1570 – Abraham Ortelius, Theatrum Orbis Terrarum


Ob die ganze Welt eine Bühne sei, wie es in Shakespeares As You Like It klassisch heißt, lässt sich bestreiten – jedenfalls aber kannte Shakespeare wohl die sehr ähnliche Metapher vom ‚Theater des Erdkreises‘ (Gillies, Shakespeare and the Geography of Difference, S. 70–98), die sich allerdings nicht auf eine Aufführung in einem gebauten Raum, sondern auf die erstmalige Verschaltung zweier Totalisierungsmedien bezieht, nämlich auf das Zusammenbinden einer geordneten Menge von geographischen Karten verschiedenen Maßstabs in einem Buch. Ein Vierteljahrhundert später wird dieses Supermedium von niemand Geringerem als Gerardus Mercator nach dem Superhelden Atlas benannt – ein Ausdruck, der sich seither hält und manchmal auch in irreführender Weise retrospektiv verwendet wird (etwa für den ➚ Katalanischen Atlas von Cresques (1375), der jedoch kein Atlas in diesem Sinne, sondern eine aus mehreren Blättern zusammengesetzte Karte ist). Wie Mercators Atlas, wenngleich ohne den dort erhobenen Anspruch auf eine systematische Darstellung der Kosmographie als ganzer, enthält auch Ortelius’ Theatrum Orbis Terrarum begleitende Texte – was Übersetzungen in andere Sprachen notwendig machte, die denn auch in der Folgezeit erscheinen (schon 1572 beispielsweise gleich deren zwei ins Deutsche, davon eine als Raubdruck). So wird das neue Supermedium schon bald ein (zumindest zentral-)europäischer Erfolg. – Robert Stockhammer

Literatur / Quellen:

  • Berghaus, Heinrich: Physikalischer Atlas: oder Sammlung von Karten, auf denen die hauptsächlichsten Erscheinungen der anorganischen und organischen Natur nach ihrer geographischen Verbreitung und Vertheilung bildlich dargestellt sind [1845–48, Gotha: Justus Perthes. Reprint als Beigabe zu: Humboldt, Alexander von: Kosmos], Frankfurt am Main: Eichborn 2004
  • Gillies, John: Shakespeare and the Geography of Difference, Cambridge: Cambridge University Press 1994
  • Ortelius, Abraham: Theatrum Orbis Terrarum [1570], Darmstadt: WBG 2006
Schlagwörter: Bild, bildvisuell, Buch, Denkmal, Didaktik, Draufblick, faktual, Gesamtkompendium, Gesamtprojektion, Karte, Medialpanoramatik, Organisation, schematisch, Technik, Text, textuell, Weltatlas, Weltkarte, Wissenschaft, Zugleichspräsentation, Zugriffspräsentation

1568 – Hans Sachs und Jost Amman, Eygentliche Beschreibung aller Stände auff Erden

In der 1567 verfassten „Vorrede“ wird der im Buchtitel angezeigte Anspruch auf eine Gesamtpräsentation der menschlichen Ständeordnung deutlich, soll diese doch „vom grösten biß zum kleinesten / von anfang der Welt her biß auff dise jetzige zeit / so in Menschlichem leben nötig vnd gebreuchlich seind / sampt derselbigen vrsprung / erfindungen / vnd weiter gelegenheit“ dargeboten werden. Ziel der umfassenden Kategorisierung und Charakterisierung sämtlicher Erdbewohner ist die didaktische Vermittlung und im selben Zuge Legitimierung der nach damaliger Auffassung gottgewollten und daher für eine funktionierende Gesellschaft alternativlosen Ordnung. Es folgen 114 emblemartig aufgebaute Kapitel, die – formal analog zum populären Muster von Sebastian Brandts Narrenschiff – nach der jeweils behandelten Ständeposition betitelt sind (inscriptio) und aus einem typologisierenden Holzschnitt (pictura) sowie einem kurzen Erläuterungstext (subscriptio) bestehen. In den Abschnitten „Der Jüd“ und „Der Geltnarr“ wird das auch in der Frühen Neuzeit verbreitete Stereotyp des jüdischen Wucherers reproduziert. Auf den erst nach geistlicher und dann nach weltlicher Rangordnung jeweils abwärts verlaufenden Gang durch das Spektrum der Stände (mit starkem Akzent auf die frühbürgerlichen Zunftberufsstände) folgt als „Beschluß“: „Also sind hie gezeiget an Vierzehen vnd hundert Person/In Emptern/Künstn vnd Handarbeit“. – Rebecca Rasp

Literatur / Quellen:

  • Sachs, Hans: Eygentliche Beschreibung Aller Stände auff Erden [1568], Leipzig: Edition Leipzig 2006

Weblinks:

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Schlagwörter: Bild, bildvisuell, Buch, Didaktik, Enzyklopädie, faktual, geordnet, Gesamtkompendium, Laufpräsentation, Medialpanoramatik, Organisation, schematisch, symbolisch, Technik, Text, textuell, Unterhaltung

1544 – Sebastian Münster, Cosmographia, Oder: Beschreibung der gantzen Weltt


Das zweibändige Gesamtkompendium (oft auch Cosmographia universalis genannt) verspricht in Volkssprache „eine Beschreibung der gantzen Welt“. Der Autor weiß: „Die gantze Welt zu beschreiben / wie mein Fürnehmen ist in diesem Buch / […] erfordert ein weitschweiffig und wohlbericht Gemüth / daß viel gelesen / viel gesehen / viel gehört und viel erfahren habe. Welches dannoch alles nicht genug wil seyn/wo nicht ein recht Urtheil darbey ist / dardurch man möge underscheiden / das wahr von dem falschen / unnd das gewiß von dem ungewissen.“ (Münster, Cosmographia, S. 1628; Widmungsvorrede, a2). Im Gegensatz zur ➚ Schedelschen Weltchronik geograpisch und thematisch gegliedert, fasst Münsters gedruckte Welt-Präsentation den zeitgenössischen Wissensstand der Historiografie, Geografie, Länderkunde, Botanik, Zoologie und anderer Fachgebiete zusammen und macht ihn über ein 14-seitiges (wie bei Schedel vorangestelltes) Register erschließbar. Zudem enthält sie 22 doppelseitige selbstgezeichnete Landkarten, darunter auch eine Weltkarte. – Sarah Karsten | Johannes Ullmaier

Literatur / Quellen:

  • Münster, Sebastian: Cosmographia. Das ist: Beschreibung der ganzen Welt/Darinnen Aller Monarchen keyserthumben/Königreichen/Fürstenthumben/Graff- und Herrschafften/Länderen/Staetten und Gemeinden; wie auch aller geistlichen stifften/Bisthumben/Abteyen/Kloestern/Ursprung/Regiment/Reichthumb/Gewalt und Macht/Verenderung/Auff- und Abnehmen/zu Fried- und Kriegszeiten/sampt aller obrigen Beschaffenheit [Reprint-Basis: Ausgabe: Basel 1628], Lahnstein: Rhenania 2010

Weblinks:

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Schlagwörter: Bild, bildvisuell, Buch, Diagramm, Didaktik, Enzyklopädie, faktual, Gesamtkompendium, Karte, Laufpräsentation, Medialpanoramatik, mimetisch, Mythos/Religion, Organisation, schematisch, symbolisch, Tabelle, Technik, Text, textuell, unbegrenzte Allheit, Universalchronik, Unterhaltung, Wissenschaft, Zugriffspräsentation

1493 – Schedelsche Weltchronik


Illustrierte Weltchronik vom deutschen Historiker Hartmann Schedel, zeitgleich sowohl auf Deutsch wie auf Latein, d. h. ‚für alle‘, sprich: Gelehrte wie Laien, Einheimische wie Internationale, veröffentlicht. Gemäß der christlichen Geschichtsauffassung gliedert sich das Buch nach den sieben Weltaltern: von der Erschaffung der Welt bis zum Jahr 1493 und darüber hinaus bis zum künftigen Weltende, wobei neben biblischen und antiken Überlieferungen zunehmend auch neuere realgeschichtliche Personen, Orte und Ereignisse integriert werden. In der zeitgenössischen ‚Verlagswerbung‘ heißt es in phänotypischer panoramatischer Verheißung: „Wenn Du es liest, wird es dich, wie ich dir versprechen darf, derart fesseln, daß du die Abfolge aller Zeiten nicht zu lesen, sondern leibhaftig zu schauen glaubst […], und alles wird vor Deinen Augen zu leben scheinen“ (Schedel, Weltchronik, S. 9). Die Holzschnitt-Illustrationen stammen u. a. von Michael Wolgemut, Wilhelm Pleydenwurff und Albrecht Dürer. Die Chronik enthält Stadtansichten, eine Europakarte sowie eine Weltkarte. Da der Kontinent Amerika erst nach Amerigo Vespuccis Bericht seiner Südamerika-Expedition 1501/1502 bekannt wurde, ist dieser in der Weltkarte noch nicht verzeichnet, worin sich die konstitutive Ungleichzeitigkeit von ideal disponierter Gesamtweltchronik und realem Gesamtweltbild bekundet. – Sarah Karsten | Johannes Ullmaier

