpanoramatik, Medientechnik, mimetisch, Rahmenexpansion, Rundband, Rundbau, symbolisch, textuell, Unterhaltung, visuell, Zugleichspräsentation

1587 – Historia von D. Johann Fausten


Auf schwankender realhistorischer Basis führt die Historia von D. Johann Fausten. Dem Weltbeschreyten Zauberer und Schwarzkünstler mit der Titelfigur den personifizierten Mythos des Allwissenheitsbegehrens in die deutsche Literaturgeschichte ein. Zudem enthält sie (gleich nach der Höllenfahrt) mit dem Kapitel „Wie D. Faustus in das Gestirn hinaufgefahren“ ein eindrückliches Beispiel für die fiktionale Beschreibung einer celestischen Flug-Allschau, die nach Fausts homodiegetischer Behauptung im Ganzen eine Woche dauert. Wo und inwieweit die rasante Enumeration der Länder und Städte, die Faust im Flug gesehen haben will, als narrativer ‚Schnelldurchlauf in Vogelperspektive‘ und damit als früh imaginierte Panoramaflug-Bewegung oder aber als ekphrastische Entfaltung einer quasi-statischen Fernblick-Perspektive ‚von ganz oben‘ zu deuten ist, bleibt über weite Strecken unklar. In der Rezeption wirkt die narrative Komprimierung der Stationenfolge jedoch wie ein geografisches Pendant zum späteren Erzählflug durch die Epochenzeit in Johann Peter Hebels Kalendergeschichte Unverhofftes Wiedersehen von 1811. So oder so muss gegen Ende dieses Ausflugs sogar Faust einräumen: „Ich sahe also mehr denn ich begehrte“ (Anonymus, Historia von D. Johann Fausten, S. 51). – Johannes Ullmaier

Literatur / Quellen:

  • Anonymus: Historia von D. Johann Fausten, Stuttgart: Reclam 1964

Weblinks:

🖙 Digitalisat in der Deutschen digitalen Bibliothek

Schlagwörter: Ästhetik, Buch, Denkmal, Didaktik, Draufblick, Fernblick, fiktional, Inhaltspanoramatik, Konzept/Idee, Laufpräsentation, Medialpanoramatik, Mythos/Religion, Organisation, Panoramaflug, panoramatische Erzählung, Realpanoramatik, symbolisch, Technik, Text, textuell, Überwachung, Unterhaltung, Zugleichspräsentation

1585 – Andrea Palladio, das Teatro Olimpico in Vicenza


In diesem Jahr vollendet der Bauherr Andrea Palladio mit dem Teatro Olimpico in Vicenza ein Gebäude, dessen Konzeption die künftige Entwicklung der illusionistischen Bühne maßgeblich befördert. Mit besonderem Augenmerk auf die Verbindung zwischen Zuschauerraum und Bühne kreiert Palladio eine Raumordnung, die nicht wie zuvor im höfischen Theater verschiedene Logen vorsieht, sondern allen Zuschauenden den gleichen wirkungsvollen Bühnenblick ermöglicht. Bereits eine Generation vor Andrea Palladio wird die Tendenz zur Schaffung eines illusionistischen Bühnenbildes offenkundig, die mit der Abkehr von mittelalterlichen Traditionen wie der Simultanbühne einhergeht: Statt wie dort in die Breite ausgerollt und parzelliert zu werden, soll die Totalität der dargestellten Welt jetzt einheitlich vertieft erscheinen. Entsprechend verfügt Palladios Bühnenprospekt – durch seine architektonische Anlage entscheidend erweitert – über mehr Tiefe, was zur Voraussetzung der im Barock entwickelten und eingesetzten Guckkastenbühne wird. So besteht der Hintergrund des Teatro Olimpico nicht mehr länger ausschließlich aus einem gemalten Bühnenbild, sondern wird von einer großflächigen Schauwand ausgefüllt, die sich durch eine gestaffelte illusionistische Hintergrundarchitektur auszeichnet und zu dieser Zeit eine Besonderheit darstellt. Die reale Architektur im Hintergrund der Bühne ermöglicht damit erstmalig eine realistische Wiedergabe der Raumvertiefung. Der Blick der Zuschauenden auf die scheinbar dahinterliegende Kulissenstadt erfolgt durch drei Portale im Bühnenbild. Ursprünglich will Palladio sogar auch die Veränderlichkeit des Bühnenbildes schon gewährleisten, wofür er ein System drehbarer, eingeschobener Bühnenbilder konzipiert, die zum jeweiligen Stück passende Landschaftsausblicke bieten sollen (vgl. Beyer, Palladio, 45–46). Da die Kulissenstadt jedoch konkret für eine Vorstellung von Sophokles’ Tragödie König Ödipus erbaut wird, die statisch vorm Palast von Theben spielt, entscheiden sich die Veranstalter gegen diese Pläne und zugunsten einer fest installierten Hintergrundarchitektur, die jede Veränderung am Bühnenbild ausschließt. Doch auch so schafft Palladios Theater zu Beginn des 16. Jahrhunderts, in einer Zeit, in der ein vertiefter Illusionsanspruch sich zu regen beginnt, einen neuen, durch Vertiefung erweiterten Darstellungsrahmen für die Dramenwelt auf einer Bühne. – Lena Reuther

