Obwohl Bücher seit Jahrhunderten zirkulieren, entsteht erst in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts im Zuge der zunehmenden internationalen Buchmarktvernetzung der Bedarf nach einer international einheitlichen Kennzeichnung von Publikationen. Mit der Einführung der International Standard Book Number (ISBN) im Jahr 1968 in Großbritannien und ihrer weltweiten Etablierung Anfang der 1970er Jahre wird ein System geschaffen, das den globalen Buchmarkt nachhaltig strukturiert.
Bereits 1966 hat das größte britische Buchhandelshaus WHSmith erstmals eine Standardbuchnummer (SBN) eingeführt. Die Internationale Organisation für Normung greift diese Vorschläge auf und erweitert die neunstellige SBN um eine weitere Stelle zur Internationalen SBN (ISBN). Heute wird die ISBN weltweit in mehr als 150 Ländern verwendet. Dabei dient sie nicht nur als einfache Identifikationsnummer, sondern als zentraler organisatorischer Baustein des modernen Publikations- und Vertriebssystems, der es ermöglicht, ein bestimmtes Buch in seiner exakten Ausgabe weltweit zweifelsfrei aufzufinden, zu bestellen und zu verwalten. In Deutschland wirkt insbesondere der Buchhändler Hans Jürgen Ehlers an der Einführung des ISBN-Standards mit.
Erkennbar wird die Funktionsweise der ISBN am Aufbau der Nummer selbst. Am Beispiel der 13-stelligen ISBN 978-3-86647-856-5 lässt sich ihr Gliederungsprinzip nachvollziehen: Die einleitende Ziffernfolge „978“ markiert den Buchsektor im Feld der allgemeinen EAN-13-Klassifikation (European Article Number). Es folgt die Ländernummer „3“, die den deutschsprachigen Raum kennzeichnet. Die anschließende Verlagsnummer „86647“ identifiziert einen spezifischen Verlag, hier Anaconda. Die darauffolgende Titelnummer „856“ verweist auf eine konkrete Buchpublikation, hier: eine bestimmte Ausgabe des Zauberers von Oz. Die abschließende Prüfziffer kontrolliert nach einem Berechnungsverfahren, in das alle vorangegangenen Ziffern eingehen, ob die Gesamtnummer formal korrekt ist. So übersetzt das ISBN-System den kulturellen Gegenstand ‚Buchpublikation‘ in eine präzise, von Maschinen ebenso lesbare wie von Menschen interpretierbare Struktur, die vor allem dem Warenverkehr, aber auch der bibliographischen Erfassung dient.
Mit Blick auf die Fähigkeit der ISBN, angesichts der vielen Millionen bereits erschienenen und zukünftig erscheinenden Buchtitel jetzt und auf Dauer eine allumfassende und zugleich eindeutige und differenzierte Bestandsregistratur zu gewährleisten, wirft das Beispiel allerdings die Frage auf, ob die festgelegten dreizehn Ziffernpositionen dafür hinreichen. Konkret: Wenn etwa „3“ für „deutschsprachig“ steht, für die Sprache also offenbar nur eine Position mit den zehn möglichen Ziffern „0“ bis „9“ vorgesehen ist, wie bildet sich dann die weltweite Vielfalt von mehreren Tausend Sprachen ab, von denen weitaus mehr als nur zehn sich in gedruckten Büchern finden? Die Antwort liegt in der Variabilität der sogenannten Länder- bzw. Gruppenkennung. Diese ist nicht fest einstellig, sondern kann zwischen einer und fünf Ziffern lang sein. Diese Sektionen stehen teils für einzelne Länder, teils für ganze Sprachräume. So repräsentiert die „2“ den französischsprachigen Raum, während Spanien mit der zweistelligen Ziffer „84“ geführt wird. Je länger diese Gruppenkennung ausfällt, desto kürzer werden dann die – ihrerseits variablen – Verlags- und Titelnummern. Trotzdem bleibt die Gesamtstruktur der ISBN vom Umfang her so konstant und dennoch potentiell allumfassend. – Aileen Derstroff (2026)
Literatur / Quellen:
- ISBN Handbuch. 7. Auflage. London: Internationale ISBN-Agentur 2017.
- Lyman F. Baum. Der Zauberer von Oz. Köln: Anaconda 2012.
