1883 – Sedan-Panorama

Das von Anton von Werner entworfene, 1883 zum Jahrestag der Schlacht von Sedan eröffnete Panorama zeigt (dem zeitgenössischen Programmheft zufolge) „jenen Moment der Schlacht bei Sedan am Nachmittage des 1. September 1870, zwischen eineinhalb und zwei Uhr, in welchem die französische Armee […] von dem linken Flügel der deutschen Armee […] umfaßt und auf das Plateau von Floing-Illy zurückgedrängt, den letzten verzweifelten Versucht macht, die preußischen Linien zu durchbrechen und eine Rückzugsstraße zu gewinnen.“ In dem dafür errichteten Gebäude am Berliner Alexanderplatz finden zudem drei Dioramen Platz, die weitere wichtige Ereignisse jenes Tages (bis zum Zusammentreffen zwischen Bismarck und Napoleon III) darstellen. Die Gesamtkosten betragen ca. 1 Mio. Goldmark. Eine ähnlich imposante Version mit eigenem Gebäude gibt es in Frankfurt am Main. – Stephan Klose

Literatur / Quellen:

  • Oettermann, Stephan: Das Panorama. Die Geschichte eines Massenmediums, Frankfurt am Main: Syndikat 1980, S. 204–211
  • Sternberger, Dolf: Panorama oder Ansichten vom 19. Jahrhundert [1938], Frankfurt am Main: Insel 1981, S. 11–21

Weblinks:

🖙 Sedan-Panorama Frankfurt

Schlagwörter: 360°, Ästhetik, Bild, bildvisuell, Denkmal, Didaktik, faktual, Gemälde, Gemälderundbau, Gesamtprojektion, geschlossen, Immersion, Medialpanoramatik, mimetisch, Panoramabild, Rundband, Rundbau, Unterhaltung, Zentralblickpunkt, Zugleichspräsentation

1881 – Mesdag-Panorama


Das am 1. August 1881 eröffnete Rundgemälde des Marinemalers Hendrik Willem Mesdag zeigt die Ansicht der Küste von Scheveningen und den Blick auf Den Haag, gesehen von einer Düne aus, mit lebhaft bewölktem Himmel. Zwischen der hölzernen Besucherplattform und dem Rundgemälde befindet sich ein plastisches Faux Terrain, welches eine Dünenlandschaft simuliert. Das Gemälde ist 14,2 m hoch und 115 m lang. Auftraggeber ist ein belgisches Unternehmen, das bald bankrott geht. Mesdag erwirbt daraufhin sein eigenes Panorama und stellt es mit seinem Team fertig. Mit einer eigenen Firmengründung sorgen er und seine Frau dafür, dass das Panorama schließlich in dem eigens hierfür errichteten Rundbau in der Innenstadt von Den Haag fortbestehen kann. Es wird dort bis heute [2024] als eigenständiges Museum betrieben. Man betritt das Gebäude, gelangt durch einen Vorraum mit kleiner Gemäldegalerie in einen abgedunkelten Korridor und dann über eine hölzerne Wendeltreppe auf die Besucherplattform. Das Panorama bietet den verblüffenden Eindruck großer räumlicher Weite, zeigt sich an einigen Partien aber auch als Malerei (etwa bei den skizzenhaft bewegt wirkenden Dünengräsern). Es ist überliefert, dass Vincent van Gogh dieses Panorama besuchte. – Clara Wörsdörfer

Literatur / Quellen:

  • Veldink, Suzanne/Prins, Laura/Scheveningen u. a.: De Schilders Van Het Panorama Van Scheveningen, Den Haag: Museum Panorama Mesdag 2021

Weblinks:

🖙 Webseite Panorama Museum Den Haag

Schlagwörter: 360°, Ästhetik, Bauwerk, Bild, bildvisuell, Denkmal, Didaktik, faktual, Fernblick, Gemälde, Gemälderundbau, Gesamtprojektion, geschlossen, Immersion, Medialpanoramatik, mimetisch, Panoramabild, Rundband, Rundbau, Unterhaltung, Wimmelbild, Zentralblickpunkt, Zugleichspräsentation

1881 – Bourbaki-Panorama

Vom Genfer Maler Edouard Castres angefertigtes Panorama-Rundbild, das im gleichnamigen Museum in Luzern ausgestellt wird. Es bildet eine Szene aus dem Deutsch-Französischen Krieg im Jahre 1871 ab und zeigt die ausgelaugte Bourbaki-Armee im Winter dieses Jahres. 87.000 französische Soldaten fanden damals Zuflucht in der Schweiz. Das Gemälde soll an das Elend des Krieges erinnern und zählt zu den europäischen Kulturdenkmälern. – Luca Angelo Bindi

Literatur / Quellen:

  • Oettermann, Stephan: Das Panorama. Die Geschichte eines Massenmediums, Frankfurt am Main: Syndikat 1980, S. 250 f.

