1966 – Ed Ruscha, Every Building on the Sunset Strip

Leporello mit Fotografien des Künstlers Ed Ruscha. Das Auflagenobjekt hat in geschlossenem Zustand die Maße 17,8 × 14,3 cm, aufgeschlagen hat es eine Länge von 760,7 cm. Für die Herstellung montiert der Künstler eine Kamera mit Motor auf die Ladefläche eines Pick-up-Trucks und fotografiert auf diese Weise während einer Fahrt jedes einzelne Haus entlang des Sunset Strips in Los Angeles – zuerst auf der einen, dann auf der anderen Straßenseite. Die Fotos klebt er anschließend zusammen, die einzelnen Gebäude werden mit Hausnummern untertitelt. Wenn man das Leporello entfaltet, sieht man die Straßenseiten als zwei Bildstreifen, von denen einer immer auf dem Kopf steht. Mit dem Auge fährt man also zunächst eine Straßenseite ab und dreht dann das gesamte Leporello um für die Betrachtung der anderen Straßenseite. Every Building on the Sunset Strip kann als exemplarisches Objekt für die Verbindung von Panorama und Leporello sowie als Blueprint für Google Street View gelten. Im Leporello kann ein Panoramabild handhabbar gemacht werden, wobei die Kreisform nicht mehr unbedingt mittransportiert oder in einen langen Bildstreifen überführt wird. Insbesondere für panoramatische Stadtansichten bietet sich eine Überführung in das Leporello an. Dass Ruscha für sein Panoramabild viele Einzelaufnahmen zusammenmontiert hat, ist in der Panoramafotografie traditionell keine Besonderheit. – Clara Wörsdörfer

Literatur / Quellen:

  • Quick, Jennifer: „Pasteup Pictures. Ed Ruscha’s Every Building on the Sunset Strip“. In: The Art Bulletin 100 (2018), H. 2, S. 125–152

Weblinks:

🖙 Ed Ruscha, Every Building on the Sunset Strip, 1966

Schlagwörter: (Aus-)Faltung, 360°, Ästhetik, begrenzte Allheit, Bild, bildvisuell, faktual, Foto, Gesamtprojektion, geschlossen, Großtableau, Leporello, Medialpanoramatik, Medientechnik, mimetisch, Panoramabild, Speicher, Überbreite, Überwachung, Zugleichspräsentation

1962 – Arno Peters, Histoire Mondiale Synchronoptique

Französische Version der➚ Sychronoptischen Weltgeschichte von Arno Peters, bearbeitet von Robert Minder und von der deutschsprachigen Ausgabe teils signifikant abweichend. Sogar im ‚selben‘ Buch erscheint die Weltgeschichte nirgends auf der Welt identisch, nicht einmal in Nachbarländern. – Johannes Ullmaier

Literatur / Quellen:

  • Peters, Arno/Peters, Anneliese: Histoire mondiale synchronoptique, Basel: Editions Académiques de Suisse 1962

Weblinks:

🖙 Rezension Le Monde Alfred grosser 1963

Schlagwörter: (Aus-)Faltung, begrenzte Allheit, Bild, bildvisuell, Buch, Diagramm, Didaktik, Draufblick, faktual, geordnet, Gesamtdiagramm, Gesamtkompendium, Gesamtprojektion, Großtableau, Karte, Leporello, Medialpanoramatik, Organisation, panoramatische Diskursform, Rahmenexpansion, schematisch, Speicher, symbolisch, Tabelle, Technik, Text, textuell, Überbreite, Universalchronik, Unterhaltung, Zeitensynopse, Zugleichspräsentation, Zugriffspräsentation

1955 – Todd-AO, 70 mm-Breitwand

Am 13. Oktober 1955 feiert Oklahoma! (USA 1955, R: F. Zinnemann) seine Weltpremiere. Es ist der erste mit dem Breitwandfilmformat Todd-AO aufgeführte Film. Das von Mike Todd initiierte Format, das ein Seitenverhältnis von 2,21:1 präsentiert, wird ausdrücklich dafür konzipiert, die Mängel von Cinerama zu überwinden. Todd-AO kann mit einem geringeren Aufwand gedreht sowie projiziert werden und erreicht dennoch eine hohe Bild- und Tonqualität. Auf dem 70 mm-Filmband sind die Bildspur (in 65 mm) und ein Magnettonstreifen untergebracht. Unter den Linsen, die für das Breitwandformat entwickelt werden, kann das Bugeye-Objektiv einen horizontalen Blickwinkel von 128° abdecken und entspricht so nahezu der panoramatischen Sicht von Cinerama. Allerdings zeigt sich schnell, dass narrative Spielfilme nicht dazu geeignet sind, größtenteils mit dem Bugeye-Objektiv gefilmt zu werden, sodass dieser Panoramaeffekt nur für wenige Aufnahmen in Todd-AO-Filmen verwendet wird. – Johannes Noss

