1247 – Sternkarte von Wang Zhiyuan

Die in Granit gestochene Planisphäre verzeichnet 1436 Sterne in 280 Konstellationen. Sie beruht auf einer ca. 50 Jahre älteren, verschollenen Vorlage, die den gesamten von China aus wahrnehmbaren Sternenhimmel zeigt. – Bernd Klöckener

Literatur / Quellen:

  • Stephenson, F. Richard: „Chinese and Korean star maps and catalogs“. In: The History of Cartography, Bd. 2, hg. von J. B. Harley und David Woodward, Chicago: University of Chicago Press 1994, S. 511–578
Schlagwörter: begrenzte Allheit, Bild, bildvisuell, Diagramm, Didaktik, Draufblick, faktual, Fernblick, Gesamtprojektion, Halbkugel, Karte, Leporello, Medialpanoramatik, mimetisch, Organisation, Rundbild, schematisch, symbolisch, Technik, Weltkarte, Wissenschaft, Zentralblickpunkt, Zugleichspräsentation

ca. 1150 – Muhammad al-Idrisi, Buch des Roger


Das im Auftrag des Normannenkönigs Roger II. auf Sizilien angefertigte Kompendium (Das Vergnügen dessen, der sich nach Durchquerung der Länder sehnt) enthält 70 Teilkarten sowie Erläuterungen, die das gesamte damals zugängliche geografische Wissen synthetisieren sollen. Die darauf beruhende, auf eine Silberscheibe gravierte Weltkarte (ca. 3,5 × 1,5 m) ist nicht erhalten. – Bernd Klöckener

Literatur / Quellen:

  • Oswalt, Vadim: Weltkarten – Weltbilder. Zehn Schlüsseldokumente der Globalgeschichte, Stuttgart: Reclam 2015, S. 73–86
Schlagwörter: begrenzte Allheit, Bild, bildvisuell, Buch, Denkmal, Didaktik, Draufblick, faktual, Gesamtkompendium, Gesamtprojektion, Karte, Leporello, Medialpanoramatik, Mythos/Religion, schematisch, symbolisch, Text, textuell, Unterhaltung, Weltatlas, Weltkarte, Wissenschaft, Zugleichspräsentation, Zugriffspräsentation

ca. 1000 – Ayahuasca-Panoramatik


Ayahuasca ist ein bewusstseinsverändernder Trank aus dem Amazonasgebiet, der von Schamanen aus der Ayahuasca-Liane und anderen Pflanzen hergestellt wird. Die Wirkung entsteht aus Sicht der Schamanen nicht aus der chemischen Zusammensetzung, sondern aus der Pflanzenseele. Entsprechend löse sich bei Einnahme auch bei Menschen die Seele vom Körper und könne frei umherwandeln, daher auch der Name („Ranke der Seele“). Ähnlich wie von LSD und anderen starken Halluzinogenen wird berichtet, mittels Ayahuasca ins Reich der Verstorbenen reisen, zukünftige Ereignisse vorhersehen oder gottgleiche Perspektiven auf die Welt erlangen zu können. Indes schwankt die Wirkung individuell sehr stark, Über- und Allschau-Erlebnisse sind keineswegs garantiert, gegebenenfalls jedoch sehr eindrücklich. – Caroline Klein | Johannes Ullmaier

Literatur / Quellen:

  • Bernard, G. William: Liquid Light: Ayahuasca Spirituality and the Santo Daime Tradition, New York City: Columbia University Press 2022

Weblinks:

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🖙 Erfahrungsbericht

Schlagwörter: Allwahrnehmung, auditiv, begrenzte Allheit, Blicktransparenz, Draufblick, Event/Performance, faktual, Fernblick, fiktional, haptisch, Immersion, Mythos/Religion, Realpanoramatik, Unterhaltung, visuell, Zeitensynopse

ca. 630 – Isidor von Sevilla, Etymologiae sive Origines


In der Abtei von Sevilla, im westgotischen Reich rund um Toledo, stellt Isidor das gesamte verfügbare Wissen seiner Zeit in dem „Grundbuch des ganzen Mittelalters“ zusammen, das „nicht nur den Wissensbestand für acht Jahrhunderte gültig festgelegt, sondern auch deren Denkform geprägt“ hat (Curtius, Europäische Literatur und Lateinisches Mittelalter, S. 487). Die zwanzig Bücher des Kompendiums umfassen neben den sieben artes liberales auch die verschiedensten ‚unfreien‘ Wissenschaften und Handwerke, die mit der Verfertigung von Gebrauchsgegenständen und vielen anderen alltagsrelevanten Dingen befasst sind: Medizin, Theologie, Baukunst, Landwirtschaft usw. Die Enzyklopädie trägt den, wenngleich nicht auktorial verbürgten, Titel Etymologiae zurecht, weil das etymologische Verfahren das gesamte Wissen organisiert. Leitende Prämisse: Kann man den Ursprung der Wörter erklären, so versteht man auch den der mit ihnen bezeichneten Sachen. Der Überblick über das Ganze der Sprache ist damit eo ipso auch einer über das Ganze der Welt. – Robert Stockhammer

