1863 – Karl Julius Ploetz, Datenkompendium zur Weltgeschichte

Unter dem Titel Auszug der alten, mittleren und neueren Geschichte als Leitfaden und zu Repetitionen vespricht der Vorläufer der heute als Der Große Ploetz bekannten, 2008 in 35. Auflage erschienenen „Daten-Enzyklopädie der Weltgeschichte“ eine „objektive Zusammenstellung“ der wichtigsten, historischen Ereignisse, chronologisch geordnet und „in übersichtlicher Gruppierung“. – Bernd Klöckener

Literatur / Quellen:

  • Ploetz, Carl: Auszug der alten, mittleren und neueren Geschichte als Leitfaden und zu Repetitionen, Berlin: F. A. Herbig 1863

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Schlagwörter: Bild, bildvisuell, Buch, Denkmal, Diagramm, Didaktik, faktual, geordnet, Gesamtkompendium, Karte, Laufpräsentation, Medialpanoramatik, Organisation, schematisch, Speicher, symbolisch, Tabelle, Technik, Text, textuell, Universalchronik, Wissenschaft, Zugriffspräsentation

1854–1856 – Royal Panopticon of Science and Art

Am Leicester Square in London als Ort für die Präsentation wissenschaftlicher und künstlerischer Neuerungen errichtet, wird das Gebäude, in dessen Zentrum sich eine Rotunde mit einem fast 100 m langen Marmorfries befindet, nach nur zwei Jahren umgebaut und dann als Theater genutzt. – Bernd Klöckener

Literatur / Quellen:

  • White, William: The Illustrated Hand Book of the Royal Panopticon of Science and Art. An Institution for Scientific Exhibitions, and for Promoting Discoveries in Arts and Manufactures, London: John Hotson 1854

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Schlagwörter: 360°, Ästhetik, Bauwerk, Bild, bildvisuell, Denkmal, Didaktik, Gesamtprojektion, Medialpanoramatik, mimetisch, Organisation, Panoramabild, Relief, Rundband, Rundbau, schematisch, symbolisch, Wissenschaft, Zugleichspräsentation

1851 – Great Exhibition Erste Weltausstellung


Im Londoner Hyde Park findet vom 1. Mai bis 15. Oktober die erste von seither über dreißig Weltausstellungen statt, hier noch in einem einzigen monumentalen Ausstellungsgebäude, dem eigens dafür errichteten, in seiner gläsernen Anlage selbst panoramatischen Crystal Palace; ab der vierten (1867) dann verteilt auf einzelne Länderpavillons. Die erste Weltausstellung ist, wie alle frühen, vor allem eine technisch-industrielle Leistungsschau, auf der sich verschiedene Erdregionen, anfangs unter starker Dominanz der westlichen Kolonialmächte, ihre Errungenschaften vorführen. Später kommen immer mehr thematische und kulturverbindende Aspekte mit hinzu, seit der Milleniumswende zunehmend auch außerwestliche Perspektiven. In allen Phasen bleibt das Format jedoch das erdzivilisations-panoramatische Event par excellence, was sich auch in einer Fülle markanter panoramatischer Einzelpräsentationen (vom Eiffelturm bis zu Stockhausens Kugelauditorium) widerspiegelt. – Johannes Ullmaier

Literatur / Quellen:

  • Antonelli, Paola/Kultermann, Udo/Van Dyk, Stephen: Weltausstellungen 1933–2005. Architektur Design Graphik [2007], München: DVA 2008
  • Garn, Andrew: Weltausstellungen 1933–2005: Architektur Design Graphik, München: DVA 2008

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Schlagwörter: Ästhetik, auditiv, Bauwerk, Bild, bildvisuell, Denkmal, Didaktik, Event/Performance, faktual, fiktional, Gesamtkompendium, Gesamtprojektion, haptisch, Konzept/Idee, Laufpräsentation, Medialpanoramatik, Medieninstallation, mimetisch, offen, Organisation, panoramatische Diskursform, schematisch, Skulptur, symbolisch, Technik, Text, textuell, Unterhaltung, Utopie/Dystopie, visuell, Zugleichspräsentation

