ca. 375 – Tabula Peutingeriana


Als pure Exemplifikation diagrammatischer Verwaltungs-Repräsentations-Panoramatik verzeichnet die (nicht abstandsgerechte) Darstellung alle Straßen des Römischen Reiches. Zur Wegfindung ungeeignet, dient sie ausschließlich zum Ruhm der „wiederhergestellten Ruhe und Ordnung durch die diokletianischen Verwaltungsreformen“ (Map. Karten, S. 25). – Johannes Ullmaier

Literatur / Quellen:

  • Map. Karten. Die Welt Entdecken, Hamburg: Edel Books 2015
  • Oswalt, Vadim: Weltkarten – Weltbilder. Zehn Schlüsseldokumente der Globalgeschichte, Stuttgart: Reclam 2015, S. 45–72

Weblinks:

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🖙 Abgleich mit moderner Karte

Schlagwörter: Bild, bildvisuell, Denkmal, Diagramm, Didaktik, Draufblick, faktual, Gesamtdiagramm, Gesamtprojektion, Großtableau, Karte, Medialpanoramatik, Organisation, schematisch, Zugleichspräsentation

ca. 77 – Gaius Plinius Secundus Maior (Plinius der Ältere), Naturalis historia

Erste systematische Enzyklopädie in 37 Bänden. Abgehandelt werden: Kosmografie (Buch 2), Geografie und Klimatologie (Buch 3–6), Anthropologie (Buch 7), Zoologie (Buch 8–11), Botanik (Buch 12–19), Medizin (20–32), Metallurgie und Mineralogie, außerdem Malerei und Kunstgeschichte (Buch 33–37). In der Vorrede macht Plinius seinen Universal-Kompendiums-Anspruch explizit: „Zwanzigtausend merkwürdige Gegenstände, gesammelt durch das Lesen von etwa zweitausend Büchern, unter welchen erst wenige ihres schwierigen Inhalts wegen von den Gelehrten benutzt sind, von Hundert der besten Schriftsteller, habe ich in 36 Büchern zusammengefasst, dazu aber noch vieles gefügt, wovon entweder unsere Vorfahren nichts wussten oder was das Leben erst später ermittelt hat.“ – Johannes Ullmaier

Weblinks:

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Schlagwörter: Buch, Denkmal, Didaktik, Enzyklopädie, faktual, geordnet, Gesamtkompendium, Laufpräsentation, Medialpanoramatik, offen, Organisation, symbolisch, Technik, Text, textuell, Überbreite, Unterhaltung, Wissenschaft, Zugriffspräsentation

ca. -50 – Lukrez, De rerum natura


Epikureisches Hexamater-Lehrgedicht mit Gesamtwelterklärungs-Anspruch vom atomaren Mikrokosmos über die menschliche Wahrnehmung, Erkenntnisfähigkeit und Seele bis hin zur Meteorologie und Kosmologie. – Johannes Ullmaier

Literatur / Quellen:

  • Lukrez: De rerum natura / Welt aus Atomen, Ditzingen: Reclam 2023

Weblinks:

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Schlagwörter: Ästhetik, Buch, Didaktik, Enzyklopädie, faktual, Gesamtkompendium, Idealpanoramatik, Inhaltspanoramatik, Konzept/Idee, Laufpräsentation, Medialpanoramatik, Mythos/Religion, offen, Organisation, panoramatische Diskursform, symbolisch, Technik, Text, textuell, unbegrenzte Allheit, Unterhaltung, Wissenschaft

ca. -150 – Globus


Römischen Quellen zufolge baut Krates von Mallos um 150 v. Christus erstmals ein überschaubar verkleinertes Modell der Erdkugel und damit den ersten Erdglobus, wobei es Kugelrepräsentationen erdnaher Planeten, sogenannte Planetgloben, schon zuvor gegeben haben soll. Bis ins 19. Jahrhundert werden Erdglobus und zugehöriger Himmelsglobus oft paarweise her- und aufgestellt. Im Unterschied zur Welt- bzw. Himmelskarte ist der Globus form-, flächen-, winkel- und längengetreu, erlaubt dafür aber nicht, die gesamte Erdoberfläche bzw. Himmelsbreite auf einmal in den Blick zu nehmen. – Naemi Dittes

Literatur / Quellen:

  • Stockhammer, Robert: Erdliteratur. Zur kritischen Beobachtung von Weltkonstruktionen, Göttingen / Konstanz: Wallstein / UVK 2023, 92–95

Weblinks:

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Schlagwörter: Bild, bildvisuell, Didaktik, Draufblick, faktual, Gesamtprojektion, Globus, haptisch, Karte, Kugel, Laufpräsentation, Medialpanoramatik, Medientechnik, mimetisch, Organisation, schematisch, Skulptur, Technik, Weltkarte, Wissenschaft, Zugleichspräsentation

-200 – König Philipp von Makedonien besteigt den Haemus

Der makedonische König Philipp habe, so berichtet Livius in seiner römischen Universalgeschichte Ab urbe condita, den Haemus besteigen wollen, „weil er der allgemeinen Meinung Glauben beimaß, man könne dort zugleich das Pontische und Hadriatische Meer, die Donau und die Alpen sehen; und er versprach sich von dieser Übersicht für seinen Plan zu einem Römischen Kriege Winke von Entscheidung“ (Livius 40,21). Doch je höher Philipp und seine Begleiter kommen, desto weniger können sie offenbar sehen; sie geraten in immer dichteren Wald, werden zudem von Nebel überrascht, und der Weg wird so beschwerlich, „als machten sie ihn bei Nacht. Erst am dritten Tage gelangten sie auf den Gipfel. Nach ihrer Herabkunft ließen sie den gemeinen Glauben ohne allen Widerspruch; vermuthlich mehr, um einem Spotte über ihre vergebliche Reise zu entgehen, als dass sie wirklich die Meere, Gebirge und Ströme auf so entgegengesetzten Punkten zugleich von diesem einzigen Standorte hätten sehen können.“ (Livius 40,22) Somit kulminiert diese Urszene der Realpanoramatik – noch Petrarca wird sich von Livius’ Textstelle zu seiner➚  Besteigung des Mont Ventoux inspiriert sehen – in signifikanter Bedeutungslosigkeit. Dass Philipp den bald darauffolgenden Krieg gegen die Römer verlieren würde, wer hätte es kommen sehen? – Bernd Klöckener

Literatur / Quellen:

  • Livius, Titus: Römische Geschichte, Braunschweig: Friedrich Vieweg 1821

Weblinks:

🖙 Projekt Gutenberg

Schlagwörter: faktual, Fernblick, Gesamtprojektion, Inhaltspanoramatik, Konzept/Idee, Medialpanoramatik, Naturpanorama, Organisation, Realpanoramatik, symbolisch, Text, textuell, Überwachung, visuell, Zentralblickpunkt, Zugleichspräsentation

ca. -250 – Turmbau zu Babel im Alten Testament

Der biblische Bericht vom Turmbau zu Babel (Gen 11, 1–9) ist eine der bekanntesten Erzählungen des Alten Testaments. Darin beginnt ein Volk aus dem Osten, welches „die eine“ heilige Sprache spricht, in der Ebene des Landes Schinar einen Turm zu bauen, der mit seiner Spitze bis zum Himmel reichen soll, was traditionell als Versuch der Menschheit gedeutet wird, sich Gott gleichzustellen, indem man sich zu dessen himmlischer Überschau-Perspektive hocharbeitet. Gott sabotiert dieses Vorhaben durch die babylonische Sprachverwirrung: Wo zuvor alle Menschen ein gemeinsames Zentrum und eine universale Verständigungsbasis hatten, sind sie nun in alle Welt verstreut und verstehen einander nicht mehr. Realgeschichtlich wird der Turmbau heute am ehesten mit der Zikkurat Etemenanki in Verbindung gebracht. – Caroline Klein

Literatur / Quellen:

  • Wadler, Arnold: Der Turm von Babel [1935], Wiesbaden: Fourier Verlag 1980
  • Katholische Bibelanstalt (Hg.): Die Bibel. Einheitsübersetzung der Heiligen Schrift, Freiburg im Breisgau: Herder 2016, Gen 11, 1–9
Schlagwörter: Bauwerk, Denkmal, Didaktik, Fernblick, fiktional, Idealpanoramatik, Inhaltspanoramatik, Konzept/Idee, Mythos/Religion, Organisation, Rundbau, symbolisch, Technik, Text, textuell

ca. -250 – Maya-Kalender

Bevor die mächtigsten monotheistischen Kulturtraditionen sich für lange Zeit dogmatisch auf eine lineare und beidseitig geschlossene Gesamtweltzeitordnung in der Größenordnung einiger Jahrtausende festlegen, beginnen die Maya, ein Kalendersystem mit mehreren, im Prinzip offnen Zyklen (Tzolkin/Haab/Long Count) zu entwickeln, deren ausgreifendste Kombination sich nur alle 374.152 Jahre wiederholt. Ihre idealpanoramatische Differenziertheit und größere Nähe zu den heute bekannten kosmischen Zeitdimensionen bleibt gegen die reale Barbarei der christlichen Conquistadoren jedoch machtlos. – Johannes Ullmaier