Literatur / Quellen:

  • Beyer, Andreas: Andrea Palladio, Teatro Olimpico. Triumpharchitektur für eine humanistische Gesellschaft, Frankfurt am Main: Fischer Taschenbuch-Verlag 1987.

Weblinks:

🖙 Teatro Olimpico Vicenza

Schlagwörter: Ästhetik, Bauwerk, Bild, bildvisuell, Event/Performance, Fernblick, fiktional, Gemälde, Gemälderundbau, Gesamtprojektion, geschlossen, Halbrundband, Immersion, Laufpräsentation, Medialpanoramatik, Medientechnik, mimetisch, Panoramabild, Rahmenexpansion, Rundbau, symbolisch, Unterhaltung, Zeichnung, Zentralblickpunkt, Zugleichspräsentation

1581 – Heinrich Bünting, Die ganze Welt in einem Kleberblatt welches ist der Stadt Hannover meines lieben Vaterlandes Wapen


Aus stadtpatriotischer Intention eigentümlich propellerförmige und damit eine prä-panoramatische Kreisrotation suggerierende, schon zeitgenössisch dysfunktionale „Kleeblatt“-Weltkarte mit drei „Erdteil-Blättern“ für Europa, Afrika und Asien um das Zentrum Jerusalem. Das 1492 entdeckte Amerika ist hier nicht einmal angedeutet. Kreis- und Trinitas-Geschlossenheit ‚überstimmen‘ die Realgestalt der Erdkugel. – Johannes Ullmaier

Weblinks:

🖙 Abbildung
🖙 Wikipedia Bünting

Schlagwörter: Ästhetik, Bild, bildvisuell, Denkmal, Didaktik, Draufblick, faktual, fiktional, Gesamtprojektion, Karte, Medialpanoramatik, Mythos/Religion, schematisch, symbolisch, Weltkarte, Zugleichspräsentation

ca. 1575 – (Anonym.) Heiligentafel (Landesmuseum Mainz)