Weblinks:

🖙 Virtueller Rundgang Bourbaki Panorama
🖙 Webseite des Museums

Schlagwörter: 360°, Ästhetik, Bauwerk, Bild, bildvisuell, Denkmal, Didaktik, faktual, Fernblick, Gemälde, Gemälderundbau, Gesamtprojektion, geschlossen, Immersion, Medialpanoramatik, mimetisch, Panoramabild, Rundband, Rundbau, Unterhaltung, Wimmelbild, Zentralblickpunkt, Zugleichspräsentation

1870 – Kaiser-Panorama


Das Kaiser-Panorama, ein Vorführgerät für stereoskopische Diapositive, wird von August Fuhrmann in den 1870er-Jahren populär gemacht. Es ist ein robuster Rundbau aus Holz, konzipiert für jeweils 25 Besucher, die auf Stühlen platziert einen Zyklus von 50 Stereo-Aufnahmen durch Stereo-Okulare betrachten können. Den Betrachtern der fotografischen Bilder bietet sich ein dreidimensionaler, vollplastischer Anblick einer Landschaft, Großstadtszene oder von touristischen Sehenswürdigkeiten. Nach etwa zwanzig Sekunden ertönt ein Glockenzeichen, und mittels eines von einem verborgenen Uhrwerk angetriebenen Drehmechanismus erscheint das nächste Motiv vor den Augen, ohne dass die Besucher ihre Stühle verlassen müssen. Fuhrmann betreibt das Kaiser-Panorama zunächst in Breslau, später kommen Standorte in Frankfurt am Main und Berlin hinzu, schließlich unzählige Filialen, auch von Nachahmern. Anfang der 1930er-Jahre werden die meisten Aktivitäten eingestellt. Das Programm des Kaiser-Panoramas wird als eine Art Weltreise für kleines Geld beworben (siehe Slogans wie: „Die Welt mit der Welt bekannt zu machen“ oder „Hier erhalten wir die beste Übersicht über die interessanten Sehenswürdigkeiten und Naturschönheiten der Erde“). – Clara Wörsdörfer

Literatur / Quellen:

  • Berliner Festspiele (Hg.): Berlin um 1900. Das Kaiserpanorama. Bilder aus dem Berlin der Jahrhundertwende (Ausst-Kat.), Berlin: Berliner Festspiele 1984
  • Lorenz, Dieter (Hg.): Das Kaiser-Panorama. Ein Unternehmen des August Fuhrmann, o. O.: o. V. 2010

Weblinks:

🖙 Abbildung eines Kaiser-Panoramas im zugehörigen Wikipedia-Artikel

Schlagwörter: Ästhetik, auditiv, Bauwerk, Bild, bildvisuell, Didaktik, faktual, fiktional, Foto, geschlossen, Immersion, Laufpräsentation, Medialpanoramatik, Medieninstallation, mimetisch, Moving Panorama, Rundband, Rundbau, schematisch, Text, Unterhaltung

1846 – John Banvard, Moving Mississippi-Panorama Three-Mile Painting

Prototypisch für die genuin us-amerikanische Panorama-Entwicklung vereinigt John Banvard’s Mammoth Panorama of the Mississippi River Bewegung, Landschaft, Show, Rekordgröße, Self-Made-Erfolg und Vergänglichkeit. Auch wenn sein auf Basis jahrelanger eigener Recherchen vor Ort erstelltes Riesengemälde des (real 3778 km langen) Mississippi-Ufers nicht die mythisch kolportierten „drei Meilen“ (ca. 4,8 km) Leinwandbreite respektive Vorführlänge erreicht, bringt ihm das publikumswirksam moderierte und nach der Bostoner 1846er-Premiere vielerorts wiederholte Abrollen seiner de facto immerhin 369 m breiten bzw. langen und ca. 3,6 m hohen Panoramaleinwand großen Ruhm und Reichtum, bevor Streitigkeiten mit der Konkurrenz losbrechen. Dass Banvards Leinwand – nie dupliziert und durch den Transport (auch nach Europa) zunehmend vernutzt – für alle Zeit verloren scheint, macht sie vollends zum Mythos. – Johannes Ullmaier

Literatur / Quellen:

