ca. 375 – Tabula Peutingeriana


Als pure Exemplifikation diagrammatischer Verwaltungs-Repräsentations-Panoramatik verzeichnet die (nicht abstandsgerechte) Darstellung alle Straßen des Römischen Reiches. Zur Wegfindung ungeeignet, dient sie ausschließlich zum Ruhm der „wiederhergestellten Ruhe und Ordnung durch die diokletianischen Verwaltungsreformen“ (Map. Karten, S. 25). – Johannes Ullmaier

Literatur / Quellen:

  • Map. Karten. Die Welt Entdecken, Hamburg: Edel Books 2015
  • Oswalt, Vadim: Weltkarten – Weltbilder. Zehn Schlüsseldokumente der Globalgeschichte, Stuttgart: Reclam 2015, S. 45–72

Weblinks:

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🖙 Abgleich mit moderner Karte

Schlagwörter: Bild, bildvisuell, Denkmal, Diagramm, Didaktik, Draufblick, faktual, Gesamtdiagramm, Gesamtprojektion, Großtableau, Karte, Medialpanoramatik, Organisation, schematisch, Zugleichspräsentation

112–113 – Trajanssäule


35 m hohe Ehrensäule von 3,7 m Durchmesser für den römischen Kaiser Trajan (98–117). Auf deren 190 m langem Schraubenreliefband sind in 23 Rundwindungen wimmelbildartige Szenen aus zwei zeitgenössischen Eroberungsfeldzügen gegen die Daker in rahmenlos fortlaufender Aufwärts-Chronologie dargestellt. In seinem monumentalen Selbstverherrlichungs-Panorama erscheint Trajan unter den insgesamt etwa 2500 Figuren selbst 58 mal, mithin teils mehrfach zugleich. Anstelle der den Säulengipfel ursprünglich zusätzlich krönenden Trajanstatue steht seit 1587 eine Bronzestatue des Apostels Petrus. – Johannes Ullmaier

Literatur / Quellen:

  • Mithoff, Fritz/Schörner, Günther (Hgg.): Columna Traiani – Trajanssäule. Siegesmonument und Kriegsbericht in Bildern. Beiträge der Tagung in Wien anlässlich des 1900. Jahrestages der Einweihung, 9.–12. Mai 2013, Wien: Holzhausen 2017
  • Stefan, Alexandre Simon (Hg.): Die Trajanssäule. Dargestellt anhand der 1862 für Napoleon III. gefertigten Fotografien. Mit einem Beitrag von Hélène Chew, Darmstadt: wbg / Philipp von Zabern 2020

Weblinks:

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Schlagwörter: (Aus-)Faltung, Ästhetik, Bauwerk, Bild, bildvisuell, Denkmal, Didaktik, faktual, fiktional, geordnet, Gesamtprojektion, Großtableau, haptisch, Laufpräsentation, Medialpanoramatik, mimetisch, Mythos/Religion, offen, Rahmenexpansion, Rundbau, schematisch, Schraubenband, Skulptur, Überbreite, Wimmelbild, Zeitensynopse, Zugleichspräsentation

31 – Versuchung Jesu

Dem Neuen Testament zufolge führt der Teufel Jesus in der Judäischen Wüste auf einen Berg, zeigt ihm dort „alle Reiche der ganzen Welt in einem Augenblick“ (Lk 4,5) und bietet ihm die Herrschaft darüber an. Die damit greifbare Verbindung des All-Welt-Schau-Motivs mit den Verlockungen weltlichen Machtstrebens bzw. menschlicher Hybris oder superbia wird in Zukunft immer wieder Gegenstand von Warnungen, erbaulichen Gedanken und Ermahnungen sein. – Bernd Klöckener

