1947 – Ernst Schnabel, Der 29. Januar 1947

Auf die im schweren Nachkriegswinter 1946/47 per Radio lancierte Bitte hin, an diesem Tag sein persönliches Erleben zu schildern, treffen beim Nordwestdeutschen Rundfunk 35.000 Zuschriften ein. Aus diesem Material collagiert und inszeniert Ernst Schnabel das Hörspiel-Panorama eines Tages quer durch die Bevölkerung, ein stimm-akustisches Wimmelbild ihrer alltäglichen Verrichtungen, Nöte und Wünsche (Erstsendung 16. Mai 1947, Regie: Luwig Cremer). 1950 wurde der Versuch unter dem Titel Ein Tag wie morgen und mit 80.000 Zuschriften wiederholt, was zu einem Vergleich der beiden Epochenlagen anhand je eines Tages-Querschnitts einlädt. – Johannes Ullmaier

Weblinks:

🖙 ARD-Hörspieldatenbank

Schlagwörter: Ästhetik, auditiv, Denkmal, Didaktik, faktual, fiktional, geordnet, Gesamtkompendium, Gesamtprojektion, Hörwerk, Laufpräsentation, Medialpanoramatik, mimetisch, offen, Organisation, panoramatische Erzählung, symbolisch, Text, Überbreite, Universalchronik, Unterhaltung

1946 – Werner Stein, Kulturfahrplan

Synchronoptische Weltgeschichtstabelle; in der Erstausgabe mit ca. 1400 Seiten Umfang als Kulturfahrplan – die wichtigsten Daten der Kulturgeschichte von Anbeginn bis heute erschienen, seither vielfach aktualisiert; Der neue Kulturfahrplan von 2004 enthält ca. 2000 Seiten und liegt auch in digitaler Form vor. – Johannes Ullmaier

Literatur / Quellen:

  • Stein, Werner: Kulturfahrplan – die wichtigsten Daten der Kulturgeschichte von Anbeginn bis heute, Berlin: Herbig 1946
  • Stein, Werner: Der neue Kulturfahrplan – die wichtigsten Daten der Weltgeschichte, Berlin: Herbig 2004

Weblinks:

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Schlagwörter: Buch, Denkmal, Diagramm, Didaktik, faktual, geordnet, Gesamtdiagramm, Gesamtkompendium, Laufpräsentation, Medialpanoramatik, Organisation, schematisch, Speicher, symbolisch, Tabelle, Technik, Text, textuell, Universalchronik, Wissenschaft, Zeitensynopse, Zugleichspräsentation, Zugriffspräsentation

1946 – Buckminster Fuller, Dymaxion World Map


Nach bis in die 1920er zurückreichenden Vorarbeiten meldet Fuller seine neuartige Weltkartenprojektion als Patent an. Sie weist gegenüber der Mercatorprojektion weniger Flächenverzerrung auf und fixiert vor allem nicht länger ein unverrückbares Zentrum, auch keine Einnordung. Stattdessen lässt sie variable Zusammensetzungen mit wechselnden Perspektiven und Formen zu. – Johannes Ullmaier

Literatur / Quellen:

  • Krausse, Joachim/Lichtenstein, Claude: Your Private Sky. R. Buckminster Fuller. Design als Kunst einer Wissenschaft, Zürich: Lars Müller 1999, S. 250–275

Weblinks:

🖙 Wikipedia Map

Schlagwörter: (Aus-)Faltung, Bild, bildvisuell, Didaktik, Draufblick, faktual, Gesamtprojektion, Karte, Konzept/Idee, Medialpanoramatik, offen, Organisation, Rahmenexpansion, schematisch, Weltkarte, Zugleichspräsentation

1945 – Memex

In seinem Aufsatz As we may think entwirft Vannevar Bush mit Memex das Konzept eines universalen Gedächtnisspeichers: „A memex is a device in which an individual stores all his books, records, and communications, and which is mechanized so that it may be consulted with exceeding speed and flexibility. It is an enlarged intimate supplement to his memory.“ (Bush, „As we may think“, S. 106 f.). Obwohl in der vorgeschlagenen Weise nie im größeren Stil umgesetzt, bleibt Memex als Präfiguration der Hyperlink-Idee sowie aller späteren digitalen Lebens-Welt-Archive einer der folgenreichsten Impulse, den individuellen Kognitionsraum welt- und zeitpanoramatisch auszuweiten. – Johannes Ullmaier

