ca. 1250 – Rudolf von Ems, Weltchronik


Erster, unvollendet gebliebener Versuch einer deutschsprachigen Gesamtgeschichtschronik. Grundlage ist die biblische Weltzeitalterlehre. – Johannes Ullmaier

Literatur / Quellen:

  • Rudolf von Ems: Weltchronik, 2. Aufl., Dublin: Weidmann 1967
  • Gamper, Rudolf/Fuchs, Robert/Oltrogge, Doris u. a.: Die Weltchronik des Rudolf von Ems – und ihre Miniaturen, Oppenheim am Rhein: Nünnerich-Asmus Verlag & Media 2022

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🖙 Digitalisat im bavarikon

Schlagwörter: begrenzte Allheit, Buch, Denkmal, Didaktik, faktual, geordnet, Gesamtkompendium, Gesamtprojektion, Laufpräsentation, Medialpanoramatik, Mythos/Religion, schematisch, symbolisch, Text, textuell, Universalchronik

1200–1210 – Wolfram von Eschenbach, Wundersäule im Parzival

In dem mittelhochdeutschen Epos Parzival wird eine Wundersäule beschrieben (Str. 589,1–590,16 u. 592,1–19), die wie ein Weltspiegel funktioniert. Sie befindet sich im Wunderland Terre marveille und macht sämtliche Vorgänge im Umland sichtbar. Die Säule steht nicht im Freien, sondern ist innerhalb eines überkuppelten Turms situiert, durch dessen Fenster sie Strahlen aussendet. Diese kehren zur Säule zurück und erzeugen ein dynamisches Abbild im Einklang mit der Welt, das auf der Säule sichtbar wird. Da die Strahlen einzig durch die Fenster des Turmes hinausgelangen, entstehen trotz der 360°-Anlage blinde Flecken, während die Strahlen, die durch zwei benachbarte Fenster ausgesendet werden, eine Szene wiederum nur aus unterschiedlichen Winkeln abbilden können. Das Wahrnehmen dieser mimetischen Repräsentationen unterscheidet sich deutlich vom alltäglichen Sehen, weil die Abbildungen auf der Säule von der in dem Epos erzählten Realität abweichen. Denn infolge der Überlappungen und Verzerrungen entsteht eine gewisse Diskontinuität der Darstellung. Im Unterschied zum Spiegel aus dem ➚ Eneasroman Heinrich von Veldekes ist für die Wundersäule auch ein Betrachter vorgesehen: Das Zusammenwirken von der abbildenden Säule und den wahrnehmenden Rezipienten, die je nach Vorwissen und Einstellungen das Dargebotene unterschiedlich verstehen, ist für das wolframsche Konzept sehr wichtig. Wolframs Wundersäule wurde in weiteren mittelalterlichen Texten rezipiert und gedeutet, etwa im ➚ Jüngeren Titurel sowie in Heinrich von Neustadts ➚ Apollonius von Tyrland. – Sofya Sinelnikova

Literatur / Quellen:

  • Störmer-Caysa, Uta: „Übersicht und Einsicht. Wundersäulen und Weltspiegel in mittelalterlichen Texten“. In: Alles im Blick. Perspektiven einer intermedialen Panoramatik, hg. von Roman Mauer, Johannes Ullmaier, und Clara Wörsdörfer, Wiesbaden: Springer 2025, S. 109–144.
  • Wolfram von Eschenbach: Parzival, Frankfurt am Main: Deutscher Klassiker-Verlag 1994.

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Schlagwörter: 360°, Allwahrnehmung, begrenzte Allheit, Buch, Draufblick, Ekphrasis, Fernblick, fiktional, geschlossen, Idealpanoramatik, Konzept/Idee, Kugel, Medialpanoramatik, Medientechnik, Mythos/Religion, Rundbau, symbolisch, Text, textuell, Überwachung, visuell, Zentralblickpunkt, Zugleichspräsentation