Literatur / Quellen:

  • Lipton, Lenny: The Cinema in Flux. The Evolution of Motion Picture Technology from the Magic Lantern to the Digital Era, New York: Springer 2021, S. 567–572

Weblinks:

🖙 Wikipedia Todd AO

Schlagwörter: Ästhetik, audiovisuell, begrenzte Allheit, Bild, bildvisuell, Film, Gesamtprojektion, Großtableau, Immersion, Laufpräsentation, Medialpanoramatik, Medientechnik, mimetisch, Rahmenexpansion, Technik, Überbreite, Unterhaltung, Zugleichspräsentation

1953 – Breitwandformat CinemaScope

CinemaScope ist ein von 20th Century Fox entwickeltes Breitwandformat. Es wird am 16. September 1953 mit der Weltpremiere des Spielfilms The Robe (USA 1953, R: H. Koster) vorgeführt. Der praktische und kostengünstige Vorteil dieses Breitwandsystems ist, dass es sich mit einem einzigen 35 mm-Projektor realisieren lässt und somit (anders als Cinerama) keine aufwändige Umrüstung der Kinos benötigt. CinemaScope verwendet das von Henri Jacques Chrétien entwickelte anamorphotische Verfahren. Das Bild wird bei seiner Aufnahme durch ein Okular horizontal gestaucht, sodass es auf einen 35 mm-Filmstreifen passt, und dann bei der Projektion durch ein zweites Okular entgegengesetzt gedehnt, um auf der Leinwand wieder in seinen eigentlichen Proportionen zu erscheinen. Nach dem Erfolg von The Robe wird das Format schnell zum Industriestandard, sodass es am Ende des Jahres 1954 alle Hollywood-Studios nutzen – abgesehen von Paramount, die mit VistaVision ein eigenes Verfahren entwickeln. Im Jahr 1957 sind in den USA und Kanada 85 % aller Kinos für CinemaScope ausgerüstet. Aufgrund von verschiedenen technischen Entwicklungen, zum Beispiel dem Hinzufügen eines Magnetstreifens für den Filmton, hat das Format immer wieder unterschiedliche Seitenverhältnisse wie 2,55:1, 2,4:1 oder 2,35:1. – Johannes Noss

Literatur / Quellen:

  • Lipton, Lenny: The Cinema in Flux. The Evolution of Motion Picture Technology from the Magic Lantern to the Digital Era, New York: Springer 2021, S. 545–554
  • Distelmeyer, Jan: „Recreation: CinemaScope und Electronic Hollywood. Eine Filmgeschichte unter Einfluss“. In: Film im Zeitalter Neuer Medien, Teil I: Fernsehen und Video, hg. von Harro Segeberg, München: Fink 2011, S. 251–278, S. 251–278

Weblinks:

🖙 Wikipedia

Schlagwörter: Ästhetik, audiovisuell, begrenzte Allheit, Bild, bildvisuell, Film, Gesamtprojektion, Großtableau, Immersion, Laufpräsentation, Medialpanoramatik, Medientechnik, mimetisch, Rahmenexpansion, Technik, Überbreite, Unterhaltung, Zugleichspräsentation

ca. 1953 – Oktophonie: John Cage, Williams Mix

Uraufführung der seit 1951 entwickelten, kontingenz-sound-panoramatischen Komposition für acht Tonbandmaschinen und oktophone klangräumliche Darbietung. Ein Stück von Karlheinz Stockhausen mit dem Titel Oktophonie für eine entsprechende Lautsprecher-Kreispositionierung entsteht 1991. Eine kommerzielle Nutzung oktophoner Wiedergabe kommt jedoch, zumal schon Quadro sich nicht durchsetzt, nie ernsthaft in Betracht. – Johannes Ullmaier

Literatur / Quellen:

  • Ouzounian, Gascia: Stereophonica, Cambridge, MA: MIT 2020

Weblinks:

🖙 Wikipedia Williams Mix
🖙 Wikipedia Oktophonie

Schlagwörter: 360°, Ästhetik, auditiv, begrenzte Allheit, Gesamtprojektion, geschlossen, Immersion, Laufpräsentation, Medialpanoramatik, Medientechnik, mimetisch, Rahmenexpansion, Rundband, Technik, Überbreite, Unterhaltung, Zentralblickpunkt, Zugleichspräsentation

1952 – Arno und Anneliese Peters, Synchronoptische Weltgeschichte


Zeitkartografische Form der Weltgeschichtsdarbietung als großformatiges Aufklapp-Kartenwerk. Die vertikal in mehrere Themenstreifen untergliederten und horizontal die Kalenderjahresfolge repräsentierenden ca. 12.000 Ereignis-Kästchen sowie die im Zentrum übereinandergelagerten ‚Lebensstreifen‘ prägender Persönlichkeiten sollen ermöglichen, die Geschichte der menschlichen Zivilisation von ca. 3000 vor Chr. bis zum Erscheinungszeitpunkt diachron sowie synchron in großen Perspektivzusammenhängen zu erfassen, möglichst ‚auf einen Blick‘. Anschließend an frühe, teils heftige, aber verbreitungsfördernde Kontroversen um die Auswahl und politische Ausrichtung der Einträge erscheint das Werk über Jahrzehnte hinweg in immer neuen, um ein bis zu 10.000 Stichwörter umfassendes Register angereicherten Auflagen; 2010 wird es per CD-ROM in die Digitalepoche und 2017 via Herodot in die Onlinesphäre überführt. – Johannes Ullmaier

Literatur / Quellen:

  • Peters, Arno/Peters, Anneliese: Synchronoptische Weltgeschichte, Frankfurt am Main: Universum 1952
  • Kuchenbuch, David: Welt-Bildner. Arno Peters, Richard Buckminster Fuller und die Medien des Globalismus, 1940–2000, Köln: Böhlau 2021, S. 253–286

Weblinks:

🖙 Wikipedia

Schlagwörter: (Aus-)Faltung, begrenzte Allheit, Bild, bildvisuell, Buch, Diagramm, Didaktik, Draufblick, faktual, geordnet, Gesamtdiagramm, Gesamtkompendium, Gesamtprojektion, Großtableau, Karte, Leporello, Medialpanoramatik, Organisation, panoramatische Diskursform, Rahmenexpansion, schematisch, Speicher, symbolisch, Tabelle, Technik, Text, textuell, Überbreite, Universalchronik, Unterhaltung, Zeitensynopse, Zugleichspräsentation, Zugriffspräsentation

1952 – Breitwandformat Cinerama


Von Fred Waller entwickeltes Aufnahme- und Projektionsverfahren, das mit dem 115-minütigen Travelogue-Film This Is Cinerama (USA 1952, R: M. C. Cooper) am 30. September 1952 öffentlich vorgestellt wird. Drei 35 mm-Projektoren werfen kreuzüber ein breites Bild auf eine halbkreisförmige Bildwand aus 1100 senkrecht stehenden Lamellen. So erreicht das Bild einen Winkel von 146° in der Breite und 55° in der Höhe. Ein weiterer Projektor mit 35 mm-Film, auf dem sieben Magnetspuren untergebracht sind, erzeugt im Zusammenspiel mit fünf Lautsprechern hinter der Leinwand und mehreren Effektlautsprechern einen stereophonen Ton, der gemeinsam mit dem überbreiten Seitenverhältnis von 2,68:1 eine Raumillusion erzeugen soll. Das Verfahren wird Anfang der 1960er-Jahre als Ultra Cinerama, Super Cinerama oder auch New Super Cinerama dahingehend weiterentwickelt, dass nun ein einziger Projektor mit 70 mm-Positiv das Breitwandverhältnis erzielen kann, sodass die Schwierigkeiten einer synchronen Simultanprojektion entfallen. Neben Werbefilmen werden sieben Kinofilme im Cinerama-Verfahren produziert. How The West Was Won (USA 1962, R: H. Hathaway/J. Ford/G. Marshall) ist der erste von zwei Spielfilmen, die im Drei-Linsen-Cinerama-Format produziert und vorgeführt werden, und zeigt panoramatische Bilder des US-amerikanischen Westens. Der erste Spielfilm im Single-Film-Cinerama mit einem Projektor ist It’s a Mad, Mad, Mad, Mad World (USA 1963, R: S. Kramer), gefilmt auf Ultra Panavision 70. – Kaim Bozkurt

Literatur / Quellen:

  • Waller, Fred: „The Archeology of Cinerama“. In: Film History 5 (1993), H. 3, S. 289–297, S. 289–297
  • Belton, John: Widescreen Cinema, Cambridge, MA: Harvard University Press 1992

Weblinks:

🖙 Wikipedia

Schlagwörter: Ästhetik, audiovisuell, auditiv, begrenzte Allheit, bildvisuell, faktual, fiktional, Film, Gesamtprojektion, Großtableau, Halbkugel, Halbrundband, Immersion, Laufpräsentation, Medialpanoramatik, Medientechnik, mimetisch, Rahmenexpansion, Rundbau, Technik, Überbreite, Unterhaltung, Zugleichspräsentation

1950 – Alfred Döblin, November 1918

1937–1943 im Exil entstanden, breitet Döblins Roman-Tetralogie mit dem vollständigen Titel November 1918. Eine deutsche Revolution, die als kompletter Zyklus erst 1978 erschien, auf ca. 2000 Seiten ein vielsträngiges, Fakt und Fiktion vermischendes Erzählpanorama der Geschehnisse zum Ende des Ersten Weltkriegs und des Kaiserreichs aus. – Johannes Ullmaier

Literatur / Quellen:

  • Döblin, Alfred: November 1918. Eine deutsche Revolution, 4 Bde., München: dtv 1978

Weblinks:

🖙 Wikipedia

Schlagwörter: Ästhetik, begrenzte Allheit, Buch, Denkmal, Didaktik, faktual, fiktional, geordnet, Gesamtprojektion, Großtableau, Laufpräsentation, Medialpanoramatik, offen, panoramatische Erzählung, symbolisch, Text, textuell, Überbreite, Universalchronik, Unterhaltung, Wimmelbild

1947 – Ernst Schnabel, Der 29. Januar 1947

Auf die im schweren Nachkriegswinter 1946/47 per Radio lancierte Bitte hin, an diesem Tag sein persönliches Erleben zu schildern, treffen beim Nordwestdeutschen Rundfunk 35.000 Zuschriften ein. Aus diesem Material collagiert und inszeniert Ernst Schnabel das Hörspiel-Panorama eines Tages quer durch die Bevölkerung, ein stimm-akustisches Wimmelbild ihrer alltäglichen Verrichtungen, Nöte und Wünsche (Erstsendung 16. Mai 1947, Regie: Luwig Cremer). 1950 wurde der Versuch unter dem Titel Ein Tag wie morgen und mit 80.000 Zuschriften wiederholt, was zu einem Vergleich der beiden Epochenlagen anhand je eines Tages-Querschnitts einlädt. – Johannes Ullmaier

Weblinks:

🖙 ARD-Hörspieldatenbank

Schlagwörter: Ästhetik, auditiv, begrenzte Allheit, Denkmal, Didaktik, faktual, fiktional, geordnet, Gesamtkompendium, Gesamtprojektion, Hörwerk, Laufpräsentation, Medialpanoramatik, mimetisch, offen, Organisation, panoramatische Erzählung, symbolisch, Text, Überbreite, Universalchronik, Unterhaltung

1937 – Ideale Schweizer Landschaft, von einer Hotelterrasse gesehen im Schweizer Pavillon, Paris

Das Bildpanorama von Alois Carigiet, einem Künstler aus Zürich, wird in der Touristikabteilung des Schweizer Pavillons auf der Pariser Weltausstellung ausgestellt. Der Pavillon selbst ist eine weiträumige Eisenkonstruktion mit fünf gegeneinander versetzten Geschossen. Unter den dort ausgestellten Elementen ist u. a. ein Diorama, das den Blick von einer alpinen Aussichtsterrasse – mitsamt Geländer – simuliert. Etwa einen Meter hinter dem Geländer befindet sich eine große Leinwand mit Carigiets Gemälde, das eine idealtypische Schweizer Landschaft zeigt. – Caroline Klein

Literatur / Quellen:

  • Bund Schweizer Architekten 1937, S. 254 ff.

Weblinks:

🖙 Das Werk: Architektur und Kunst

Schlagwörter: Ästhetik, Bauwerk, begrenzte Allheit, Bild, bildvisuell, Didaktik, Event/Performance, faktual, Fernblick, Gemälde, Gesamtprojektion, Großtableau, Immersion, Medialpanoramatik, mimetisch, Naturpanorama, Panoramabild, Überbreite, Unterhaltung, Zugleichspräsentation