1781 – Louis-Sébastien Mercier, Tableau de Paris

Nachdem er 1771 die erzählte Welt mit L’an deux mille quatre cent quarante. Rêve s’il en fut jamais (dt. Das Jahr 2440) pionierhaft in eine utopische Zukunft ausgedehnt hat, dringt Mercier mit seinem Paris-‚Tableau‘ mit ähnlichem Elan panoramatisch in die Breite der eigenen urbanen Epochengegenwart und zeichnet in insgesamt 1049 Abschnitten (in der erweiterten Version von 1788) ein umfassendes Bild des zeitgenössischen Pariser Lebens. – Johannes Ullmaier

Literatur / Quellen:

  • Mercier, Louis-Sébastien: Pariser Nahaufnahmen. Tableau de Paris [1781/88], Frankfurt am Main: Eichborn/Greno 2000

Weblinks:

🖙 Wikipedia Mercier
🖙 Digitalisat Tome 1

Schlagwörter: Ästhetik, begrenzte Allheit, Buch, Denkmal, Didaktik, Ekphrasis, faktual, Gesamtkompendium, Laufpräsentation, Medialpanoramatik, mimetisch, offen, panoramatische Diskursform, panoramatische Erzählung, symbolisch, Text, textuell, Überbreite, Unterhaltung, Zugriffspräsentation

1770 – Johann Wolfgang Goethe, Blick vom Münster

Am 4. April 1770 besteigt der junge Goethe den Turm des Straßburger Münsters. Über sein prägendes Panoramaerlebnis berichtet er im zweiten Band seiner Autobiografie Dichtung und Wahrheit (EA 1812): „indem ich das Gebäude eilig bestieg, um nicht den schönen Augenblick einer hohen und heitern Sonne zu versäumen, welche mir das weite, reiche Land auf einmal offenbaren sollte. Und so sah ich denn von der Plattform die schöne Gegend vor mir, in welcher ich eine Zeitlang wohnen und hausen durfte: die ansehnliche Stadt, die weitumherliegenden, mit herrlichen dichten Bäumen besetzten und durchflochtenen Auen, diesen auffallenden Reichtum der Vegetation, der, dem Laufe des Rheins folgend, die Ufer, Inseln und Werder bezeichnet. Nicht weniger mit mannigfaltigem Grün geschmückt ist der von Süden herab sich ziehende flache Grund, welchen die Ill bewässert; selbst westwärts, nach dem Gebirge zu, finden sich manche Niederungen, die einen eben so reizenden Anblick von Wald und Wiesenwuchs gewähren, so wie der nördliche mehr hügelige Teil von unendlichen kleinen Bächen durchschnitten ist, die überall ein schnelles Wachstum begünstigen.“ (Goethe, Dichtung und Wahrheit, S. 345). Auch die dem ersten Umherblicken folgenden Panorama-Beschreibungs- und Reflexions-Passagen sind – bis hin zum Abstieg – phänotypisch für die realpanoramatische Seherfahrung seit der Aufklärung. Goethe sieht und schreibt hier in dem Geist, den man Petrarca später gern anachronistisch zuschrieb. – Johannes Ullmaier

Literatur / Quellen:

  • Goethe, Johann Wolfgang: Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit. Sämtliche Werke. Bd. 14, Frankfurt am Main: Deutscher Klassiker Verlag 1988, S. 345–349
Schlagwörter: 360°, Ästhetik, Bauwerk, begrenzte Allheit, bildvisuell, Buch, Denkmal, Didaktik, Draufblick, Ekphrasis, Event/Performance, faktual, Fernblick, Inhaltspanoramatik, Laufpräsentation, Medialpanoramatik, mimetisch, Naturpanorama, Panorama-Beschreibung, Panorama-Diskurs, Realpanoramatik, Rundbau, symbolisch, Text, textuell, Unterhaltung, Zeitensynopse, Zentralblickpunkt, Zugleichspräsentation

1768–1771 – Encyclopædia Britannica


Über Jahrhunderte hinweg maßgebliche englischsprachige Enzyklopädie; erste Auflage in drei Bänden hg. von William Smellie von 1768–1771. Bis 2004 wächst sie auf 75.000 Artikel in 32 Bänden an, erliegt als Print-Tradition aber 2012 der kostenlosen Online-Konkurrenz durch die Wikipedia. – Johannes Ullmaier