1170–1188 – Heinrich von Veldeke, Weitsicht-Spiegel im Eneasroman

Der Eneasroman, der erste deutschsprachige höfische Roman, wird im 12. Jh. vom Dichter Heinrich von Veldeke als Übersetzung des französischen Roman d’Eneas verfasst. Die beiden Werke sind mittelalterliche Bearbeitungen zu Vergils Epos Aeneis, in dem die Vorgeschichte der Begründung Roms erzählt wird. Im Eneasroman (Str. 9562–9571) beschreibt Veldeke einen wunderbaren Weitsicht-Spiegel. Dieser befindet sich auf dem Grabmal der amazonischen Königin Camilla, das sie schon bei Lebzeiten bauen lässt. Veldekes Beschreibung bezieht sich auf die Priester-Johannes-Tradition: Auf dem Grabmal wird ein mehrstufiges, säulenartiges Bauwerk mit einem Spiegel am oberen Ende eingerichtet. Aus der Perspektive der Optik und der Technologie kann man sich diesen als Vollkugel oder mindestens als Konvexspiegel vorstellen, da er das Herrschaftsgebiet rundum abbildet. Die Projektion erfolgt in zwei Dimensionen: Die erste umfasst das Sichtbare, also die räumliche Umgebung, die zweite hingegen das Unsichtbare – die feindlichen Absichten der Menschen. Diese Fähigkeiten des Spiegels können auch der Verteidigung der Herrschaft dienen, allerdings nur, wenn es jemanden gibt, der in den Spiegel schaut. Doch kann sich – Veldekes Beschreibung nach – niemand in dem Bauwerk aufhalten, weil die Eingänge vermauert sind. Theoretisch ist aber ein Blick von außen möglich, wenngleich fraglich scheint, wie viel man überhaupt auf diese Weise sehen kann. Obwohl die Verteidigungsfunktion des Spiegels in Veldekes Werk also deutlich ausgewiesen ist, bleibt der Weg, sie zu benutzen, doch versperrt. Wie in anderen mittelalterlichen Weltspiegel-Fiktionen offenbart sich auch hier ein besonderer Zusammenhang zwischen Wahrnehmen und Zeigen: Der Spiegel nimmt zwar alles wahr, das kann aber niemand sehen. – Sofya Sinelnikova

Literatur / Quellen:

  • Störmer-Caysa, Uta: „Übersicht und Einsicht. Wundersäulen und Weltspiegel in mittelalterlichen Texten“. In: Alles im Blick. Perspektiven einer intermedialen Panoramatik, hg. von Roman Mauer, Johannes Ullmaier, und Clara Wörsdörfer, Wiesbaden: Springer 2025, S. 109–144.
  • Heinrich von Veldeke: Eneasroman. Nach dem Text von Ludwig Ettmüller ins Neuhochdt. übers., mit einem Stellenkommentar und einem Nachw. von Dieter Kartschoke, Stuttgart: Reclam 2007.

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🖙 Eneasroman

Schlagwörter: 360°, Allwahrnehmung, begrenzte Allheit, Buch, Draufblick, Ekphrasis, Fernblick, fiktional, geschlossen, Idealpanoramatik, Konzept/Idee, Kugel, Medialpanoramatik, Medientechnik, Mythos/Religion, Rundbau, symbolisch, Text, textuell, Überwachung, visuell, Zentralblickpunkt, Zugleichspräsentation

ca. 1150 – Muhammad al-Idrisi, Buch des Roger


Das im Auftrag des Normannenkönigs Roger II. auf Sizilien angefertigte Kompendium (Das Vergnügen dessen, der sich nach Durchquerung der Länder sehnt) enthält 70 Teilkarten sowie Erläuterungen, die das gesamte damals zugängliche geografische Wissen synthetisieren sollen. Die darauf beruhende, auf eine Silberscheibe gravierte Weltkarte (ca. 3,5 × 1,5 m) ist nicht erhalten. – Bernd Klöckener

Literatur / Quellen:

  • Oswalt, Vadim: Weltkarten – Weltbilder. Zehn Schlüsseldokumente der Globalgeschichte, Stuttgart: Reclam 2015, S. 73–86
Schlagwörter: begrenzte Allheit, Bild, bildvisuell, Buch, Denkmal, Didaktik, Draufblick, faktual, Gesamtkompendium, Gesamtprojektion, Karte, Leporello, Medialpanoramatik, Mythos/Religion, schematisch, symbolisch, Text, textuell, Unterhaltung, Weltatlas, Weltkarte, Wissenschaft, Zugleichspräsentation, Zugriffspräsentation

