1897 – Gebrüder Lumière, Panoramaeinstellung in Panorama du casino pris d’un bateau

Die Panoramaeinstellung (auch Panoramaaufnahme, Supertotale) ist die Einstellungsgröße mit dem weitesten Aufnahmewinkel. Oft werden dabei ausgedehnte Landschaften oder Städte gezeigt; Figuren sind kaum oder gar nicht zu erkennen. In die größtmögliche Distanz gesetzt, erhält das Publikum einen räumlichen Überblick und die nötige Orientierung zum Verständnis eines Geschehens. Panoramaeinstellungen, die in den unterschiedlichsten Gattungen und Genres vorkommen, finden sich bereits bei den Gebrüdern Lumière. So besteht Panorama du casino pris d’un bateau (FR 1897) aus einer horizontalen Seitwärtsbewegung (Traveling Shot), die an ein Moving-Panorama erinnert und von einem fahrenden Boot aus gefilmt wird. Am Kanalufer sind vorbeiziehende Häuserfassaden der Stadt Nizza zu sehen sowie in die entgegengesetzte Richtung fahrende Boote. Ein außergewöhnliches Beispiel liefert der Film 13 Lakes (USA 2004, R: J. Benning), der die besagten 13 Seen in 10-minütigen statischen Panoramaeinstellungen aneinanderreiht, kontinuierlich durchzogen von der Horizontlinie, die Wasser und Himmel voneinander trennt. Der minimalistische Film nimmt sich Zeit für unscheinbare, stetige Bewegungen und Texturveränderungen: der Wolken im Himmel oder des Wassers im See. Zeitlichkeit wird erfahrbar gemacht. Durch seine Dauer und Statik verweist das Bild auf das als Leerstelle fungierende unsichtbare Äußere, aus dem das Wasser in den Bildrahmen hinein und hinaus fließt. Somit zeigen die Panoramaaufnahmen in 13 Lakes auf, dass das panoramatische Ideal der Allschau von keiner Panoramaaufnahme erfüllt werden kann. – Johannes Noss

Literatur / Quellen:

  • Panse, Silke: „Ten Skies, 13 Lakes, 15 Pools – Structure, Immanence and Eco-Aesthetics in ‚The Swimmer‘ and James Benning’s Land Films“. In: Screening Nature: Cinema Beyond the Human, hg. von Anat Pick und Guinevere Narraway, New York/Oxford: Berghahn 2013, S. 37–59, S. 37–59
  • Mikos, Lothar: Film und Fernsehanalyse, München: UVK Verlag 2023, S. 234

Weblinks:

🖙 Filmlexikon Kiel: Weite Aufnahme
🖙 YouTube: Panorama du casino pris d’un bateau (1897)

Schlagwörter: Ästhetik, begrenzte Allheit, bildvisuell, faktual, Fernblick, fiktional, Film, Gesamtprojektion, Inhaltspanoramatik, Laufpräsentation, Medialpanoramatik, Medientechnik, mimetisch, Moving Panorama, offen, Panoramabild, Unterhaltung, Zugleichspräsentation, Zugriffspräsentation

1895 – Entdeckung der Röntgenstrahlen


Am 8. November 1895 entdeckt Wilhelm Conrad Röntgen die Strahlung, die im deutschen Sprachraum bald nach ihm benannt wird. Sie kann Materie durchdringen. Stoffe sind unterschiedlich durchlässig, sodass die Röntgenstrahlen unterschiedlich stark durchkommen. Durch die variierende Stärke des Durchkommens können die Strahlen zur Bilderzeugung genutzt werden, zum Beispiel am menschlichen Körper, dessen Knochen eine höhere Dichte aufweisen als seine Organe. Bei modernen Geräten können auch letztere abgebildet werden. Der Einsatz von Röntgenstrahlen zur therapeutischen Behandlung von Hautkrankheiten beginnt 1896. – Lea-Sophie Dettmann

Literatur / Quellen:

  • Busch, Uwe/Rosendahl, Wilfried (Hgg.): Die Welt im Durchblick. Wunder moderner Röntgentechnik, Darmstadt: WBG/Theiss 2019

Weblinks:

🖙 Wikipedia

Schlagwörter: begrenzte Allheit, Bild, bildvisuell, Blicktransparenz, faktual, Foto, Medialpanoramatik, Medientechnik, mimetisch, Technik, Überwachung, Wissenschaft, Zugleichspräsentation

1894 – Panorama von Racławice

Das Panorama von Racławice befindet sich in Breslau (polnisch Wrocław) und stellt auf 15 × 114 m (1710 qm) die Schlacht bei Racławice dar, die am 4. April 1794 stattgefunden hat. Das 360°-Rundbild zeigt den Sieg der von General Tadeusz Kosciuszko (1746-1817) angeführten polnischen Armee über die russischen Streitkräfte. Der Kampf fand im Rahmen des russischen Angriffskrieges sowie des dadurch ausgelösten Kosciuszko-Aufstands statt. Gekämpft wurde auf beiden Seiten mit geringer Truppenstärke, weshalb der Ausgang der Schlacht auf den Verlauf des Krieges wenig Einfluss hatte. Die psychologische Bedeutung der Schlacht ist dagegen kaum zu überschätzen: So klein der Sieg auch war, er ermutigte die restlichen Teile Polens zum Aufstand. Dennoch unterlag Polen schließlich Russland, worauf es im Jahr 1795 zur Dritten Polnischen Teilung kam.

Das Panoramabild wird anlässlich des 100. Jahrestages der Schlacht nach neunmonatiger Arbeit der Künstler Jan Styka, Wojciech Kossak sowie weiterer am 5. Juni 1894 anlässlich einer Nationalausstellung in Lemberg enthüllt. Ein Jahr nach dem Zweiten Weltkrieg verlegt man das Gemälde unter Geheimhaltung nach Breslau, wo es lange Zeit versteckt bleibt. Erst in der Endphase des Sowjet-Imperialismus wird es wieder öffentlich zugänglich und in einem eigens dafür erbauten, am 14. Juni 1985 feierlich eingeweihten Rundbau präsentiert. 2026 stehen für die Besichtigung des Gemäldes kostenlose Audioguides in 16 Sprachen zur Verfügung, die das historische Geschehen und die Geschichte des Gemäldes kommentieren. Das Panoramabild zählt heute zu den bekanntesten Sehenswürdigkeiten der Stadt Breslau und ist eine der meistbesuchten Ausstellungen Polens. – Annika Noz (2026)

Literatur / Quellen:

  • Maier, Nicola: „Panorama-Gemälde von Racławice“. In: Exkursion „Die Mitte Europas liegt ostwärts“. Deutsch-polnische Studien- und Begegnungswoche in Krzyzowa und Wrocław. Europäische Werkstatt Kreisau. Geschichte, Pädagogische Hochschule Freiburg 2018, S. 58-62.
  • Ulusan, Fatma: „Das Panorama Gemälde von Racławice“. In: Studierendenaustausch 08.-15.12.2022. Geschichte: Polen – Schlesien – Europa. Deutsch-polnische Studien- und Begegnungswoche in Krzyzowa und Wrocław. Europäische Werkstatt Kreisau. Pädagogische Hochschule Freiburg 2022, S. 53-56.

Weblinks:

🖙 Wikipedia
🖙 Webseite des Panoramas von Racławice

Schlagwörter: 360°, Ästhetik, begrenzte Allheit, Bild, bildvisuell, Denkmal, Didaktik, faktual, Gemälde, Gemälderundbau, Gesamtprojektion, geschlossen, Medialpanoramatik, mimetisch, Panoramabild, Rundband, Rundbau, Zugleichspräsentation