Weblinks:

🖙 Wikipedia

Schlagwörter: begrenzte Allheit, Bild, bildvisuell, Buch, Diagramm, Didaktik, Enzyklopädie, faktual, geordnet, Gesamtkompendium, Karte, Medialpanoramatik, mimetisch, Organisation, schematisch, Speicher, symbolisch, Tabelle, Technik, Text, textuell, unbegrenzte Allheit, Unterhaltung, Wissenschaft, Zugriffspräsentation

1753 – Carte Chronographique / Chronographie, ou Description des tems


Vom Arzt und Universalgelehrten Jacques Barbeu-Dubourg (1709–1779) erfundene Maschine aus Papier und Leim. Mittels zweier Kurbeln kann eine eingespannte Papierbahn von etwa 17 m Länge bewegt und somit der sichtbare Ausschnitt geändert werden. Auf dieser Papierfläche befinden sich 35 ineinander übergehende Kupferdrucke, die synchronoptisch die Ereignisse der Weltgeschichte von Adam und Eva bis 1800, also in die zur Zeit Barbeu-Dubourgs noch ausstehende Zukunft, präsentieren. – Philip Iser

Literatur / Quellen:

  • Schmidt-Burkhardt, Astrit: Die Chronologie-Maschine: Barbeu-Dubourgs Aufbruch in die historiografische Moderne, Berlin: Lukas 2022

Weblinks:

🖙 Digitalisat
🖙

Schlagwörter: (Aus-)Faltung, Ästhetik, begrenzte Allheit, Bild, bildvisuell, Buch, Diagramm, Didaktik, Draufblick, faktual, fiktional, FRANKREICH: Geschichtsschreibung, geordnet, Gesamtdiagramm, geschlossen, haptisch, Laufpräsentation, Medialpanoramatik, Medientechnik, Moving Panorama, Mythos/Religion, Rahmenexpansion, schematisch, Tabelle, Text, textuell, Universalchronik, WELTGESCHICHTE, Zeitensynopse

1751–1780 – Diderot, Encyclopédie


Im Jahr 1751 erscheint der erste Band der Encyclopédie ou Dictionnaire raisonné des sciences, des arts et des métiers. Denis Diderot und Jean Baptiste le Rond d’Alembert verfassen ihre französischsprachige Enzyklopädie gemeinsam mit 142 Enzyklopädisten aus Kunst, Philosophie und Handwerk. Diderots Ziel ist es, „die auf der Erdoberfläche verstreuten Kenntnisse zu sammeln, um sie den nach uns kommenden Menschen zu überliefern, damit die Arbeit der vergangenen Jahrhunderte nicht nutzlos für die kommenden Jahrhunderte gewesen sei“ (Diderot/d’Alembert, Encyclopédie, S. V, 635). Im Gegensatz zu früheren Enzyklopädien fasst Diderot nicht nur Gelehrtenwissen, sondern auch Alltags- und Praxiswissen zusammen und setzt mit allein elf Tafelbänden auf ausgiebige bildliche Veranschaulichung. 1780 erscheint der letzte, 35. Band. – Sarah Karsten | Johannes Ullmaier

Literatur / Quellen:

  • Diderot, Denis/d’Alembert, Jean le Rond: Encyclopédie ou Dictionnaire raisonné des sciences, des arts et des métiers, Berlin: Fines Mundi 2022

Weblinks:

🖙 Wikipedia
🖙 ZEIT-Artikel

Schlagwörter: begrenzte Allheit, Bild, bildvisuell, Buch, Diagramm, Didaktik, Enzyklopädie, faktual, geordnet, Gesamtkompendium, Karte, Medialpanoramatik, mimetisch, Organisation, schematisch, Speicher, symbolisch, Tabelle, Technik, Text, textuell, unbegrenzte Allheit, Unterhaltung, Wissenschaft, Zugriffspräsentation

1731–1754 – Johann Heinrich Zedler, Grosses vollständiges Universal-Lexicon Aller Wissenschafften und Künste