  • Huhtamo, Erkki: Illusions in Motion. Media Archaeology of the Moving Panorama and Related Spectacles, Cambridge, MA: MIT Press 2013, S. 176–179, 186–191

Weblinks:

🖙 Wikipedia
🖙 Kurzdarstellung

Schlagwörter: (Aus-)Faltung, Ästhetik, auditiv, Bild, bildvisuell, Didaktik, Event/Performance, faktual, fiktional, Gemälde, geordnet, Gesamtprojektion, Großtableau, Immersion, Laufpräsentation, Medialpanoramatik, Medieninstallation, mimetisch, Moving Panorama, Naturpanorama, Panoramabild, Technik, Überbreite, Universalchronik, Unterhaltung

1831 – Ludwig Börne im Panorama der Seeschlacht von Navarino

Im sechsunddreißigsten seiner Briefe aus Paris vom 21. Februar 1831 gibt Börne eine detailreiche Eindrucks- und Verlaufsschilderung eines Besuchs im Navarino-Panorama, deren Beginn dessen zeitgenössisches Überwältigungspotenzial bezeugt: „Von welch einem erhabenen Schauspiele kehre ich eben zurück! Und welch eine Stadt ist dieses Paris, wo Götter Markt halten und alltäglich ihre Wunder feilbieten! Ich stand auf dem höchsten Gipfel des menschlichen Geistes und übersah von dort das unermeßliche Land seines Wissens und seiner Kraft. Ich kam bis an die Grenze des menschlichen Gebietes, da wo die Herrschaft der Götter beginnt – ich habe eine Seeschlacht gesehen.“ (Börne, „Briefe aus Paris“, S. 192). Die anschließende Detailschilderung bleibt emphatisch, führt aber in ihrer ekphrastischen Fülle umso eindrücklicher ins Erfahrungssubstrat einer spektakulären, hier einmal rundum gelingenden historischen Panorama-Medien-Schau und -Show. – Johannes Ullmaier

Literatur / Quellen:

  • Börne, Ludwig: „Briefe aus Paris“. In: Sämtliche Schriften, hg. von Inge Rippmann und Peter Rippmann, Dreieich: Joseph Melzer 1977

Weblinks:

🖙 Projekt Gutenberg

Schlagwörter: 360°, Animation, Ästhetik, Bauwerk, Bild, bildvisuell, Denkmal, Didaktik, Ekphrasis, Event/Performance, faktual, Gemälde, Gemälderundbau, Immersion, Inhaltspanoramatik, Laufpräsentation, Medialpanoramatik, Medieninstallation, mimetisch, Panorama-Beschreibung, Panoramabild, panoramatische Erzählung, Rundband, Rundbau, symbolisch, Text, textuell, Unterhaltung, Zentralblickpunkt, Zugleichspräsentation

1831 – Jean-Charles Langlois, Seeschlacht von Navarino

In einer eigens neu eröffneten Rotunde (15 m Höhe, 38 m Durchmesser) in der Rue des Marais-du-Temple 14 in Paris präsentiert der ehemalige Offizier und erfolgreiche französische Marinemaler Jean-Charles Langlois dieses (nicht erhaltene) Rundbild. Um den Illusionseffekt zu steigern, lässt sich Langlois eine Neuerung einfallen: Er ersetzt die traditionelle Plattform durch das Achterdeck der Fregatte Scipio, die selbst an dem gezeigten Gefecht teilgenommen hat. Germain Bapst schreibt dazu: „Während der Betrachter früher das Schauspiel isoliert und entfernt aus der Vogelschau sah, versetzte ihn Langlois direkt ins Zentrum des Geschehens.“ (zit. n. Comment, Das Panorama, S. 47). Auch überbrückt Langlois den Graben zwischen Plattform und Bild mit Gegenständen und perfektioniert damit das sogenannte Faux Terrain. Gaslicht und Ventilation werden eingesetzt, um Feuer und Seewind vorzutäuschen. Vor Ort wird ein Programmheft ausgehändigt, in dem die Vorgeschichte und Folgen des gezeigten Moments der Schlacht erläutert sind, angereichert durch Berichte von Zeitzeugen. – Clara Wörsdörfer

Literatur / Quellen:

  • Comment, Bernard: Das Panorama. Geschichte einer vergessenen Kunst, Berlin: Nicolai 2000
  • Geimer, Peter: Die Farben der Vergangenheit. Wie Geschichte zu Bildern wird, München: C. H. Beck 2022, S. 63–65
Schlagwörter: 360°, Animation, Ästhetik, auditiv, Bauwerk, Bild, bildvisuell, Denkmal, Didaktik, Event/Performance, faktual, Gemälde, Gemälderundbau, Gesamtprojektion, geschlossen, haptisch, Immersion, Medialpanoramatik, Medieninstallation, mimetisch, Panoramabild, Rundband, Rundbau, Text, textuell, Unterhaltung, Zentralblickpunkt, Zugleichspräsentation

