
Satellitengestütztes erdglobales Navigationssystem der USA, das Lokalisationen und Bewegungssteuerungen (quasi) in Real-Time ermöglicht. Ab 1973 als Projekt vom U.S. Department of Defense konzipiert. Ein erster Prototyp startet im Jahr 1978. Die vollständige Konstellation von 24 Satelliten wird erstmals 1993 erreicht. Seither massive Ausbau-Dynamik und konkurrierende Projekte. – Stephan Klose
1993 – Ausstellung Sehsucht – Das Panorama als Massenunterhaltung des 19. Jahrhunderts
In der Kunst- und Ausstellungshalle der BRD in Bonn findet die bislang profundeste und reichhaltigste Einzelschau zur Geschichte und technischen Faktur panoramatischer Medien vom späten 18. bis zum frühen 20. Jahrhundert statt. Der dazu erschienene Katalog ist bis heute das materialreichste Einzelkompendium zum Thema. – Johannes Ullmaier
Literatur / Quellen:
- Plessen, Marie-Louise von/Giersch, Ulrich (Hgg.): Sehsucht. Das Panorama als Massenunterhaltung des 19. Jahrhunderts, Frankfurt am Main: Stroemfeld / Roter Stern 1993
1993 – Randy Rogel, Yakko’s World im Cartoon Animaniacs
Das Lied Yakko’s World ist ein Versuch, alle Länder der Welt aufzuzählen. Die Cartoon-Figur Yakko, der Rob Paulsen im Englischen die Stimme leiht, singt in unter zwei Minuten vier Strophen, deren Text beinahe ausschließlich aus Ländernamen besteht. Die restlichen Worte dienen primär der Einhaltung des Rhythmus, liefern jedoch stellenweise sogar kurze Informationsschnipsel zu den genannten Ländern mit – so beispielsweise der Vers „And Germany, now in one piece“, der auf die zum Veröffentlichungszeitpunkt erst kürzlich erfolgte deutsche Wiedervereinigung verweist. Das Lied stellt die Namen größtenteils nach Kontinenten geordnet vor und wird im Cartoon von Yakko anhand einer Weltkarte veranschaulicht. Problematisch ist die kaum vermeidliche Verjährung dieser medialen All-Erfassung: Alte Staaten lösen sich auf, neue entstehen. So verliert der Liedext im Laufe der Zeit (so wie zuvor schon Tom Lehrers Periodentafel-Komplett-Aufzählung The Elements) seinen panoramatischen Komplettheitsanspruch. Um dem entgegenzuwirken, wird der Text Jahre nach seinem Erscheinen von Rogel überarbeitet und eine weitere Strophe hinzugefügt. Das grundsätzliche Problem ist damit nicht beseitigt, aber aufgeschoben. Um sie weiter aktuell zu halten, muss Yakko seine Welt konstant beobachten. – Annika Bäurer
Weblinks:
1990–2003 – DNA- Gesamterfassung, Human Genome Project

Das Human Genome Project (HGP) stellt ein innerhalb der Genetik bahnbrechendes Forschungsprojekt dar, welches das Ziel der erstmaligen vollständigen Sequenzierung der Basen des menschlichen Genoms verfolgt. Es verbindet biologische Forschung mit den rasanten informationstechnischen Fortschritten der Zeit, indem schier unvorstellbare Datenmengen digital und global verarbeitet, analysiert und vernetzt werden. Finanziert durch die National Institutes of Health der Vereinigten Staaten und in internationaler Kooperation mit Forschungsinstituten in Japan, Großbritannien, Frankreich, Deutschland und China wird im Jahr 2003 ein Arbeitsentwurf veröffentlicht, der 92 % der Abfolge der ca. drei Milliarden Basenpaare auf den Chromosomen der menschlichen DNA enthält. Die verbleibenden Lücken sind auf die zu diesem Zeitpunkt noch beschränkten technischen Möglichkeiten zurückzuführen. Erst durch Anschlussprojekte, welche im März 2022 durchgeführt werden, erzielt man schließlich eine komplette Sequenzierung der genetischen Struktur. Durch die Errungenschaften des Projekts bricht eine neue Ära der biologischen Forschung an: „the shelf life of the scientific tool produced by the HGP is, effectively, forever.“ (Collins et al., „The Human Genome Project“, S. 286). „[I]t is simply inconceivable today that we would not have the genome at our fingertips.“ (Gibbs, „The Human Genome Project“, S. 575). – Bianka Niebling
Literatur / Quellen:
- Collins, Francis S.: „The Human Genome Project: Lessons from Large-Scale Biology“. In: Science 300 (2003), S. 286–290