1850–1851 – Karl Gutzkow, Die Ritter vom Geiste

Extremausweitung des Gesellschaftsromans qua Strangvielfalt, Themenbreite und Umfang (in der 9-bändigen Erstausgabe 4100 Seiten), doch anders als etwa Balzacs zeitgleich entstehender Comédie Humaine-Zyklus als Einzelwerk angelegt und publiziert. Zukunftsträchtig verkündet das vielzitierte Vorwort: „Der neue Roman ist der Roman des ‚Nebeneinanders‘“ und präludiert damit panoramatisch-modernistische Großerzählformen des 20. Jahrhunderts. Allerdings verfahren diese in der Regel weniger kompilatorisch und additiv als Gutzkows Textmassiv. – Johannes Ullmaier

Literatur / Quellen:

  • Gutzkow, Karl: Die Ritter vom Geiste. Roman in neun Büchern [1850/51], Frankfurt am Main: Zweitausendeins 1998
  • Ricken, Achim: Panorama und Panoramaroman – Parallelen zwischen der Panorama-Malerei und der Literatur im 19. Jahrhundert dargestellt an Eugène Sues Geheimnissen von Paris und Karl Gutzkows Rittern vom Geist, Frankfurt am Main: Lang 1991

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🖙 Romantext Online

Schlagwörter: Ästhetik, Buch, Didaktik, fiktional, Gesamtkompendium, Großtableau, Laufpräsentation, Medialpanoramatik, mimetisch, offen, Panorama-Diskurs, panoramatische Erzählung, Rahmenexpansion, symbolisch, Text, textuell, Überbreite, Universalchronik, Unterhaltung, Wimmelbild, Zeitensynopse

1848 – Karl Marx/Friedrich Engels, Manifest der Kommunistischen Partei


Die im Erstdruck 23 Seiten umfassende Schrift stellt, ungeachtet ihres bescheidenen Titels, kein klassisches Parteiprogramm im damaligen oder gar heutigen Sinne dar; vielmehr entwirft sie einen Entwurf der Weltgeschichte, aus der die für die Gegenwart – ebenfalls im weltmaßstäblichen Sinne – relevanten Schlüsse gezogen werden. Indem die „Geschichte aller bisherigen Gesellschaft“ als „die Geschichte von Klassenkämpfen bestimmt wird“, ist unter Mitnahme Hegelscher geschichtsphilosophischer Prämissen eine praktische und theoretische Achse allen Weltgeschehens benannt; von diesem Prinzip ausgehend sollen sich die chronikalischen Lücken des geschilderten bzw. angedeuteten Geschichtsverlaufs erschließen und füllen lassen. Die synchrone Analyse der kapitalistischen Gegenwart eröffnet eine Verallgemeinerung dessen, was die fortschrittliche und global fortschreitende kapitalistische und nach-kapitalistische Weltgesellschaft jenseits feudaler oder bürgerlich-nationaler Schranken leisten könnte. – Carsten Jakobi

Literatur / Quellen:

  • Marx, Karl/Engels, Friedrich: „Manifest der Kommunistischen Partei“ [1848]. In: Karl Marx/Friedrich Engels: Werke, Berlin/DDR: Dietz 1959, S. 459–493

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Schlagwörter: Didaktik, faktual, Gesamtprojektion, Idealpanoramatik, Konzept/Idee, Laufpräsentation, Organisation, schematisch, symbolisch, Text, textuell, Utopie/Dystopie, Zeitensynopse

1848 – George Cooke-Lambert, Panorama der Taunus-, Main-Neckar und Badischen Eisenbahn

Kombination aus panoramatisch gestalteter Landkarte, Reiseführer und Kursbuch. Der dreisprachige (dt., engl., frz.) Erläuterungstext bietet eine vollständige Liste der an diesen Bahnlinien gelegenen Orte (mit Gasthöfen und Sehenswürdigkeiten) sowie die Tarife für sämtliche Verbindungen. Frühes Beispiel für das seither in wechselnden Medien stabile Genre des touristischen Reiseüberblicks. – Bernd Klöckener

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Schlagwörter: Bild, bildvisuell, Buch, Diagramm, Didaktik, faktual, geordnet, Gesamtkompendium, Gesamtprojektion, Karte, Medialpanoramatik, Organisation, schematisch, Speicher, symbolisch, Tabelle, Technik, Text, textuell, Überwachung, Unterhaltung, Zeitensynopse, Zugleichspräsentation, Zugriffspräsentation

1845–1862 – Alexander von Humboldt, Kosmos – Entwurf einer physischen Weltbeschreibung