Literatur / Quellen:

  • Lenz, Hans: Universalgeschichte der Zeit, Wiesbaden: Marix 2005, S. 326–332

Weblinks:

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🖙 Kurzeinführung

Schlagwörter: Denkmal, Diagramm, Didaktik, faktual, geordnet, Gesamtdiagramm, geschlossen, Idealpanoramatik, Medialpanoramatik, Mythos/Religion, offen, Organisation, schematisch, symbolisch, Technik, textuell, Universalchronik, Wissenschaft, Zeitensynopse, Zugriffspräsentation

ca. -285 – Bibliothek von Alexandria

Bedeutendste antike Bibliothek und Urbild einer Universalbibliothek. Angelegt wird sie gegen Anfang des dritten Jahrhunderts vor Christus im Palastbezirk der Stadt, als deren Weltwunder ca. zeitgleich der höchste Leuchtturm der Antike errichtet wird. In ihrer Blütephase verfügt sie über den wohl umfangreichsten vor der Neuzeit je zusammengetragenen Bestand an Schriften und Schriftrollen, auch wenn dessen Größe, da bis heute keine Überreste der Bibliothek identifiziert werden konnten, nicht genau zu ermessen ist. Dass sie aber existiert haben muss, geht aus vielen antiken Zeugnissen hervor. Antike und mittelalterliche Autoren sprechen von 400.000 bis 700.000 Schriftrollen, die US-amerikanischen Althistoriker und Papyrologen Roger S. Bagnall und Rudolf Blum gehen von um die 50.000 aus. Institutionell ist die Bibliothek eng mit dem Museion, dem Wissenschaftszentrum von Alexandria, verknüpft und dient vor allem Forschungszwecken, aber auch zur Machtdemonstration der Ptolemäer, welche sie im Zuge des Ausbaus von Alexandria zum neuen Zentrum der griechischen Wissenschaft maßgeblich mitfinanzieren. Mit obsessiver, teils bis zu Raub und Täuschung reichender Wucht manifestiert sich hier über Generationen hinweg das Begehren, das Gesamtschrifttum der Welt einschließlich aller Sprachen, Disziplinen, Gattungen und Epochen sowie in allen verschiedenen Fassungen und Versionen zu vereinen und zu verwalten. In gemäßigter Form trägt es seither alle Großbibliotheks-Unternehmungen, paradigmatisch etwa die Library of Congress, und kulminiert von 2004 bis 2019 online-digital erneut in Google Books. Die in Alexandria unter Schirmherrschaft der UNESCO neu errichtete und 2002 eröffnete Bibliotheca Alexandrina bietet acht Millionen Buchstellplätze und spiegelt zudem das Internet Archive. – Caroline Klein | Johannes Ullmaier

Literatur / Quellen:

  • Casson, Lionel: Bibliotheken der Antike [2001], Düsseldorf/Zürich: Artemis & Winkler 2002, S. 49–71

Weblinks:

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🖙 Wikipedia Leuchtturm

Schlagwörter: Bauwerk, Bild, Buch, Didaktik, faktual, geordnet, Gesamtarchiv, Gesamtkompendium, Idealpanoramatik, Karte, Konzept/Idee, Medialpanoramatik, Medientechnik, offen, Organisation, schematisch, Speicher, symbolisch, Technik, Text, Unterhaltung, Wissenschaft, Zugriffspräsentation

ca. -425 – Herodot, Historien


Erster überlieferter Versuch, die ganze bis dato bekannte Geschichte aller bis dato bekannten Völker zu vermitteln. Der „Vater der Geschichtsschreibung“ (Cicero) ist damit zugleich der erste Global- und Universalgeschichtsschreiber. – Johannes Ullmaier

Literatur / Quellen:

  • Herodot: Historien, Zürich: Artemis Winkler 1994

Weblinks:

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Schlagwörter: Buch, Denkmal, Didaktik, faktual, geordnet, Gesamtkompendium, Idealpanoramatik, Laufpräsentation, Medialpanoramatik, Organisation, symbolisch, Text, textuell, Universalchronik, Unterhaltung, Wissenschaft