1825 – Sattler-Panorama


Das ca. 125 qm Bildfläche umfassende Rundgemälde zeigt die Stadt Salzburg samt Umgebung. Johann Michael Sattler fertigt es zwischen 1825 und 1829 auf Anregung von Kaiser Franz I. an und stellt es 1829 erstmals temporär aus. Ab 1875 wird es in einem eigens dafür errichteten Pavillon im Kurgarten von Salzburg installiert, nach dessen Abbruch es seit 2003 ein neues Domizil in einem Hof der neuen Residenz gefunden hat. – Bernd Klöckener

Literatur / Quellen:

  • Oettermann, Stephan: Das Panorama. Die Geschichte eines Massenmediums, Frankfurt am Main: Syndikat 1980, S. 230–234

Weblinks:

🖙 Wikipedia

Schlagwörter: 360°, Ästhetik, Bauwerk, Bild, bildvisuell, Denkmal, faktual, Fernblick, Gemälde, Gemälderundbau, Gesamtprojektion, geschlossen, Immersion, Medialpanoramatik, mimetisch, Panoramabild, Rundband, Rundbau, Unterhaltung, Zentralblickpunkt, Zugleichspräsentation

1822 – Diorama


Prominent eingeführt vom Fotografie-Pionier Louis Daguerre, bildet das Diorama als immersives Erlebnis einen Vortypus des Kinos. In speziell für diesen Zweck erbauten Gebäuden sollen Zuschauende auf einer rotierenden Plattform und mithilfe von Lichttricks eine möglichst glaubhafte Illusion erleben. Tag und Nacht werden durch die Verschiebung bemalter transparenter und opaker Leinentücher sowie eine dynamische Lichtregie nachgeahmt, sodass eine Landschaft im bewegten Tagesablauf erscheint. Gegenüber dem Barker-Panorama hat sich das Streben nach der Illusion eines Vor-Ort-Seins hier schon weitgehend vom Anspruch auf die visio-mimetische Kopie einer existierenden Landschaft gelöst. – Lea Müller | Johannes Ullmaier

Literatur / Quellen:

  • Daguerre, Louis-Jacques-Mandé: Historique et description des procédés du daguerréotype et du diorama, Paris: Béthune and Plon for Susse frères and Delloye 1839
  • Oettermann, Stephan: Das Panorama. Die Geschichte eines Massenmediums, Frankfurt am Main: Syndikat 1980, S. 56–67

Weblinks:

🖙 Funktionsweise des Dioramas in Bildern

Schlagwörter: 360°, Animation, Ästhetik, Bauwerk, Bild, bildvisuell, Blicktransparenz, Didaktik, faktual, fiktional, Gemälde, Gemälderundbau, Gesamtprojektion, Immersion, Medialpanoramatik, mimetisch, Panoramabild, Rundband, Rundbau, Unterhaltung, Zentralblickpunkt, Zugleichspräsentation

1814 – Marquard Wocher, Panorama von Thun


Die Beschreibung der Museums-Homepage sagt prägnant das Wesentliche: „Der Basler Künstler Marquard Wocher erschafft 1814 das erste Panorama der Schweiz. Fasziniert vom Berner Oberland entwirft er ein Rundbild von 38 m Lauflänge der Kleinstadt Thun und […] Umgebung, mit Blick bis in die Alpen des Berner Oberlands. Detailreich wirft dieses Bild einen Blick auf das Thuner Alltagsleben vor 200 Jahren und wird mit den unzähligen Geschichten zu einem Wimmelbild für Gross und Klein. Heute [2023] ist das Panorama das älteste Rundbild der Welt und ist ein Depositum der Gottfried Keller-Stiftung.“ Seit 1961 in einem Rundbau im Schadau-Park in Thun beherbergt. – Johannes Ullmaier

Weblinks:

🖙 Thun-Panorama

Schlagwörter: 360°, Ästhetik, Bauwerk, Bild, bildvisuell, Denkmal, Didaktik, faktual, Fernblick, Gemälde, Gemälderundbau, Gesamtprojektion, geschlossen, Immersion, Medialpanoramatik, mimetisch, Naturpanorama, Panoramabild, Rundband, Rundbau, Unterhaltung, Zentralblickpunkt, Zugleichspräsentation