1563 – Pieter Bruegel d. Ä., Turmbau zu Babel


Werkgruppe von Pieter Bruegel dem Älteren aus drei Versionen, welche motivisch ähnlich auf die Turmbau-Geschichte aus dem ersten Buch Mose (Gen 11, 1–9) rekurrieren und deren bekannteste und wirkungsreichste Gestaltung in der Kunstgeschichte darstellen. Wie meistens stehen auch hier das gigantische Ausmaß des Bauwerks, der quasi unendliche Aufwand an dafür benötigten Materialien und Arbeitskräften sowie die vom römischen Kolosseum inspirierte Bautechnik im Vordergrund. Auf allen Versionen des Gemäldes ist der Turm bis zum siebten Stockwerk errichtet, das achte befindet sich gerade im Bau. Auf der umgebenden Rampe stehen Leitern, Gerüste und Kräne. Traditionell meist als biblisch-christliche Versinnbildlichung der menschlichen Hybris, sich Gott als Schöpfer gleichzustellen, und der darauffolgenden Bestrafung gedeutet, kann die Bildkomposition unter panoramatischem Gesichtspunkt auch als Manifestation des Begehrens nach technischer Erreichung einer maximalen Aus- und Übersichtsposition sowie dessen Limitierung durch den medialen Rahmen, hier konkret: den oberen Bildrand, aufgefasst werden. – Caroline Klein | Johannes Ullmaier

Literatur / Quellen:

  • Pénot, Sabine/Oberthaler, Elke: „[Kat.-Nr. 63] Der Turmbau zu Babel, 1563“. In: Bruegel. Die Hand des Meisters, Ausst.-Kat. Wien, Kunsthistorisches Museum, hg. von Sabine Haag, Stuttgart: Belser 2019, S. 174–181
  • Spronk, Ron: „[Kat.-Nr. 64] Der Turmbau zu Babel, nach 1563 (?)“. In: Bruegel. Die Hand des Meisters, Ausst.-Kat. Wien, Kunsthistorisches Museum, hg. von Sabine Haag, Stuttgart: Belser 2019, S. 182–185

Weblinks:

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Schlagwörter: Ästhetik, begrenzte Allheit, Bild, bildvisuell, Denkmal, Didaktik, fiktional, Gesamtprojektion, Großtableau, Inhaltspanoramatik, Medialpanoramatik, mimetisch, Mythos/Religion, Organisation, Rahmenexpansion, Rundbau, symbolisch, Technik, Wimmelbild, Zugleichspräsentation

ca. 1548–1550 – Anton van den Wyngaerde, Zelandiae Descriptio

Gustav Solar zufolge „das erste Zylinderpanorama in vollem Kreisumfang“ (1979, S. 73). Die aus 23 Teilstücken zusammengesetzte Rolle ist mehr als 10 m lang (43 × 1025,8 cm) und zeigt, von einem idealen Punkt über der Insel Walcheren aus, den Blick „bis zu der (normalerweise von hier nicht sichtbaren) englischen Kanalküste“ (ebd.), den Shetland- und Färöer-Inseln. – Bernd Klöckener

Literatur / Quellen:

  • Solar, Gustav: Das Panorama und seine Vorentwicklung bis zu Hans Conrad Escher von der Linth, Zürich: Orell Füssli 1979, S. 73 f.
Schlagwörter: (Aus-)Faltung, Ästhetik, begrenzte Allheit, Bild, bildvisuell, Didaktik, Draufblick, faktual, Gemälde, Gesamtprojektion, Karte, Medialpanoramatik, mimetisch, Organisation, Panoramabild, Rahmenexpansion, schematisch, Überbreite, Unterhaltung, Zugleichspräsentation

1482 – Altar von Sevilla


Die Kathedrale von Sevilla beherbergt das mit 23 m Höhe und 20 m Breite größte, 1564 fertiggestellte Altarretabel der Welt. In der Gesamtansicht sind dessen 45 Reliefquader (mit Szenen aus dem Neuen Testament) kaum einzeln rezipierbar, in der Naherkundung geht der Überblick verloren. Früher Gipfel- und Grenzpunkt panoramatischer Tableau-Präsentation. – Johannes Ullmaier

Weblinks:

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🖙 Altarfotos

Schlagwörter: Ästhetik, Bauwerk, begrenzte Allheit, Bild, bildvisuell, Denkmal, Didaktik, Gesamtprojektion, Großtableau, Halbrundband, haptisch, KIRCHE, Medialpanoramatik, mimetisch, Mythos/Religion, Rahmenexpansion, schematisch, Skulptur, symbolisch, Überbreite, Zugleichspräsentation

ca. 1480 – Ulrich Füetrer, Buch der Abenteuer

Ulrich Füetrers sogenanntes Buch der Abenteuer, ein Auftragswerk im Dienst Herzog Albrechts IV. von Bayern, ist ein monumentales Ensemble von Bearbeitungen prominenter, z.T. aber auch nur peripher gewichtiger Dichtungen aus dem Gattungsbereich der Artus- und Gralsepik, dazu der Trojaerzählung Konrads von Würzburg als historischer Basierung. In 11655 Strophen zu je 7 Versen, also insgesamt 81585 Versen, wird das Sujet von den trojanischen Wurzeln über die Geschichte Parzivals und des Grals nach Wolfram von Eschenbach sowie dem Jüngeren Titurel erzählt; dazu kommen eine Erzählung über den Zauberer Merlin nach Albrecht von Scharfenberg, eine über Gawan, den traditionell prominentesten Artusritter, nach der Crone Heinrichs von dem Türlin und eine Lohengrin-Erzählung. Es folgen die Abenteuer von sieben einzelnen Rittern nach der Vorgabe von Artuserzählungen verschiedener, zum Teil unbekannter Autoren; am prominentesten ist die Geschichte Ibans nach dem Iwein Hartmanns von Aue. Die Schlusssequenz, die an Umfang den aller anderen Teilerzählungen zusammen übertrifft, bearbeitet den Prosa-Lancelot, ein bedeutendes Werk der nachklassischen Periode. Leitlinie ist die Lebensgeschichte Lannzilets, seine Kindheit, sein Erscheinen am Artushof, seine im Unterschied zur ehebrecherischen Beziehung im Posa-Lancelot dem Konzept des amor purus gemäß dem Liebestraktat des Andreas Capellanus bzw. der deutschen Übertragung durch Johannes Hartlieb verpflichtete Liebesbeziehung zur Königin Ginover, seine diversen Abenteuer. Die Handlung mündet in den eben wegen der fälschlich als Ehebruch inkriminierten Liebe ausbrechenden Krieg mit Artus, aus dem die Vernichtung des Artusreichs, der Tod des Königs und die Weltentsagung des Helden resultieren. In diese Erzählfolge ist, dem Prosa-Lancelot entsprechend, die Geschichte Galaads eingebettet, Lannzilets Sohn aus einer durch Täuschung herbeigeführten Vereinigung mit der Tochter des Gralskönigs. Mit Galaad wird ein neuer Gralsheld etabliert, mit dessen Tod der Gral selbst aus der Welt genommen wird.

Dieses chronikalische Gesamtkonzept eröffnet ein in der mittelalterlichen Epik beispiellos weit ausgreifendes Spektrum des Artus- und Gralsujets. Füetrer bemüht sich dabei, Widersprüche zwischen den einzelnen Teilen so weit wie möglich zu vermeiden. So eliminiert er das erfolgreiche Gralsabenteuer Gawans aus der Crone, welches dem Gralsheldentum Parzivals abträglich ist. Gleichwohl lassen sich Kohärenzbrüche zwischen den einzelnen Teilen nicht vermeiden. Insbesondere betrifft dies den Austausch des Gralshelden in der Lannzilet-Partie; nicht mehr Parzival, sondern seinem Sohn Galaad ist die finale Erfüllung des Abenteuers vorbehalten.

Füetrer fasst seine Intention, eine epische Totale zu schaffen, in die Metapher eines Baumes, bestehend aus Wurzel, Stamm, Ästen, Laub und Früchten. Formales Äquivalent dieser integrativen Intention ist das Strophenschema des Jüngeren Titurel als Bearbeitungsgrundlage aller Einzelerzählungen. Darüber hinaus haben die nach gleichem Grundmuster gestalteten Prologe zu den Teilwerken nicht nur gliedernde, sondern auch verklammernde Funktion, ebenso wie die Diskurse mit der Personifikation Frau Minne, in die sich der Erzähler an markanten Stellen verstrickt.