Literatur / Quellen:

  • Schedel, Hartmann: Weltchronik. Kolorierte Gesamtausgabe von 1493, Köln: Taschen 2001

Weblinks:

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Schlagwörter: Ästhetik, Bild, bildvisuell, Buch, Denkmal, Diagramm, Didaktik, faktual, geordnet, Gesamtkompendium, Gesamtprojektion, geschlossen, Karte, Laufpräsentation, Medialpanoramatik, mimetisch, Organisation, panoramatische Diskursform, schematisch, symbolisch, Text, textuell, Universalchronik, Unterhaltung, Weltkarte, Wissenschaft Mythos/Religion, Zugleichspräsentation, Zugriffspräsentation

ca. 1480 – Ulrich Füetrer, Buch der Abenteuer

Ulrich Füetrers sogenanntes Buch der Abenteuer, ein Auftragswerk im Dienst Herzog Albrechts IV. von Bayern, ist ein monumentales Ensemble von Bearbeitungen prominenter, z.T. aber auch nur peripher gewichtiger Dichtungen aus dem Gattungsbereich der Artus- und Gralsepik, dazu der Trojaerzählung Konrads von Würzburg als historischer Basierung. In 11655 Strophen zu je 7 Versen, also insgesamt 81585 Versen, wird das Sujet von den trojanischen Wurzeln über die Geschichte Parzivals und des Grals nach Wolfram von Eschenbach sowie dem Jüngeren Titurel erzählt; dazu kommen eine Erzählung über den Zauberer Merlin nach Albrecht von Scharfenberg, eine über Gawan, den traditionell prominentesten Artusritter, nach der Crone Heinrichs von dem Türlin und eine Lohengrin-Erzählung. Es folgen die Abenteuer von sieben einzelnen Rittern nach der Vorgabe von Artuserzählungen verschiedener, zum Teil unbekannter Autoren; am prominentesten ist die Geschichte Ibans nach dem Iwein Hartmanns von Aue. Die Schlusssequenz, die an Umfang den aller anderen Teilerzählungen zusammen übertrifft, bearbeitet den Prosa-Lancelot, ein bedeutendes Werk der nachklassischen Periode. Leitlinie ist die Lebensgeschichte Lannzilets, seine Kindheit, sein Erscheinen am Artushof, seine im Unterschied zur ehebrecherischen Beziehung im Posa-Lancelot dem Konzept des amor purus gemäß dem Liebestraktat des Andreas Capellanus bzw. der deutschen Übertragung durch Johannes Hartlieb verpflichtete Liebesbeziehung zur Königin Ginover, seine diversen Abenteuer. Die Handlung mündet in den eben wegen der fälschlich als Ehebruch inkriminierten Liebe ausbrechenden Krieg mit Artus, aus dem die Vernichtung des Artusreichs, der Tod des Königs und die Weltentsagung des Helden resultieren. In diese Erzählfolge ist, dem Prosa-Lancelot entsprechend, die Geschichte Galaads eingebettet, Lannzilets Sohn aus einer durch Täuschung herbeigeführten Vereinigung mit der Tochter des Gralskönigs. Mit Galaad wird ein neuer Gralsheld etabliert, mit dessen Tod der Gral selbst aus der Welt genommen wird.

Dieses chronikalische Gesamtkonzept eröffnet ein in der mittelalterlichen Epik beispiellos weit ausgreifendes Spektrum des Artus- und Gralsujets. Füetrer bemüht sich dabei, Widersprüche zwischen den einzelnen Teilen so weit wie möglich zu vermeiden. So eliminiert er das erfolgreiche Gralsabenteuer Gawans aus der Crone, welches dem Gralsheldentum Parzivals abträglich ist. Gleichwohl lassen sich Kohärenzbrüche zwischen den einzelnen Teilen nicht vermeiden. Insbesondere betrifft dies den Austausch des Gralshelden in der Lannzilet-Partie; nicht mehr Parzival, sondern seinem Sohn Galaad ist die finale Erfüllung des Abenteuers vorbehalten.

Füetrer fasst seine Intention, eine epische Totale zu schaffen, in die Metapher eines Baumes, bestehend aus Wurzel, Stamm, Ästen, Laub und Früchten. Formales Äquivalent dieser integrativen Intention ist das Strophenschema des Jüngeren Titurel als Bearbeitungsgrundlage aller Einzelerzählungen. Darüber hinaus haben die nach gleichem Grundmuster gestalteten Prologe zu den Teilwerken nicht nur gliedernde, sondern auch verklammernde Funktion, ebenso wie die Diskurse mit der Personifikation Frau Minne, in die sich der Erzähler an markanten Stellen verstrickt.