- Gibbs, R.A.: „The Human Genome Project changed everything“. In: Nature Reviews Genetics 21 (2020), S. 575–576
Weblinks:
🖙 Human Genome Project, US Department of Energy
🖙 National Human Genome Research Institute
1990 – Hubble-Weltraumteleskop

Am 24. April 1990 transportiert ein Space Shuttle das 13,2 m lange und 11,1 t schwere Teleskop mit einem Durchmesser von 4,3 m in eine Umlaufbahn in 611 km Erddistanz. Da Großteleskope auf der Erde wegen der Erdatmosphäre in ihrer Bildqualität eingeschränkt sind und die Erdatmosphäre nur im optischen Bereich, in einigen schmalen Infrarotfenstern sowie in großen Teilen des Radiobereichs durchlässig ist, konkretisierte sich in der Astrophysik nach 1945 der Wunsch, Teleskope auch im Weltraum zu positionieren. Wurden die ersten, vor allem durch die Orbiting Astronomical Observatories der NASA seit den 1960er-Jahren entwickelten Satelliten- und Weltraumteleskope vorwiegend dazu eingesetzt, Objekte in Wellenbereichen zu beobachten, die nicht von der Erdoberfläche zugänglich sind, sollte das nach Edwin P. Hubble benannte Weltraumteleskop – ebenso wie sein Nachfolger, das James-Webb-Weltraumteleskop, ein gemeinsames Projekt der NASA, ESA und CSA – auch im optischen Bereich Bilder liefern. Die ersten Bilder des mit einem Spiegel von 2,4 m Durchmesser ausgestatteten Teleskops sind zunächst unscharf, weswegen über zweieinhalb Jahre hinweg ein System zur Korrektion des Spiegels entwickelt und schließlich eingebaut wird. Das Projekt Hubble Deep Field ermöglicht mittels extrem lang belichteter Aufnahmen einer Himmelsgegend die Beobachtung weit entfernter Galaxien. Seit Mitte der 1990er-Jahre bestimmen die Hubble-Aufnahmen, in zahlreichen Büchern, Filmen und TV-Dokumentationen popularisiert, für fast drei Jahrzehnte den Bildstandard der weitesten menschlichen Blicke ins All. – Kaim Bozkurt
1989 – Hacker und Viren-Programmierer Dark Avenger
Zeitweise weltbekannter anonymer Hacker aus Sofia, Bulgarien, der in den späten 1980er-Jahren als Teil der Pravetz Generation (jener Alterskohorte, die mit den bulgarischen Pravetz-Computern aufgewachsen ist) in Erscheinung tritt und bis 1993 unter diesem Namen Computerviren aussendet. Der erste dieser auf maximale Weiterinfizierung angelegten – und damit den panoramatischen Impuls pandemischen ‚Viralgehens‘ in die Datasphäre pflanzenden – Viren findet ab 1989 globale Verbreitung, beschädigt zahlreiche Computersysteme und macht den Dark Avenger weltweit berüchtigt, während dieser umgekehrt Aspekte seines limitierten Lebensvollzugs (etwa „Zopy (sic) me – I want to travel“ als Hinweis auf die im Ostblock beschränkte Reisefreiheit) in seine Schadsoftware einarbeitet. Mit dem von ihm entwickelten „Mutation Engine“ können Viren zudem so programmiert werden, dass sie sich selbstständig fortentwickeln und immer neue Erscheinungsformen annehmen. – Hannah Bartölke
Literatur / Quellen:
- Solomon, Alan: PC Viruses: Detection, Analysis and Cure, London: Springer 1991, S. 100–102
Weblinks:
🖙 Deutschlandfunk Podcast über die Suche nach der Identität des Dark Avengers
🖙 Artikel – How Eastern Europe’s villains changed sides in the malware war – and made you protect your PC
1988 – Fredric Jameson, Cognitive Mapping (Geistige Kartierung)
Das Cognitive Mapping ist ein zentrales Konzept des Marxisten Jameson, entwickelt aus einem Werk des Stadtplaners Kevin A. Lynch, Image of the City (1960). Bei Jameson bedeutet Cognitive Mapping den Versuch eines jeden Handelnden, sich einen Überblick über seine Lage zu verschaffen. Das Konzept steht daher in enger Verbindung mit dem „Totalisieren“ bei Jean-Paul Sartre und mit der „Intention auf Totalität“ bei Georg Lukács. – Stefan Ripplinger
Literatur / Quellen:
- Lynch, Kevin A.: Das Bild der Stadt, Berlin: Ullstein 1965
- Jameson, Fredric: „Cognitive Mapping“. In: Marxism and the Interpretation of Culture, hg. von Cary Nelson und Lawrence Grossberg, Houndsmills, London: Macmillan 1988, S. 347–360
1987 – Where’s Wally?