Schon seit 1796 als „l’Idee d’une physique du monde“ konzipiert, kann Humboldts Traum, „die ganze materielle Welt, alles was wir heute von den Erscheinungen der Himmelsräume und des Erdenlebens, von den Nebelsternen bis zur Geographie der Moose auf den Granitfelsen, wissen, alles in Einem Werke darzustellen“, sich erst Jahrzehnte später in fünf monumentalen Bänden realisieren, deren letzter unvollendet bleibt. Die Programmatik ist gegenüber Gesamt-Welt-Buch-Vorläufern wie Schedels Weltchronik oder Sebastian Münsters Cosmographia charakteristisch alteriert: „Jede große und wichtige Idee, die irgendwo aufgeglimmt, muß neben den Thatsachen hier verzeichnet sein. Es muß eine Epoche der geistigen Entwickelung der Menschheit (in ihrem Wissen von der Natur) darstellen. – Das Ganze ist nicht was man gemeinhin physikalische Erdbeschreibung nennt, es begreift Himmel und Erde, alles Geschaffene.“ – Johannes Ullmaier

Literatur / Quellen:

  • Humboldt, Alexander von: Kosmos. Entwurf einer physischen Weltbeschreibung [1845–1862], Frankfurt am Main: Eichborn 2004

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Schlagwörter: Ästhetik, Bild, bildvisuell, Buch, Didaktik, faktual, geordnet, Gesamtkompendium, Gesamtprojektion, geschlossen, Idealpanoramatik, Karte, Konzept/Idee, Laufpräsentation, Medialpanoramatik, mimetisch, Organisation, panoramatische Diskursform, schematisch, Speicher, symbolisch, Text, textuell, unbegrenzte Allheit, Unterhaltung, Weltatlas, Wissenschaft, Zugriffspräsentation

1845–1848 – Heinrich Berghaus, Physikalischer Atlas


Die Erfolgsgeschichte der sogenannten ‚thematischen‘ Kartographie setzt, von einigen Vorläufern abgesehen, um 1800 ein. Zwar sind genau genommen alle Karten ‚thematisch‘, spätestens wenn sie neben topographischen Merkmalen etwa Staatsgrenzen verzeichnen – doch ist der Ausdruck halbwegs funktional, um das Verfahren zu bezeichnen, das im Alternativtitel des ersten thematischen Atlas, desjenigen von Heinrich Berghaus, prägnant umschrieben wird: Sammlung von Karten, auf denen die hauptsächlichsten Erscheinungen der anorganischen und organischen Natur nach ihrer geographischen Verbreitung und Vertheilung bildlich dargestellt sind. Das Supermedium Atlas, mit seiner Verschaltung der Totalitätsformen Karte und Buch (1570), kann damit nicht mehr ‚nur‘ das Ganze in eine Zusammenschau bringen, sondern auch alles, was dort an verschiedenen Stellen unterschiedlich ist: etwa Tiere, Pflanzen oder Bekleidungsweisen menschlicher Erdbewohner. Heute kommt ja kaum ein Wikipedia-Artikel ohne eine Karte dieses Typs aus, auf der beispielsweise die Geschichte der Durchsetzung des metrischen Systems mit unterschiedlich kolorierten Ländern veranschaulicht wird. Berghaus’ Atlas ist, wie es im Untertitel einer späteren Ausgabe (von 1851) heißt, „unter der fördernden Anregung Alexander’s von Humboldt“ entstanden und sollte ursprünglich zusammen mit dessen Kosmos (1845–1862) erscheinen – ein Vorhaben, das dann bei dessen Neuausgabe (Humboldt, Kosmos) realisiert wurde, der ein Reprint von Berghaus’ Atlas beigegeben ist. – Robert Stockhammer

Literatur / Quellen:

  • Humboldt, Alexander von: Kosmos. Entwurf einer physischen Weltbeschreibung [1845–1862], Frankfurt am Main: Eichborn 2004

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Schlagwörter: Ästhetik, Bild, bildvisuell, Buch, Didaktik, Draufblick, faktual, Gesamtkompendium, Gesamtprojektion, Karte, Medialpanoramatik, Organisation, schematisch, symbolisch, Technik, Text, textuell, Weltatlas, Weltkarte, Wissenschaft, Zeichnung, Zugleichspräsentation, Zugriffspräsentation