Literatur / Quellen:

  • Curtius, Ernst Robert: Europäische Literatur und Lateinisches Mittelalter, 11. Aufl., Tübingen/Basel: Francke 1993
  • Isidor von Sevilla: Etymologiae sive Origines. Die Enzyklopädie des Isidor von Sevilla, Wiesbaden: Marix 2008
Schlagwörter: Ästhetik, begrenzte Allheit, Buch, Didaktik, Enzyklopädie, faktual, Gesamtkompendium, Medialpanoramatik, Mythos/Religion, Organisation, schematisch, symbolisch, Technik, Text, textuell, Zugriffspräsentation

ca. 375 – Tabula Peutingeriana


Als pure Exemplifikation diagrammatischer Verwaltungs-Repräsentations-Panoramatik verzeichnet die (nicht abstandsgerechte) Darstellung alle Straßen des Römischen Reiches. Zur Wegfindung ungeeignet, dient sie ausschließlich zum Ruhm der „wiederhergestellten Ruhe und Ordnung durch die diokletianischen Verwaltungsreformen“ (Map. Karten, S. 25). – Johannes Ullmaier

Literatur / Quellen:

  • Map. Karten. Die Welt Entdecken, Hamburg: Edel Books 2015
  • Oswalt, Vadim: Weltkarten – Weltbilder. Zehn Schlüsseldokumente der Globalgeschichte, Stuttgart: Reclam 2015, S. 45–72

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🖙 Abgleich mit moderner Karte

Schlagwörter: begrenzte Allheit, Bild, bildvisuell, Denkmal, Diagramm, Didaktik, Draufblick, faktual, Gesamtdiagramm, Gesamtprojektion, Großtableau, Karte, Medialpanoramatik, Organisation, schematisch, Zugleichspräsentation

112–113 – Trajanssäule


35 m hohe Ehrensäule von 3,7 m Durchmesser für den römischen Kaiser Trajan (98–117). Auf deren 190 m langem Schraubenreliefband sind in 23 Rundwindungen wimmelbildartige Szenen aus zwei zeitgenössischen Eroberungsfeldzügen gegen die Daker in rahmenlos fortlaufender Aufwärts-Chronologie dargestellt. In seinem monumentalen Selbstverherrlichungs-Panorama erscheint Trajan unter den insgesamt etwa 2500 Figuren selbst 58 mal, mithin teils mehrfach zugleich. Anstelle der den Säulengipfel ursprünglich zusätzlich krönenden Trajanstatue steht seit 1587 eine Bronzestatue des Apostels Petrus. – Johannes Ullmaier

Literatur / Quellen:

  • Mithoff, Fritz/Schörner, Günther (Hgg.): Columna Traiani – Trajanssäule. Siegesmonument und Kriegsbericht in Bildern. Beiträge der Tagung in Wien anlässlich des 1900. Jahrestages der Einweihung, 9.–12. Mai 2013, Wien: Holzhausen 2017
  • Stefan, Alexandre Simon (Hg.): Die Trajanssäule. Dargestellt anhand der 1862 für Napoleon III. gefertigten Fotografien. Mit einem Beitrag von Hélène Chew, Darmstadt: wbg / Philipp von Zabern 2020

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Schlagwörter: (Aus-)Faltung, Ästhetik, Bauwerk, begrenzte Allheit, Bild, bildvisuell, Denkmal, Didaktik, faktual, fiktional, geordnet, Gesamtprojektion, Großtableau, haptisch, Laufpräsentation, Medialpanoramatik, mimetisch, Mythos/Religion, offen, Rahmenexpansion, Rundbau, schematisch, Schraubenband, Skulptur, Überbreite, Wimmelbild, Zeitensynopse, Zugleichspräsentation

ca. 77 – Gaius Plinius Secundus Maior (Plinius der Ältere), Naturalis historia

Erste systematische Enzyklopädie in 37 Bänden. Abgehandelt werden: Kosmografie (Buch 2), Geografie und Klimatologie (Buch 3–6), Anthropologie (Buch 7), Zoologie (Buch 8–11), Botanik (Buch 12–19), Medizin (20–32), Metallurgie und Mineralogie, außerdem Malerei und Kunstgeschichte (Buch 33–37). In der Vorrede macht Plinius seinen Universal-Kompendiums-Anspruch explizit: „Zwanzigtausend merkwürdige Gegenstände, gesammelt durch das Lesen von etwa zweitausend Büchern, unter welchen erst wenige ihres schwierigen Inhalts wegen von den Gelehrten benutzt sind, von Hundert der besten Schriftsteller, habe ich in 36 Büchern zusammengefasst, dazu aber noch vieles gefügt, wovon entweder unsere Vorfahren nichts wussten oder was das Leben erst später ermittelt hat.“ – Johannes Ullmaier

