In der als dreistufiger Epochenquerschnitt multi-panoramatisch angelegten Roman-Trilogie Die Schlafwandler findet sich gegen Ende des ersten Teils 1888 – Pasenow oder die Romantik eine zur ‚man‘- bzw. ‚du‘-Form verallgemeinerte Beschreibung eines Kaiserpanorama-Besuchs. Dabei seismografiert Brochs Schilderung nicht nur die sozialen, kommerziellen und (mit Vorschein auf spätere Peepshows) blickscham-politischen Implikationen dieser Medienpraxis, sondern dokumentiert zudem fast wie in einem Wahrnehmungsprotokoll die visuelle, akustische und innerpsychische Ablauffolge – hier einer „Indien“-Reise – bis zur Schließung des Schaukreises. Neben Max Brods Panorama-Abgesang von 1913, Walter Benjamins melancholischer Rückschau aus den 1930ern und H. G. Adlers Panorama-Roman (geschrieben 1948 und von Brochs Erzähltechnik sowie dem Dialog mit diesem angeregt) das wichtigste deutschsprachige literarische Zeugnis zur Rezeptionsgeschichte dieser Medienerfahrung. – Johannes Ullmaier
Literatur / Quellen:
- Broch, Hermann: Die Schlafwandler. Eine Roman-Trilogie [1930/1932], Frankfurt am Main: Suhrkamp 1994, S. 165–169
- Brod, Max: Über die Schönheit häßlicher Bilder. Essays zu Kunst und Ästhetik [1913], Göttingen: Wallstein 2014
- Adler, H. G./Broch, Hermann: Zwei Schriftsteller im Exil. Briefwechsel, Göttingen: Wallstein 2004