1889 – Alfred Stevens/Henri Gervex, Panorama de l’histoire du siècle

Genau 100 Jahre nach der Französischen Revolution präsentieren Alfred Stevens und Henri Gervex als Attraktion ihr heute nicht mehr erhaltenes Panoramarundbild mit dem Titel Panorama de l’histoire du siècle (Geschichte des Jahrhunderts) auf der Weltausstellung. Über eine Länge von 120 m im Rund präsentiert es 640 Persönlichkeiten, welche die Geschichte Frankreichs seit 1789 geprägt haben. Als imaginäre Stadtgesellschaft positionieren sich die Figuren in Pariser Kulisse, locker zu Gruppen gefügt. Ein Begleitheft liegt aus, mit dem die Figuren identifiziert und auch die historischen Entwicklungen in pointierter Form nachgelesen werden können. Das Panorama ist ungewöhnlich, da es kaum Handlung oder Landschaftsausblick zeigt, sondern eine Versammlung von Porträts historischer Persönlichkeiten, die allerdings mit den Mitteln des Panoramas gleichsam in einen Raum beziehungsweise unter einen gemeinsamen Himmel gebracht werden, als hätten sie sich tatsächlich begegnen können. Trotzdem existieren in dieser Illusion eines Raums verschiedene Zeiten, denn die Personen tragen historisches Kostüm und die Figurengruppen sind im Kreis chronologisch angeordnet. Aufgrund der Rundform mussten die Künstler das Problem lösen, dass es eine Stelle im Bild gibt, an welcher Beginn (1789) und Gegenwart (1889) sich treffen – in dieser Zone platzieren sie „als Bindestrich zwischen den Jahrhunderten“ den Dichter Victor Hugo, einsam an den steinernen Sockel einer Allegorie Frankreichs gelehnt. – Clara Wörsdörfer

Literatur / Quellen:

  • Geimer, Peter: Die Farben der Vergangenheit. Wie Geschichte zu Bildern wird, München: C. H. Beck 2022

Weblinks:

🖙 Wikipedia

Schlagwörter: 360°, Ästhetik, Bauwerk, begrenzte Allheit, Bild, bildvisuell, Denkmal, Diagramm, Didaktik, Enzyklopädie, faktual, Gemälde, Gemälderundbau, Gesamtkompendium, Gesamtprojektion, geschlossen, Großtableau, Medialpanoramatik, mimetisch, offen, Panoramabild, Rundband, Rundbau, schematisch, Unterhaltung, Zeitensynopse, Zentralblickpunkt, Zugleichspräsentation

1889 – Charles Castellani, Le Tout-Pari


Heute nicht mehr erhaltenes Panoramarundbild des französischen Künstlers Charles Castellani anlässlich der Exposition Universelle auf der Esplanade des Invalides in Paris. Offenbar zeitgleich erscheint ein Begleitbuch mit einer druckgrafischen Reproduktion des Bildes in Einzelteilen und zugehöriger Legende, anhand derer sich die abgebildeten Persönlichkeiten entschlüsseln lassen. Aussagen des Künstlers dazu finden sich zudem in dessen Buch Confidences d’un Panoramiste. Zentraler Blickpunkt ist der Vorplatz der Pariser Oper, sodass dem Betrachtenden der Eindruck vermittelt wird, selbst von der Mitte des Platzes aus die Umgebung zu betrachten. Von dort aus sind die rundum abführenden Straßen zu sehen, deren Restaurants, Straßenlaternen, Markisen, Schilder und Verkehr detailliert wiedergegeben werden. Zusätzlich vereint und arrangiert Castellani in dieser Stadtlandschaft porträthaft namhafte und um 1889 das Stadtgespräch prägende Gestalten, darunter Literaten, Künstler, Politiker oder andere Personen des öffentlichen Lebens. Die fast 2000 prominenten Vertreter der Pariser Oberschicht scheinen sich wie zufällig im selben Moment an diesem Ort zu befinden, sind in dieser Konstellation jedoch zugleich auch sichtlich arrangiert. Somit handelt es sich bei Castellanis Panoramarundbild um ein Gesellschaftspanorama, das die dort zu sehenden Akteure mittels ihrer Positionierung im Vorder- oder Hintergrund des Rundbilds hierarchisch zueinander in Relation setzt und sich folglich grundlegend von einem Stadtplatz-Wimmelbild unterscheidet, das eine Vielzahl in Aktion begriffener, aber nicht hierarchisch sortierter Personen abbildet. Die zeitgenössische Presse bemerkte an dem Bild „den erstaunlichen Ausdruck von Aktivität und Lebendigkeit“ (Le Rappel, 12. März 1889, Übers. CW). – Clara Wörsdörfer / Lena Reuther