– Rudolf Voß

Literatur / Quellen:

  • Voß, Rudolf: „Werkkontinuum und Diskontinuität des Einzelwerks – zum Ensemble von Ulrich Füetrers Buch der Abenteuer“. In: Cyclification. The Development of Narrative Cycles in the Chansons de Geste and the Arthurian Romances, hg. von Bart Besamusca, Willem P. Gerritsen, Corry Hogetoorn, u. a., Amsterdam: Koninklijke Nederlandse Akademie van Wetenschappen 1994, S. 221–227.
  • Bastert, Bernd: „Zu Autor und Werk“. In: Ulrich Füetrer. Das Buch der Abenteuer, Teil 2, hg. von Heinz Thoelen, Göppingen: Kümmerle 1997, S. 533–599.
Schlagwörter: Ästhetik, Buch, Didaktik, fiktional, geordnet, Gesamtkompendium, geschlossen, Laufpräsentation, Medialpanoramatik, Mythos/Religion, offen, Rahmenexpansion, schematisch, Speicher, symbolisch, Text, textuell, Überbreite, Universalchronik, Unterhaltung, Zeitensynopse

1375 – Katalanischer Weltatlas von Abraham und Jehuda Cresques


Noch kein Atlas im späteren Sinn, ist die Kartenfolge dennoch markant aufgrund der frühen Einfügung eines Portolans in eine runde mittelalterliche mappa mundi, wodurch sie zur Seefahrt – und damit für praktische Erderschließungszwecke – tauglich wird. – Johannes Ullmaier

Literatur / Quellen:

  • Map. Karten. Die Welt Entdecken, Hamburg: Edel Books 2015, S. 14–15

Weblinks:

🖙 Wikipedia

Schlagwörter: (Aus-)Faltung, Bild, bildvisuell, Buch, Didaktik, Draufblick, faktual, Gesamtkompendium, Gesamtprojektion, Karte, Medialpanoramatik, mimetisch, Organisation, Rahmenexpansion, Technik, Text, textuell, Überbreite, Weltatlas, Weltkarte, ymbolisch, Zugleichspräsentation, Zugriffspräsentation

1307–1320 – Dante, La divina commedia


Das von formaler Strenge in Zahl und Maß geprägte epische Großgedicht des italienischen Dichters Dante Alighieri (1265–1321) umfasst 14.000 Verse. Vom Ende her wird dort die Geschichte des nach einer Verirrung im Wald die drei Jenseitsreiche durchschreitenden Wanderers Dante erzählt. Dieser beginnt am Karfreitag des Jahres 1300 mitten in einer Schaffenskrise einen Großparcours, der ihn bis zum tiefsten Punkt der Hölle und dann wieder hinauf bis ins Paradies führt, wo ihn Gott und seine unerreichte Liebe Beatrice empfangen. In einer laufpanoramatischen Bewegung von unten nach oben erkundet das erinnerte Ich zusammen mit dem Dichter Vergil als zeitweiligem Lotsen zunächst die Vor- und die eigentliche Hölle (inferno), die neun Kreise enthält und einem Trichter ähnelt. Danach wird der aus acht Terrassen bestehende Läuterungsberg bzw. das Fegefeuer (purgatorio) beschritten. Dieser Pfad führt – zunehmend lichtvoll – immer näher zum Himmelreich (paradiso), das Dante schließlich erreicht. Es besteht aus neun Himmelssphären und wird vom empyreum gekrönt, in dem sich die Schar der geretteten Seelen tummelt. Mit Dantes Bitte um die Gnade, die Trinität sehen zu dürfen, und der darauffolgenden Gottesschau finden sowohl das Gedicht als auch die Schaffenskrise des geläuterten Dichters ihr Ende. Nicht nur aufgrund der formalen Struktur und Handlungsanlage als Lauf durch alle Transzendenzregionen, sondern auch inhaltlich zeigt die divina commedia einen panoramatischen Zug, insofern in ihr zahlreiche bekannte Figuren unterschiedlicher Seinsmodi und Epochen auftreten und alle wesentlichen Glaubenssätze und Debatten der Zeit umfassend diskutiert werden. – Nina Cullmann

Literatur / Quellen:

  • Dante Alighieri: La Commedia secondo l’antica vulgata, Florenz: Le Lettere 1994
  • La Salvia, Andrian: „Dante Alighieri“. In: Metzler Lexikon Weltliteratur, hg. von Axel Ruckaberle, Stuttgart: J. B. Metzler 2006, S. 351–354, S. 351–354