ca. 900–999 – Josua-Rolle


Die im 10. Jahrhundert in Konstantinopel entstandene Schriftrolle zeigt auf 27 Bildern das Leben Josuas. Sie wird der kaiserlich-byzantinischen Hofschule, womöglich Konstantin VII., zugeordnet. Die 10 m lange Schrift befindet sich heute als Cod. Vat. Palat. gr. 431 in der Biblioteca Apostolica Vaticana. Es handelt sich um eine hagiografische Übersicht zum Leben Josuas zwischen Tableau und Laufrolle. Obwohl die Grisaillien von mehreren Händen erstellt wurden, ergeben sie eine zusammenhängende Erzählung. Ungewöhnlich ist, dass dieses Werk der byzantinischen Kunst auf die Form der antiken Schriftrolle zurückgreift und nicht als Codex umgesetzt wurde. Durch die Art der Präsentation ergibt sich ein panoramatischer Lebensüberblick. Zudem gehen die Szenen z. T. fließend ineinander über und zeigen mit Himmelskörpern Tag- und Nachtwechsel an. – Antje Schilling

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Schlagwörter: (Aus-)Faltung, Ästhetik, begrenzte Allheit, Bild, bildvisuell, Buch, Denkmal, Didaktik, Draufblick, fiktional, geordnet, Gesamtprojektion, Laufpräsentation, Medialpanoramatik, mimetisch, Mythos/Religion, Panoramabild, Rahmenexpansion, schematisch, symbolisch, Text, textuell, Überbreite, Unterhaltung, Zeitensynopse, Zugleichspräsentation

ca. 630 – Isidor von Sevilla, Etymologiae sive Origines


In der Abtei von Sevilla, im westgotischen Reich rund um Toledo, stellt Isidor das gesamte verfügbare Wissen seiner Zeit in dem „Grundbuch des ganzen Mittelalters“ zusammen, das „nicht nur den Wissensbestand für acht Jahrhunderte gültig festgelegt, sondern auch deren Denkform geprägt“ hat (Curtius, Europäische Literatur und Lateinisches Mittelalter, S. 487). Die zwanzig Bücher des Kompendiums umfassen neben den sieben artes liberales auch die verschiedensten ‚unfreien‘ Wissenschaften und Handwerke, die mit der Verfertigung von Gebrauchsgegenständen und vielen anderen alltagsrelevanten Dingen befasst sind: Medizin, Theologie, Baukunst, Landwirtschaft usw. Die Enzyklopädie trägt den, wenngleich nicht auktorial verbürgten, Titel Etymologiae zurecht, weil das etymologische Verfahren das gesamte Wissen organisiert. Leitende Prämisse: Kann man den Ursprung der Wörter erklären, so versteht man auch den der mit ihnen bezeichneten Sachen. Der Überblick über das Ganze der Sprache ist damit eo ipso auch einer über das Ganze der Welt. – Robert Stockhammer

Literatur / Quellen:

  • Curtius, Ernst Robert: Europäische Literatur und Lateinisches Mittelalter, 11. Aufl., Tübingen/Basel: Francke 1993
  • Isidor von Sevilla: Etymologiae sive Origines. Die Enzyklopädie des Isidor von Sevilla, Wiesbaden: Marix 2008
Schlagwörter: Ästhetik, begrenzte Allheit, Buch, Didaktik, Enzyklopädie, faktual, Gesamtkompendium, Medialpanoramatik, Mythos/Religion, Organisation, schematisch, symbolisch, Technik, Text, textuell, Zugriffspräsentation

ca. 510 – Negative Theologie des Pseudo-Dionysius Areopagita

Ausgehend von einer absoluten Transzendenz Gottes entwickelt Pseudo-Dionysius in seiner Schrift De mystica theologia eine apophatische Theologie, deren radiakle All-(Ursachen-)Verneinung innerhalb der abendländischen Geistesgeschichte einen Extrempol ‚negativer Panoramatik‘ markiert. Dabei nimmt der Grieche zunächst die Offenbarung und deren affirmative Beschreibungen Gottes in den Blick – hier gelangt er zu der Erkenntnis, die Namen und Attribute Gottes innerhalb der Heiligen Schrift charakterisierten lediglich sein Wirken, nicht aber sein Wesen. Diese Zuschreibungen würden der absoluten Transzendenz Gottes nicht gerecht, vielmehr sei die Verneinungen als Methode geeigneter als die Attribuierung, um das Wesen des Schöpfers zu beschreiben respektive sich ihm anzunähern.