– Rudolf Voß

Literatur / Quellen:

  • Voß, Rudolf: „Werkkontinuum und Diskontinuität des Einzelwerks – zum Ensemble von Ulrich Füetrers Buch der Abenteuer“. In: Cyclification. The Development of Narrative Cycles in the Chansons de Geste and the Arthurian Romances, hg. von Bart Besamusca, Willem P. Gerritsen, Corry Hogetoorn, u. a., Amsterdam: Koninklijke Nederlandse Akademie van Wetenschappen 1994, S. 221–227.
  • Bastert, Bernd: „Zu Autor und Werk“. In: Ulrich Füetrer. Das Buch der Abenteuer, Teil 2, hg. von Heinz Thoelen, Göppingen: Kümmerle 1997, S. 533–599.
Schlagwörter: Ästhetik, begrenzte Allheit, Buch, Didaktik, fiktional, geordnet, Gesamtkompendium, geschlossen, Laufpräsentation, Medialpanoramatik, Mythos/Religion, offen, Rahmenexpansion, schematisch, Speicher, symbolisch, Text, textuell, Überbreite, Universalchronik, Unterhaltung, Zeitensynopse

1469 – Scherzliger Passionspanorama

Das Passionspanorama von Peter Maler von Bern für die Kirche in Thun/CH bildet die Ereignisse der Passionsgeschichte über die gesamte Südostwand hinweg ab und ist das größte und älteste Passionspanorama des 15. Jahrhunderts. – Hannah Rex

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Schlagwörter: Ästhetik, Bauwerk, begrenzte Allheit, Bild, bildvisuell, Denkmal, Didaktik, fiktional, geordnet, Gesamtprojektion, geschlossen, Großtableau, Laufpräsentation, Medialpanoramatik, mimetisch, Mythos/Religion, Panoramabild, panoramatische Erzählung, Rahmenexpansion, schematisch, symbolisch, Überbreite, Wimmelbild, Zeitensynopse, Zugleichspräsentation

1457–1460 – Fra Mauro, Mappa mundi


Zu Beginn der Frühen Neuzeit fasst die Karte das damalige europäische Wissen über die Welt zusammen. Ausführliche Marginalien erklären u. a., wo die Grenzen der bewohnbaren Erde verlaufen. Die kreisförmige, auf einzelne Pergamentblätter gemalte Karte hat einen Durchmesser von 197 cm und wurde auf eine quadratische Holzplatte (223 × 223 cm) aufgezogen. – Bernd Klöckener

Literatur / Quellen:

  • Berg, Thomas Reinertsen: Auf einem Blatt die ganze Welt. Die Geschichte der Landkarten, Globen und ihrer Erfinder, München: dtv 2020, S. 96–99

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Schlagwörter: begrenzte Allheit, Bild, bildvisuell, Denkmal, Didaktik, Draufblick, faktual, Gesamtprojektion, Großtableau, Karte, Medialpanoramatik, Mythos/Religion, Rahmenexpansion, Rundbild, schematisch, symbolisch, Text, textuell, Überbreite, Weltkarte, Zugleichspräsentation

1375 – Katalanischer Weltatlas von Abraham und Jehuda Cresques


Noch kein Atlas im späteren Sinn, ist die Kartenfolge dennoch markant aufgrund der frühen Einfügung eines Portolans in eine runde mittelalterliche mappa mundi, wodurch sie zur Seefahrt – und damit für praktische Erderschließungszwecke – tauglich wird. – Johannes Ullmaier

Literatur / Quellen:

  • Map. Karten. Die Welt Entdecken, Hamburg: Edel Books 2015, S. 14–15

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Schlagwörter: (Aus-)Faltung, begrenzte Allheit, Bild, bildvisuell, Buch, Didaktik, Draufblick, faktual, Gesamtkompendium, Gesamtprojektion, Karte, Medialpanoramatik, mimetisch, Organisation, Rahmenexpansion, symbolisch, Technik, Text, textuell, Überbreite, Weltatlas, Weltkarte, Zugleichspräsentation, Zugriffspräsentation

