ca. -375 – Platon, Höhlengleichnis


Zu Beginn des siebten Buchs von Platons Politeía verheißt Sokrates in einprägsamer Gleichnisform den befreienden philosophischen Erkenntnisweg aus der Schattenwelt bloß scheinhafter Gewissheiten ins helle Sonnenlicht unmittelbar erschauter Wahrheit. Ziel ist der Ausgang aus der sinnlich wahrnehmbaren, mit einer unterirdischen Höhle verglichenen Welt der vergänglichen Dinge in die (über)irdische Höhe der unwandelbaren platonischen Ideen. Der individuell zu begehende, aber fortwährend sozial rückgebundene Pfad dorthin umfasst in Platons exemplarischer Beschreibung mehrere Stationen anfänglicher Überforderung und anschließender Sehstärkung durch die im Aufstieg zunehmende Lichtfülle. Am Ende steht die Schau auf das hell erstrahlende Universum der – qua Gleichnislogik mit höchster sinnlicher Eindrücklichkeit und Wirkmächtigkeit bedachten – geistigen Entitäten. In profanerer Ausprägung erscheint das Verlaufsschema des Höhlengleichnisses in vielen, zumal massenkulturellen Medientechniken als einfache Abfolge von verdunkelter Empfangs-, Eingangs- bzw. Aufstiegsphase unter temporärer sensueller Deprivation hin zur momenthaft-lichtvollen Überwältigung beim Betreten bzw. Beginn der jeweils präsentierten Attraktion. Nur dass hier fast nie die Wirklichkeit, sondern gerade deren Illusion enthüllt wird. – Kira Gass | Johannes Ullmaier

Literatur / Quellen:

  • Platon: Politeia. Werke in 8 Bänden, Bd. 4, Darmstadt: WBG 1990, S. 554–569

Weblinks:

🖙 Wikipedia
🖙 Wikipedia

Schlagwörter: Allwahrnehmung, bildvisuell, Didaktik, Gesamtprojektion, Idealpanoramatik, Inhaltspanoramatik, Konzept/Idee, Mythos/Religion, Rahmenexpansion, symbolisch, Text, textuell, unbegrenzte Allheit, Wissenschaft, Zugleichspräsentation

ca. -425 – Herodot, Historien


Erster überlieferter Versuch, die ganze bis dato bekannte Geschichte aller bis dato bekannten Völker zu vermitteln. Der „Vater der Geschichtsschreibung“ (Cicero) ist damit zugleich der erste Global- und Universalgeschichtsschreiber. – Johannes Ullmaier

Literatur / Quellen:

  • Herodot: Historien, Zürich: Artemis Winkler 1994

Weblinks:

🖙 Wikipedia

Schlagwörter: begrenzte Allheit, Buch, Denkmal, Didaktik, faktual, geordnet, Gesamtkompendium, Idealpanoramatik, Laufpräsentation, Medialpanoramatik, Organisation, symbolisch, Text, textuell, Universalchronik, Unterhaltung, Wissenschaft

ca. -650 – Babylonische Weltkarte


Die auf einer Tontafel überlieferte Karte zeigt erstmals das Bild der Welt in einer Art Draufsicht. Trotz ihrer geringen Abmessung (12,2 × 8,2 cm) enthält sie bereits „alle Aspekte der Darstellung, die auch für spätere Weltkarten charakteristisch sind: die Ordnung der Welt in einem planimetrischen Muster aus Kreisen, Rechtecken und Linien, die Beschreibung des Unbekannten an ihren Rändern als mystisch und bedrohlich und die Verbindung des Weltbildes mit einer Kosmogonie, der Entstehung und Schaffung der Erde“. (Oswalt, Weltkarten – Weltbilder, S. 33) – Bernd Klöckener

Literatur / Quellen:

  • Oswalt, Vadim: Weltkarten – Weltbilder. Zehn Schlüsseldokumente der Globalgeschichte, Stuttgart: Reclam 2015, S. 33–43

Weblinks:

🖙 Wikipedia

Schlagwörter: begrenzte Allheit, Bild, bildvisuell, Didaktik, Draufblick, faktual, Gesamtprojektion, Karte, Medialpanoramatik, Mythos/Religion, schematisch, Weltkarte, Wissenschaft, Zugleichspräsentation

ca. -3900 – Himmelsscheibe von Nebra


Älteste bekannte Abbildung des Himmels. – Johannes Ullmaier

Literatur / Quellen:

  • Berger, Klaus/Beinert, Wolfgang/Wetzel, Christoph u. a.: Bilder des Himmels. Die Geschichte des Jenseits von der Bibel bis zur Gegenwart, Freiburg i. B.: Herder 2006, S. 55

Weblinks:

🖙 Wikipedia

Schlagwörter: Ästhetik, begrenzte Allheit, Bild, bildvisuell, Denkmal, Didaktik, Draufblick, faktual, Gesamtprojektion, Inhaltspanoramatik, Karte, Medialpanoramatik, mimetisch, Mythos/Religion, schematisch, Weltkarte, Wissenschaft, Zugleichspräsentation