Mit 64 Bänden (plus 4 Supplementbänden), ca. 284.000 Artikeln und 276.000 Verweisen auf ca. 63.000 zweispaltigen Folioseiten verfolgt das wohl am größten angelegte enzyklopädische Projekt des 18. Jahrhunderts – vor Diderot – den Anspruch, das gesamte verfügbare Wissen alphabetisch aufzureihen und zu versammeln. – Bernd Klöckener

Literatur / Quellen:

  • Schneider, Ulrich Johannes: „Die Konstruktion des allgemeinen Wissens in Zedlers ‚Universal-Lexicon‘“. In: Wissenssicherung, Wissensordnung und Wissensverarbeitung. Das europäische Modell der Enzyklopädien, hg. von Theo Stammen und Wolfgang E. J. Weber, Berlin: Akademie Verlag 2004, S. 81–101

Weblinks:

🖙 Digitalisat
🖙 Wikipedia

Schlagwörter: begrenzte Allheit, Bild, bildvisuell, Buch, Diagramm, Didaktik, Enzyklopädie, faktual, geordnet, Gesamtkompendium, Karte, Medialpanoramatik, mimetisch, Organisation, schematisch, Speicher, symbolisch, Tabelle, Technik, Text, textuell, unbegrenzte Allheit, Unterhaltung, Wissenschaft, Zugriffspräsentation

1704 – Michael Bernhard Valentini, Museum Museorum oder Schau-Bühne Aller Materialien und Specereyen


Das von 1704 bis 1714 in drei Bänden erschienene Museum Museorum (lat. Museum der Museen) des Experimentalphysikers, Naturforschers und Kuriositätensammlers Michael Bernhard Valentini steht als „Schau-Bühne aller Materialen und Specereyen“ in der Tradition der Wunderkammern und Kunstkabinette der Spätrenaissance, verfolgt dabei aber einen zukunftsweisenden wissenschaftlichen Anspruch. Die reichhaltige Sammlung versteht sich als Kompendium verschiedener Naturphänomene und beschränkt sich nicht auf den europäischen Kontinent, sondern präsentiert ausgiebig Trouvaillen von Valentinis zahlreichen außereuropäischen Forschungsreisen. Der erste Band beschäftigt sich mit Gesteinen, Kräutern, Metallen, Mineralien, Pflanzen und Tieren, ferner mit relevanten Maschinen und Instrumenten, zum Beispiel meteorologischen Messstationen. Im zweiten Band beschreibt der Autor die Geschichte und Ausstattung von vergangenen und gegenwärtigen Wunderkammern und Kuriositätenkabinetten, wohingegen er im dritten botanische ‚Kuriositäten‘ aus Ost- und Westindien vorstellt. In seiner Abundanz der Phänomene und Illustrationen präsentiert sich das Werk als eine Art ‚Museumsbuch für Alles aus aller Welt‘. – Nina Cullmann

Literatur / Quellen:

  • Valentini, Michael Bernhard: Museum Museorum, Oder Vollständige Schau-Bühne Aller Materialien und Specereye, 3 Bde., Frankfurt am Main: Johann David Zunne 1704

Weblinks:

🖙 Einführung
🖙 Digtitalisierte Version des Museum Museorum

Schlagwörter: Ästhetik, begrenzte Allheit, Bild, bildvisuell, Buch, Denkmal, Didaktik, Enzyklopädie, faktual, geordnet, Gesamtarchiv, Gesamtkompendium, Karte, Medialpanoramatik, mimetisch, offen, Organisation, panoramatische Diskursform, schematisch, Speicher, Technik, Text, textuell, Unterhaltung, Zeichnung, Zugriffspräsentation