Literatur / Quellen:

  • Bush, Vannevar: „As we may think“. In: Atlantic Monthly 176 (1945), S. 101–108

Weblinks:

🖙 Wikipedia
🖙 As we may think

Schlagwörter: Bild, Diagramm, Didaktik, faktual, geordnet, Gesamtarchiv, Gesamtdiagramm, Gesamtkompendium, Idealpanoramatik, Karte, Konzept/Idee, Medialpanoramatik, Medientechnik, offen, Organisation, schematisch, Speicher, symbolisch, Tabelle, Technik, Text, textuell, Überwachung, unbegrenzte Allheit, Unterhaltung, Utopie/Dystopie, Wissenschaft, Zugriffspräsentation

1942 – Jorge Luis Borges, Himmlischer Warenschatz wohltätiger Erkenntnisse (im Original chinesisch)

In einem Aufsatz, in dem er John Wilkins’ Universalsprache (1668) in Erinnerung ruft, diskutiert Jorge Luis Borges (1942/1953 ff.) auch einige alternative Systeme zur Klassifikation aller existierenden Dinge, darunter dasjenige in einer chinesischen Enzyklopädie, von der er durch den deutschen Sinologen Franz Kuhn (1884–1961) erfahren hatte. Leider zitiert Borges daraus nur den Abschnitt zur Klassifikation der Tiere (der immerhin einen späteren Professor für die Geschichte der Denksysteme zuerst zum Lachen, und dann zum Verfassen eines seiner Hauptwerke brachte, Foucault, Les mots et les choses, S. 7). Ein in der Bibliothek von Babel (1941) auffindbares Exemplar dieser Enzyklopädie zeigt aber, dass dieses Klassifikationssystem noch in deren jüngster Auflage weitgehend erhalten geblieben ist und auch auf andere Gegenstände in analoger Weise, wenngleich mit einigen Detailanpassungen, Anwendung findet. So werden etwa Autos dort in folgende Gruppen unterteilt: „(a) dem Generalsekretär der Kommunistischen Partei gehörende, (b) verschrottete, (c) solche mit Airbag, (d) Milchtanker, (e) Fiat Pandas, (f) solche aus Science-Fiction-Filmen, (g) solche ohne Zulassung, (h) in diese Rubrik gehörige, (i) die von jungen Männern aus Niederbayern gesteuert werden, (j) unzählige, (k) mit einer Polaroid-Kamera photographierte, (l) und so weiter, (m) die Fußgänger überfahren haben, (n) die von weitem wie Isettas aussehen.“ – Robert Stockhammer

Literatur / Quellen:

  • Borges, Jorge Luis: „El idioma analítico de John Wilkins“ [1942]. In: Obras Completas, Buenos Aires: Emecé 1953, S. 139–144
  • Borges, Jorge Luis: Gesammelte Werke in zwölf Bänden. Band 5: Der Erzählungen erster Teil: Universalgeschichte der Niedertracht / Fiktionen / Das Aleph, München: Hanser 2000
  • Foucault, Michel: Les mots et les choses: Une archéologie des sciences humaines, Paris: Gallimard 1966
Schlagwörter: Buch, Diagramm, Didaktik, Enzyklopädie, fiktional, geordnet, Gesamtarchiv, Gesamtdiagramm, Gesamtkompendium, geschlossen, Idealpanoramatik, Konzept/Idee, Organisation, schematisch, Speicher, Text, textuell, Unterhaltung, Utopie/Dystopie, Zugriffspräsentation

1941 – Jorge Luis Borges, Die Bibliothek von Babel

Erzählung um die Fiktion einer Bibliothek mit allen auf Basis eines 25-Zeichen-Alphabets kombinatorisch möglichen Büchern. In der so entstehenden Unmasse an größtenteils sinnlosen Zeichenketten verbergen sich indes zwangsläufig auch alle sinnvollen Konstellationen und Inhalte, alle möglichen Gedanken, Geschichten und Wahrheiten, selbst wenn die Chance, zu Lebzeiten auf ein Buch zu stoßen, das etwa ein Shakespeare-Drama enthält, in der Quasi-Unendlichkeit dieses Babylonischen Büchermeeres verschwindend gering ist. Als visionäre Überbietung realer Unternehmungen zur Sammlung ‚aller Bücher‘ wie der Bibliothek von Alexandria rekurriert Borges’ vielrezipierte Idee auf die Tradition der Ars Combinatoria (Raimundus Lullus) und hat in Laßwitz’ Die Universalbibliothek einen nahen Vorläufer. – Johannes Ullmaier