Weblinks:

🖙 Kindlers Literatur Lexikon
🖙 Wikipedia

Schlagwörter: Ästhetik, Buch, Didaktik, Ekphrasis, fiktional, geordnet, Gesamtkompendium, Gesamtprojektion, Idealpanoramatik, Laufpräsentation, Medialpanoramatik, Mythos/Religion, panoramatische Erzählung, symbolisch, Text, textuell, Unterhaltung

ca. 1250 – Rudolf von Ems, Weltchronik


Erster, unvollendet gebliebener Versuch einer deutschsprachigen Gesamtgeschichtschronik. Grundlage ist die biblische Weltzeitalterlehre. – Johannes Ullmaier

Literatur / Quellen:

  • Rudolf von Ems: Weltchronik, 2. Aufl., Dublin: Weidmann 1967
  • Gamper, Rudolf/Fuchs, Robert/Oltrogge, Doris u. a.: Die Weltchronik des Rudolf von Ems – und ihre Miniaturen, Oppenheim am Rhein: Nünnerich-Asmus Verlag & Media 2022

Weblinks:

🖙 Digitalisat im bavarikon

Schlagwörter: Buch, Denkmal, Didaktik, faktual, geordnet, Gesamtkompendium, Gesamtprojektion, Laufpräsentation, Medialpanoramatik, Mythos/Religion, schematisch, symbolisch, Text, textuell, Universalchronik

ca. 1150 – Muhammad al-Idrisi, Buch des Roger


Das im Auftrag des Normannenkönigs Roger II. auf Sizilien angefertigte Kompendium (Das Vergnügen dessen, der sich nach Durchquerung der Länder sehnt) enthält 70 Teilkarten sowie Erläuterungen, die das gesamte damals zugängliche geografische Wissen synthetisieren sollen. Die darauf beruhende, auf eine Silberscheibe gravierte Weltkarte (ca. 3,5 × 1,5 m) ist nicht erhalten. – Bernd Klöckener

Literatur / Quellen:

  • Oswalt, Vadim: Weltkarten – Weltbilder. Zehn Schlüsseldokumente der Globalgeschichte, Stuttgart: Reclam 2015, S. 73–86
Schlagwörter: Bild, bildvisuell, Buch, Denkmal, Didaktik, Draufblick, faktual, Gesamtkompendium, Gesamtprojektion, Karte, Leporello, Medialpanoramatik, Mythos/Religion, schematisch, symbolisch, Text, textuell, Unterhaltung, Weltatlas, Weltkarte, Wissenschaft, Zugleichspräsentation, Zugriffspräsentation

ca. 630 – Isidor von Sevilla, Etymologiae sive Origines


In der Abtei von Sevilla, im westgotischen Reich rund um Toledo, stellt Isidor das gesamte verfügbare Wissen seiner Zeit in dem „Grundbuch des ganzen Mittelalters“ zusammen, das „nicht nur den Wissensbestand für acht Jahrhunderte gültig festgelegt, sondern auch deren Denkform geprägt“ hat (Curtius, Europäische Literatur und Lateinisches Mittelalter, S. 487). Die zwanzig Bücher des Kompendiums umfassen neben den sieben artes liberales auch die verschiedensten ‚unfreien‘ Wissenschaften und Handwerke, die mit der Verfertigung von Gebrauchsgegenständen und vielen anderen alltagsrelevanten Dingen befasst sind: Medizin, Theologie, Baukunst, Landwirtschaft usw. Die Enzyklopädie trägt den, wenngleich nicht auktorial verbürgten, Titel Etymologiae zurecht, weil das etymologische Verfahren das gesamte Wissen organisiert. Leitende Prämisse: Kann man den Ursprung der Wörter erklären, so versteht man auch den der mit ihnen bezeichneten Sachen. Der Überblick über das Ganze der Sprache ist damit eo ipso auch einer über das Ganze der Welt. – Robert Stockhammer

Literatur / Quellen:

  • Curtius, Ernst Robert: Europäische Literatur und Lateinisches Mittelalter, 11. Aufl., Tübingen/Basel: Francke 1993
  • Isidor von Sevilla: Etymologiae sive Origines. Die Enzyklopädie des Isidor von Sevilla, Wiesbaden: Marix 2008
Schlagwörter: Ästhetik, Buch, Didaktik, Enzyklopädie, faktual, Gesamtkompendium, Medialpanoramatik, Mythos/Religion, Organisation, schematisch, symbolisch, Technik, Text, textuell, Zugriffspräsentation