1694 – Wörterbuch der Académie française


In zwei Bänden veröffentlicht die Académie française ihr Wörterbuch mit dem Ziel, die Reinheit der französischen Sprache zu konservieren. Bereits seit der Akademiegründung im Jahr 1634 besteht das Vorhaben, ein Wörterbuch sowie eine Grammatik, eine Poetik und eine Rhetorik zu verfassen, um so eine präskriptive Übersicht über die französische Sprache zu schaffen und klare Regeln für diese zu definieren. Seit 1639 finden – zunächst unter Führung des Philologen Claude Favre de Vaugelas, der den Begriff des bon usage (übers. „guter Gebrauch“) maßgeblich prägte – Arbeiten am Wörterbuch statt. Dessen Gegenstand bildet die gemeine französische Sprache, wie sie von den „honnestes gens“ – den ehrbaren Leuten – und von großen Literaten gebraucht wird. Auf diese Weise sollen einerseits veraltete, nicht mehr gebräuchliche Begriffe getilgt und andererseits im Alltag (der gesellschaftlichen Oberschicht) gebräuchliche Wendungen, die dem Ideal einer noblen und eleganten Ausdrucksweise entsprechen, in einem standardsetzenden Gesamtwerk zusammengetragen werden (vgl. Popelar, Akademiewörterbuch, S. 6). Aufgrund ihrer Orientierung am Sprachgebrauch französischer Poeten, Autoren und Philosophen schafft die Académie française nicht nur einen Überblick über die zu dieser Zeit wahrgenommene Vollkommenheit der Sprache, sondern auch ein Kompendium des kulturellen Erbes Frankreichs (vgl. Souffi, Le Dictionnaire de l’Académie française, S. 174) mit Gesamtvertretungsanspruch.  Im Anschluss an die erste Auflage des Akademiewörterbuchs erscheinen in den darauffolgenden Jahrzehnten und Jahrhunderten weitere Editionen – zuletzt die neunte Auflage mit zwei Bänden in den Jahren 1992 und 2000. Mit Anbruch des Internetzeitalters erhält die Académie française auch eine eigene Homepage, auf der das Wörterbuch in den frühen 2000er-Jahren online zugänglich gemacht wird. – Lena Reuther

Literatur / Quellen:

  • Popelar, Inge: Das Akademiewörterbuch von 1694 – das Wörterbuch des Honnête Homme?, Tübingen: Niemeyer 1976.
  • Souffi, Samuel: „Le «Dictionnaire de L’Académie française»;: entre bon usage et culture“. In: Voix et voies de la lexiculture en lexicographie, hg. von Jean Pruvost, Paris: Didier Erudition Klincksieck 2009, S. 155–176.

Weblinks:

🖙 Website Académie française

Schlagwörter: Ästhetik, begrenzte Allheit, Buch, Didaktik, Enzyklopädie, faktual, geordnet, Gesamtarchiv, Gesamtkompendium, Idealpanoramatik, Medialpanoramatik, schematisch, Speicher, Text, textuell, Wissenschaft, Zugriffspräsentation

1679 – Athanasius Kircher, Turris Babel


In drei Büchern konzipiertes Werk des jesuitischen Gelehrten Athanasius Kircher. Ursprünglich im Jahre 1679 in Amsterdam mit mannigfaltigen Illustrationen publiziert und dem Kaiser des Heiligen Römischen Reiches Leopold I. gewidmet, liefert es in den ersten zwei Büchern naturwissenschaftlich-mathematische Erklärungsansätze zur hypothetischen Fragestellung, ob mit den vorhandenen Ressourcen, sowohl hinsichtlich der Arbeitskräfte sowie des Rohstoffvorkommens, die Erbauung des Turmes möglich gewesen wäre, wohingegen das dritte eine kulturwissenschaftlich-linguistische Analyse der sogenannten Sprachverwirrung in Folge des Turmeinsturzes enthält. Während Kircher im ersten Buch mithilfe einer simplifizierenden Rechnung die für die Erbauung potenziell zur Verfügung stehende Population der Nachkommen von Noah nach der Sintflut bis zu dessen Urgroßenkel Nimrod berechnet und dabei auf eine Bevölkerungsanzahl von 24.380.000.000 kommt, bildet die im zweiten Buch durchexerzierte Kalkulation einen phantastischen Höhepunkt panoramatischer Spekulation: Demnach sei das zur Zeit der Erbauung benötigte Rohstoffvorkommen auf der Erde gar nicht vorhanden gewesen, und selbst wenn, so hätte der Turm mit seinem Gewicht den gesamten Erdkreis in seiner geozentrischen Position aus dem Gleichgewicht und somit das Weltgefüge zum Kollaps gebracht. Damit untermauert Kircher quasi mathematisch die Darstellung in der Genesis. Signifikanter als dieser kanonkonforme Befund erscheint indes der groteske szientistische Aufwand, mit dem die Vergeblichkeit des panoramatischen Turmbau-Begehrens – wenige Jahre vor Newtons Philosophiæ Naturalis Principia Mathematica (1687) – offenbar bereits erwiesen werden muss, anstatt gemäß dem biblischen Bericht einfach geglaubt zu werden. – Gabryel Greco