Literatur / Quellen:

  • Borges, Jorge Luis: Gesammelte Werke in zwölf Bänden. Band 5: Der Erzählungen erster Teil: Universalgeschichte der Niedertracht / Fiktionen / Das Aleph, München: Hanser 2000, S. 151–160
  • Eco, Umberto: Die unendliche Liste, München: Hanser 2009, S. 363–370
  • Lullus, Raimundus: Ars brevis [1308], Hamburg: Meiner 2001

Weblinks:

🖙 Wikipedia

Schlagwörter: (Aus-)Faltung, Ästhetik, Bauwerk, Buch, Didaktik, fiktional, geordnet, Gesamtarchiv, Gesamtdiagramm, Gesamtkompendium, geschlossen, Idealpanoramatik, Inhaltspanoramatik, Konzept/Idee, Laufpräsentation, Medialpanoramatik, Organisation, schematisch, Speicher, symbolisch, Text, textuell, unbegrenzte Allheit, Unterhaltung, Utopie/Dystopie, Zugriffspräsentation

1939 – 180°-Filmsystem, Vitarama

Von Fred Waller entwickeltes panoramatisches Projektionsverfahren, das bei der Weltausstellung in New York öffentlich vorgeführt wird. Elf zusammenhängende Filme werden auf einer halbkreisförmigen Leinwand projiziert, die von einer muschelförmigen, offenen Kuppel abgeschlossen ist. Im Zweiten Weltkrieg wird das Verfahren zur Jagdfliegerausbildung angepasst und im Zielsimulationstraining genutzt, hierbei mit einem beweglichen, offenen Flugzeugcockpit vor einer gewölbten Projektionsfläche mit fünf Projektoren. 1949 führt Waller erstmalig öffentlich Kurzfilme mit seinem Vitarama-Verfahren vor. – Kaim Bozkurt

Literatur / Quellen:

  • Waller, Fred: „The Waller Flexible Gunnery Trainer“. In: Journal of the Society of Motion Picture Engineers 47 (1946), H. 1, S. 73–87, S. 73–87

Weblinks:

🖙 Wikipedia Waller

Schlagwörter: audiovisuell, bildvisuell, Film, Halbkugel, Immersion, Laufpräsentation, Medialpanoramatik, Medientechnik, mimetisch, Panoramaflug, Rahmenexpansion, Technik, Unterhaltung, Zugleichspräsentation

1938 – LSD-Panoramatik

Eher zufällig entdeckt der Schweizer Chemiker Albert Hofmann am eigenen Körper und Geist die stark halluzinogene Wirkung der Substanz Lysergsäurediethylamidt. Nach der Einnahme kommt es zu Veränderungen der Sinneswahrnehmung und des Bewusstseinserlebens, insbesondere im Raum- und Zeitempfinden, ferner zu Euphorien, Synästhesien und quasi-religiösen Ekstasen, bis hin zur vollständigen Auflösung des Ich-Bewusstseins. Manche Konsument:innen berichten davon, ‚alles wahrnehmen‘ zu können (visuell, akustisch, haptisch), etwa ein Werbeagent, dessen Schilderung Hofmann für seinen eigenen Buchbericht aus John Cashmans LSD-Die Wunderdroge übernommen hat: „Ich habe natürlich keine Vergleichsmöglichkeit, bin jedoch überzeugt, kein Heiliger hat erhabenere oder herrlichere Visionen gesehen oder einen seligeren Zustand der Transzendenz erlebt als ich. […] In einem einzigen kristallklaren Augenblick erkannte ich, dass ich unsterblich war. […] Plötzlich war ein strahlendes Licht und die schimmernde Schönheit der Einheit. Alles war erfüllt von diesem Licht, weißes Licht von unbeschreiblicher Klarheit. Ich war tot, und ich war geboren […] Ich sah Gott und den Teufel und alle Heiligen, und ich erkannte die Wahrheit. Ich fühlte, wie ich ins All hinausflog, ohne Schwere und ohne Fesseln, dazu befreit, in dem seligen Glanz der himmlischen Erscheinung zu baden.“ Indes kann es auch zu allumfassenden Horrortrips kommen, wie bei einem Maler und seiner Freundin, der berichtet: „Alles um uns herum war feindlich und drohend, als wollte es im nächsten Augenblick über uns herfallen. […] Es gab keine Vernunft und keine Zeit mehr; es schien, als ob dieser Zustand nie mehr enden würde.“ So besitzt LSD ein zwar unspezifisches und kaum steuerbares, doch gegebenenfalls sehr großes Potenzial zu himmlisch oder höllisch überwältigenden Allschau-Eindrücken. – Caroline Klein | Johannes Ullmaier