Literatur / Quellen:

  • Castellani, Charles: Confidences d’un Panoramiste. Aventures et Souvenirs, Paris: Dreyfous et D’Alsace Éditeurs 1895.
  • Wörsdörfer, Clara: „Alle im Blick – Die Vielen im Bild. Versuch über das Wimmelbild“. In: Alles im Blick. Perspektiven einer intermedialen Panoramatik, hg. von Roman Mauer, Johannes Ullmaier, und Clara Wörsdörfer, Wiesbaden: Springer 2025, S. 397–432.

Weblinks:

🖙 Begleitbuch zum Panoramabild
🖙 Castellani, Confidences d’un Panoramiste, 1895

Schlagwörter: 360°, Ästhetik, begrenzte Allheit, Bild, bildvisuell, Denkmal, Didaktik, faktual, Gemälde, Gemälderundbau, Gesamtkompendium, Gesamtprojektion, Großtableau, Medialpanoramatik, mimetisch, Panoramabild, Rundband, Rundbau, schematisch, Unterhaltung, Zentralblickpunkt, Zugleichspräsentation

1888 – Joseph Bühlmann und Alexander Wagner, Das alte Rom mit dem Triumphzuge Kaiser Constantins im Jahre 312 n. Chr.

Das im Juli 1888 in München eröffnete Panorama-Rundgemälde erhebt den Anspruch, auf der Höhe der damaligen wissenschaftlichen Erkenntnisse eine Stadtansicht Roms zu rekonstruieren, wie sie sich im Jahr 312 geboten hätte. Beispiel für die epochensignifikante Kombination von panoramatischer und historistischer Perspektive. – Bernd Klöckener

Literatur / Quellen:

  • Kockel, Valentin: „‚Wissenschaft und Kunst sind, wie selten, eine glückliche Verbindung eingegangen‘. Das Rom-Panorama von Josef Bühlmann im Kontext des 19. Jahrhunderts“. In: Das antike Rom und sein Bild, hg. von Hans-Ulrich Cain, Annette Haug, und Yadegar Asisi, Berlin/Boston: De Gruyter 2001, S. 23–48

Weblinks:

🖙 Zeitgenössische Reproduktion

Schlagwörter: 360°, Ästhetik, Bauwerk, begrenzte Allheit, Bild, bildvisuell, Denkmal, Didaktik, faktual, fiktional, Gemälde, Gemälderundbau, Gesamtprojektion, geschlossen, Immersion, Medialpanoramatik, mimetisch, Panoramabild, Rundband, Rundbau, Unterhaltung, Zentralblickpunkt, Zugleichspräsentation