Das Heiligenbild eines anonymen deutschen Meisters zeigt eine Vielzahl verschiedener Heiligenlegenden. Es wird auf die zweite Hälfte des 16. Jahrhunderts datiert. Aus der Vogelperspektive ist eine allegorisch strukturiere Landschaft mit Heiligen und Märtyrern dargestellt. Ihre Geschichten werden teils durch Attribute, teils durch charakteristische Szenen angedeutet. In der Mitte des Bildes ist die Heilige Ursula auf einem Schiff zu sehen. Ein äußerer Kreis von 116 Heiligen, jeweils mit Heiligenschein, umgibt die Szenerie. Im inneren Kreis herrscht hingegen keine erkennbare Ordnung, sondern er erinnert an die Wimmelbilder von Bosch. Die vier Ecken des Bildes zeigen markante Stationen aus Heiligenlegenden, darunter auch aus dem Leben Jesu Christi und seiner Begleiter:innen. Der Fokus liegt eher auf Vollständigkeit und Übersicht über die Heiligen als auf einer realistischen Darstellung. Erstrebt ist eine schematische Gesamtregistratur in Bildform. – Antje Schilling

Weblinks:

🖙 Broschüre
🖙 Webseite Landesmuseum Mainz

Schlagwörter: Ästhetik, Bild, bildvisuell, Denkmal, Didaktik, Draufblick, faktual, Fernblick, fiktional, Gemälde, Gesamtkompendium, Gesamtprojektion, Großtableau, Medialpanoramatik, mimetisch, Mythos/Religion, schematisch, Speicher, symbolisch, Unterhaltung, Wimmelbild, Zeitensynopse, Zugleichspräsentation

1568 – Hans Sachs und Jost Amman, Eygentliche Beschreibung aller Stände auff Erden

In der 1567 verfassten „Vorrede“ wird der im Buchtitel angezeigte Anspruch auf eine Gesamtpräsentation der menschlichen Ständeordnung deutlich, soll diese doch „vom grösten biß zum kleinesten / von anfang der Welt her biß auff dise jetzige zeit / so in Menschlichem leben nötig vnd gebreuchlich seind / sampt derselbigen vrsprung / erfindungen / vnd weiter gelegenheit“ dargeboten werden. Ziel der umfassenden Kategorisierung und Charakterisierung sämtlicher Erdbewohner ist die didaktische Vermittlung und im selben Zuge Legitimierung der nach damaliger Auffassung gottgewollten und daher für eine funktionierende Gesellschaft alternativlosen Ordnung. Es folgen 114 emblemartig aufgebaute Kapitel, die – formal analog zum populären Muster von Sebastian Brandts Narrenschiff – nach der jeweils behandelten Ständeposition betitelt sind (inscriptio) und aus einem typologisierenden Holzschnitt (pictura) sowie einem kurzen Erläuterungstext (subscriptio) bestehen. In den Abschnitten „Der Jüd“ und „Der Geltnarr“ wird das auch in der Frühen Neuzeit verbreitete Stereotyp des jüdischen Wucherers reproduziert. Auf den erst nach geistlicher und dann nach weltlicher Rangordnung jeweils abwärts verlaufenden Gang durch das Spektrum der Stände (mit starkem Akzent auf die frühbürgerlichen Zunftberufsstände) folgt als „Beschluß“: „Also sind hie gezeiget an Vierzehen vnd hundert Person/In Emptern/Künstn vnd Handarbeit“. – Rebecca Rasp

Literatur / Quellen:

  • Sachs, Hans: Eygentliche Beschreibung Aller Stände auff Erden [1568], Leipzig: Edition Leipzig 2006

Weblinks:

🖙 Wikisource
🖙 Digitalisat

Schlagwörter: Bild, bildvisuell, Buch, Didaktik, Enzyklopädie, faktual, geordnet, Gesamtkompendium, Laufpräsentation, Medialpanoramatik, Organisation, schematisch, symbolisch, Technik, Text, textuell, Unterhaltung