Literatur / Quellen:

  • Kircher, Athanasius: Turris Babel Sive Archontologia [1679], Saarbrücken: Fines Mundi 2022

Weblinks:

🖙 Wikipedia
🖙 Westfalen Museum digital

Schlagwörter: Bauwerk, begrenzte Allheit, Bild, bildvisuell, Buch, Denkmal, Didaktik, fiktional, Idealpanoramatik, Inhaltspanoramatik, Konzept/Idee, Laufpräsentation, Medialpanoramatik, Mythos/Religion, Organisation, Rundbau, symbolisch, Technik, Text, textuell, Unterhaltung, Zugleichspräsentation

1668 – John Wilkins, An Essay Towards a Real Character And a Philosophical Language


Eigentlich will John Wilkins, erster Sekretär der nachmals berühmten Royal Society of London for Improving Natural Knowledge, ‚nur‘ eine Universalsprache entwerfen – und zwar keine aposteriorische, auf bestehenden Sprachen aufbauende (wie etwa sehr viel später das Esperanto), sondern eine apriorische, am Reißbrett konstruierte. Allerdings erfordert der Anspruch, dass die Ordnung dieser Sprache derjenigen der Sachen eins zu eins entsprechen solle, ‚zunächst einmal‘ die Mühe, sämtliche Sachen zu ordnen, einschließlich der nicht-dinglichen und der nicht-existierenden. Folgerichtig ist das Herzstück von Wilkins’ über 600 Folioseiten füllendem Essay eine riesige ausfaltbare Tabelle, also das syn-optische – um nicht zu sagen: panoramatische – Medium par excellence, das Michel Foucault nicht umsonst als Leitmedium der ‚Episteme der Repräsentation‘ ausgemacht hat (wobei unverständlich ist, warum er Wilkins in Les mots et les choses nur einmal kurz erwähnt, obwohl das Buch mit Borges’ Aufsatz über dessen Essay (1942) einsetzt; vgl. Foucault, Les mots et les choses, S. 7 und sonst nur 104, Anm. 1). Auf einen Blick auszumachen ist auf dieser Tabelle beispielsweise, warum der Adler Zeba heißen muss: Z für seine Zugehörigkeit zu den Tieren, e für das dritte von vier Genera innerhalb der Tiere (die Vögel im Unterschied zu blutleeren Tieren, den Fischen und den ‚Beasts‘), b für seine Zugehörigkeit zur ersten Differenz unter den Vögeln (den fleischfressenden), a, weil er in dieser Klasse die erste species bildet. Und wenn es kein Adler, sondern ein Geier wäre, der als die wilde Variante zum Adler gilt, hieße er, um diesen Unterschied zu markieren, Zebas. Weil aber noch die Arbitrarität dieser lateinischen (bzw. in einem Exemplar griechischen) Buchstaben zu überwinden ist, ergänzt Wilkins seine Universalsprache um eine Universalschrift, eben die Real Characters, mit denen alles, was es gibt (oder nicht gibt), auf ein ihm angeblich genau entsprechendes Set von Strichen und Häkchen gebracht wird. – Robert Stockhammer

Literatur / Quellen:

  • Foucault, Michel: Les mots et les choses: Une archéologie des sciences humaines, Paris: Gallimard 1966
  • Wilkins, John: An Essay Towards a Real Character and a Philosophical Language [1668], Reprint, Menston: Scolar 1968
Schlagwörter: begrenzte Allheit, Buch, Diagramm, Didaktik, Enzyklopädie, faktual, geordnet, Gesamtdiagramm, geschlossen, Idealpanoramatik, Konzept/Idee, Medialpanoramatik, Medientechnik, Organisation, schematisch, symbolisch, Technik, Text, textuell, unbegrenzte Allheit, Wissenschaft, Zugriffspräsentation