1886 – Thomas Clarkson Gordon, Battle Scenes of the Rebellion

In seiner Heimatstadt Spiceland, Indiana, führt der autodidaktische Künstler und US-Bürgerkriegsveteran Thomas Clarkson Gordon im Dezember 1886 erstmals sein vertikales Moving Panorama vor. Dafür fertigt er von 1884–1886 zunächst zwölf Ölgemälde an, die einzelne Szenen des US-amerikanischen Bürgerkriegs, angefangen mit dem Angriff auf Fort Sumter bis hin zum Gefecht bei Appomattox, zeigen. Den Gemälden mit jeweils etwa 210 cm Höhe und 420 cm Breite folgen später drei weitere. Schließlich montiert Clarkson Gordon die insgesamt 15 Gemälde zu einer durchgehenden Leinwand aneinander. Außerdem konstruiert er für sein Moving Panorama einen Mechanismus aus Holz, an dem das Panoramagemälde befestigt wird und per Kurbel vertikal bewegt werden kann, wodurch die Konstruktion charakteristisch von der horizontalen Bewegungsrichtung der meisten Moving Panoramas abweicht, die im 19. Jahrhundert vorwiegend in englischsprachigen Ländern ihr Publikum erreichen. Typischerweise wird ein langes Rollbild mit Hilfe eines mechanischen Kurbelsystems über ein Fenster bewegt, wobei die Vorführung häufig von einem Vortragenden, Musik und teils auch Ton- und Lichteffekten begleitet wird. Im Gegensatz zu den standortfixierten Rundbild-Panoramen in den Großstädten sind Moving Panoramas ein im Doppelsinn bewegtes Medium und arbeiten mehr mit Narration und der Kombination verschiedener Ausdrucksformen als mit der Immersion in einen Ort oder ein Ereignis. Durch das Vorführdispositiv mit Vortragendem, Musikbegleitung und einem Rahmen, auf den sich der Blick der Betrachtenden richtet, erinnern Moving-Panorama-Vorführungen an das frühe Kino, speziell in Clarkson Gordons Fall auch schon mit Blick auf die Bewegungsrichtung der – hier allerdings noch unvergleichlich langsameren und unkadrierten – Bildabfolge. – Kaim Bozkurt

Literatur / Quellen:

  • Huhtamo, Erkki: Illusions in Motion. Media Archaeology of the Moving Panorama and Related Spectacles, Cambridge, MA: MIT Press 2013
  • Miller, Angela L.: „The Panorama, the Cinema and the Emergence of the Spectacular“. In: Wide Angle 18 (1996), H. 2, S. 34–69
Schlagwörter: Animation, Ästhetik, auditiv, begrenzte Allheit, Bild, bildvisuell, Denkmal, Didaktik, Event/Performance, faktual, fiktional, Gemälde, geordnet, Gesamtprojektion, Immersion, Laufpräsentation, Medialpanoramatik, Medientechnik, mimetisch, Moving Panorama, Text, Unterhaltung

1886 – Imperial Federation Map of the World Showing the Extent of the British Empire in 1886


Das British Empire auf dem Höhepunkt seiner Geltung als Weltmacht: „Karten wie die Imperial Federation Map sind erfüllt von einem europäischen Sendungsbewusstsein und dem daraus abgeleiteten universalen Machtanspruch. Gerade als Weltkarte macht sie deutlich, dass es im Verhältnis der europäischen zu außereuropäischen Ländern und Völkern nicht nur um ein reines Herrschaftsverhältnis ging, sondern um die Hierarchie einer ganzen Weltordnung.“ (Oswalt, Weltkarten – Weltbilder, S. 169). Das zeigt sich nicht zuletzt an der Tatsache, dass die Karte auf dem durch Greenwich/London gehenden Längengrad zentriert ist – zwei Jahre zuvor war die Einigung erfolgt, dass dies der für die Navigation und Zeitzählung international verbindliche Nullmeridian sein sollte. „Nicht mehr Jerusalem wie in vielen mittelalterlichen Weltkarten, sondern London/Greenwich war nun das neue Zentrum der Welt.“ (ebd., S. 176). – Bernd Klöckener

Literatur / Quellen:

  • Oswalt, Vadim: Weltkarten – Weltbilder. Zehn Schlüsseldokumente der Globalgeschichte, Stuttgart: Reclam 2015, S. 169–184

Weblinks:

🖙 Wikipedia

Schlagwörter: begrenzte Allheit, Bild, bildvisuell, Didaktik, Draufblick, faktual, Gemälde, Gesamtprojektion, Karte, Medialpanoramatik, mimetisch, Organisation, schematisch, Technik, textuell, Weltkarte, Wissenschaft, Zugleichspräsentation

