ca. -600 – Augenübersäter Thronwagen Gottes, Altes Testament

Im Buch Ezechiel (1,15–18) wird der Thronwagen Gottes beschrieben. Er hat vier Räder, die überall Augen haben: „Ich schaute auf die lebenden Wesen und siehe: Neben den lebenden Wesen mit ihren vier Gesichtern war je ein Rad auf dem Boden. 16 Die Räder sahen aus, als seien sie aus Chrysolith gemacht. Alle vier Räder hatten die gleiche Gestalt. Sie waren so gemacht, dass es aussah, als laufe ein Rad mitten im andern. 17 Sie konnten nach allen vier Seiten laufen und brauchten sich nicht umzuwenden, wenn sie gingen. 18 Und ihre Felgen waren hoch und Furcht erregend; ihre Felgen waren voller Augen, ringsum bei allen vier Rädern.“ – Lara Schüler

Literatur / Quellen:

  • Katholische Bibelanstalt (Hg.): Die Bibel. Einheitsübersetzung der Heiligen Schrift, Freiburg im Breisgau: Herder 2016: Ez 1,15–18
Schlagwörter: Allwahrnehmung, Ästhetik, Draufblick, Fernblick, fiktional, Idealpanoramatik, Inhaltspanoramatik, Konzept/Idee, Medialpanoramatik, Mythos/Religion, Skulptur, symbolisch, Text, textuell

ca. -650 – Babylonische Weltkarte


Die auf einer Tontafel überlieferte Karte zeigt erstmals das Bild der Welt in einer Art Draufsicht. Trotz ihrer geringen Abmessung (12,2 × 8,2 cm) enthält sie bereits „alle Aspekte der Darstellung, die auch für spätere Weltkarten charakteristisch sind: die Ordnung der Welt in einem planimetrischen Muster aus Kreisen, Rechtecken und Linien, die Beschreibung des Unbekannten an ihren Rändern als mystisch und bedrohlich und die Verbindung des Weltbildes mit einer Kosmogonie, der Entstehung und Schaffung der Erde“. (Oswalt, Weltkarten – Weltbilder, S. 33) – Bernd Klöckener

Literatur / Quellen:

  • Oswalt, Vadim: Weltkarten – Weltbilder. Zehn Schlüsseldokumente der Globalgeschichte, Stuttgart: Reclam 2015, S. 33–43

Weblinks:

🖙 Wikipedia

Schlagwörter: Bild, bildvisuell, Didaktik, Draufblick, faktual, Gesamtprojektion, Karte, Medialpanoramatik, Mythos/Religion, schematisch, Weltkarte, Wissenschaft, Zugleichspräsentation

ca. -650 – Homer, Ilias, Beschreibung des Achill-Schilds

Das Urmuster abendländischer Ekphrasis, die homerische Schilderung des Achill-Schilds im 18. Gesang (V 478–607) der Ilias, offeriert in ihrer mehrschichtigen Anlage als Beschreibung des Vorgangs der Herstellung einer fiktiven Wimmelbild-Metallplastik durch einen handwerkenden Gott nicht nur ein wirkungsreiches Spektrum an sprachlichen Beschreibungs-, Visualisierungs- und Belebungsstrategien, sondern zeigt auch ein markant panoramatisches Gepräge: Gleich zu Beginn schafft Hephaistos in einem weltenschöpferischen Akt auf der Schildfläche „die Erd und das wogende Meer und den Himmel,/ Auch den vollen Mond und die rastlos laufende Sonne;/ Drauf auch alle Gestirne, die rings den Himmel umleuchten.“ (V 483–485, Homer, Ilias, S. 278–279). Gerahmt von diesem kosmisch-tellurischen Setting kennt das Worldbuilding des Schmiede-Gottes fortan keine Grenzen: Er kann zwei Städte, beliebig viele Personen, immer neue Schauplätze, Tänze, Kämpfe, Gesang, Gebrüll, ja ganze Geschichten darstellen. Auf seinem Schild ist Platz für alles. – Johannes Ullmaier

Literatur / Quellen:

  • Boehm, Gottfried/Pfotenhauer, Helmut (Hgg.): Beschreibungskunst, Kunstbeschreibung: Ekphrasis von der Antike bis zur Gegenwart, München: Fink 1995
  • Homer: Ilias, München: Goldmann 1980
Schlagwörter: Animation, Ästhetik, Bild, bildvisuell, Ekphrasis, Event/Performance, fiktional, Großtableau, Inhaltspanoramatik, Konzept/Idee, Laufpräsentation, Medialpanoramatik, Mythos/Religion, Panorama-Diskurs, Panoramabild, panoramatische Erzählung, Rundbild, Skulptur, symbolisch, Technik, Text, textuell, Unterhaltung, Wimmelbild, Zeitensynopse, Zugleichspräsentation

ca. -1345 – Allsehender Sonnengott Re in Echnatons Großem Sonnenhymnus

In seinem Lobpreis entwirft Echnaton – anknüpfend an bis zum Jahr 2700 v. Chr. zurückreichende Konzeptionen des Sonnengottes Ra/Re, dessen rechtes Auge symbolisch und ikonisch früh mit der Sonne assoziiert wird – eine Vorstellung von göttlicher Allschau: „Du hast den fernen Himmel geschaffen, um an ihm aufzugehen, um all dein Geschaffenes zu sehen.“ (Echnaton, Sonnenhymnen, S. 19). Diese Schöpfung durch und für das Auge korrespondiert offenbar auch mit der Erschaffung des kreatürlichen Sehens: „Du hast dich in Bewegung gesetzt/für die Existenz (?) eines jeden Auges. […] Die Augen existieren wegen (deiner) Schönheit.“ (Echnaton, Sonnenhymnen, S. 21). – Johannes Ullmaier

Literatur / Quellen:

  • Echnaton: Sonnenhymnen. Ägyptisch/Deutsch, Stuttgart: Reclam 2007

Weblinks:

🖙 Wikipedia Echnaton
🖙 Wikipedia

Schlagwörter: Allwahrnehmung, Draufblick, Fernblick, Idealpanoramatik, Inhaltspanoramatik, Konzept/Idee, Laufpräsentation, Mythos/Religion, symbolisch, Text, textuell, unbegrenzte Allheit, Zugleichspräsentation, Zugriffspräsentation

ca. -3900 – Himmelsscheibe von Nebra


Älteste bekannte Abbildung des Himmels. – Johannes Ullmaier

Literatur / Quellen:

  • Berger, Klaus/Beinert, Wolfgang/Wetzel, Christoph u. a.: Bilder des Himmels. Die Geschichte des Jenseits von der Bibel bis zur Gegenwart, Freiburg i. B.: Herder 2006, S. 55

Weblinks:

🖙 Wikipedia

Schlagwörter: Ästhetik, Bild, bildvisuell, Denkmal, Didaktik, Draufblick, faktual, Gesamtprojektion, Inhaltspanoramatik, Karte, Medialpanoramatik, mimetisch, Mythos/Religion, schematisch, Weltkarte, Wissenschaft, Zugleichspräsentation

ca. -4900 – Erste „Sternwarte“


Die 1991 entdeckte Kreisgrabenanlage von Goseck in Sachsen-Anhalt gilt als frühester archäologisch belegter Ort systematischer Himmelsbeobachtung. Sie besteht aus einem kreisförmigen Graben mit einem Durchmesser von ca. 70 m und ist von einem Wall umgeben. Im Inneren des Grabens befinden sich vier Tore, die in alle vier Himmelsrichtungen ausgerichtet sind. 2005 wurde das Bauwerk rekonstruiert und als Besichtigungsort eröffnet. – Maureen Seyfarth | Johannes Ullmaier

Weblinks:

🖙 Wikipedia
🖙 Sonnenobervatorium Goseck

Schlagwörter: Bauwerk, bildvisuell, Denkmal, faktual, Fernblick, Gesamtprojektion, geschlossen, Medientechnik, Mythos/Religion, Naturpanorama, Realpanoramatik, Rundband, Rundbau, Technik, Zentralblickpunkt, Zugleichspräsentation