ca. 1300 – Heinrich von Neustadt, Wundersäule im Apollonius von Tyrlant


Apollonius von Tyrlant ist ein deutschsprachiger mittelalterlicher Roman, der auf einer spätantiken lateinischen Vorlage beruht. Darin wird eine Wundersäule beschrieben (12871–12917; 13535f.; 13574–13576; 14299–14305), die sich in dem sagenhaften Land Crisa befindet. Die Säule ist achteckig und wird mit einem hellen Kristall oder mit einem strahlenden Diamanten verglichen. Ihre magische Fähigkeit besteht darin, dass man dort das sehen kann, woran man denkt. Der Erfassungsradius des Spiegels ist räumlich nicht begrenzt: Man kann Ereignisse und Menschen sowohl innerhalb als auch außerhalb des Landes sehen. Die Wundersäule zeigt aber nur das, was gerade im Moment geschieht. Das heißt, eine zeitliche Begrenzung ist vorhanden. Um in dem Spiegel das Abbild einer Person zu sehen, muss der Betrachter gezielt erfahren wollen, was diese im Moment tut. Die Wundersäule ist also sehr eng an die Gesinnungen und Absichten des Subjekts gebunden. Dies wird auch dadurch unterstrichen, dass kein Dritter sehen kann, was der Spiegel dem anderen zeigt. Der Zugang zur Wundersäule ist begrenzt: In den Spiegel kann nur schauen, wer die Tugendproben besteht oder magische Mittel hat, sie umzugehen. Das Land Crisa, in dem sich die Wundersäule befindet, wird als Utopie dargestellt: Es gibt dort keinen Tod und kein Leiden, sowohl Menschen als auch Verhältnisse sind beständig. Die Säule projiziert jedoch Abbilder der realen Welt, die unvollkommen und transitorisch ist. In dieser frühen Übertragungsmedienfiktion kristallisiert sich der Kontrast zwischen der beständigen Utopie und der veränderlichen Wirklichkeit. – Sofya Sinelnikova

Literatur / Quellen:

  • Störmer-Caysa, Uta: „Übersicht und Einsicht. Wundersäulen und Weltspiegel in mittelalterlichen Texten“. In: Alles im Blick. Perspektiven einer intermedialen Panoramatik, hg. von Roman Mauer, Johannes Ullmaier, und Clara Wörsdörfer, Wiesbaden: Springer 2025, S. 109–144.
  • Heinrich von Neustadt: Heinrichs von Neustadt „Apollonius von Tyrland“ nach der Gothaer Handschrift. „Gottes Zukunft“ und „Visio Philiberti“ nach der Heidelberger Handschrift, 2. Aufl., Dublin/Zürich: Weidmann 1967.
Schlagwörter: Bauwerk, begrenzte Allheit, Blicktransparenz, Buch, Ekphrasis, faktual, Fernblick, fiktional, Idealpanoramatik, Konzept/Idee, Medialpanoramatik, Medieninstallation, Medientechnik, mimetisch, Mythos/Religion, offen, Rahmenexpansion, Skulptur, Technik, Text, textuell, Überwachung, Unterhaltung, Utopie/Dystopie, visuell, Zugriffspräsentation

ca. 1300 – Hereford-Karte


Mappa mundi, die eine christlich überformte Draufsicht auf den Erdkreis bietet: in der Mitte Jerusalem, am Außenrand Groteskes und Fiktives. Durch die Anordnung zahlreicher heilsgeschichtlicher Stationen in der Kreisfläche entsteht eine Art Gesamtschau und zugleich Gesamtchronik der Welt. – Bernd Klöckener

Literatur / Quellen:

  • Map. Karten. Die Welt Entdecken, Hamburg: Edel Books 2015, S. 13

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Schlagwörter: begrenzte Allheit, Bild, bildvisuell, Denkmal, Didaktik, Draufblick, faktual, Gesamtprojektion, Großtableau, Karte, Medialpanoramatik, Mythos/Religion, Rahmenexpansion, Rundbild, schematisch, symbolisch, Text, textuell, Überbreite, Weltkarte, Zugleichspräsentation

ca. 1300 – Ebstorfer Weltkarte


Größte und bekannteste der mittelalterlichen mappae mundi; im Zentrum wie stets Jerusalem. Die im Benediktinerinnenkloster Ebstorf gefundene Karte bildet mehr als 2300 Text- und Bildeinträge ab. Das Original der im Durchmesser ca. 3,57 m großen Radkarte verbrannte im Zweiten Weltkrieg 1943. Überliefert sind aktuell nur unvollständige Reproduktionen. – Hannah Rex

Literatur / Quellen:

  • Kugler, Hartmuth (Hg.): Die Ebstorfer Weltkarte, Berlin: Akademie Verlag 2007
  • Map. Karten. Die Welt Entdecken, Hamburg: Edel Books 2015, S. 148

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Schlagwörter: begrenzte Allheit, Bild, bildvisuell, Denkmal, Didaktik, Draufblick, faktual, Gesamtprojektion, Großtableau, Karte, Medialpanoramatik, Mythos/Religion, Rahmenexpansion, Rundbild, schematisch, symbolisch, Text, textuell, Überbreite, Weltkarte, Zugleichspräsentation