Im vierten Kapitel widmet sich Pseudo-Dionysius der Unmöglichkeit, Gott sinnlich zu erkennen, und stellt den Grundsatz auf, dass „die Allursache […] weder wesenlos noch leblos, weder sprachlos noch vernunftlos ist“ (Areopagita, Mystische Theologie, 79 / 1040,1 D). Daran schließt er weitere Negationen an und verdeutlicht, dass Gott weder „sinnlich wahrgenommen“ (79) würde noch überhaupt mittels der Sinne erfassbar sei. Schlussendlich seien alle perzeptiven Annahmen über die Allursache im Grundsatz ungeeignet. Im fünften Kapitel weitet Pseudo-Dionysius dies auf Formen der intelligiblen Erkenntnis aus. Gott sei „weder Seele […] noch Geist“ (79) und könne somit weder „ausgesagt noch gedacht“ werden. Dem menschlichen Geist sei es, insbesondere wegen seiner Eigenart, in Oppositionen zu denken, unmöglich, die Allursache zu begreifen.

Sowohl die selbstreflexive doppelte Negation im Bereich des Sinnlichen als auch die scheinbar widersprüchlichen Verneinungen von Gegensätzen im Kontext der geistigen Erkenntnis verdeutlichen die Unbegreifbarkeit des Göttlichen. So entziehe sich die Allursache „jeder (Wesens-) Bestimmung, Benennung und Erkenntnis“ (80), schließlich entziehe sie sich aufgrund ihrer Unbestimmtheit jedweder Form der Bestimmung. Auch die Negation scheitert notwendigerweise an der Bestimmung Gottes, sodass die einzige Möglichkeit zur Annäherung an Gott eine infinite apophatische Theologie bleibt, die dennoch niemals zu einer Erkenntnis über die Allursache gelangen kann, da die Beschreibungsversuche spätestens dann enden müssen, wenn die Sprache an ihre Grenzen stößt und erlischt. Die hier früh formulierte Idee einer letztlich prinzipiell vergeblichen, in einem approximativen Prozess aber de facto doch relativ weitreichend zu bewerkstelligenden All-Annäherung ist auch mit Blick auf die Entwicklung und Verlaufsform medialer All-Präsentationsversuche vielfach und bis heute aufschlussreich. – Niclas Stahlhofen

Literatur / Quellen:

  • Pseudo-Dionysius Areopagita: Über die mystische Theologie und Briefe. Übers. V. Adolf Martin Ritter. Stuttgart: Hiersemann 1994.
  • Pöpperl, Christian: Auf der Schwelle. Ästhetik des Erhabenen und negative Theologie. Pseudo-Dionysius Areopagita, Immanuel Kant und Jean-Francois Lyotard, Würzburg: Königshausen & Neumann 2007.
  • Suchla, Beate Regina: Dionysius. Leben – Werk – Wirkung, Freiburg: Herder 2008.

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🖙 Wikipedia: Negative Theologie

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305 – Das Eine in Plotins Enneaden

Grundlegend für Plotins Philosophie ist das System der drei Hypostasen, in dem der Philosoph eine hierarchische Gesamtordnung allen Seins anlegt. Dabei ist im Grundsatz zwischen der physischen Welt, die alle sinnlich erfahrbare Materie umfasst und auf der niedrigsten Ebene angesiedelt ist, sowie dem geistigen Bereich zu unterscheiden. Letzterer gliedert sich in die Seele, den Geist (nous) und das Eine. Während die Seele innerhalb der unmittelbaren Erfahrungswelt agiert, steht der nous in der Tradition der platonischen Ideenlehre und ist zur höchsten Form der intelligiblen Erkenntnis fähig. Der Geist erkennt sämtliche Formen und darüber hinaus auch sich selbst. Hierin sieht der Gelehrte eine Problematik, denn innerhalb des Erkenntnisprozesses sei im Mindesten die „Zweiheit“ (Plotin, Schriften, V 6 [24],1) von „Gedachte[m] und Denkende[m]“ (V 6 [24],1) enthalten. Diese Vielfalt muss nach Plotin durch eine Einheit „zusammengehalten“ (VI 9 [2]) werden. Da die Pluralität andernfalls nicht stabil sei, wird dieses Eine als Einheit und Allursache allen Seins vorausgesetzt. Es existiert „jenseits des Seins und des Erkennens“ (VI 8 [39],16). Aus diesem Urgrund gehen alle anderen Instanzen des hypostatischen Modells hervor, denn nach Plotin „würde ja überhaupt kein Ding existieren[,] wenn das Eine bei sich stehen bliebe und es gäbe nicht die Vielfalt unserer Erdendinge“.