Schlagwörter: Allwahrnehmung, auditiv, Didaktik, fiktional, haptisch, Idealpanoramatik, Inhaltspanoramatik, Konzept/Idee, Medialpanoramatik, mimetisch, Mythos/Religion, Realpanoramatik, symbolisch, Text, textuell, unbegrenzte Allheit, visuell, Zugleichspräsentation

ca. 8 – Argus in Ovids Metamorphosen

Im ersten Buch von Ovids Metamorphosen wird Argus, Sohn Arestors, als Bewacher der Io eingeführt. Sein Haupt ist von hundert Augen bedeckt, die sich abwechselnd ausruhen und Wache halten, sodass ihm nichts entgehen kann und er zum ultimativen Wächter wird. Nach seiner Ermordung durch Merkur im Auftrag Jupiters werden seine Augen laut der Metamorphose in das Gefieder des Pfaus eingesetzt. Das Pfauenaugenmotiv läuft seither durch die Kunstgeschichte, prominent etwa bei Peter Paul Rubens (1610) oder Salvador Dalí, der das Bild im Zuge der Suite Mythologie 1963/65 radiert und koloriert. – Lea Müller

Literatur / Quellen:

  • Ovid: Metamorphosen, Stuttgart: Reclam 1994, Buch I, V 568–688
  • Weblinks:

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Schlagwörter: 360°, Allwahrnehmung, Ästhetik, Didaktik, fiktional, Inhaltspanoramatik, Konzept/Idee, Laufpräsentation, Medialpanoramatik, mimetisch, Mythos/Religion, Rahmenexpansion, Realpanoramatik, Text, textuell, Überbreite, Überwachung, Unterhaltung, visuell, Zentralblickpunkt, Zugleichspräsentation

ca. -25 – Vergil, Aeneis, Beschreibung des Aeneas-Schilds

Im achten Buch der Aeneis beschreibt Vergil, wie die Göttin Venus ihrem Sohn Aeneas Geschenke macht, die ihr Mann, der Gott Vulkan, für ihn angefertigt hat. Eines davon ist ein Schild (V 585–731), welcher wichtige Szenen der Zukunft Roms darstellt. Zu sehen sind z. B. Romulus und Remus, die von einer Wölfin gesäugt werden, der Raub der Sabinerinnen, der Sieg von Rom mit Porsena, der Gallische Angriff auf Rom, die Schlacht von Actium und die Herrschaft von Augustus Caesar. Vergil konkurriert mit Homer im künstlerischen Ekphrasis-Wettstreit und übertrifft ihn dabei insofern, als Aeneas’ Schild nicht nur – wie der Homerische des Achill – ein zwar belebtes, aber relativ synchrones Weltpanorama, sondern die ganze weitere Geschichte zeigt, die der Held noch gar nicht kennen kann. – Jana Keim

Literatur / Quellen:

  • Vergil: Aeneis, Berlin/Boston: de Gruyter 2015

Weblinks:

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🖙 textlog Schild des Aeneas

Schlagwörter: Animation, Ästhetik, Bild, bildvisuell, Ekphrasis, Event/Performance, fiktional, Großtableau, Inhaltspanoramatik, Konzept/Idee, Laufpräsentation, Medialpanoramatik, Mythos/Religion, Panorama-Diskurs, Panoramabild, panoramatische Erzählung, Rundbild, Skulptur, symbolisch, Technik, Text, textuell, Unterhaltung, Wimmelbild, Zeitensynopse, Zugleichspräsentation

ca. -60 – Bildfries, Villa dei Misteri (Pompeji)


Womöglich frühester Beleg einer 360°-Bilddarstellung. Das Fresko in der Villa dei Misteri in Pompeji um 60 v. Chr. ist im reifen Zweiten Stil pompejianischer Malerei gestaltet, 2 m hoch und 20 m lang und deckt alle vier Wände des großen Saals ab. Überlebensgroße menschliche Körper bevölkern verschiedene Szenen, die dem Althistoriker Paul Veyne zufolge eine Einweihung in den bacchantischen Dionysoskult darstellen. – Rebecca Rasp

Literatur / Quellen:

  • Veyne, Paul: Das Geheimnis der Fresken. Die Mysterienvilla in Pompeji, Darmstadt: WBG/Philipp von Zabern 2018, S. 13–56

Weblinks:

🖙 FAZ-Artikel
🖙 NZZ-Artikel

Schlagwörter: 360°, Ästhetik, Bauwerk, Bild, bildvisuell, Gesamtprojektion, geschlossen, Großtableau, haptisch, Medialpanoramatik, mimetisch, Mythos/Religion, Panoramabild, Rahmenexpansion, Überbreite, Unterhaltung, Zugleichspräsentation

ca. -150 – Globus


Römischen Quellen zufolge baut Krates von Mallos um 150 v. Christus erstmals ein überschaubar verkleinertes Modell der Erdkugel und damit den ersten Erdglobus, wobei es Kugelrepräsentationen erdnaher Planeten, sogenannte Planetgloben, schon zuvor gegeben haben soll. Bis ins 19. Jahrhundert werden Erdglobus und zugehöriger Himmelsglobus oft paarweise her- und aufgestellt. Im Unterschied zur Welt- bzw. Himmelskarte ist der Globus form-, flächen-, winkel- und längengetreu, erlaubt dafür aber nicht, die gesamte Erdoberfläche bzw. Himmelsbreite auf einmal in den Blick zu nehmen. – Naemi Dittes

Literatur / Quellen:

  • Stockhammer, Robert: Erdliteratur. Zur kritischen Beobachtung von Weltkonstruktionen, Göttingen / Konstanz: Wallstein / UVK 2023, 92–95

Weblinks:

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Schlagwörter: Bild, bildvisuell, Didaktik, Draufblick, faktual, Gesamtprojektion, Globus, haptisch, Karte, Kugel, Laufpräsentation, Medialpanoramatik, Medientechnik, mimetisch, Organisation, schematisch, Skulptur, Technik, Weltkarte, Wissenschaft, Zugleichspräsentation

-200 – König Philipp von Makedonien besteigt den Haemus

Der makedonische König Philipp habe, so berichtet Livius in seiner römischen Universalgeschichte Ab urbe condita, den Haemus besteigen wollen, „weil er der allgemeinen Meinung Glauben beimaß, man könne dort zugleich das Pontische und Hadriatische Meer, die Donau und die Alpen sehen; und er versprach sich von dieser Übersicht für seinen Plan zu einem Römischen Kriege Winke von Entscheidung“ (Livius 40,21). Doch je höher Philipp und seine Begleiter kommen, desto weniger können sie offenbar sehen; sie geraten in immer dichteren Wald, werden zudem von Nebel überrascht, und der Weg wird so beschwerlich, „als machten sie ihn bei Nacht. Erst am dritten Tage gelangten sie auf den Gipfel. Nach ihrer Herabkunft ließen sie den gemeinen Glauben ohne allen Widerspruch; vermuthlich mehr, um einem Spotte über ihre vergebliche Reise zu entgehen, als dass sie wirklich die Meere, Gebirge und Ströme auf so entgegengesetzten Punkten zugleich von diesem einzigen Standorte hätten sehen können.“ (Livius 40,22) Somit kulminiert diese Urszene der Realpanoramatik – noch Petrarca wird sich von Livius’ Textstelle zu seiner➚  Besteigung des Mont Ventoux inspiriert sehen – in signifikanter Bedeutungslosigkeit. Dass Philipp den bald darauffolgenden Krieg gegen die Römer verlieren würde, wer hätte es kommen sehen? – Bernd Klöckener

Literatur / Quellen:

  • Livius, Titus: Römische Geschichte, Braunschweig: Friedrich Vieweg 1821

Weblinks:

🖙 Projekt Gutenberg

Schlagwörter: faktual, Fernblick, Gesamtprojektion, Inhaltspanoramatik, Konzept/Idee, Medialpanoramatik, Naturpanorama, Organisation, Realpanoramatik, symbolisch, Text, textuell, Überwachung, visuell, Zentralblickpunkt, Zugleichspräsentation