ca. 1567 – Pieter Bruegel d.Ä., Die Bauernhochzeit


Das Gemälde von Pieter Bruegel dem Älteren [Öl auf Holz, 114×116 cm] stellt eine bäuerliche Hochzeitsgesellschaft in Flandern Ende des 16. Jahrhunderts im realistischen Stil dar. Dem Maler wird nachgesagt, sich oft verkleidet auf Bauernhochzeiten eingeschlichen zu haben, um sie zu studieren. Am äußeren rechten Bildrand ist sein Freund Hans Franckert abgebildet, der ihn dabei begleitet haben soll. Das Augenmerk wird zunächst auf zwei Männer im Vordergrund gelenkt, die mit Speisen gefüllte Teller an die lange Festtafel tragen. In vorwiegend warmen Gelb- und Brauntönen werden die Gäste dargestellt, die essen, sich miteinander unterhalten oder sich nach jemandem umdrehen. Die Braut, gekennzeichnet durch eine über ihr hängende Krone, hält die Augen geschlossen und die Hände über dem Bauch gefaltet. Unten links im Gemälde füllt ein Mann leere Krüge, daneben sitzt ein Kind auf dem Boden und hält einen leer gegessenen Teller in den Händen. Die Masse an Menschen und verschiedenen Aktionen erinnert an ein Wimmelbild. Neben dem Festtisch stehen zwei Musiker, dahinter steuern ankommende Gäste durch eine offene Tür in den Raum auf den Tisch zu. Sie geben einen weiteren deutlichen Hinweis auf die Darstellung verschiedener Teilgegenwarten. Bruegels Eigenart, „Bilder aus extrem vielen Einzelszenen zusammenzusetzen“, kommt hier zur Geltung (Müller, Bild und Zeit, S. 72). Mit seinem Gemälde versucht Bruegel, alle Phasen des Fests in einem einzigen Moment zu synthetisieren. Seine Herangehensweise unterscheidet sich beispielweise von seinem Gemälde Kinderspiele dadurch, dass den Figuren durch unterschiedliche Größe und Platzierung eine bestimmte Wertigkeit zugewiesen wird und der Zuschauer einen Anhaltspunkt vorgeschlagen bekommt, in welcher Reihenfolge er die Details wahrnehmen kann. Dagegen erzeugt Kinderspiele mit seinen unzähligen kleinen, gleich großen Figuren eine gewisse Überforderung. „Es ist kaum möglich, den Blick auf dem Bild in seiner Gesamtheit ruhen zu lassen, er wird ständig hin- und hergeschickt.” (Wörsdörfer, Alle im Blick, S. 404). Die Kinderspiele zeigen neunzig unterschiedliche Spiele in einem Bild. In der Bauernhochzeit vereint Bruegel dagegen eine etappenweise Abfolge desselben Ereignisses zu unterschiedlichen Zeitpunkten. Dass die Wimmelbild-Totalität auch als Entfremdung wahrgenommen werden kann, zeigt die Rezeption der Bauernhochzeit bei Hans Sedlmayr: „Die Wimmelbilderfahrung kennzeichnet hier der unheimliche Eindruck eines Verlusts von Beziehung, mit dem etwas Vertrautes, mithin das Menschsein selbst, fragwürdig wird.” (Wörsdörfer, Alle im Blick, S. 407) – Annika Bäurer

Literatur / Quellen:

  • Müller, Jürgen: „Bild und Zeit. Überlegungen zur Zeitgestalt in Pieter Bruegels Bauernhochzeitsmahl“. In: Erzählte Zeit und Gedächtnis. Narrative Strukturen und das Problem der Sinnstiftung im Denkmal, hg. von Pochat und Götz, Graz: Akademische Druck- und Verlagsanstalt 2005, S. 72–81.

Weblinks:

🖙 KHM
🖙 Wikipedia

Schlagwörter: Ästhetik, Bild, bildvisuell, Draufblick, faktual, fiktional, Gemälde, Gesamtprojektion, Medialpanoramatik, Mikropanoramatik, mimetisch, symbolisch, Unterhaltung, Wimmelbild, Zeitensynopse, Zugleichspräsentation