Kinderbuch-Serie des britischen Illustrators Martin Handford. Auf den großformatigen Wimmelbildern der Bände ist, inmitten hunderter Figuren, stets der Weltenbummler Wally (in anderen Ländern heißt er Waldo, Walter, Willy, Valli) abgebildet, zu erkennen an der Pudelmütze, schwarzen Brille und seinem weiß-rot gestreiften Shirt. – Bernd Klöckener
Weblinks:
1987 – Kindergedenkstätte in Yad Vashem
In der von Moshe Safdie entworfenen Kindergedenkstätte in Yad Vashem liegt ein begehbarer, komplett verspiegelter Hauptraum, in dem fünf Kerzen vielfach reflektiert werden und so die mindestens 1,5 Mio. jüngsten Opfer der Shoah symbolisieren. Alle bekannten Namen der ermordeten Kinder werden dort von einem Endlostonband vorgetragen. (Ebenfalls in Yad Vashem befindet sich das sogenannte Partisanen-Panorama, das jedoch keine prägnant panoramatische Struktur aufweist). – Rebecca Rasp
Literatur / Quellen:
- Gutterman, Bella/Shalev, Avner: Zeugnisse des Holocaust, Göttingen: Wallstein 2006, S. 312
Weblinks:
1986 – David Hockney, Fotocollage The Grand Canyon Looking North II
Im September 1982 besucht der Maler David Hockney das Naturdenkmal des Grand Canyon. Von der dortigen Aussichtsplattform aus nimmt er den Blick nach Norden auf, indem er mit einer Pentax 100 unzählige einzelne Fotografien anfertigt. Hierfür dreht er sich mit der Kamera langsam, um die Aussicht im panoramatischen Format einzufangen. Das Ergebnis ist allerdings keine nahtlose Panoramalandschaftsfotografie, wie sie später mit jedem Smartphone anzufertigen ist. Vielmehr entwickelt Hockney die einzelnen Fotografien (nur Querformate), wählt aus und setzt diese 1986 als rasterförmige Collage zu einem ca. 110 × 322 cm großen Bild zusammen. Dieses zeigt also einerseits den großartigen Ausblick in überbreitem Format, deutlich aber auch den jeweils einzelnen (Kamera-)Blick mit je eigener Zeitlichkeit (an den Lichtverhältnissen erkennbar). Hockneys Fotocollage thematisiert einen Allerfassungsanspruch, der mit der Verwendung des vermeintlich hierfür besonders geeigneten Mediums der ‚objektiven‘ Fotografie unterstrichen wird. Durch deren unkonventionellen Gebrauch wird allerdings die Begrenztheit (oder Kontingenz) jeder medialen Allerfassung und Gesamtrepräsentation zugleich aufgelöst und ausgestellt. Das Werk gehört zur Gruppe der sogenannten ‚joiner‘. Zu Beginn der 1980er experimentiert Hockney mit dem Zusammenfügen mehrerer Fotografien zu einem Bild, wodurch er ein Bild aus verschiedenen Blickeinstellungen komponieren kann, welches den Wahrnehmungs- und Erfahrungsprozess des Gegenstands in der Zeit nachvollziehbar bleiben lässt. Zu Beginn nutzt er hierfür auch die Polaroid-Technik. Teilweise haben diese ‚joiner‘ gebogene Formate oder fransen an den Rändern aus; sie suggerieren somit, dass das mit dem Auge erforschte Motiv hier genau die Ausdehnung erhält, die es braucht, um ‚richtig‘ im Sinne von ‚authentisch‘ oder ‚überzeugend‘ zu sein. – Clara Wörsdörfer
Literatur / Quellen:
- Hockney, David: Photographe, Paris: Centre Georges Pompidou 1982
Weblinks:
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