ca. -375 – Platon, Höhlengleichnis


Zu Beginn des siebten Buchs von Platons Politeía verheißt Sokrates in einprägsamer Gleichnisform den befreienden philosophischen Erkenntnisweg aus der Schattenwelt bloß scheinhafter Gewissheiten ins helle Sonnenlicht unmittelbar erschauter Wahrheit. Ziel ist der Ausgang aus der sinnlich wahrnehmbaren, mit einer unterirdischen Höhle verglichenen Welt der vergänglichen Dinge in die (über)irdische Höhe der unwandelbaren platonischen Ideen. Der individuell zu begehende, aber fortwährend sozial rückgebundene Pfad dorthin umfasst in Platons exemplarischer Beschreibung mehrere Stationen anfänglicher Überforderung und anschließender Sehstärkung durch die im Aufstieg zunehmende Lichtfülle. Am Ende steht die Schau auf das hell erstrahlende Universum der – qua Gleichnislogik mit höchster sinnlicher Eindrücklichkeit und Wirkmächtigkeit bedachten – geistigen Entitäten. In profanerer Ausprägung erscheint das Verlaufsschema des Höhlengleichnisses in vielen, zumal massenkulturellen Medientechniken als einfache Abfolge von verdunkelter Empfangs-, Eingangs- bzw. Aufstiegsphase unter temporärer sensueller Deprivation hin zur momenthaft-lichtvollen Überwältigung beim Betreten bzw. Beginn der jeweils präsentierten Attraktion. Nur dass hier fast nie die Wirklichkeit, sondern gerade deren Illusion enthüllt wird. – Kira Gass | Johannes Ullmaier

Literatur / Quellen:

  • Platon: Politeia. Werke in 8 Bänden, Bd. 4, Darmstadt: WBG 1990, S. 554–569

Weblinks:

🖙 Wikipedia
🖙 Wikipedia

Schlagwörter: Allwahrnehmung, bildvisuell, Didaktik, Gesamtprojektion, Idealpanoramatik, Inhaltspanoramatik, Konzept/Idee, Mythos/Religion, Rahmenexpansion, symbolisch, Text, textuell, unbegrenzte Allheit, Wissenschaft, Zugleichspräsentation

ca. -600 – Allsicht Gottes (Altes Testament)

Der Psalm 139 handelt von der Allgegenwärtigkeit und Allsicht Gottes. „HERR, du erforschest mich und kennest mich. 2 Ich sitze oder stehe auf, so weißt du es; du verstehst meine Gedanken von ferne. 3 Ich gehe oder liege, so bist du um mich und siehst alle meine Wege. 4 Denn siehe, es ist kein Wort auf meiner Zunge, das du, HERR, nicht alles wüsstest. 5 Von allen Seiten umgibst du mich und hältst deine Hand über mir.“ Als Transzendenz-Pol totaler Panoramatik birgt die –– hier egozentrisch pointierte, aber später in jede Richtung ausdifferenzierte – Idee der Allumfänglichkeit göttlicher All-Gegenwart heikle, doch zugleich produktive Paradoxien bzw. Redundanzen: Gott registriert ‚alles‘ sowohl sinnesmodal von außen („siehst alle meine Wege“) wie von innen („verstehst meine Gedanken“), „von ferne“ wie aus nächster Nähe („umgibst […] mich von allen Seiten“). Die hierin angelegte Spannung zwischen tendenziell panoptischen und tendenziell pantheistischen Zuschreibungen entfaltet sich in der weiteren Geschichte der Gottes-Konzeptionen zu faszinierender Vorstellungs- und Meinungsbreite, die sich, wenngleich zunehmend mittelbar, auch in der Mediengeschichte panoramatischer Registratur- und Präsentationsformen niederschlägt. – Lara Schüler | Johannes Ullmaier

Literatur / Quellen:

  • Katholische Bibelanstalt (Hg.): Die Bibel. Einheitsübersetzung der Heiligen Schrift, Freiburg im Breisgau: Herder 2016, Ps 139,1–5
Schlagwörter: Allwahrnehmung, audiovisuell, bildvisuell, Blicktransparenz, Didaktik, faktual, Fernblick, fiktional, Gesamtprojektion, haptisch, Idealpanoramatik, Inhaltspanoramatik, Konzept/Idee, Mythos/Religion, symbolisch, Text, textuell, Überwachung, unbegrenzte Allheit, Zugleichspräsentation, Zugriffspräsentation