1883 – Sedan-Panorama

Das von Anton von Werner entworfene, 1883 zum Jahrestag der Schlacht von Sedan eröffnete Panorama zeigt (dem zeitgenössischen Programmheft zufolge) „jenen Moment der Schlacht bei Sedan am Nachmittage des 1. September 1870, zwischen eineinhalb und zwei Uhr, in welchem die französische Armee […] von dem linken Flügel der deutschen Armee […] umfaßt und auf das Plateau von Floing-Illy zurückgedrängt, den letzten verzweifelten Versucht macht, die preußischen Linien zu durchbrechen und eine Rückzugsstraße zu gewinnen.“ In dem dafür errichteten Gebäude am Berliner Alexanderplatz finden zudem drei Dioramen Platz, die weitere wichtige Ereignisse jenes Tages (bis zum Zusammentreffen zwischen Bismarck und Napoleon III) darstellen. Die Gesamtkosten betragen ca. 1 Mio. Goldmark. Eine ähnlich imposante Version mit eigenem Gebäude gibt es in Frankfurt am Main. – Stephan Klose

Literatur / Quellen:

  • Oettermann, Stephan: Das Panorama. Die Geschichte eines Massenmediums, Frankfurt am Main: Syndikat 1980, S. 204–211
  • Sternberger, Dolf: Panorama oder Ansichten vom 19. Jahrhundert [1938], Frankfurt am Main: Insel 1981, S. 11–21

Weblinks:

🖙 Sedan-Panorama Frankfurt

Schlagwörter: 360°, Ästhetik, begrenzte Allheit, Bild, bildvisuell, Denkmal, Didaktik, faktual, Gemälde, Gemälderundbau, Gesamtprojektion, geschlossen, Immersion, Medialpanoramatik, mimetisch, Panoramabild, Rundband, Rundbau, Unterhaltung, Zentralblickpunkt, Zugleichspräsentation

1883 – „Allwissender Erzähler“ (Friedrich Spielhagen)

Mit der Unterscheidung von „Allgegenwart und Allwissenheit des Dichters“ legt der Schriftsteller Friedrich Spielhagen (Spielhagen, Beiträge zur Theorie und Technik des Romans, S. 236) in seinem theoretischen Werk Beiträge zur Theorie und Technik des Romans eine Begriffsgrundlage für den vor allem im schulischen Gebrauch populären Terminus eines quasi-göttlichen „Allwissenden Erzählers“, der in der akademischen Narratologie ab Mitte des 20. Jahrhunderts – mit unterschiedlichen Akzenten – als „Auktoriale Erzählsituation“ (Stanzel) bzw. „Nullfokalisierung“ (Genette) konzipiert wird. Überall ist damit jedoch der (im praktischen Gebrauch bis in die Antike zurückgehende) Fall eines Erzählmodus markiert, der sich das Recht nimmt, die erzählerisch präsentierte Welt beliebig zu entwerfen, zu perspektivieren und zu modifizieren. Schärfer als gemeinhin üblich wäre dabei zwischen einer – tendenziell expliziten und (quasi-)zugleichspanoramatischen – Darbietung bzw. Behauptung manifester All- und Überschau und einer – tendenziell impliziten und verlaufspanoramatischen – Lizenz zur unlimitierten Bewegung durch ‚alle möglichen‘ lokal wechselnden Seinssphären und Perspektiven zu unterscheiden. – Johannes Ullmaier

Literatur / Quellen:

  • Spielhagen, Friedrich: Beiträge zur Theorie und Technik des Romans, Berlin: L. Staackmann 1883

Weblinks:

🖙 Spielhagen
🖙 Martinez-Artikel Allwissendes Erzählen

Schlagwörter: Allwahrnehmung, Ästhetik, begrenzte Allheit, Blicktransparenz, Didaktik, Draufblick, Fernblick, fiktional, Gesamtprojektion, Idealpanoramatik, Konzept/Idee, Laufpräsentation, Medialpanoramatik, mimetisch, Mythos/Religion, offen, symbolisch, Text, textuell, Überwachung, unbegrenzte Allheit, Unterhaltung, Utopie/Dystopie, Zeitensynopse, Zugleichspräsentation, Zugriffspräsentation