Literatur / Quellen:

  • Moser, Jeannie: Psychotropen: eine LSD-Biographie, Konstanz: Konstanz University Press 2013
  • Hofmann, Albert: LSD – mein Sorgenkind: die Entdeckung einer „Wunderdroge“, Stuttgart: Klett-Cotta 2001

Weblinks:

🖙 Wikipedia

Schlagwörter: Allwahrnehmung, Ästhetik, audiovisuell, auditiv, bildvisuell, Blicktransparenz, Draufblick, Event/Performance, faktual, Fernblick, fiktional, Gesamtprojektion, haptisch, Immersion, Laufpräsentation, Medialpanoramatik, mimetisch, Mythos/Religion, offen, Rahmenexpansion, Realpanoramatik, schematisch, symbolisch, unbegrenzte Allheit, Unterhaltung, Utopie/Dystopie, visuell, Wissenschaft, Zeitensynopse, Zugleichspräsentation

1938 – Dolf Sternberger, Panorama oder Ansichten vom 19. Jahrhundert

Ausgehend von der zweiten Blüte, die das Panorma als Massenmedium im späten 19. Jahrhundert erlebte, porträtiert Sternberger diese Zeit als „die Epoche des ‚Panoramas‘“. Obwohl für ihr episodisches Schweifen von Walter Benjamin brachial verrissen, dringt Sternbergers Betrachtung tief in die Dialektik von Allschau-Illusion und fragmentierter Rezeptionsrealität ein. – Bernd Klöckener

Literatur / Quellen:

  • Sternberger, Dolf: Panorama oder Ansichten vom 19. Jahrhundert [1938], Frankfurt am Main: Insel 1981

Weblinks:

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Schlagwörter: Ästhetik, Buch, Denkmal, Didaktik, faktual, Gesamtprojektion, Laufpräsentation, Medialpanoramatik, Organisation, Panorama-Beschreibung, Panorama-Diskurs, panoramatische Diskursform, symbolisch, Technik, Text, textuell, Unterhaltung, Wissenschaft

1937 – Golden Gate Bridge

Die Golden Gate Bridge ist eine Hängebrücke am Eingang zur Bucht von San Francisco in Kalifornien. Sie wird 1937 nach einer Bauzeit von vier Jahren eröffnet und ist mit einer Hauptstützweite von 1280 Metern zu dieser Zeit die längste Hängebrücke der Welt. Erst 1964 wird sie von der Verrazzano-Narrows Brücke abgelöst, gehört aber weiterhin zu den längsten Hängebrücken weltweit. Sie ist das Wahrzeichen der Bay Area und für viele neben der Freiheitsstatue von New York ein Symbol für die Vereinigten Staaten insgesamt. Die Golden Gate Bridge gehört zu den wichtigsten Attraktionen San Franciscos und wird 1995 zu einem der modernen Weltwunder erklärt. Die Brücke verbindet mit sechs Fahrstreifen und zwei Geh- und Radwegen San Francisco mit dem Marin County und dem weniger dicht besiedelten Napa- und Sonoma-Valley. Bei Hochwasser hat sie eine Durchfahrtshöhe von 67 Metern, eine Gesamthöhe von 227 Metern und inklusive der Zufahrtsbrücken eine Länge von 2737 Metern. Das sich von ihr aus entfaltende Panorama ebenso wie der Blick auf ihre majestätische Weite machen sie zum moderner Brücken-Panoramatik. Gute Aussichtspunkte für den Blick auf die Golden Gate Bridge tragen Namen wie Golden Gate Overlook, Pacific Overlook oder Battery East Vista. Auf der Brücke selbst eröffnet sich den Anwesenden ein Rundumblick. – Jakob Wallis

Weblinks:

🖙 Welt Nachrichtensender
🖙 Wandernundmehr

Schlagwörter: Ästhetik, Bauwerk, Denkmal, Draufblick, faktual, Fernblick, geordnet, haptisch, Laufpräsentation, Organisation, Panoramaflug, Realpanoramatik, Technik, visuell