Nun stellt sich die Frage, wie jenes „Einfachste von allen Wesen“ (V 3 [13]) gedacht oder beschrieben werden könnte. Hier entwickelt Plotin eine negative Theologie, indem er darauf hinweist, dass positive Aussagen über das Eine nicht zulässig seien. So identifiziert Plotin die Allursache zwar mit dem Guten, doch sieht er in einer Kopula wie ‚Gott ist gut‘ bereits eine Zweiheit und Komplexität angelegt, die der Einheit des Einen widerspreche. Ergo kann das Eine nur durch das, „was es nicht ist“ (Gertz, Plotinos 990), verständlich gemacht werden. Plotin resümiert: „Somit haben wir es, daß wir wohl über es, nicht aber es aussagen können. Wir sagen ja aus, was es nicht ist; und was es ist, das sagen wir nicht aus“ (V 3 [49],14). Diese Unbeschreibbarkeit resultiert aus der Tatsache, dass der Geist die Allursache lediglich „von den Dingen aus, die später sind als es“ (V 3 [49],14), zu erkennen vermag. In der weiteren neuplatonischen Tradition arbeitet Pseudo-Dionysius Areopagita den Ansatz einer➚ negativen Theologie – von den Enneaden ausgehend – in einer Weise aus, die insbesondere hinsichtlich des transzendenten Einen und den daraus folgenden erkenntnistheoretischen Problemen Parallelen zu Plotin aufweist. Doch schon bei diesem ist die fundamentale Dialektik von Allbegriff und Allentfaltung eindringlich beschrieben. – Niclas Stahlhofen

Literatur / Quellen:

  • Plotinus: Plotins Schriften. Übers. v. Richard Harder, neubearb. m. griech. Lesetext u. Anm. fortgeführt v. Rudolf Beutler u. Willy Theiler. 6 Bde (in 11 Teilbd.). Hamburg: Meiner 1956–1971.
  • Gertz, Sebastian: „Plotinos“. In: Reallexikon für Antike und Christentum. Bd. 17, Stuttgart: Hiersemann 2016, S. 988–1009.
  • Halfwassen, Jens: Plotin und der Neuplatonismus, München: Beck 2004.
  • Tornau, Christian (Hg.): Plotin Handbuch. Leben – Werk – Wirkung, Stuttgart: Metzler 2024.
  • Tornau, Christian: Plotin Enneaden VI 4–5 [22–23]. Ein Kommentar, Stuttgart & Leipzig: Teubner 1998.

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ca. 77 – Gaius Plinius Secundus Maior (Plinius der Ältere), Naturalis historia

Erste systematische Enzyklopädie in 37 Bänden. Abgehandelt werden: Kosmografie (Buch 2), Geografie und Klimatologie (Buch 3–6), Anthropologie (Buch 7), Zoologie (Buch 8–11), Botanik (Buch 12–19), Medizin (20–32), Metallurgie und Mineralogie, außerdem Malerei und Kunstgeschichte (Buch 33–37). In der Vorrede macht Plinius seinen Universal-Kompendiums-Anspruch explizit: „Zwanzigtausend merkwürdige Gegenstände, gesammelt durch das Lesen von etwa zweitausend Büchern, unter welchen erst wenige ihres schwierigen Inhalts wegen von den Gelehrten benutzt sind, von Hundert der besten Schriftsteller, habe ich in 36 Büchern zusammengefasst, dazu aber noch vieles gefügt, wovon entweder unsere Vorfahren nichts wussten oder was das Leben erst später ermittelt hat.“ – Johannes Ullmaier

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ca. -50 – Lukrez, De rerum natura


Epikureisches Hexamater-Lehrgedicht mit Gesamtwelterklärungs-Anspruch vom atomaren Mikrokosmos über die menschliche Wahrnehmung, Erkenntnisfähigkeit und Seele bis hin zur Meteorologie und Kosmologie. – Johannes Ullmaier

Literatur / Quellen:

  • Lukrez: De rerum natura / Welt aus Atomen, Ditzingen: Reclam 2023

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