1840–1842 – Les Français peints par eux-mêmes


Umfassend angelegtes Kompendium sogenannter ‚Typen‘ der französischen (bzw. Pariser) Gesellschaft. Die einzelnen Teile wurden zuvor in Form kleiner Hefte an Abonnenten verkauft. Für das Sammelwerk habe man, so schreibt der Herausgeber, „alle Klassen der Gesellschaft“ erkundet und sondiert. Die Typen werden jeweils mit einer kleinen grafischen Illustration, einer möglichst sprechenden Bezeichnung und einem kleinen charakterisierenden Text präsentiert. Das Werk zählt zu der umfangreichen Produktion sogenannter druckgrafischer und literarischer „Physiologien“ des 19. Jahrhunderts. – Clara Wörsdörfer

Literatur / Quellen:

  • Men, Ségolène le/Abélès, Luce/Preiss-Basset, Nathalie: Les Français peints par eux-mêmes. Panorama social du XIXe siècle, Ausst.-Kat. Paris, Musée d’Orsay, Paris: Musée d’Orsay 1993
Schlagwörter: Bild, bildvisuell, Buch, Didaktik, Enzyklopädie, faktual, Gesamtkompendium, Laufpräsentation, Medialpanoramatik, offen, Organisation, schematisch, symbolisch, Technik, Text, textuell, Zeichnung, Zugriffspräsentation

1840 – Adalbert Stifter, Der Condor

1840 als literarisches Debüt des Autors veröffentlicht, schildert Stifters Erzählung die zerbrochene Jugendliebe des Malers Gustav und der emanzipationswilligen Cornelia. Im Zentrum des an Jean Pauls Ballon-Motivik anknüpfenden Werks steht der Konflikt um Cornelias entgegen Gustavs Warnung unternommene Ballonfahrt über die Alpen. Allerdings erweist sich die Höhenerfahrung für Cornelia als überfordernd: „Erschrocken wandte die Jungfrau ihr Auge zurück, als hätte sie ein Ungeheuer erblickt – aber auch um das Schiff herum wallten weithin weiße, dünne, sich dehnende und regende Leichentücher – von der Erde gesehen – Silberschäfchen des Himmels. – Zu diesem Himmel floh nun ihr Blick – aber siehe, er war gar nicht mehr da: das ganze Himmelsgewölbe, die schöne blaue Glocke unserer Erde, war ein ganz schwarzer Abgrund geworden, ohne Maß und Grenze in die Tiefe gehend.“ (Riha (Hg.) Reisen im Luftmeer, S. 69). Als Cornelia schließlich in Ohnmacht fällt, muss die kostspielige Fahrt abgebrochen werden: „‚Wir müssen niedergehen; die Lady ist sehr unwohl.‘ Der alte Mann stand auf von den Instrumenten und sah hin, es war ein Blick voll strahlenden Zornes, und ein tief entrüstetes Antlitz. Mit überraschend starker Stimme rief er aus: ‚Ich habe es dir gesagt, Richard, das Weib erträgt den Himmel nicht –.‘“ (Riha (Hg.) Reisen im Luftmeer, S. 170). Der in Stifters fiktiver Handlungskonstellation nahegelegte weibliche Mangel an celestischer Panorama-Akkommodationsfähigkeit (vgl. etwa auch Riha (Hg.) Reisen im Luftmeer, S. 116), der in der Realgeschichte der Ballonfahrt nicht signifikant zu belegen ist (eher im Gegenteil, vgl. Riha (Hg.) Reisen im Luftmeer, zum Beispiel, S. 125), ebenso wenig wie umgekehrt etwa eine pauschale weibliche Sensibilität für die abgründige Erhabenheit kosmischer Seheindrücke, gibt Anlass zur Diskussion historischer Gender-Stereotype, wie sie analog auch im Diskurs um angebliche Überforderungssymptome von Frauen und Kindern beim Panorama-Besuch auftreten. – Naemi Dittes | Johannes Ullmaier

Literatur / Quellen:

  • Stifter, Adalbert: Studien 1. Sämtliche Werke, Bd. I, Prag: Calve 1904
  • Riha, Karl (Hg.): Reisen im Luftmeer. Ein Lesebuch zur Geschichte der Ballonfahrt, München/Wien: Hanser 1983, S. 161–170

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Schlagwörter: Ästhetik, Buch, Didaktik, Draufblick, Fernblick, fiktional, Laufpräsentation, Medialpanoramatik, Naturpanorama, Panoramaflug, panoramatische Erzählung, symbolisch, Technik, Text, textuell, Unterhaltung, visuell