1563 – Pieter Bruegel d. Ä., Turmbau zu Babel


Werkgruppe von Pieter Bruegel dem Älteren aus drei Versionen, welche motivisch ähnlich auf die Turmbau-Geschichte aus dem ersten Buch Mose (Gen 11, 1–9) rekurrieren und deren bekannteste und wirkungsreichste Gestaltung in der Kunstgeschichte darstellen. Wie meistens stehen auch hier das gigantische Ausmaß des Bauwerks, der quasi unendliche Aufwand an dafür benötigten Materialien und Arbeitskräften sowie die vom römischen Kolosseum inspirierte Bautechnik im Vordergrund. Auf allen Versionen des Gemäldes ist der Turm bis zum siebten Stockwerk errichtet, das achte befindet sich gerade im Bau. Auf der umgebenden Rampe stehen Leitern, Gerüste und Kräne. Traditionell meist als biblisch-christliche Versinnbildlichung der menschlichen Hybris, sich Gott als Schöpfer gleichzustellen, und der darauffolgenden Bestrafung gedeutet, kann die Bildkomposition unter panoramatischem Gesichtspunkt auch als Manifestation des Begehrens nach technischer Erreichung einer maximalen Aus- und Übersichtsposition sowie dessen Limitierung durch den medialen Rahmen, hier konkret: den oberen Bildrand, aufgefasst werden. – Caroline Klein | Johannes Ullmaier

Literatur / Quellen:

  • Pénot, Sabine/Oberthaler, Elke: „[Kat.-Nr. 63] Der Turmbau zu Babel, 1563“. In: Bruegel. Die Hand des Meisters, Ausst.-Kat. Wien, Kunsthistorisches Museum, hg. von Sabine Haag, Stuttgart: Belser 2019, S. 174–181
  • Spronk, Ron: „[Kat.-Nr. 64] Der Turmbau zu Babel, nach 1563 (?)“. In: Bruegel. Die Hand des Meisters, Ausst.-Kat. Wien, Kunsthistorisches Museum, hg. von Sabine Haag, Stuttgart: Belser 2019, S. 182–185

Weblinks:

🖙 Wikipedia
🖙 Wikipedia

Schlagwörter: Ästhetik, Bild, bildvisuell, Denkmal, Didaktik, fiktional, Gesamtprojektion, Großtableau, Inhaltspanoramatik, Medialpanoramatik, mimetisch, Mythos/Religion, Organisation, Rahmenexpansion, Rundbau, symbolisch, Technik, Wimmelbild, Zugleichspräsentation

1544 – Sebastian Münster, Cosmographia, Oder: Beschreibung der gantzen Weltt


Das zweibändige Gesamtkompendium (oft auch Cosmographia universalis genannt) verspricht in Volkssprache „eine Beschreibung der gantzen Welt“. Der Autor weiß: „Die gantze Welt zu beschreiben / wie mein Fürnehmen ist in diesem Buch / […] erfordert ein weitschweiffig und wohlbericht Gemüth / daß viel gelesen / viel gesehen / viel gehört und viel erfahren habe. Welches dannoch alles nicht genug wil seyn/wo nicht ein recht Urtheil darbey ist / dardurch man möge underscheiden / das wahr von dem falschen / unnd das gewiß von dem ungewissen.“ (Münster, Cosmographia, S. 1628; Widmungsvorrede, a2). Im Gegensatz zur Schedelschen Weltchronik geograpisch und thematisch gegliedert, fasst Münsters gedruckte Welt-Präsentation den zeitgenössischen Wissensstand der Historiografie, Geografie, Länderkunde, Botanik, Zoologie und anderer Fachgebiete zusammen und macht ihn über ein 14-seitiges (wie bei Schedel vorangestelltes) Register erschließbar. Zudem enthält sie 22 doppelseitige selbstgezeichnete Landkarten, darunter auch eine Weltkarte. – Sarah Karsten | Johannes Ullmaier

Literatur / Quellen:

  • Münster, Sebastian: Cosmographia. Das ist: Beschreibung der ganzen Welt/Darinnen Aller Monarchen keyserthumben/Königreichen/Fürstenthumben/Graff- und Herrschafften/Länderen/Staetten und Gemeinden; wie auch aller geistlichen stifften/Bisthumben/Abteyen/Kloestern/Ursprung/Regiment/Reichthumb/Gewalt und Macht/Verenderung/Auff- und Abnehmen/zu Fried- und Kriegszeiten/sampt aller obrigen Beschaffenheit [Reprint-Basis: Ausgabe: Basel 1628], Lahnstein: Rhenania 2010

Weblinks:

🖙 Wikipedia
🖙 Website Ingelheimer Geschichte

Schlagwörter: Bild, bildvisuell, Buch, Diagramm, Didaktik, Enzyklopädie, faktual, Gesamtkompendium, Karte, Laufpräsentation, Medialpanoramatik, mimetisch, Mythos/Religion, Organisation, schematisch, symbolisch, Tabelle, Technik, Text, textuell, unbegrenzte Allheit, Universalchronik, Unterhaltung, Wissenschaft, Zugriffspräsentation

ca. 1530 – Giulio Camillo, Gedächtnistheater

In eigentümlicher Verknüpfung von antik-rhetorischer Mnemotechnik – insbesondere des ‚Ablegens‘ von zu Erinnerndem in einer Ortsstruktur – sowie renaissance-synkretistischer Hermetik ersinnt Giulio Camillo (ca. 1480–1544) ein Weltgesamterfassungsschema mit dem „ungeheueren Anspruch, […] das Universum durch einen Blick von oben, von den ersten Ursachen her, als ob er Gott wäre, in Erinnerung [zu] behalten.“ (Yates, Gedächtnis und Erinnern, S. 137). Auf diese Art könne „der Mikrokosmos […] den Makrokosmos ganz verstehen.“ (ebd.). Zwar bleibt eine bauliche Realisation seines Konzepts, das als aufsteigendes Halbrund-Theatrum gedacht ist, dem reisenden Gelehrten zeitlebens versagt, doch kann er Besuchern einen zimmergroßen Prototyp vorführen. Im Theaterbild entspricht die Anordnung sieben jeweils siebenreihigen Tribünensektoren, in denen aber nicht wie sonst das Publikum Platz findet, sondern sich Himmelskörper, Mythologeme, Sinnbilder, Elemente, Künste und Realien auf wundersame Weise zueinanderfügen, während die allüberschauende Instanz vorn auf der (statt wie sonst zuunterst) hier zuoberst imaginierten Bühne steht – mit Zentralblick wie von einer späteren Panorama-Plattform. (Yates, Gedächtnis und Erinnern, S. 381–392) Mangels Betriebspraxis gerät Camillos Gedächtnistheater jedoch bald in Vergessensheit. – Johannes Ullmaier

Literatur / Quellen:

  • Yates, Frances A.: Gedächtnis und Erinnern. Mnemonik von Aristoteles und Shakespeare. [OA: The Art of Memory. 1966], 5. Aufl., Berlin: Akademie Verlag 1999, S. 123–149
  • Camillo, Giulio: L’idea del theatro con L’idea dell’eloquenza, il De Transmutatione e altri testi inediti, Milano: Adelphi 2015

Weblinks:

🖙 Wikipedia Camillo (IT)
🖙 Wikipedia Theater (IT)

Schlagwörter: Bauwerk, bildvisuell, Denkmal, Diagramm, Didaktik, Draufblick, Enzyklopädie, faktual, fiktional, geordnet, Gesamtarchiv, Gesamtdiagramm, geschlossen, Großtableau, Halbrundband, Idealpanoramatik, Konzept/Idee, Medialpanoramatik, Medieninstallation, Mikropanoramatik, Mythos/Religion, Organisation, Rundbau, schematisch, symbolisch, Tabelle, textuell, unbegrenzte Allheit, Wissenschaft, Zeitensynopse, Zentralblickpunkt, Zugleichspräsentation, Zugriffspräsentation