Weblinks:

🖙 Wikipedia

Schlagwörter: begrenzte Allheit, Buch, Denkmal, Didaktik, Enzyklopädie, faktual, geordnet, Gesamtkompendium, Laufpräsentation, Medialpanoramatik, offen, Organisation, symbolisch, Technik, Text, textuell, Überbreite, Unterhaltung, Wissenschaft, Zugriffspräsentation

ca. -50 – Lukrez, De rerum natura


Epikureisches Hexamater-Lehrgedicht mit Gesamtwelterklärungs-Anspruch vom atomaren Mikrokosmos über die menschliche Wahrnehmung, Erkenntnisfähigkeit und Seele bis hin zur Meteorologie und Kosmologie. – Johannes Ullmaier

Literatur / Quellen:

  • Lukrez: De rerum natura / Welt aus Atomen, Ditzingen: Reclam 2023

Weblinks:

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Schlagwörter: Ästhetik, begrenzte Allheit, Buch, Didaktik, Enzyklopädie, faktual, Gesamtkompendium, Idealpanoramatik, Inhaltspanoramatik, Konzept/Idee, Laufpräsentation, Medialpanoramatik, Mythos/Religion, offen, Organisation, panoramatische Diskursform, symbolisch, Technik, Text, textuell, unbegrenzte Allheit, Unterhaltung, Wissenschaft

ca. -150 – Globus


Römischen Quellen zufolge baut Krates von Mallos um 150 v. Christus erstmals ein überschaubar verkleinertes Modell der Erdkugel und damit den ersten Erdglobus, wobei es Kugelrepräsentationen erdnaher Planeten, sogenannte Planetgloben, schon zuvor gegeben haben soll. Bis ins 19. Jahrhundert werden Erdglobus und zugehöriger Himmelsglobus oft paarweise her- und aufgestellt. Im Unterschied zur Welt- bzw. Himmelskarte ist der Globus form-, flächen-, winkel- und längengetreu, erlaubt dafür aber nicht, die gesamte Erdoberfläche bzw. Himmelsbreite auf einmal in den Blick zu nehmen. – Naemi Dittes

Literatur / Quellen:

  • Stockhammer, Robert: Erdliteratur. Zur kritischen Beobachtung von Weltkonstruktionen, Göttingen / Konstanz: Wallstein / UVK 2023, 92–95

Weblinks:

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Schlagwörter: begrenzte Allheit, Bild, bildvisuell, Didaktik, Draufblick, faktual, Gesamtprojektion, Globus, haptisch, Karte, Kugel, Laufpräsentation, Medialpanoramatik, Medientechnik, mimetisch, Organisation, schematisch, Skulptur, Technik, Weltkarte, Wissenschaft, Zugleichspräsentation

-200 – König Philipp von Makedonien besteigt den Haemus

Der makedonische König Philipp habe, so berichtet Livius in seiner römischen Universalgeschichte Ab urbe condita, den Haemus besteigen wollen, „weil er der allgemeinen Meinung Glauben beimaß, man könne dort zugleich das Pontische und Hadriatische Meer, die Donau und die Alpen sehen; und er versprach sich von dieser Übersicht für seinen Plan zu einem Römischen Kriege Winke von Entscheidung“ (Livius 40,21). Doch je höher Philipp und seine Begleiter kommen, desto weniger können sie offenbar sehen; sie geraten in immer dichteren Wald, werden zudem von Nebel überrascht, und der Weg wird so beschwerlich, „als machten sie ihn bei Nacht. Erst am dritten Tage gelangten sie auf den Gipfel. Nach ihrer Herabkunft ließen sie den gemeinen Glauben ohne allen Widerspruch; vermuthlich mehr, um einem Spotte über ihre vergebliche Reise zu entgehen, als dass sie wirklich die Meere, Gebirge und Ströme auf so entgegengesetzten Punkten zugleich von diesem einzigen Standorte hätten sehen können.“ (Livius 40,22) Somit kulminiert diese Urszene der Realpanoramatik – noch Petrarca wird sich von Livius’ Textstelle zu seiner➚  Besteigung des Mont Ventoux inspiriert sehen – in signifikanter Bedeutungslosigkeit. Dass Philipp den bald darauffolgenden Krieg gegen die Römer verlieren würde, wer hätte es kommen sehen? – Bernd Klöckener

Literatur / Quellen:

  • Livius, Titus: Römische Geschichte, Braunschweig: Friedrich Vieweg 1821

Weblinks:

🖙 Projekt Gutenberg

Schlagwörter: begrenzte Allheit, faktual, Fernblick, Gesamtprojektion, Inhaltspanoramatik, Konzept/Idee, Medialpanoramatik, Naturpanorama, Organisation, Realpanoramatik, symbolisch, Text, textuell, Überwachung, visuell, Zentralblickpunkt, Zugleichspräsentation